{"id":1049,"date":"2020-04-18T13:13:02","date_gmt":"2020-04-18T13:13:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1049"},"modified":"2020-04-18T13:13:03","modified_gmt":"2020-04-18T13:13:03","slug":"udo-straeter-in-zusammenarbeit-mit-claudia-neumann-hg-philipp-jakob-spener-briefwechsel-mit-adam-rechenberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1049","title":{"rendered":"Udo Str\u00e4ter in Zusammenarbeit mit Claudia Neumann (Hg.): Philipp Jakob Spener, Briefwechsel mit Adam Rechenberg"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Udo Str\u00e4ter in Zusammenarbeit mit Claudia Neumann (Hg.): <em>Philipp Jakob Spener, Briefwechsel mit Adam Rechenberg. Band 1: 1686\u20131689<\/em>, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2019, Ln., XXXVI+736\u00a0S., \u20ac\u00a0199,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/briefwechsel-mit-adam-rechenberg-9783161566783?no_cache=1\">978-3-16-156678-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gro\u00dfe Projekt der Edition der Spenerschen Briefe ist mit dem vorliegenden Band um einen besonderen Briefwechsel erweitert, die Korrespondenz zwischen Philipp Jakob Spener (1635\u20131705) und Adam Rechenberg (1642\u20131721), Professor an der Universit\u00e4t Leipzig und seit Herbst 1686 auch Speners Schwiegersohn. Knapp 1150 (erhaltene) Briefe haben beide in den Jahren 1686 bis 1704 gewechselt, davon ca. 700 von Spener an Rechenberg und mehr als 400 von Rechenberg an Spener. Damit ist dieser Briefwechsel nicht nur die umfangreichste Korrespondenz, die Spener mit einer Person f\u00fchrte, sondern sie bietet auch einen bedeutsamen Einblick sowohl in Speners private Angelegenheiten als auch in sein kirchliches Wirken als Oberhofprediger in Dresden und sp\u00e4ter als Propst in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher lagen die Briefe als Autografen in der Leipziger Universit\u00e4tsbibliothek vor. Mit der mit diesem Band begonnenen, auf sechs B\u00e4nde angelegten Edition werden sie nun einem gr\u00f6\u00dferem Fachpublikum zug\u00e4nglich gemacht. Im ersten Band sind 199 Briefe aus den Jahren 1686\u20131689 ver\u00f6ffentlicht mit einer Besonderheit: F\u00fcr diese Jahre liegen bis auf einen Brief nur die Briefe Speners vor, nicht die Rechenbergs. Der Aufbau des Bandes entspricht weitgehend dem Aufbau der bisherigen Spener-Briefb\u00e4nde: Der Edition vorangestellt sind eine knappe, hilfreiche Einleitung (von Claudia Neumann), editorische Vorbemerkungen und Hinweise zu Abk\u00fcrzungen und Siglen (XIII\u2013XXXVI); nachgestellt finden sich Register der Personen, Orte und Bibelstellen (715\u2013736). Die Briefe werden in chronologischer Abfolge und ungek\u00fcrzt abgedruckt mit vorangestelltem Regest, \u00dcberlieferungshinweis, textkritischem Apparat und umfangreichen kommentierenden Anmerkungen. Der Bearbeiterin Claudia Neumann geb\u00fchrt f\u00fcr die klaren Inhaltsangaben und v.&nbsp;a. die Erl\u00e4uterungen von Personen, Orten, Zitaten, Sachverhalten und zeitgen\u00f6ssischen Buchtiteln h\u00f6chstes Lob und gro\u00dfe Anerkennung. Diese Erl\u00e4uterungen machen viele Briefe erst verst\u00e4ndlich, waren doch Spener und Rechenberg mit ihrem jeweiligen Thema vertraut und bedienten sich nicht nur eines \u201eTelegrammstils\u201c (XIII), sondern erw\u00e4hnten z.