{"id":1029,"date":"2020-04-18T12:52:44","date_gmt":"2020-04-18T12:52:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1029"},"modified":"2020-04-18T12:52:45","modified_gmt":"2020-04-18T12:52:45","slug":"ed-shaw-vertrautheit-wagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1029","title":{"rendered":"Ed Shaw: Vertrautheit wagen!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ed Shaw: <em>Vertrautheit wagen! Gemeindebau hautnah. Und wie die Kirche sexuelle Vielfalt biblisch integrieren kann<\/em>, Basel: Fontis-Verlag, 2018, Pb., 192\u00a0S., \u20ac\u00a014,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.fontis-shop.ch\/Vertrautheit-wagen-Gemeindebau-hautnah\">978-3-03848-148-5<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Buch ist ein etwas anderes \u201eComingout\u201c. Der Verfasser ist Ed Shaw, Christ, Pastor der Church of England und seit seiner Pubert\u00e4t homosexuell. Doch Shaw lebt seine sexuelle Orientierung aus theologischen Gr\u00fcnden nicht aus. Und das entgegen landl\u00e4ufiger gesellschaftlicher und mittlerweile teilweise auch kirchlicher Meinung. Das k\u00f6nnen selbst manche engen (christlichen) Freunde nicht nachvollziehen. Er stehe einem \u201ePlausibilit\u00e4tsproblem\u201c (25) gegen\u00fcber, schreibt Shaw. So lautet der Originaltitel des Buches \u201eThe Plausibility Problem\u201c (Nottingham: Inter-Varsity, 2015). Der Verfasser will den biblisch begr\u00fcndeten Lebensstil der Enthaltsamkeit wieder nachvollziehbar machen. Wie? Indem er neun g\u00e4ngige Argumente f\u00fcr ein Ausleben der Homosexualit\u00e4t in theologischer Reflexion als Fehlannahmen (FA) entlarvt. Ehrlich, sensibel und immer wieder mit Humor. Dabei bittet er die Gemeinde um Unterst\u00fctzung. \u201eNicht die Theologie, sondern Menschen scheinen die Antriebskraft hinter der Ablehnung der traditionellen christlichen Ethik zu sein\u201c (21). Es gilt \u201ewas die Bibel klar verlangt, \u2026 wieder plausibel\u201c zu machen (25). Seit seiner Pubert\u00e4t f\u00fchlt sich Ed Shaw zu M\u00e4nnern hingezogen. Warum? Verschiedene Erkl\u00e4rungsmodelle kann er f\u00fcr sich nicht heranziehen. Er \u201eist einfach so\u201c. Freunde sagen ihm, wenn er so geboren sei, k\u00f6nne es doch nicht falsch sein (FA3). Doch nur weil man sie nicht ergr\u00fcnden kann, kann eine Empfindung nicht einfach als gut dargestellt werden. Auch entbindet sie nicht von verantwortlicher Lebensgestaltung, zu der Menschen durch die Gottebenbildlichkeit gew\u00fcrdigt sind. Wir lesen in der Bibel vom S\u00fcndenfall, durch den vieles in der Sch\u00f6pfung und damit auch unserem Leben in ungute Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Fall und seine Folgen l\u00e4sst uns auch unerkl\u00e4rliche Ph\u00e4nomene einordnen, und deshalb sollte dies in christlichen Gemeinden zur Sprache kommen. Nun \u201eist\u201c Shaw \u201ehomosexuell\u201c. Doch die Gleichung \u201eDeine Identit\u00e4t ist deine Sexualit\u00e4t\u201c schl\u00e4gt ebenfalls fehl (FA1). Kein Mensch sollte durch Aspekte seines Lebens definiert werden (z.&nbsp;B. Erfolg, Alkohol, Beruf, Arbeitslosigkeit, Scheidung). Es gilt der Blick des Sch\u00f6pfers: Der Mensch \u201eist\u201c Gottes Ebenbild (in aller Gebrochenheit). Shaw ist nicht zuerst ein Homosexueller. Als Mensch ist er Gottes Ebenbild, als Christ Gottes Kind (Joh 1,12). \u201e[W]as mich in meinem Leben am st\u00e4rksten definiert, ist nicht meine Sexualit\u00e4t, sondern mein Status \u2013 in Christus: als Kind Gottes\u201c (41). Ihm begegnete oft die Einstellung: Ein gottgef\u00e4lliger Christ ist heterosexuell (FA7). Viele Jahre dachte er selbst so, betete um sexuelle Ver\u00e4nderung, die aber nicht eintrat. Ist damit der Wunsch, Gott zu gefallen, pass\u00e9? Anhand Eph 5 legt er dar: Gottgef\u00e4llig bedeutet, nach Christus\u00e4hnlichkeit zu streben. Das will er in allen Bereichen seines Lebens tun. F\u00fcr den sexuellen Bereich bedeutet dies auch, auf jede sexuelle Handlung au\u00dferhalb der Ehe zu verzichten, unabh\u00e4ngig, ob diese hetero- oder homosexuell ist. Shaw glorifiziert seinen alleinstehenden und sexuell enthaltsamen Lebenswandel keineswegs als \u201eeasy going\u201c. Offen schreibt er \u00fcber Reize im Internet, \u00fcber die Anziehungskraft attraktiver M\u00e4nner im Alltag und seine \u201eK\u00fcchenbodenmomente\u201c (81), wenn ihn Traurigkeit und