{"id":1016,"date":"2020-04-18T12:07:09","date_gmt":"2020-04-18T12:07:09","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1016"},"modified":"2020-04-18T12:07:11","modified_gmt":"2020-04-18T12:07:11","slug":"joel-clement-gougbadji-der-glaube-an-den-einen-gott-im-johannesevangelium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1016","title":{"rendered":"Joel Clement Gougbadji: Der Glaube an den einen Gott im Johannesevangelium"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joel Clement Gougbadji: <em>Der Glaube an den einen Gott im Johannesevangelium<\/em>, Bibelstudien 22, M\u00fcnster: LIT, 2019, Pb., 237\u00a0S., \u20ac\u00a034,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.lit-verlag.de\/publikationen\/theologie\/72961\/der-glaube-an-den-einen-gott-im-johannesevangelium\">978-3-643-50899-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joel C. Gougbadji ist Pfarrer im westafrikanischen Benin. Das Buch stellt die \u00fcberarbeitete Fassung seiner Dissertation dar, die 2018 an der kath.-theol. Fakult\u00e4t der Karl-Franzens-Universit\u00e4t Graz angenommen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fokus seiner Untersuchung stehen der Begriff des Glaubens im Johannesevangelium sowie die johanneische Rezeption des Alten Testaments und das daraus resultierende Gottesbild. G. geht von der literarischen Einheit des Johannesevangeliums aus und verwendet die Methode der traditionsgeschichtlichen Exegese. Die Besonderheit seiner Forschungsarbeit besteht darin, dass sie das Verst\u00e4ndnis des Glaubens im <em>gesamten<\/em> <em>Evangelium<\/em> sowie das Verh\u00e4ltnis des j\u00fcdischen Monotheismus zur johanneischen Trinit\u00e4t untersucht (13).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach den einleitenden Fragen in <em>1. Kapitel<\/em> (11\u201322) stellt der Verfasser kurze missiologische \u00dcberlegungen an, inwiefern der Befund seiner Forschungsarbeit f\u00fcr die religi\u00f6s angespannte Situation der Bev\u00f6lkerung von Benin einen vermittelnden Beitrag zum Dialog zwischen der christlichen, muslimischen und traditionell-afrikanischen Religion leisten kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <em>2. Kapitel<\/em> (23\u201376) befasst sich G. mit dem statistischen Befund, den syntaktischen sowie semantischen Analysen und den synonymen Begriffen des Verbums \u201eglauben\u201c (\u03c0\u03b9\u03c3\u03c4\u03b5\u03cd\u03c9). Darauf folgen pragmatische Analysen und diachronische Profilierungen. Bei den gleichbedeutenden Begriffen zu \u03c0\u03b9\u03c3\u03c4\u03b5\u03cd\u03c9 hebt G. neben den g\u00e4ngigen Verben \u2013 wie etwa <em>erkennen, schauen<\/em>, <em>h\u00f6ren<\/em> \u2013 die Wendung \u201e<em>ihn aufnehmen<\/em>\u201c (1,12) heraus, um die Beziehung \u201evon Glaube und Soteriologie\u201c anzuzeigen (43). Theologisch ebenso bedeutsam wird am Chiasmus (6,44\u201345) das \u201eunaufl\u00f6sliche Ineinander von g\u00f6ttlichem Ziehen\u201c des Vaters und das \u201emenschliche(n) Sich-Ziehen-lassen bzw. Kommen zu Jesus\u201c dargestellt (45). In den \u201ediachronischen Profilierungen\u201c begr\u00fcndet G. vor allem die \u201ejohanneische Schule\u201c als Verfasserschaft, wobei er mit dem Wir-Stil (Joh 21,24) und der zeitlichen Abfassung der johanneischen Schriften (2\/3\/1Joh-JohEv) argumentiert (70). Zur Verfasserfrage liegen allerdings neuere Forschungen vor, die gut begr\u00fcndet f\u00fcr den Apostel Johannes als Augenzeugen sprechen (Riesner 2019, Bauckham <sup>2<\/sup>2017, Baum 2017 und Schulz <sup>3<\/sup>1997).