{"id":1000,"date":"2020-04-18T11:01:54","date_gmt":"2020-04-18T11:01:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1000"},"modified":"2020-04-18T11:01:56","modified_gmt":"2020-04-18T11:01:56","slug":"katharina-pyschny-sarah-schulz-hg-debating-authority","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1000","title":{"rendered":"Katharina Pyschny \/ Sarah Schulz (Hg.): Debating Authority"},"content":{"rendered":"\n<p>Katharina Pyschny \/ Sarah Schulz (Hg.): <em>Debating Authority. Concepts of Leadership in the Pentateuch and the Former Prophets<\/em>, BZAW 507, Berlin: de Gruyter, 2018, geb., 357\u00a0S., \u20ac\u00a0119,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.degruyter.com\/view\/title\/528742\">978-3-11-054070-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Mit einem grob skizzierten Forschungs\u00fcberblick beschreiben die Herausgeberinnnen, was mit diesem Band und den folgenden B\u00e4nden bearbeitet werden soll: \u201eDebating Authority \u2013 Concepts of Leadership.\u201c Auf knappe und effektive Weise f\u00fchren sie weichenstellende Fragen ein, wie <em>guidance<\/em>, <em>power<\/em>, <em>authority<\/em> und <em>legitimacy<\/em> (1). Die Fragestellung ist also ausgesprochen komplex, stellt eine Herausforderung bei der Definition von Schl\u00fcsselbegriffen dar und er\u00f6ffnet damit ein weites Feld.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sammelband arbeitet dabei mit einer breit angelegten Definition: \u201eLeadership is understood as the <em>power or ability to direct the actions of individuals and groups<\/em>\u201c (4). Diese Leitung erfolgt durch soziale Interaktion und verfolgt damit ein Ziel. Es setzt asymmetrische Beziehungen voraus (also \u00dcber- und Unterordnung) und hat einen \u00f6ffentlichen Charakter (auch wenn es keine institutionalisierte Struktur haben muss). Die Legitimit\u00e4t eines F\u00fchrungsanspruches gr\u00fcndet sich auf Charisma, Gesetz oder g\u00f6ttliche Einsetzung und muss von \u201euntergeordneten\u201c Personen mindestens teilweise anerkannt werden. Die Texte werden als \u201econstrued history\u201c verstanden, verschiedene Konzepte von <em>leadership<\/em> identifiziert, verortet und miteinander ins Gespr\u00e4ch gebracht (5). Die Identifizierung von <em>leadership<\/em> macht sich nicht von Begriffen abh\u00e4ngig, sondern befragt die Texte auf entsprechende Konzepte hin. Ein besonderes Augenmerk wird auf konzeptionelle Ver\u00e4nderungen gerichtet, ob sie nun ausdr\u00fccklich als solche gekennzeichnet werden oder implizit sich vollziehen. Als ob dies aber noch nicht genug an Herausforderung w\u00e4re, finden diese Fragen in der Hebr\u00e4ischen Bibel einen anregenden und vertiefenden Kontext, weil hier Macht- und F\u00fchrungsanspr\u00fcche gerne auf ihre Legitimit\u00e4t hin befragt und kritisch beleuchtet werden. Aktuelle Forschungen besch\u00e4ftigen sich dabei mit der Frage von <em>leadership<\/em> auf dem Hintergrund von soziologischen, literarhistorischen und geschichtlichen Fragen (3).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herausgeberinnen bieten einen kurzen, aber hilfreichen und anregenden, \u00dcberblick \u00fcber wichtige Aspekte in den B\u00fcchern (Gen bis 2K\u00f6nige), die in dem Band behandelt werden. Die gesamte Vielfalt und Breite der Fragestellung wird auf diese Weise anhand von einschl\u00e4gigen Texten und Beobachtungen auf wenigen Seiten gut sichtbar (6\u201315).<\/p>\n\n\n\n<p>Pyschny und Schulz gelingt es mit diesem Sammelband eine wichtige Fragestellung, vielleicht sogar einer der zentralen Fragestellungen des ATs, f\u00fcr den Pentateuch und die sogenannten Vorderen Propheten in seiner Vielfalt und in seiner Bedeutung eindr\u00fccklich vor Augen zu malen. Die Bedeutung liegt sicherlich nicht nur an der Oberfl\u00e4che, wie sie in ihrer Einleitung zurecht vermerken: \u201eAspects of leadership \u2026 are profoundly embedded into the deep structure of the biblical texts\u201c (1). Vielleicht liegt die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung darin, dass (<em>human<\/em>) <em>leadership<\/em> an vielen Stellen in der Hebr\u00e4ischen Bibel eine wichtige Rolle spielt. Die Herausgeberinnen haben wohl recht, wenn sie sagen, dass \u201ethe number of relevant texts is nearly endless\u201c (6). Diese Beobachtung kann m.