&nbsp;B. auch ihnen beiden bekannte Personen oft nur mit Vornamen oder abgek\u00fcrzt oder verzichten auf die Namensnennung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was darf inhaltlich von diesem Briefwechsel erwartet werden? Auch wenn sich hier Schwiegervater und (k\u00fcnftiger) Schwiegersohn schreiben, so ist die pers\u00f6nliche Seite, das private Leben im Haushalt Speners in Dresden und Rechenbergs in Leipzig, nur ein Aspekt. Vor allem korrespondieren hier zwei Akademiker und Theologen, die beide wichtige \u00f6ffentliche \u00c4mter im Kurf\u00fcrstentum Sachsen bekleiden. Der Dresdner Oberhofprediger Spener und Rechenberg, Professor f\u00fcr Griechisch, Lateinisch und Historische Wissenschaften (ab 1699 Professor der Theologie) an der Leipziger Universit\u00e4t und zeitweise deren Rektor, tauschen sich mit wachsender Vertrautheit und Intensit\u00e4t (14 Briefe im Jahr 1686, 77 Briefe im Jahr 1689) \u00fcber \u201eFragen der Personal-, Kirchen- und Universit\u00e4tspolitik wie auch das Wirken Speners am Dresdner Hof\u201c (XV) und \u00fcber vielf\u00e4ltige theologische und kirchenpolitische Konflikte in diesen Jahren aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die private, h\u00e4usliche Seite des Briefwechsels steht z.&nbsp;B. Speners Brief vom 10.&nbsp;August 1686, in der er Rechenberg \u00fcber das Z\u00f6gern seiner \u00e4ltesten Tochter Susanna Katharina (1665\u20131726) angesichts des Heiratsantrags von Rechenberg informiert (Brief Nr.&nbsp;2). Als Grund nennt Spener die Entfernung zwischen Susannas Elternhaus in Dresden und Leipzig. Seine Tochter stimmte nach kurzem Z\u00f6gern jedoch der Heirat zu und verm\u00e4hlte sich im Oktober 1686 mit dem 23 Jahre \u00e4lteren Rechenberg, f\u00fcr den es nach dem Tod von drei Ehefrauen die vierte Eheschlie\u00dfung war. Sp\u00e4tere Briefe erw\u00e4hnen das Einleben Susanna Katharinas in Leipzig, ihre beschwerliche Schwangerschaft und gegenseitige Besuche. Kirchenpolitische Aspekte des Briefwechsels sind z.&nbsp;B. der Versuch Speners, auf den fr\u00fchaufkl\u00e4rerischen Juristen Christian Thomasius (1655\u20131728) m\u00e4\u00dfigend Einfluss zu nehmen, wozu er auch seinen Schwiegersohn Rechenberg auffordert (Brief Nr.&nbsp;85), der zuvor in zweiter Ehe mit einer Schwester von Thomasius verheiratet gewesen war. Auch das schwierige Verh\u00e4ltnis zwischen Spener und dem Kurf\u00fcrsten im Jahr 1689 (Brief Nr.&nbsp;136) und die pietistischen Unruhen in Leipzig (Brief Nr.&nbsp;167) werden ausf\u00fchrlich angesprochen. Angesichts der Leipziger Unruhen spricht Spener auch die \u201ealtbekannte\u201c Bezeichnung als Pietisten an: \u201ePietistarum vetus nomen est\u201c (Brief Nr.&nbsp;162, Z.&nbsp;3). Spener hatte diesen Begriff in einem Brief 1680 als gegnerische, negativ konnotierte Bezeichnung abgelehnt und steht ihr auch 1689 noch kritisch gegen\u00fcber (Brief Nr.&nbsp;166), als sich im Kontext der Leipziger Unruhen die Bezeichnung \u201ePietisten\u201c f\u00fcr die Bewegung um August Hermann Francke und seine erbaulichen <em>Collegia<\/em> zu etablieren beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese wenigen inhaltlichen Hinweise zeigen, dass der Briefwechsel Spener-Rechenberg ein bedeutendes Quellenkonvolut ist und bereits die ersten Briefe aus der Fr\u00fchphase der Korrespondenz (1686\u20131689) vielfache, auch neue Einblicke geben in Speners Dresdner Zeit und ebenso in das noch wenig erforschte Wirken Adam Rechenbergs. Indem die Briefe Leben und Wirken, Theologie und Denken sowie Netzwerke Speners und Rechenbergs erhellen, sind sie eine wichtige Quelle f\u00fcr die Pietismus- und Aufkl\u00e4rungsforschung, f\u00fcr die Kirchen- und Wissenschaftsgeschichte des 17.\u00a0Jahrhunderts und nicht zuletzt f\u00fcr die Geschichte des Kurf\u00fcrstentums Sachsen. Die angek\u00fcndigten noch folgenden f\u00fcnf Editionsb\u00e4nde versprechen weitere neue Erkenntnisse und Einsichten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Str\u00e4ter in Zusammenarbeit mit Claudia Neumann (Hg.): Philipp Jakob Spener, Briefwechsel mit Adam Rechenberg. 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