{"id":1073,"date":"2020-10-16T10:15:12","date_gmt":"2020-10-16T10:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1073"},"modified":"2020-10-16T14:34:57","modified_gmt":"2020-10-16T14:34:57","slug":"kristofer-d-holroyd-a-sword-against-babylon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1073","title":{"rendered":"Kristofer D. Holroyd: A (S)Word against Babylon"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kristofer D. Holroyd: <em>A (S)Word against Babylon. An Examination of the Multiple Speech Act Layers within Jeremia 50\u201351<\/em> (SIPHRUT 22), Winona Lake: Eisenbrauns, 2017, Pb., 220&nbsp;S., \u20a4&nbsp;36.00, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-492-5.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-492-5.html\">978-1-575-06492-5<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dem vorliegenden Buch (ein Vorwort ist leider nicht dabei, das die Entstehungskontexte erhellen w\u00fcrde) schl\u00e4gt Kristofer Holroyd ein Vorgehen f\u00fcr die Anwendung der zun\u00e4chst an einzelnen S\u00e4tzen entwickelten Analyse von Sprechakten auf umfangreichere Texte vor und f\u00fchrt dieses an dem Spruch gegen Babel in Jeremia 50<em>\u2013<\/em>51 durch. Er entwickelt einen \u201emultilevel speech act approach\u201c, fasst also Texte und umfassendere Sprach\u00e4u\u00dferungen als Sprachhandlungen auf verschiedenen \u201eEbenen\u201c auf. F\u00fcr die Auslegung von Jeremia 50<em>\u2013<\/em>51 unterscheidet Holroyd zwei \u201euntere Ebenen\u201c (lower levels), n\u00e4mlich die illokution\u00e4ren Handlungen, die in Bezug auf das Volk Israel und Babel vollzogen werden, wenn an diese allein der Text von Jer 50<em>\u2013<\/em>51 ergeht, und die h\u00f6heren Ebenen des Zusammenspiels kommunikativer Handlungen auf der Ebene der Fremdv\u00f6lkerspr\u00fcche, des Jeremiabuches als ganzem und im Kontext der Gemeinde im Exil.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr kontextualisiert er im einf\u00fchrenden Kapitel seine Studie, indem er einerseits fr\u00fchere Beispiele f\u00fcr die Anwendung der Sprechakttheorie auf die Exegese des Alten Testaments nennt und andererseits eine knappe Skizze zu wesentlichen Auslegungsans\u00e4tzen in der Jeremiaforschung bietet und wie sich seine Studie dazu verh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aussagekr\u00e4ftig ist die hilfreiche Zusammenstellung fr\u00fcherer Arbeiten zu Jer 50<em>\u2013<\/em>51; l\u00fcckenhaft insbesondere in Bezug auf deutschsprachige Beitr\u00e4ge sind vor allem die \u00dcberblicke zur Anwendung der Sprechakttheorie in der alttestamentlichen Exegese (zu verweisen w\u00e4re neben den in einer Fu\u00dfnote nur benannten insbesondere auf die wegweisenden Beitr\u00e4ge von H. Irsigler, Th. Hieke sowie B. Janowski und mehreren von ihm betreuten Dissertationen zu den Psalmen) und zur Jeremiaforschung (hier werden die Arbeiten von G. Wanke, K. Schmid, H.-J. Stipp und C. Maier nirgends erw\u00e4hnt).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Kapitel umrei\u00dft er seinen Ansatz des \u201emultilevel speech act approach\u201c. Dazu referiert er hilfreich und recht ausf\u00fchrlich, wie die Pionierarbeit von John Austin und seine Unterscheidung zwischen lokution\u00e4re, illokution\u00e4re und perlokution\u00e4re Handlungen, die Arbeiten von John Searle zur Unterscheidung von direkten und indirekten Sprechakten, die Bedeutung von einbeziehenden Sprechakten (\u201eself-involving speech acts\u201c) in den Arbeiten von D. Evans, A. Thiselton und R. Briggs und schlie\u00dflich von J. Searle und D. Vanderveken zur \u201eillocutionary compatibility\u201c wichtige Voraussetzungen bilden f\u00fcr seine Wahrnehmung von Sprechakten auf unterschiedlichen \u201eEbenen\u201c. Zu Recht betont Holroyd, dass die meisten kommunikativen Handlungen nicht auf einzelne \u00c4u\u00dferungen begrenzt sind, an denen urspr\u00fcnglich die Sprechakttheorie entwickelt und bew\u00e4hrt wurde, formuliert dann jedoch etwas \u00fcberm\u00fctig, dass die Sprachhandlungen in komplexeren Gebilden bisher nicht untersucht wurden (siehe dazu unten). Die Unterscheidung der komplexen Sprachhandlungen in unterschiedliche \u201eEbenen\u201c scheint er dann ma\u00dfgeblich von dem an Erz\u00e4hltexten entwickelten Vorgehen in der Arbeit von Steven Mann abgeleitet zu haben, worin nach Meinung des Rezensenten ein m\u00f6gliches Problem des Ansatzes liegen k\u00f6nnte (siehe unten).