{"id":1062,"date":"2020-04-18T13:30:19","date_gmt":"2020-04-18T13:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1062"},"modified":"2020-04-18T13:30:21","modified_gmt":"2020-04-18T13:30:21","slug":"frank-hinkelmann-evangelikal-in-deutschland-oesterreich-und-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1062","title":{"rendered":"Frank Hinkelmann: Evangelikal in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz"},"content":{"rendered":"\n<p>Frank Hinkelmann: <em>Evangelikal in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz; Ursprung, Bedeutung und Rezeption eines Begriffs<\/em>, Bonn: VKW, 2017, Pb., 168\u00a0S., \u20ac\u00a012,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/evangelikal-in-deutschland-oesterreich-und-schweiz.html\">978-3-86269-141-8<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Frank Hinkelmann ist als Autor zahlreicher Fachb\u00fccher, als Rektor des Martin-Bucer-Seminars Bonn, als leitender Mitarbeiter von OM International und als Pr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Evangelischen Allianz bekannt. In der vorliegenden Studie stellt Hinkelmann dar, wie der Begriff in den deutschsprachigen L\u00e4ndern aufkam und wie er verwendet wurde. Damit will der Verfasser zur Versachlichung der gegenw\u00e4rtigen Diskussion beitragen. \u201eEvangelikal\u201c soll nicht nur ein Reizwort bleiben, das f\u00fcr unpopul\u00e4re und als Bedrohung wahrgenommene Dinge steht (Vorwort 3\u20134). Als Hauptschwierigkeit sieht Hinkelmann in der Einleitung, dass \u201eevangelikal\u201c ein Lehnwort ist und dass es eine nicht leicht fassbare Bewegung darstellt (5\u20137). Der zweite Teil (9\u201318) schildert, woher der Begriff kommt, wie er entstand, wof\u00fcr er steht und welche typischen Bewegungen und Weltverb\u00e4nde sich \u201eevangelikal\u201c nennen. Dabei geht Hinkelmann besonders auf die Erweckungen mit Wesley und Whitefield im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verwendung des Begriffs in <em>Deutschland <\/em>(3.&nbsp;Kap., 19\u201337) beginnt mit Christian Gottlob Barth, der als F\u00f6rderer der Basler Mission Beziehungen zu englischen Missionsgesellschaften hatte. Das eingedeutschte Wort \u201eevangelikal\u201c wird ab den 1960er-Jahren bei den Billy-Graham-Evangelisationen und vor allem dann beim Lausanner Kongress 1974 verwendet (26). In diesem Kapitel setzt sich Hinkelmann mit Gesa Bauer und Erich Beyreuther auseinander und f\u00fchrt die zahlreichen Versuche auf, Untergruppierungen der Evangelikalen zu unterscheiden (32, bes. 35f Reinhard Hempelmann).<\/p>\n\n\n\n<p>In <em>\u00d6sterreich <\/em>taucht der Begriff \u201eevangelikal\u201c erstmals 1969 in der Zeitschrift der Wiedenester Br\u00fcdergemeinden auf (4. Kap., 39\u201357). Nach mehreren Wandlungen wird das Wort \u00fcberwiegend f\u00fcr die Freikirchen im Land verwendet. In den 1980er-Jahren gab es einen Streit mit der Evangelischen Kirche A.B., dass der Begriff \u201eevangelisch\u201c nicht verwendet werde d\u00fcrfe. Deshalb wurde \u201eevangelikal\u201c zunehmend konfessionell auf die Freikirchen angewandt. Hatte der kirchliche Neupietismus zuerst auch unter dem Label \u201eevangelikal\u201c firmiert, war das sp\u00e4ter nicht mehr so. Hinkelmann ist in diesem Kapitel besonders mit den Ver\u00f6ffentlichungen von Anna Steinb\u00f6ck (51f) und Reinhold Rampler (55f) im Gespr\u00e4ch. Aktuell wird \u201eevangelikal\u201c in \u00d6sterreich vermehrt wieder \u00fcberkonfessionell angewendet (57).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Schweiz (5. Kap., 59\u201385) findet Hinkelmann die erste Verwendung des Begriffs \u201eevangelikal\u201c erst 1971 erstmals ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt und diskutiert (60), wobei der Kongress f\u00fcr Weltevangelisation in Lausanne 1974 eine entscheidende Rolle beim Gebrauch spielt (68\u201373). Evangelikale wurden bald in die fundamentalistische Ecke gestellt (74). Nach 2007 bestimmten der Religionssoziologe Olivier Favre und der Theologe J\u00f6rg Stolz die Gespr\u00e4chslage (81f). Um 2014 herum bevorzugen sie eher den Ausdruck \u201eevangelisch\u201c-freikirchlich (84). Dieser wurde fr\u00fcher nicht verwendet, da er schon fr\u00fch stark negativen Anklang hatte (85).