{"id":1081,"date":"2020-10-18T10:43:43","date_gmt":"2020-10-18T10:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1081"},"modified":"2020-10-18T10:44:07","modified_gmt":"2020-10-18T10:44:07","slug":"michael-ponsford-das-erste-buch-samuel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1081","title":{"rendered":"Michael Ponsford: Das erste Buch Samuel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Ponsford: <em>Das erste Buch Samuel<\/em>, Edition C Bibelkommentar Altes Testament 11, Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2019, geb., 346&nbsp;S., \u20ac&nbsp;24,99, ISBN&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-erste-buch-samuel-edition-c-at-band-11.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/das-erste-buch-samuel-edition-c-at-band-11.html\">978-3-417-25093-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Kommentar zum ersten Samuelbuch von Michael Ponsford stellt eine Erweiterung und Vertiefung seiner am <em>London Bible College<\/em> verfassten Magisterarbeit mit einem narrativ-linguistischen Schwerpunkt dar. Diese Herkunft schl\u00e4gt deutlich in den Kommentar durch und verleiht ihm einen weitgehend technischen Charakter. Auch die 62 Eintr\u00e4ge umfassende Bibliografie (343\u2013346) enth\u00e4lt zu mehr als 75% Publikationen aus den 1970\u201380er Jahren, w\u00e4hrend nur acht Werke anscheinend Nachtr\u00e4ge neueren Datums sind; zudem fehlen Angaben zu den benutzten Lexika (wohl nur das englischsprachige BDB [10]).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Aufnahme der Ideen von Robert Alter, Jan Fokkelman und Meir Sternberg gliedert Ponsford das erste Samuelbuch als literarisches Werk in sieben Akte (1Sam 1\u20137; 8\u201312; 13\u201315; 16\u201317; 18\u201320; 21\u201327; 28\u201331), welche jeweils in drei bis sechs Episoden und diese wiederum in bis zu sechs manchmal nur wenige Verse umfassende Szenen eingeteilt werden. Die so erhaltene kleinformatige Gliederung, in dessen \u00dcberschriften Ponsford Personencharakterisierungen in den Vordergrund stellt, verwehrt leider den Blick auf das gro\u00dfe Bild, welches das erste Samuelbuch sowohl als Ganzes als auch in seinen gr\u00f6\u00dferen, ein oder mehrere Kapitel umfassenden Abschnitten zeichnen m\u00f6chte und welches Ponsford in seinem Kommentar auch nicht an anderer Stelle thematisiert. Zudem schl\u00e4gt die ermittelte literarische Struktur kaum in die Auslegung durch; die knappen Ausf\u00fchrungen zu den Verh\u00e4ltnissen Samuels zu Saul (193\u2013194) und Sauls zu David (1Sam 18\u201319 [225\u2013228]) sowie die Bibelarbeitsvorschl\u00e4ge zu 1Sam 13; 15 (194\u2013195), 1Sam 28\u201331 (339\u2013340) und dem Vergleich zwischen Saul und David (341\u2013342) bleiben trotz ihrer K\u00fcrze Ausnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stattdessen wird die Auslegung durch linguistische, semantische, syntaktische und grammatikalische Erl\u00e4uterungen zu einzelnen Worten des hebr\u00e4ischen Textes dominiert, zu denen Ponsford nicht selten meist deutsch-, aber auch fremdsprachige Bibel\u00fcbersetzungen zum Vergleich heranzieht. Theologisch bedeutsame Themen fallen dagegen unter den Tisch, wie etwa die Forderung Israels nach einem K\u00f6nig (1Sam 8), welche Ponsford auf nur acht Seiten vornehmlich linguistisch streift (113\u2013120). Auf der anderen Seite erl\u00e4utert er die Verwerfung Sauls (1Sam 15) auf zehn Seiten (182\u2013191) theologisch bemerkenswert ertragreicher und wendet diese Erz\u00e4hlung hervorragend mit einem ansprechenden Bibelarbeitsvorschlag zu den beiden Kapiteln 1Sam 13; 15 (194\u2013195) auf das geistliche Leben des heutigen Lesers an. Weitere positive Beispiele sind die Charakterisierung des Verh\u00e4ltnisses zwischen Saul und David zueinander (1Sam 18\u201319 [225\u2013244]), die Erl\u00e4uterungen zu Sauls Besuch bei der Totenbeschw\u00f6rerin (1Sam 29 [314\u2013323]) sowie die Gegen\u00fcberstellung der Reaktionen Sauls und Davids bei feindlichen Bedrohungen (1Sam 30 [326\u2013334]).