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Kapitel pr\u00e4sentiert Holroyd seine Analyse der Sprachhandlungen auf den jeweiligen Ebenen (Israel und Babel auf der Ebene von Jer 50<em>\u2013<\/em>51; die Ebene der Fremdv\u00f6lkerspr\u00fcche; die Ebene des Jeremiabuches; die Ebene der gottesdienstlichen Gemeinde im Exil) und fasst im 4. Kapitel seine Ergebnisse zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da auf den \u201eunteren Ebenen\u201c Holroyd seine Sprechaktanalyse nur an drei ausgew\u00e4hlten Abschnitten durchf\u00fchrt, enth\u00e4lt ein Anhang eine knappe Charakterisierung der Sprachhandlungen f\u00fcr den gesamten Text von Jer 50<em>\u2013<\/em>51. Literaturverzeichnis, Autoren- und Bibelstellenregister schlie\u00dfen das anregende und in seiner Argumentation gut nachvollziehbare Buch ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie vermag an vielen Stellen das Potential sprechaktanalytischer Untersuchungen (besonders bei Prophetentexten) zu erhellen; so neben den untersuchten Abschnitten Jer 50,11<em>\u2013<\/em>16 und Jer 51,34<em>\u2013<\/em>40 in dem Zusammenspiel von Direktiven an das Schwert und kommissiven Sprechakten JHWHs in Jer 50,35<em>\u2013<\/em>40. Weiterf\u00fchrend ist auf der h\u00f6heren Ebene der Aufweis, wie wiederkehrende Themen in den Fremdv\u00f6lkerspr\u00fcchen den performativen Gehalt verst\u00e4rken sowie die daran ankn\u00fcpfenden \u00dcberlegungen zur unterschiedlichen Wirkung der abweichenden Reihenfolge der Fremdv\u00f6lkerspr\u00fcche im masoretischen Text und der Septuaginta. Erhellend und anregend ist die Verkn\u00fcpfung des sprechaktanalytischen Ansatzes mit Studien zur liturgisch vermittelten Identit\u00e4tsbildung und Jeremia als \u201eTrauma-Literatur\u201c auf der Ebene des performativen Gehalts von Jer 50<em>\u2013<\/em>51 im Kontext der Exilsgemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfragen ergeben sich vor allem zu zwei Aspekten: 1) Nicht ausgereift erscheint dem Rezensenten der Gebrauch und die Aufteilung der \u201eunterschiedlichen Ebenen\u201c. Holroyd nimmt einerseits die Unterscheidung von Searle zwischen direkten und indirekten Sprechakten als einer zwischen verschiedenen Ebenen auf. Dabei handelt es sich aber um eine g\u00e4nzlich andere Art von \u201eEbenen\u201c als zwischen den Ebenen der unmittelbaren Spracheinheit (Jer 50<em>\u2013<\/em>51) sowie deren Einbindung in die h\u00f6heren Einheiten der Fremdv\u00f6lkerspr\u00fcche, des Jeremiabuches und der Gottesdienstgemeinde im Exil. Das wiederum ist aber zu unterscheiden von der Art von <em>Erz\u00e4hl<\/em>ebenen, die bei der Analyse von Sprechhandlungen in narrativen Texten ma\u00dfgeblich sind, von denen aus (siehe seine Bezugnahme auf Steven Manns Arbeit) Holroyd seinen Ansatz aber entwickelt. Unterschiedliche Kommunikationsebenen k\u00f6nnen insbesondere in Prophetenb\u00fcchern durchaus quer zu den unterschiedlichen Ebenen von unmittelbarer Sprucheinheit \u2013 umfassendere Texteinheit und ganzes Buch verlaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in dieser Hinsicht ist es bedauerlich, dass Holroyd solche Arbeiten nicht ber\u00fccksichtigt hat, die der Funktion der Sprechakte in ganzen Psalmen (siehe die Verweise oben) oder Prophetenb\u00fcchern nachgehen (vgl. zumindest zu gr\u00f6\u00dferen Abschnitten die Pionierarbeiten von Christof Hardmeier 1978 und 1990). Zu erw\u00e4gen w\u00e4re auch gewesen, den eigenen Ansatz mit der ebenfalls dem kommunikativen Handeln zuzuordnenden rhetorischen Analyse von Prophetenb\u00fcchern (siehe Thomas Renz zu Ezechiel in VT.S 76, 1999, Karl M\u00f6ller zu Amos in JSOT.S 372, 2003 und weitere) zu vermitteln (vgl. einen solchen Versuch bei T. Uhlig, FAT II\/39, 2009).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2) Des Weiteren w\u00fcrde die \u00dcberzeugungskraft der Arbeit dadurch offensichtlicher, wenn deren Kompatibilit\u00e4t mit anderen Auslegungen weiter profiliert w\u00fcrde. Insbesondere redaktionskritische Arbeiten (siehe oben) nimmt Holroyd kaum in den Blick; es ist aber nicht unerheblich f\u00fcr die Analyse von Sprechakten, in welche Kontexte hinein sie vermittelt werden sollen. Diese anzusprechen d\u00fcrfte aber ohne Auseinandersetzung mit redaktionskritischen Arbeiten, die Datierung erheblich problematisieren, nicht m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei allen Anfragen aber sind diese letztlich aber vor allem Zeugnis f\u00fcr das Potential und die vielfachen Anregungen, die in dieser Arbeit reichlich vorhanden sind.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Torsten Uhlig, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Evangelischen Hochschule Tabor, Marburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kristofer D. Holroyd: A (S)Word against Babylon. 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