{"id":1043,"date":"2020-04-18T13:07:30","date_gmt":"2020-04-18T13:07:30","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1043"},"modified":"2020-04-18T13:07:32","modified_gmt":"2020-04-18T13:07:32","slug":"udo-straeter-johannes-wallmann-in-zusammenarbeit-mit-claudia-drese-klaus-vom-orde-hg-philipp-jakob-spener-briefe-aus-der-frankfurter-zeit-1666-1685","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1043","title":{"rendered":"Udo Str\u00e4ter \/ Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Claudia Drese \/ Klaus vom Orde (Hg.): Philipp Jakob Spener, Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666\u20131685"},"content":{"rendered":"\n<p>Udo Str\u00e4ter \/ Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Claudia Drese \/ Klaus vom Orde (Hg.): <em>Philipp Jakob Spener, Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666\u20131685. Band 6: 1682\u20131683<\/em>, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2019, Ln., XXXIII+924\u00a0S., \u20ac\u00a0209,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/briefe-aus-der-frankfurter-zeit-1666-1686-9783161566790?no_cache=1\">978-3-16-156679-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Briefe Philipp Jakob Speners (1635\u20131705) aus seiner Frankfurter (1666\u20131686), Dresdner (1686\u20131691) und Berliner Zeit (1691\u20131705) sind l\u00e4ngst als wichtige Quellen f\u00fcr die Anf\u00e4nge des lutherischen Pietismus und dessen Ausbreitung sowie f\u00fcr das pietistische Netzwerk anerkannt. Der hier zur Besprechung vorliegende sechste Band der Edition der Briefe aus Speners Frankfurter Zeit enth\u00e4lt 203 Briefe aus den Jahren 1682\u20131683; zwei weitere Briefb\u00e4nde zur Frankfurter Zeit werden noch folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der bereits vorliegenden Editionsb\u00e4nde ist es an dieser Stelle kaum n\u00f6tig, Anlage und Aufbau des Bandes zu besprechen. Wie in den vorausgehenden B\u00e4nden sind die Briefe nach einem klaren Schema sehr gut erschlossen und ediert. Nach Vorwort (Udo Str\u00e4ter) und Einleitung (Klaus vom Orde) sowie Abk\u00fcrzungen und Siglen von Quellen und Literatur wird die Edition jedes Briefs eingeleitet mit Angaben zu Adressat, Abfassungsort und -zeit, Inhalt und \u00dcberlieferung. Zwei Anmerkungsapparate, Textvarianten und Kommentar, erg\u00e4nzen die Edition der deutsch- und lateinischsprachigen Briefe. Besonders hilfreich ist der Kommentar, der (wie gewohnt) nicht nur Informationen zum Adressaten des Briefs und den darin erw\u00e4hnten Personen liefert, sondern auch Bibelstellen nennt, Wort- und Begriffserkl\u00e4rungen bietet, die Volltitel zeitgen\u00f6ssischer Quellen und Hinweise zur Forschungsliteratur erg\u00e4nzt. Hier zeigt sich die gro\u00dfe Leistung der Editoren, und nur ganz vereinzelt kommt es zu kleinen Irritationen des Lesers, wo sich Erkl\u00e4rungen wortgleich wiederholen (z.&nbsp;B. \u201eEpikur\u00e4er\u201c, 244 Anm.&nbsp;9 und 336 Anm.&nbsp;28) oder z.&nbsp;B. die \u201eVerurteilung der Protestanten durch das Konzil von Trient (1545\u20131563)\u201c etwas irref\u00fchrend mit der \u201eBulle exsurge domine\u201c, der Bannandrohungsbulle vom Juni 1520, belegt wird (234 Anm.&nbsp;9). Im Anschluss an die Edition folgen ein Verzeichnis der Fundorte (893\u2013896) sowie umfangreiche Register zu Personen, Orten und Bibelstellen (897\u2013924).<\/p>\n\n\n\n<p>Von den 203 Briefen stammen 113 aus dem Jahr 1682, weniger also aus dem nachfolgenden Jahr 1683, was vermutlich zwei Gr\u00fcnde hatte: Spener hatte im Fr\u00fchjahr 1683 eine l\u00e4ngere Krankheitsphase zu erleiden und verfasste zudem im Winter 1682\/83 die umfangreiche Schrift \u201eEvangelische Glaubensgerechtigkeit\u201c, seine fast 1600 Seiten umfassende Darlegung der lutherischen Rechtfertigungslehre. Beides spiegelt sich in seinen Briefen wider, die einen bisher noch wenig bekannten Einblick in die sp\u00e4teren Frankfurter Jahre Speners geben. Zwar begegnen dem Leser viele Korrespondenzpartner Speners aus den vorausgehenden Jahren wieder, aber im Jahr 1682 korrespondiert Spener z.