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <em>3. Kapitel<\/em> (77\u2013215) entfaltet G. \u201eJesus und Gott als Objekte des Glaubens\u201c. Zuerst postuliert er, dass alle Gottesaussagen der johanneischen Theologie auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition beruhen. Dabei beobachtet er zum einen, dass die h\u00e4ufigen Schriftzitate und Anspielungen nicht klar voneinander zu unterscheiden sind, zum andern, dass die Thora \u201eals relevante Quelle f\u00fcr den Christusglauben betrachtet\u201c wird und \u00fcber die Gestalt von Mose zu Christus f\u00fchrt (94). Mit der Analyse der Schriftzitate gelingt es dem Verfasser, Jesus als Ausleger der Schrift vor Augen zu stellen, deren Autorit\u00e4t er unmissverst\u00e4ndlich anerkennt (95).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass G. sodann die alttestamentliche Weisheit mit dem johanneischen Logos in Beziehung setzt, zeigt zwar zahlreiche interessante Vergleichspunkte, tr\u00e4gt aber letztendlich wenig aus, zumal die alttestamentliche Weisheit im vierten Evangelium \u201ekeine titulierte Fixierung\u201c enth\u00e4lt (101). Sowohl die alttestamentliche Weisheit als auch der johanneische Logos werden anschlie\u00dfend religionsvergleichend Philo von Alexandrien und den Aussagen des vierten Evangeliums gegen\u00fcbergestellt. Wichtig ist festzuhalten: Der Logos des Philo ist ein \u201ezweiter Gott\u201c (102), wohingegen das vierte Evangelium die qualitative Einheit in Gott bewahrt, wie sie Joh 1,1 \u03ba\u03b1\u1f76 \u03b8\u03b5\u1f78\u03c2 \u1f26\u03bd \u1f41 \u03bb\u03cc\u03b3\u03bf\u03c2 belegt. Nur hier und in 1,14 wird \u201e\u03bb\u03cc\u03b3\u03bf\u03c2 als Titel f\u00fcr Jesus\u201c (105) verwendet. Es wird deutlich: Die Passage des Prologs \u00fcber den pr\u00e4existenten und inkarnierten Logos beinhaltet die offenbarungstheologischen Kernaussagen des vierten Evangeliums. Gougbadjis Ergebnis des Vergleiches mit Philo k\u00f6nnte zur aktuellen Diskussion, in der zum Teil eine Trennung zwischen Logos und Gott\/Jesus behauptet wird, einen impulsgebenden Beitrag leisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Mitte des dritten Kapitels f\u00fcgt der Verfasser einen <em>Exkurs <\/em>(117\u2013157) ein, in dem er die Mittlerfunktion des Menschensohnes sowohl mit dem \u201e\u2018Abstieg-Aufstiegs-Schema\u2018\u201c als auch mit seiner Erh\u00f6hung am Kreuz verbindet. Auf diese Weise wird der Menschensohn verherrlicht und schl\u00e4gt etwa in Joh 8,28 die Br\u00fccke zu den Ich-bin-Worten Jesu (118f). Zudem pr\u00fcft G. die These der \u201eRede vom Antijudaismus im 4. Evangelium\u201c, der er sich \u2013 gut begr\u00fcndet aus seinem Gesamtbefund der Kritikstellen an \u201eden Juden\u201c \u2013 nicht anschlie\u00dft (145).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick scheinen die Einzelthemen des Exkurses kaum in Beziehung zu stehen. Doch der Verfasser weist plausibel nach, dass der Glaube an den alttestamentlichen Monotheismus der Juden und die Ich-bin-Worte Jesu auf \u201eden Ausgangspunkt der Entwicklung des Gottesnamens\u201c im AT (Ex 3,14) anspielen (122) und beispielsweise in Jes 41,4; 43,10; 48,12; 52,6 rezipiert werden. Die Brisanz der Ich-bin-Worte Jesu liegt in ihrem normativen Anspruch auf \u201eunbedingte G\u00fcltigkeit\u201c (131). Dar\u00fcber hinaus finden sich in diesen Passagen, welche Theologie und Christologie im Johannesevangelium miteinander verbinden, sowohl im laufenden Text als auch in den weiterf\u00fchrenden Anmerkungen anregende exegetische Ausf\u00fchrungen. So zum Beispiel der Hinweis des Verfassers, dass stets dann, wenn Jesus ein Ich-bin-Wort spricht, sich in erster Linie der alleinige Gott mit seinem Wesen und Willen, wie er sich im Alten Bund mitgeteilt hat, nun durch Jesus offenbart (139).