{"id":1003,"date":"2020-04-18T11:50:30","date_gmt":"2020-04-18T11:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1003"},"modified":"2020-04-18T11:50:32","modified_gmt":"2020-04-18T11:50:32","slug":"heinz-josef-fabry-hg-the-book-of-the-twelve-prophets","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1003","title":{"rendered":"Heinz-Josef Fabry (Hg.): The Book of the Twelve Prophets"},"content":{"rendered":"\n<p>Heinz-Josef Fabry (Hg.): <em>The Book of the Twelve Prophets. Minor Prophets \u2013 Major Theologies<\/em>, BETL 295, Leuven: Peeters, 2018, Brosch., 558\u00a0S., \u20ac\u00a0105,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042936126&amp;series_number_str=295\">978-90-429-3612-6<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Heinz-Josef Fabry gelingt es mit diesem Sammelband \u201eThe Book of the Twelve Prophets. Minor Prophets \u2013 Major Theologies\u201c nicht nur einen Berichtsband zum Colloquium Biblicum Lovaniense 2016 vorzulegen, der den Teilnehmern und denen, die nun \u201enur\u201c diesen Band lesen, einen guten \u00dcberblick \u00fcber Fragen zu geben, die bei der Besch\u00e4ftigung mit den zw\u00f6lf kleinen Propheten oder dem sogenannten Zw\u00f6lfprophetenbuch aufbrechen. Seine Einf\u00fchrung in den Sammelband (xi\u2013xxiv) vermittelt auf kompakte Weise einen hilfreichen \u00dcberblick und bietet eine gute Orientierung, welche Beitr\u00e4ge bei der pers\u00f6nlichen Lekt\u00fcre von besonderem Interesse sind. Sie weckt auf jeden Fall Vorfreude auf verschiedene Beitr\u00e4ge, die in ihrer Breite und Vielfalt eine bemerkenswerte Zusammenstellung von wichtigen Perspektiven darstellt. Hier seien nur die sogenannten \u201eMain Papers\u201c zur Veranschaulichung angef\u00fchrt: James D. Nogalski, \u201ePreexilic Portions of the Book of the Twelve. Early Collections and Composition Models\u201c (33\u201351), Aaron Schart, \u201eDas D-Korpus, eine Vorstufe des Zw\u00f6lfprophetenbuches in der Exilszeit\u201c (53\u201378), Burkard M. Zapff, \u201eR\u00fcckschl\u00fcsse aus der Entstehung der Michaschrift auf das Werden des Zw\u00f6lfprophetenbuches\u201c (79\u2013101), Peter Machinist, \u201eNahum as Prophet and as Prophetic Book. Some Reconsiderations\u201c (103\u2013129), Judith G\u00e4rtner, \u201eDie V\u00f6lker und der Tag-JHWHs im Horizont des Jesaja- und des Zw\u00f6lfprophetenbuches\u201c (131\u2013156), Ibolya Balla, \u201eThe Book of Malachi and Wisdom in the Context of the Relationship of Prophetic and Wisdom Literature\u201c (157\u2013182), Jutta Krispenz, \u201eDas Zw\u00f6lfprophetenbuch und die alttestamentliche Weisheit\u201c (183\u2013212), Rainer Kessler, \u201eDie soziale Botschaft des Zw\u00f6lfprophetenbuches\u201c (213\u2013229), Eberhard Bons, \u201eLa Septante du livre d\u2019Amos: Traduction and interpr\u00e9tation\u201c (231\u2013242) und Alberdina Houtman, \u201eHe Will Reveal His Messiah. Messianism in Targum Jonathan to the Twelve\u201c (243\u2013258). Die Redner\/innen der Hauptvortr\u00e4ge wurden ebenso vom Pr\u00e4sidenten bestimmt wie die der Seminare. Kritische Stimmen, die im Anschluss an beispielsweise Ehud Ben Zvi einer Rede von einem Zw\u00f6lfprophetenbuch eher distanziert gegen\u00fcberstehen, kommen in den \u201eMain Papers\u201c (33\u2013258) etwas kurz, finden aber ihren Platz bei den \u201eSeminar Papers\u201c (261\u2013350) und bei den \u201eOffered Papers\u201c (353\u2013530). Diese Gewichtung mag auch damit