{"id":1052,"date":"2020-04-18T13:17:46","date_gmt":"2020-04-18T13:17:46","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1052"},"modified":"2020-04-18T13:17:47","modified_gmt":"2020-04-18T13:17:47","slug":"erich-bryner-hg-den-wahren-gott-recht-erkennen-und-anrufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1052","title":{"rendered":"Erich Bryner (Hg.): \u201eDen wahren Gott recht erkennen und anrufen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Erich Bryner (Hg.): <em>\u201eDen wahren Gott recht erkennen und anrufen\u201c. Der \u00e4lteste Schaffhauser Katechismus von Johann Konrad Ulmer 1568\/69<\/em>, mit einem Beitrag von Jan-Andrea Bernhard, Z\u00fcrich: TVZ, 2019, Pb., 198\u00a0S., \u20ac\u00a023,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.tvz-verlag.ch\/buch\/den-wahren-gott-recht-erkennen-und-anrufen-9783290182052\/?page_id=1\">978-3-290-18205-2<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Ein Katechismus ist ein Gebrauchsbuch (vgl. 167), das seit den Zeiten der Reformation Grundz\u00fcge der evangelischen Lehre in der Sprache der Zeit einpr\u00e4gen und einen selbst\u00e4ndigen Glauben im Herzen entz\u00fcnden und f\u00f6rdern soll. Wenn aber ein solcher Katechismus nach 450 Jahren neu herausgegeben wird, wem soll diese Neuedition dienen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage wird durch den Inhalt des Buchs beantwortet: Im 16. Jahrhundert wurde mit dem Katechismus Lesen und Schreiben gelernt (9). So sind diese unscheinbaren kleinen B\u00fccher nicht nur erste Summarien des evangelischen Glaubens, sondern auch wichtige Dokumente der lokalen Schulbuchgeschichte. Wenn ein Katechismus wie der vorliegende dreiundsiebzig Jahre lang in verschiedenen Auflagen gebraucht und erst 1642 vom Heidelberger Katechismus abgel\u00f6st wurde, dann haben sie eine besondere Bedeutung f\u00fcr die Kirchen und Schulen der Stadt und der Landschaft Schaffhausen, in der er benutzt wurden: \u201eSie dienten auch dem Unterricht im Lesen und Schreiben und d\u00fcrften somit gleichzeitig die \u00e4ltesten noch erhaltenen Schaffhauser Schulb\u00fccher sein\u201c (9).<\/p>\n\n\n\n<p>Den einleitenden Abschnitt des Buchs \u00fcber den Katechismus als protestantische \u201eLaienbibel\u201c hat Privatdozent Pfr. Dr. Jan-Andrea Bernhard, Reformationsexperte und Titularprofessor an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich, verfasst (12\u201325). In Verbindung mit der im Schulunterricht verwendeten Abecedarien beginnt die Katechismusgeschichte in den deutschsprachigen L\u00e4ndern (12\u201319). Besonders die Katechismen von Luther, Jud und Brenz wirken sich auf ganz Europa aus, doch d\u00fcrfen auch die oberdeutschen Texte und Werke in der Tradition Calvins nicht vernachl\u00e4ssigt werden (20). Durch die \u201eLaienbibeln\u201c wurde der evangelische Glaube im Volk verbreitet. Bernhard versteht sie deshalb auch als einen Wegbereiter der Konfessionalisierung des europ\u00e4ischen Protestantismus im 16. Jahrhundert (25).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herausgeber Erich Bryner stellt den Katechismustexten einen kurzen Lebenslauf mit theologischen Schwerpunkten des Schaffhauser Reformators Johann Konrad Ulmer (1519\u20131600) voran (26\u201337). Der geb\u00fcrtige Schaffhausener wirkte nach theologischen Studien in Basel, Stra\u00dfburg (Bucer, Calvin) und Wittenberg (Luther, Melanchthon) zuerst 22 Jahre lang in Lohr am Main und wechselte 1566 in seine Heimatstadt \u2013 nicht ohne vorher seine Rechtgl\u00e4ubigkeit in der Abendmahlsfrage auf der Basis des Consensus Tigurinus dargelegt zu haben (32\u201337). In Schaffhausen versah er drei\u00dfig Jahre lang bis ins hohe Alter verschiedene kirchliche \u00c4mter (30). Vom Schaffhauser Abendmahlsgespr\u00e4ch zeugt der erste, bisher ungedruckte Ulmer-Text \u201eKatechetische Fragen und Antworten zum Abendmahl\u201c (38\u201340) mit einem knappen Kommentar des Herausgebers (41f).