Schmerz \u00fcberfallen, weil er die Erfahrung einer Liebesbeziehung und einer eigenen Familiengr\u00fcndung nicht machen wird. Eine enorme Hilfe ist ihm, die Gemeinde als Familie zu erleben. Denn eine Familie ist nicht nur die sch\u00f6pferisch-biologische Konstellation von Vater, Mutter und Kind (FA2). Die Bibel lehrt uns auch, Familie geistlich zu denken: die Gemeinde. Und so investiert Shaw in intime (lat. intimus: vertraut) Freundschaften zu M\u00e4nnern und Frauen, jungen und alten Menschen in seiner Gemeindefamilie. Bei \u201eintim\u201c denken wir schnell an Erotik und Sex (FA5). Das hat Auswirkungen bis in manche sexuelle Interpretation von 2Sam 1,26. K\u00f6nnen wir nicht (mehr?) anders denken? Doch Vertrautheit ist nicht von Sex abh\u00e4ngig. Wo Gemeinden in famili\u00e4re Beziehungen und tiefe Freundschaften investieren, helfen sie Heterosexuellen wie Homosexuellen, Erfolgreichen wie Gescheiterten, Verheirateten wie Singles. Der Status der Singles werde oft als \u201evor\u00fcbergehendes Problem\u201c gebrandmarkt, \u201edas gl\u00fccklicherweise von der Ehe gel\u00f6st wird\u201c (145, FA8). Doch der Theologe zeigt mit R\u00fcckbezug auf 1Kor 7, dass dieses Single-Branding weder im hetero- noch im homosexuellen Bereich angebracht ist. Schon gar nicht in der Gemeinde. Ist er \u201egl\u00fccklich\u201c? Um gl\u00fccklich zu sein, so denken viele, muss Leiden umgangen werden (FA9). Doch er reflektiert, dass er an seinem \u201eLeiden\u201c der sexuellen Orientierung und seiner Entscheidung, diese nicht auszuleben, charakterlich und geistlich auch gewachsen ist. Hat Gott aus dieser Schw\u00e4che des S\u00fcndenfalls (Kapitel 5) in anderen Lebensbereichen etwas Gutes gemacht (vgl. Gen 50,20)? Oder geh\u00f6rt sie gar zu Gottes Plan f\u00fcr Shaws Leben? Beides klingt an. Hier h\u00e4tte ich mir mehr Klarheit gew\u00fcnscht. Die Antwort auf diese Frage hat doch Auswirkungen bis ins Gottesbild hinein. Gl\u00fcck wurde jedenfalls als subjektiv definiertes Empfinden gesellschaftlich zur h\u00f6chsten Autorit\u00e4t erkl\u00e4rt (FA4). Der Pastor pl\u00e4diert f\u00fcr eine neue Autorit\u00e4t. Und das ist die alte: Gott selbst! Sein Wille macht gl\u00fccklich. Das mag manchmal \u201ezeitlich begrenztes Ungl\u00fccklichsein\u201c (92) bedeuten, aber dauerhaftes Gl\u00fcck findet man nur im Gehorsam gegen\u00fcber Gottes Willen (Ps 19,8\u201312). Zu diesem geh\u00f6rt die klare Hinordnung der Ehe auf Mann und Frau. Hinsichtlich ihrer W\u00fcrde des Menschseins und ihres Status als Gottes Ebenbilder sind Mann und Frau gleich. Wer daraus jedoch eine grunds\u00e4tzliche Austauschbarkeit der Geschlechter macht, interpretiert fehl (FA6). Von Genesis (Adam \u2013 Eva) bis zur Offenbarung (Jesus \u2013 Gemeinde) bleibt die Verschiedenheit bestehen. Im Sch\u00f6pfungsbericht lesen wir von der Polarit\u00e4t von Mann und Frau, die allein aufgrund des Sch\u00f6pfungsauftrages plausibel ist. Wenn Gott die Beziehung zu seinem Volk als Ehe beschreibt (Hesekiel u.&nbsp;a.), ist und bleiben Gott und sein Volk unterschiedlich und nicht austauschbar. Und so ist es auch in der Offenbarung: Jesus ist der Br\u00e4utigam und die Gemeinde die Braut. F\u00fcr Shaw ist dies ein trostvolles und kraftvolles Argument, seinen Weg der Enthaltsamkeit zu leben. \u201eDie ganze Menschheitsgeschichte ist blo\u00df der Weg zum Altar!\u201c (117). Und bei diesem Hochzeitsfest heiratet dann auch er!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Seite 187 werden theologische und seelsorgerliche Literaturempfehlungen genannt. Die knapp 60 Fu\u00dfnoten mit Quellenangaben, Erkl\u00e4rungen, weiterf\u00fchrenden Informationen auf Webseiten oder in B\u00fcchern befinden sich im Anhang des Buches (188\u2013192). Ein verst\u00e4ndlich geschriebenes, klar strukturiertes und zum Nachdenken anregendes Buch. Es gibt wertvolle geistliche Impulse f\u00fcr die christliche Gemeindekultur und ein auf Christus ausgerichtetes Leben, auch unabh\u00e4ngig von der sexuellen Orientierung und auch auf andere Lebensbereiche anwendbar. Ein \u201eComingout\u201c, das Respekt verdient und geh\u00f6rt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Michael Schwantge, Gemeinschaftspastor in Oppenheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ed Shaw: Vertrautheit wagen! Gemeindebau hautnah. 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