&nbsp;E. an sich schon zu einem Beitrag anregen und trifft dann auf eine interessante Bemerkung, n\u00e4mlich dass einzelne Aspekte unseres Themas in der Genesis nur auf der Familienebene behandelt werden und mit dem Buch Exodus sich da Wesentliches \u00e4ndert (6). Eine hermeneutische und theologische Reflexion zu diesen Beobachtungen wirkt verhei\u00dfungsvoll. Der Sammelband beginnt mit Oswalds Beitrag zu Exodus und hinterl\u00e4sst damit aber diese L\u00fccke. Aber es ist ein Leichtes bei diesem Thema angesichts seiner Breite und Bedeutung \u201eL\u00fccken\u201c zu finden. Das kann keine Kritik an dem Band sein, sondern soll nur andeuten, dass die vorliegenden Anregungen beim Rezensenten bereits auf fruchtbaren Boden gefallen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Beitr\u00e4ge wie beispielsweise die von Oswald und Berner veranschaulichen eindr\u00fccklich, wie literarhistorische und Fragen nach <em>leadership<\/em> eng miteinander verwoben werden, was f\u00fcr die Behandlung beider Fragestellungen manche Fragen aufwerfen mag.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine aufmerksame Lekt\u00fcre der Beitr\u00e4ge regt nicht nur zum Weiterdenken mit Blick auf die biblischen Texte, den Auslegungen und den Auswertungen der Verfasser der Beitr\u00e4ge an. Immer wieder st\u00f6\u00dft man auf bemerkenswerte Aussagen, die zu weiterf\u00fchrenden Reflexionen herausfordern. So halten die Herausgeberinnen fest, dass \u201eauthority and acting power need to combined in a leader\u201c (14). Warum soll das so sein? Schreiben da ungenannte Voraussetzungen, was erfolgreiche Leitungsverantwortung ausmacht, das Skript?<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich kann man der Aussage, dass \u201ethe legitimacy of leadership claims is (either explicitly or implicitly) linked to YHWH as basis of legitimation\u201c (2), als vereinfachende Regel zustimmen. Es ist bedauerlich, dass diese Regel aber weder in der Einleitung noch in den folgenden Beitr\u00e4gen weiterf\u00fchrend auf ihre Voraussetzung(en) und Folgen hin befragt, erl\u00e4utert oder reflektiert wird. Warum wird beispielsweise keine ethnologische Perspektive diskutiert? Das Thema \u201eSociology of Authority\u201c wird angerissen (3) und auf die Bedeutung von Max Weber f\u00fcr die Diskussion hingewiesen. Weber spielt auch in einigen Beitr\u00e4gen eine wichtige Rolle. Aber damit ist maximal ein Teilgebiet abgedeckt. Vielleicht wird sogar die eine oder andere Teilfrage auf eine falscher Spur gesetzt, da bei vielen Theorien von etablierten Gesellschaften und Institutionen ausgegangen wird. Diese Fragen sollen weniger als (grundlegende) Kritik formuliert werden. Vielmehr unterstreichen sie die Aussagen der Herausgeberinnen in ihrer Einleitung: Es ist schlicht eine komplexe Fragestellung und das Feld ist recht gro\u00df. Vielmehr geht es vor allem darum den Faden aufzunehmen und viele gute Perspektiven und Anregungen weiterzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es angemessen von \u201eKonzepten\u201c von <em>leadership<\/em> zu sprechen, gerade wenn die Begrifflichkeit von Autorit\u00e4t, Macht, Legitimit\u00e4t ineinander \u00fcbergehen? Die breite Definition von <em>leadership<\/em> \u201eas the power or ability to direct the actions of individuals and groups\u201c (4) hilft m.&nbsp;E. nicht, sondern verstellt den Blick auf die vielf\u00e4ltigen Dimensionen. Die Definition reduziert die Fragestellung auf den Aspekt von Entscheidungen und den Taten derer, die unter dem Einfluss von <em>leadership<\/em> stehen. Was meint beispielsweise \u201edirect\u201c in diesem Zusammenhang? Soll damit vielleicht sogar ausgesagt werden, dass man hier eine gewisse Kontrolle hat? Die folgenden Erl\u00e4uterungen reduzieren dieses Problem, da mit \u201eimpact\u201c und der Frage nach der \u201ebasis of legitimation\u201c die Komplexit\u00e4t teilweise umschrieben wird. Aber sie bannen die Gefahr einer Verengung der Fragestellung m.&nbsp;E. nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Also kurz gesagt, mit diesem Band liegt ein bemerkenswert anregendes Buch vor. Man kann nur auf die Beitr\u00e4ge in den folgenden Sammelb\u00e4nden gespannt sein. Dieser erste Band hat sicherlich sein Ziel erreicht: \u201ewe hope that through the diversity and discursivity our volume will spark new critical impulses and, thus, provide a helpful contribution to recent scholarship on leadership concepts in the Enneateuch\u201c (15). Die Leser\/innen sind den Herausgeberinnen zu Dank verpflichtet, dass sie dieses Projekt auf den Weg gebracht und mit diesem Sammelband einen sehr guten Start vorlegt haben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.\u00a0D. (Wheaton College), Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Katharina Pyschny \/ Sarah Schulz (Hg.): Debating Authority. 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