<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf folgt der eigentliche Katechismus (\u201eKinderbericht\u201c) von 1568 (43ff) mit einer Einleitung \u00fcber den Schaffhauser Katechismusstreit (49\u201363); dem lateinischen (\u201eBrevis et succinta, syncera tamen Catechismi forma, in usum parvulorum Christi conscripta, in schola et ecclesia Scaphusiana\u201c, 64\u201373) sowie dem deutschen Text (\u201eSummarischer Und in Gottes Wort gegr\u00fcndter Kinderbericht, f\u00fcr einf\u00e4ltige Hausv\u00e4tter und Kinder in Fraag und Antwort gestellet\u201c, 74\u201388, Kommentar 89\u2013102). Ulmer wollte mit seinem Amtsantritt in Schaffhausen 1566 den Katechismusunterricht wieder aufnehmen, denn die ihm noch bekannte Kinderlehre nach dem Anhang zu Leo Juds K\u00fcrzerem Katechismus (\u201eDies sind Fragen f\u00fcr die gar jungen Kinder\u201c) war inzwischen eingeschlafen (45). Ulmers Katechismustext f\u00fchrte jedoch zu einem theologischen Streit, weil er angeblich in der Abendmahlsfrage unklar blieb und sprachlich zu hochdeutsch klang (50f). Als Kompromissl\u00f6sung entstand eine zusammengearbeitete Druckfassung, in der Ulmers Text bis auf das Kapitel \u00fcber das \u201eSchl\u00fcsselamt\u201c \u00fcbernommen (vgl. 149) und mit l\u00e4ngeren Passagen aus Leo Juds \u201eFragen\u201c erg\u00e4nzt wurde (59). Heinrich Bullinger stimmte dem Inhalt zu und brachte ihn pers\u00f6nlich zum Druck in die Offizin von Christoph Froschauer (60f).<\/p>\n\n\n\n<p>Der gedruckte katechetische Konsenstext von 1569 ist das umfangreichste Dokument des Bandes (103\u2013142), die aus Leo Juds Vorlage \u00fcbernommenen Abschnitte sind durch Kursivdruck kenntlichgemacht. Nicht nur Beispielgebete, sondern auch Chor\u00e4le zu den Katechismusthemen (121\u2013142) sind den klassischen Hauptst\u00fccken in einem Anhang beigegeben worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Herausgeber Erich Bryner legt in seinem Kommentar (143\u2013165) Wert darauf, dass das von Ulmer gedichtete Lied \u00fcber das \u201eSchl\u00fcsselamt\u201c gedruckt wurde, auch wenn der entsprechende Abschnitt keinen Eingang in den Katechismustext fand (162f).<\/p>\n\n\n\n<p>An den Kommentar schlie\u00dfen sich Informationen zu den Katechismusdrucken von 1579, 1591 und 1596 an (166\u2013172). Der Liedteil entfiel, weil es jetzt ein separates Schaffhauser Gesangbuch gab (166). In den au\u00dfergew\u00f6hnlich kalten und unfruchtbaren Jahren der \u201eKleinen Eiszeit\u201c gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurden zus\u00e4tzlich Gebete aufgenommen (167\u2013170). \u00dcberlegungen zu den katechetischen Elementen in den Schaffhauser Gesangb\u00fcchern von 1579 und 1596 (173\u2013180) zum Sprachproblem in Ulmers Katechismustexten und seinen sechs weiteren \u00dcbersetzungen (181\u2013190) sowie eine Zusammenfassung (191\u2013197) beschlie\u00dfen den Band.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem Frank Jehle 2017 den St. Galler Katechismus von 1527 neu herausgegeben hat, ist diese Edition des Schaffhauser Katechismus von 1568\/69) ein wertvoller Beitrag zur Geschichte des kirchlichen Unterrichts in der evangelischen Schweiz. Vielleicht hofft nicht nur der Rezensent, dass durch diese Ver\u00f6ffentlichung die katechetische Praxis neuen Aufwind erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erich Bryner (Hg.): \u201eDen wahren Gott recht erkennen und anrufen\u201c. 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