zusammenh\u00e4ngen, dass der Herausgeber eine Parallele \u201ezum \u00dcbergang der Psalmenexegese zur Psalterexegese,\u201c sieht, \u201ederen wesentliche Initiale vom ehemaligen Pr\u00e4sidenten der CBL Prof. Erich Zenger angeregt worden ist\u201c (xiv) und dr\u00fcckt sich in der Voranstellung von Nogalskis und Scharts Beitr\u00e4ge aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anspruch einen vierfachen Proporz in der Planung zu ber\u00fccksichtigen mag der Quadratur des Kreises gleichkommen: Ausgewogenheit der Sprachgruppen, Geschlechter und Kontinente sowie ein angemessener Raum f\u00fcr den wissenschaftlichen Nachwuchs (xxiv). Deswegen w\u00e4re es zu einfach und unangemessen, einfach anzuf\u00fchren, welche Perspektive h\u00e4tte Raum finden m\u00fcssen, aber in diesem umfangreichen Band dennoch nicht zu Wort kommen. Einige der Beitr\u00e4ge, ihre Zusammenstellung sowie der Sammelband als Ganzes vermitteln auf eine gewisse Weise \u201ethe state of the art\u201c, wenn es um die akademische Diskussion dieser prophetischen Schriften geht. Ich schr\u00e4nke das nur deswegen ein, weil ich mir nicht sicher bin, ob das heute \u00fcberhaupt noch in einem Sammelband gelingen kann, insbesondere wenn man das Ziel eines vierfachen Proporzes vor Augen hat. Im Rahmen dessen, was heute m\u00f6glich erscheint, ist es dem Herausgeber und allen Beteiligten gelungen, die Vielfalt der Forschung am den kleinen Propheten und wesentliche Orientierung vorzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201epresidential address\u201c des Herausgebers \u201e,Gewalt \u00fcber Gewalt\u2018. Die dunklen Seiten Gottes im Zw\u00f6lfprophetenbuch\u201c (3\u201329) l\u00e4dt zu einem neuen Zugang zu Gewalttexten in der Hebr\u00e4ischen Bibel ein, die Fabry rezeptions\u00e4sthetisch unter zwei Leitfragen stellt: \u201eWas macht ein solcher Text mit mir?\u201c und \u201eWorin besteht die so zwingende Leserlenkung eines solchen Textes, der auf die Leserin\/den Leser eine Kraft aus\u00fcbt, die sie\/ihn zwingt, auch die eigene Position zur Gewalt zu bestimmen?\u201c (12ff). Er geht diese Fragen mit der heuristischen These an, dass \u201eTexte im Buch der Zw\u00f6lf (und nicht nur dort), die die Gewalt Gottes darstellen \u2026 inszenierte Texte [sind], die bei der Leserin\/dem Leser ein Erleben (Performanz), d.&nbsp;h. eine bestimmte Empfindung und Wirkung hervorrufen sollen\u201c (14). Die behandelten Beispiele aus Zef 2,4\u201315 (19\u201323) und aus Nah 3,1\u20137 (24\u201327) sind eindr\u00fcckliche Belege f\u00fcr die m\u00f6gliche Wirkung dieser Texte, wenn man sie unter den genannten Fragestellungen betrachtet. Sie bringen damit unter anderem das g\u00f6ttliche Gewaltmonopol zum Ausdruck und \u201elehren uns aber auch, dass das, was uns heute vom Glauben an den einen m\u00e4chtigen Gott abst\u00f6\u00dft, einst in Israel das probate Mittel war, den Glauben an diesen Gott [zu] festigen\u201c (29). Fabry bereitet in gewisser Hinsicht mit seiner Beitrag auch die Seminare von Helmut Utzschneider \u201ePerformanz als Exegese \u2013 Exegese als Performanz am Beispiel von Joel 1\u20132\u201c (261\u2013303) und von Irmtraud Fischer \u201e,Alles andere als zum Lachen\u2018. Das Jonabuch als Anleitung zur Traumatisierungsbew\u00e4ltigung\u201c (305\u2013314) vor, in denen mancher Aspekt vertieft werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Micha, Malachi, Jona und Joel zogen bei den Beitr\u00e4gen besondere