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00dcbersetzung und Exegese des Grundtextes erscheinen uneinheitlich, wodurch dem Leser der Gehalt der \u00dcbersetzung unn\u00f6tig verschleiert wird. Fl\u00fcssig, allerdings auf Kosten der Grundtexttreue, wiedergegebene Texte mit sprachlich ansprechenden Formulierungen finden sich neben w\u00f6rtlichen \u00dcbersetzungen. So \u00fcbersetzt Ponsford etwa das im MT pr\u00e4gnante dreimalige \u05d4\u05b4\u05e0\u05b5\u05bc\u05d4 (1Sam 12,1\u20132) in einem insgesamt eher sinngem\u00e4\u00df \u00fcbersetzten Abschnitt sehr frei mit drei verschiedenen, im Kommentar nur vage gerechtfertigten, Worten (153), w\u00e4hrend er das vierfache \u05e0\u05b6\u05e4\u05b6\u05e9\u05c1 (1Sam 18,1\u20133) in einem insgesamt eher w\u00f6rtlich \u00fcbersetzten Abschnitt unver\u00e4ndert als \u201eSeele\u201c \u00fcbernimmt und recht unklar wohl als Sitz der Gef\u00fchle interpretiert (228).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu mehreren z.&nbsp;T. zentralen Abschnitten des ersten Samuelbuches hat der Rezensent tiefere exegetische Ausf\u00fchrungen erwartet. Was bedeutet es etwa literarisch f\u00fcr den Fortgang des ersten Buches Samuel (und weiter bis \u00fcber die K\u00f6nigsb\u00fccher hinaus), historisch f\u00fcr die Geschichte Israels mindestens bis zum Exil, theologisch f\u00fcr das K\u00f6nigtum Jahwes nicht nur in Israel und homiletisch f\u00fcr die Beziehung des Volkes Gottes zu seinem g\u00f6ttlichen K\u00f6nig, dass das Volk Gottes einen K\u00f6nig fordert, welcher sie wie bei allen V\u00f6lkern regieren solle (1Sam 8,5.7), und liegt \u201e[d]ie Spannung der folgenden Erz\u00e4hlung\u201c tats\u00e4chlich nur \u201ein der Frage, ob und inwiefern Gott dieser Bitte nachkommen\u201c werde (117)? Hat die Gegen\u00fcberstellung des unbeschnittenen Philisters und der Schlachtreihen des lebendigen Gottes im Munde Davids (1Sam 17,26 [214]) wirklich keine Bedeutung, welche in einem Kommentar zu nennen w\u00e4re? Warum \u00fcbernimmt Ponsford 1Sam 12,11 ohne Kennzeichnung geschweige denn Begr\u00fcndung die \u00dcbersetzung <em>Barak<\/em> aus der LXX f\u00fcr das anderweitig (z.&nbsp;B. McCarter, <em>I Samuel<\/em>, AncB 8, New York, NY: Doubleday, 1980, 211; Spronk, <em>Judges<\/em>, HCOT, Leuven, et.&nbsp;al.: Peeters, 2019, 363 \u2013 und nicht nur auf diese Weisen) plausibel erkl\u00e4rbare <em>Bedan<\/em> des MT (154)?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Edition-C-Kommentarreihe hat das Ziel, das AT f\u00fcr die neutestamentliche Gemeinde besser verst\u00e4ndlich zu machen und Predigten aus dem AT zu f\u00f6rdern. Diesem Ziel wird der vorliegende Kommentar formal, exegetisch und homiletisch leider nur teilweise gerecht. Formal kann der Prediger in der gemeindlichen Praxis n\u00e4mlich nur schwer Auslegungen zu bestimmten Abschnitten und Versen finden, da die Kopfzeilen zu allgemein gehalten sind und den \u00dcberschriften unterhalb der Episoden-Ebene (au\u00dfer 1Sam 1\u20133; 5,1\u20137,1; 14,47\u201352; 20,35\u201322,5; und kapitel\u00fcbergreifende \u00dcberschriften) s\u00e4mtliche Kapitelangaben fehlen. Exegetisch werden des Hebr\u00e4ischen m\u00e4chtige Leser nichtsdestotrotz einige interessante Handreichungen f\u00fcr ihre eigene Predigtvorbereitung finden. Wer Hebr\u00e4isch nicht gelernt hat, wird die zahlreichen Bez\u00fcge auf den hebr\u00e4ischen Grundtext allerdings eher hinderlich finden und die Argumentation des Autors vielfach nur schwer nachvollziehen k\u00f6nnen; doch wer sein einmal gelerntes Hebr\u00e4isch auffrischen m\u00f6chte, wird hoffentlich motiviert werden, wieder in den Grundtext einzusteigen und k\u00fcnftig h\u00e4ufiger auf dieser Grundlage zu predigen. Die in den Kommentar eingef\u00fcgten siebzehn gut ausgearbeiteten und praxisnahen homiletischen Vorschl\u00e4ge zu 1Sam 1\u20137; 9\u201315; 16,7.13\u201314; 17\u201318,4; 25; 28\u201331 werden daf\u00fcr dankbar angenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Wolfgang Bluedorn, Neuwied<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Ponsford: Das erste Buch Samuel, Edition C Bibelkommentar Altes Testament 11, Holzgerlingen: SCM R. 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