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im letzten Drittel (158\u2013222) seiner Arbeit untersucht G. das Verh\u00e4ltnis zwischen Monotheismus und Trinit\u00e4t. Zun\u00e4chst trennt er die Begrifflichkeiten der \u201edogmatischen Trinit\u00e4tstheologie\u201c (Trinit\u00e4t, Person, Wesen, Substanz, usw.), die zur Zeit der Kirchenv\u00e4ter und Konzile auftreten, von den johanneischen Terminologien (Vater, Sohn, Paraklet). Denn im vierten Evangelium geht es nicht nur um Personen, sondern um Relationen, die auch die Glaubenden involvieren (159). Die johanneische Trinit\u00e4t weist \u00fcber 120 Belege zu \u03c0\u03b1\u03c4\u03ae\u03c1 auf, deren Charakteristika darin bestehen, dass der Vater \u00fcberaus eng mit seinem Sohn in Beziehung steht. Dabei handelt es sich um ineinandergreifende Relationen der Liebe und des einheitlichen Wirkens, die stets in Verbindung zu den Menschen gesehen werden (162\u2013166). Dar\u00fcber hinaus begr\u00fcndet G., wie untrennbar die johanneische Sendungschristologie und Pr\u00e4existenzlehre mit der Vater-Sohn-Beziehung verbunden ist: Jesus ist darin als Repr\u00e4sentant des Vaters ganz von ihm abh\u00e4ngig und hat doch vom Vater alle Vollmacht erhalten (166\u2013171).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist die exegetische und theologische Erkl\u00e4rung zum Geist-Parakleten (172\u2013198), in welcher der Verfasser die \u201ejohanneische Relationsbestimmung von Pneumatologie, Christologie und Theologie\u201c begr\u00fcndet (173). Ebenso zieht G. wichtige Verbindungslinien zwischen den alttestamentlichen Geistaussagen als Gottespr\u00e4dikat und Jesus als dem messianischen \u201eTr\u00e4ger und der Quelle des Geistes\u201c (174). Nach\u00f6sterlich vertritt der Paraklet prim\u00e4r nicht Vater und Sohn, sondern besitzt die Aufgabe, \u201ein der johanneischen Gemeinde den Sinn der Christusoffenbarung immer wieder neu zu erschlie\u00dfen. Als Geist der Wahrheit [\u2026] wird er zu einem tieferen Verstehen der Person Jesu Christi f\u00fchren. Dabei bleibt die Offenbarung des Parakleten streng an die Christusoffenbarung gebunden\u201c (181). Schlie\u00dflich weist der Verfasser nach, dass zwischen der dogmatischen und johanneischen Trinit\u00e4tslehre ebenso Unterschiede bestehen wie zwischen dem Monotheismus der Synagoge und dem neuen christologischen Monotheismus. Denn Jesus Christus ist Gottes exklusiver Offenbarer, und die J\u00fcnger sind in die Vater-Sohn-Geist-Parakleten-Beziehung eingeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im letzten Teil der Gesamtarbeit versucht G. in den drei Johannes- und Paulusbriefen und mit drei Beispielen aus der patristischen Literatur eine Gruppe innerhalb des damaligen Judentums als Gegner, und damit Nichtglaubende, zu rekonstruieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Durchgehend setzt der Verfasser den dialogischen Stil mit Fragen und Antworten ein, was das reflektierende Lesen anregt. St\u00f6rend sind dagegen unz\u00e4hlige orthografische und grammatische Fehler (u.&nbsp;a. 28, 38, 67, 86, 111; 118, 130, 220) in Zitaten wie Fu\u00dfnoten (u.&nbsp;a. 109, 110, 146, 147, 156). Ebenso werden die Fu\u00dfnotennummern von 146 bis 152 normal formatiert statt \u00fcber der Textzeile hochgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joel C. Gougbadji ist zu w\u00fcnschen, dass seine wertvollen exegetischen und theologischen Einsichten zum Glauben im vierten Evangelium und seine theologisch stets qualifizierten Schlussfolgerungen zu alttestamentlichen Bez\u00fcgen eine zweite korrigierte Auflage erhalten. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Manfred Baumert, Dozent; Supervisor der University of South Africa<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joel Clement Gougbadji: Der Glaube an den einen Gott im Johannesevangelium, Bibelstudien 22, M\u00fcnster: LIT, 2019, Pb., 237\u00a0S., \u20ac\u00a034,90, ISBN<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":1017,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1016","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1016"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1016\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1018,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1016\/revisions\/1018"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}