Aufmerksamkeit auf sich. Diese Beobachtung mag zuf\u00e4lligen Wert haben, aber sie mag auch auf einige interessante Aspekte verweisen. Sicherlich spielen Nogalskis These von der redaktionsgeschichtlichen Schl\u00fcsselbedeutung von Joel oder Zapffs \u00dcberzeugung, dass Micha ein redaktionsgeschichtlicher und theologischer Orientierungspunkt im Zw\u00f6lfprophetenbuch ist, dabei eine wichtige Rolle. Dar\u00fcber hinaus ist an die reiche intertextuelle Vernetzung an sich denken, die in diesen F\u00e4llen beobachtet werden kann, oder auch an der bemerkenswerten Stellung der B\u00fccher in der Abfolge der zw\u00f6lf B\u00fccher, gerade wenn man die Reihenfolge in der Masoretischen und der Septuaginta-Tradition vor Augen hat. Kurzum, diese kleinen Propheten ziehen aufgrund bisheriger Forschung besondere Aufmerksamkeit auf sich und laden zu weiterem Nachdenken ein, was ihre Auslegung und ihre Bedeutung f\u00fcr das Zw\u00f6lfprophetenbuch angeht, aber vor allem ob und inwiefern diese beiden Dinge zusammenh\u00e4ngen. Wer sich f\u00fcr dieses Zusammenspiel interessiert, dem sei insbesondere Zapffs Beitrag sehr empfohlen. Er hat m.&nbsp;E. eindr\u00fccklich veranschaulicht, dass man Micha nicht unabh\u00e4ngig von anderen Prophetenschriften lesen sollte. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob man all seinen Beobachtungen und Schlussfolgerungen folgt. Die Gesamtschau fordert Leser der prophetischen B\u00fccher heraus, sie in einen \u201egr\u00f6\u00dferen\u201c Kontext zu stellen. Eine Verortung im Zw\u00f6lfprophetenbuch ist sicherlich ein erster Schritt. Allerdings mag die hermeneutische Frage offenbleiben, wie ein solches \u201eLesen zusammen mit\u201c anderen Schriften von einem mehr oder minder immer vorausgesetzten Vorwissen der Rezipienten zu unterscheiden. Aber vielleicht ist eine m\u00f6gliche Antwort auf diese Frage auch gar nicht von weichenstellender Bedeutung f\u00fcr die Lekt\u00fcre der Prophetenschriften.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Besch\u00e4ftigung mit dem Zw\u00f6lfprophetenbuch oder mit einem der kleinen Propheten sollte man diesen Band in die Hand nehmen, ob es sich nun um die Besch\u00e4ftigung mit einzelnen B\u00fcchern geht wie der anregende Beitrag von Machinist zu Nahum oder zu \u00fcbergreifenden Themen wie die methodisch und inhaltlich sehr wertvolle Studie von Kessler zur sozialen Botschaft des Zw\u00f6lfprophetenbuches. Es warten vielf\u00e4ltige, anregende und wegweisende Fragestellungen und Perspektiven auf Leserinnen und Leser.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.\u00a0D. (Wheaton College), Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz-Josef Fabry (Hg.): The Book of the Twelve Prophets. Minor Prophets \u2013 Major Theologies, BETL 295, Leuven: Peeters, 2018, Brosch.,<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":1004,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1003","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1003","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1003"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1003\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1005,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1003\/revisions\/1005"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1003"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1003"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1003"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}