<\/p>\n\n\n\n<p>Im sechsten Kapitel untersucht der Verfasser die <em>\u00f6ffentliche <\/em>Rezeption des Begriffs evangelikal im deutschsprachigen Bereich (87\u2013131). Beschr\u00e4nken sich die Kapitel 3 bis 5 auf den kirchlich-freikirchlichen Bereich, so kommen als Quellen jetzt weitere B\u00fccher, Zeitungen und Zeitschriften in den Blick. In <em>Deutschland <\/em>wird \u00fcber Evangelikale seit den Billy-Graham-Evangelisationen berichtet (87). Standen bis in die 1990er Jahre noch theologische Differenzen im Vordergrund, waren es danach ethische und Einzelfragen wie Evolution und Mission (95f). Die seit 2008 verst\u00e4rkte Berichterstattung besonders \u00fcber Fragen der Beurteilung von Homosexualit\u00e4t auch zu Verzerrungen. So konnte Reinhard Hempelmann von der Evangelischen Zentralstelle f\u00fcr Weltanschauungsfragen in Berlin im Jahr 2009 vom \u201eFeindbild Evangelikale\u201c sprechen. Einzelereignisse der Diskussion waren beispielsweise die Bildungsplanreform in Baden-W\u00fcrttemberg im Fr\u00fchjahr 2014 (105f) und die Predigten des Bremer Pastors Olaf Latzel im Jahr 2015 (107f). Beim Thema missionarische Arbeit unter Asylbewerbern wird die Arbeit des SELK-Lutheraners Gottfried Martens in Berlin-Steglitz zum Vergleich herangezogen. Der konservative Lutheraner kann gewiss nicht evangelikal werden; er erh\u00e4lt in der FAZ eine positivere Bewertung (114).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Situation in <em>\u00d6sterreich <\/em>(115) ab 2008 wird vermehrt von Reportagen \u00fcber Evangelikale im internationalen Kontext bestimmt (119). Insgesamt bleiben die Evangelikalen jedoch \u201eweiterhin eher marginal\u201c (121). \u2013 In der <em>Schweiz <\/em>ist es \u00e4hnlich wie in Deutschland ab den 1950er Jahren, der Begriff wird in \u00f6ffentlichen Medien erstmals 1974 im Zusammenhang mit dem Lausanner Kongress verwendet (121). Hinkelmann druckt hierzu einen Bericht von Ines Buhofer komplett ab (123\u2013126). Ein in der \u00d6ffentlichkeit stark registrierter Einzelfall war beispielsweise der Konflikt um den reformierten Pfarrer Walter Gisin in Eglisau (128f). Ansonsten taucht der Begriff evangelikal vorwiegend bei freikirchlichen Organisationen, aber auch bei der Schweizerischen Evangelischen Allianz auf und wird \u00fcberwiegend kritisch-sachlich gebraucht (129\u2013131).<\/p>\n\n\n\n<p>Im siebten und letzten Teil seines Buchs stellt Hinkelmann zuerst verschiedene Definitionen anderer Theologen (133\u2013138) und dann eine eigene Begriffsbestimmung von \u201eevangelikal\u201c vor (138\u2013142), wobei nach Meinung des Rezensenten die Eschatologie zu kurz kommt. Schlie\u00dflich l\u00e4dt eine umfangreiche Bibliografie alle, die am Thema interessiert sind, zur Weiterarbeit ein (143\u2013168). Es ist Hinkelmann zu danken, dass er in umfangreicher Detailarbeit diese Untersuchung des Begriffs \u201eevangelikal\u201c in den deutschsprachigen L\u00e4ndern zusammenstellen hat. Sie wird zuk\u00fcnftigen Forschern einen schnelleren Zugriff auf das Thema erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank Hinkelmann: Evangelikal in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz; Ursprung, Bedeutung und Rezeption eines Begriffs, Bonn: VKW, 2017, Pb., 168\u00a0S.,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1063,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1062","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-historische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1062","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1062"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1062\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1064,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1062\/revisions\/1064"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1063"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1062"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1062"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1062"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}