&nbsp;B. erstmals mit Freiherr Nicolaus von Gersdorf, dem Gro\u00dfvater von Nikolaus von Zinzendorf. Theologisch musste Spener in dieser Zeit seine eigene Rechtgl\u00e4ubigkeit und die der pietistischen Bewegung verteidigen und sich zugleich mit separatistischen Tendenzen in seinem Frankfurter Freundeskreis auseinandersetzen. Speners Briefe zeigen aber auch, dass ihn die Geschehnisse in Europa, insbesondere die Gefahr eines politischen Katholizismus im Elsass und in der Stadt Stra\u00dfburg, seit 1681 unter franz\u00f6sischer (katholischer) Vorherrschaft, besch\u00e4ftigten. Auch das Verh\u00e4ltnis zu den Juden ist ein wiederkehrendes Thema der Briefe aus diesen beiden Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas alles \u00fcberragende und in alle Teilaspekte hineinragende Thema Speners ist die \u201aVerbesserung der wahren evangelischen Kirche\u2018\u201c (Klaus vom Orde, XV), wie er sie in den <em>Pia Desideria<\/em> (1675) gefordert hatte. In dieser Perspektive lassen sich die vielen Themen, die Spener in den Briefen anspricht, als zusammengeh\u00f6rig verstehen: systematisch-theologische Fragen (Rechtfertigung und Heiligung, biblische Hermeneutik, Kontroverstheologie) und Fragen zur kirchlichen Praxis (Taufe, Abendmahl, kirchliche Trauung, Beichte, Konfirmation), Fragen zur Besetzung von Pfarrstellen und theologischen Professuren, seelsorgerliche Ermahnungen, Ratschl\u00e4ge und Lekt\u00fcre-Empfehlungen f\u00fcr Amtsbr\u00fcder und Theologiestudierende, aber auch seine Haltung zum G\u00f6rlitzer Mystiker Jakob B\u00f6hme, zur Pest und zu den Juden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Themen aus der kirchlichen Praxis sollen exemplarisch herausgegriffen werden, da sie das Bild des Pietismus nachhaltig pr\u00e4gten: die <em>Collegia pietatis<\/em> und der Katechismusunterricht. Bereits seit 1670 gab es das Frankfurter <em>Collegium pietatis<\/em> als Versammlung in den privaten R\u00e4umen Speners. Im Fr\u00fchjahr 1682 erhielt Spener die Erlaubnis, das <em>Collegium<\/em> \u00f6ffentlich in der Frankfurter Barf\u00fc\u00dferkirche zu halten, was Spener freudig begr\u00fc\u00dfte: \u201enun [hat] nach meinem vierj\u00e4hrigen verlangen hiesiger Rath ihren Obrigkeitlichen consens dazu gegeben, da\u00df ich k\u00fcnfftig mein in dem hau\u00df gehaltenes collegium d\u00fcrffe in offentlicher kirche halten [&#8230;] Dem Herrn seye danck\u201c (Brief an Herzogin Sophie Elisabeth von Sachsen-Zeitz, 24.&nbsp;M\u00e4rz 1682, Nr.&nbsp;29, Z.&nbsp;111\u2013114). In mehreren Briefen erw\u00e4hnt er nicht nur die Verlegung des <em>Collegiums<\/em> in die \u00d6ffentlichkeit, sondern auch, dass er in Frankfurt nun weitere <em>Collegia<\/em> f\u00fcr Studenten plane und sich auch in Essen ein <em>Collegium pietatis<\/em> konstituiert habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Instrument zur Verbesserung der Kirche lag Spener ebenso der Katechismusunterricht vor Konfirmation und Abendmahlsteilnahme am Herzen. Daf\u00fcr legt Spener in mehreren Briefen dar, wie er selbst in Frankfurt den Unterricht gestaltet, und verfasst auch einen Stoffplan in 95 Einheiten als Unterrichtshilfe (<em>Tabulae Catecheticae<\/em>). Speners Anliegen war es, dass die (jungen) Menschen nicht nur den Katechismus auswendig lernen (<em>recitare<\/em>), sondern auch theologisch verstehen sollten: \u201eut non verba solum nostra recitare, sed res ipsas intelligere discant auditores\u201c (Brief Nr.&nbsp;34, Z.&nbsp;39f), wie er am 11.&nbsp;April 1682 gegen\u00fcber Johann Heinrich Schellenbaur, zu dieser Zeit Erster Diaconus der Stuttgarter Stiftskirche, betonte.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Briefe sehr gut, v.\u00a0a. durch den Kommentar im zweiten Apparat, aufbereitet sind, ist der Band doch allein seines Umfangs, Gewichts und Preises wegen kein Leseband, sondern ein Studienbuch und eine Edition, die wissenschaftlich am Pietismus Interessierte ansprechen wird. Doch auch wer nur Aussagen Speners zu einem bestimmten Thema oder einer konkreten Person, wie z.\u00a0B. Jakob B\u00f6hme, sucht, wird dank der ausf\u00fchrlichen Register schnell f\u00fcndig. Einsteiger in die Spener-Briefe seien noch auf die von Markus Matthias herausgegebenen Leseb\u00e4nde in der Edition Pietismustexte (Die Anf\u00e4nge des Pietismus in seinen Briefen, 2016; Nicht von dieser Welt? Positionen eines Pietisten, 2019) hingewiesen. F\u00fcr die Kenner ist zu erg\u00e4nzen, dass Band 7 der Edition, die Briefe aus den Frankfurter Jahren 1684\u20131685, j\u00fcngst erschienen ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Str\u00e4ter \/ Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Claudia Drese \/ Klaus vom Orde (Hg.): Philipp Jakob Spener, Briefe aus<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":1044,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1043","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-historische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1043","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/21"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1043"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1045,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1043\/revisions\/1045"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}