{"id":1085,"date":"2020-10-18T10:49:06","date_gmt":"2020-10-18T10:49:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1085"},"modified":"2020-10-18T10:49:08","modified_gmt":"2020-10-18T10:49:08","slug":"klaas-spronk-judges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1085","title":{"rendered":"Klaas Spronk: Judges"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaas Spronk: <em>Judges<\/em>, Historical Commentary on the Old Testament, Leuven u.\u00a0a.: Peeters, 2019, Pb., XXXII+550\u00a0S., \u20ac\u00a084,\u2013, ISBN\u00a0978-90-429-4035-2, eISBN\u00a0<a href=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042940352&amp;series_number_str=7&amp;lang=en\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042940352&amp;series_number_str=7&amp;lang=en\">978-90-429-4036-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4lligstes Merkmal des vorliegenden Kommentars zum Buch der Richter (rezensiert wird die Print-Ausgabe) ist die gr\u00fcndliche und sachliche Exegese des MT in seiner Endgestalt mit zahlreichen Verweisen auf die unterschiedlichen Ausgaben der LXX, \u2013 meist missbilligenden \u2013 Bezugnahmen auf Emendationsvorschl\u00e4ge der <em>BHK<\/em>, <em>BHS<\/em> und <em>BHQ<\/em> sowie modernen Auslegungen. Spronk bietet daf\u00fcr f\u00fcr die beiden Einleitungen, jede Erz\u00e4hlung und die beiden Schl\u00fcsse des Richterbuches jeweils eine eigene, seine Auslegung widerspiegelnde \u00dcbersetzung, eine ausf\u00fchrliche Literaturliste, eine \u00dcbersicht \u00fcber die Erz\u00e4hlung mit kurzer Skizzierung ihrer Interpretationsgeschichte anfangend von j\u00fcdischen Quellen \u00fcber die Kirchenv\u00e4ter und das Mittelalter bis in die Neuzeit und eine gr\u00fcndliche vers- oder abschnittsweise Auslegung. Letztere geschieht im regen Dialog mit modernen Auslegern ab dem 19. Jh. Semantische und grammatikalische Erkl\u00e4rungen folgen einem synchronen Ansatz; Spronk bleibt dabei stets n\u00fcchtern historisch und er kann narrativen Auslegungsmerkmalen wie etwa Ironie nur in Einzelf\u00e4llen etwas abgewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den historischen Hintergrund der Richtererz\u00e4hlungen lokalisiert Spronk im Israel des 12.\u201310. Jh., h\u00e4lt ihre Niederschrift im sp\u00e4tmonarchischen Israel des 8.\u20136. Jh. f\u00fcr wahrscheinlich (25\u201330) und setzt die letzte hellenistische Bearbeitung und Herausgabe des Richterbuches unter vielfachen \u00dcbernahmen von Motiven aus der hellenistischen Literatur (19\u201322) als Einleitung in die Geschichte der K\u00f6nige Israels im 3. Jh. v.&nbsp;Chr. an (22). So postuliert Spronk zahlreiche \u00dcbernahmen aus den Psalmen sowie aus Homers <em>Iliad<\/em> und Aischylos\u02bc <em>Die Perser<\/em> (161\u2013178) in das Lied Deboras und Baraks und nimmt die Fabel Jotams trotz eigener Bedenken als von Aesop \u00fcbernommen an (275\u2013276). Dagegen bleibt er bei der \u00dcbernahme griechischer Literatur in die Erz\u00e4hlung \u00fcber Jeftas Tochter (343\u2013344) oder in die Simsonerz\u00e4hlung (394) bemerkenswert vage. Literarkritische Textrekonstruktionsversuche finden sich eher selten, am h\u00e4ufigsten noch bei der Interpretation der Simsonerz\u00e4hlung, welcher Spronk daf\u00fcr jegliche Historizit\u00e4t abspricht (394). Meist erfasst Spronk aber die genaue und koh\u00e4rente Einf\u00fcgung der Perikopen in das Richterbuch und h\u00e4lt dann eigens f\u00fcr das Richterbuch verfasste Erz\u00e4hlungen f\u00fcr am wahrscheinlichsten (so ausdr\u00fccklich zu Ri 1,5\u20137 [55\u201357], Schamgar [121\u2013124], Jotams Fabel [276] und der Simsonerz\u00e4hlung [391\u2013394]). Zusammen mit der \u00fcberwiegend synchronen Exegese des Textes erh\u00e4lt Spronk \u201ea combination of [\u2026] both the diachronic and the synchronic approach\u201c (265) als methodische Grundlage seines Kommentars. Wer dabei seinen diachronen Ansatz nicht teilt, kann entsprechende Ausf\u00fchrungen gleichwohl ohne gro\u00dfen Wertverlust \u00fcbergehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einmal an die Ausf\u00fchrlichkeit der grundtextnahen versweisen und buchkontextuellen Exegese gew\u00f6hnt, vermisst der aufmerksame Leser an einigen Stellen die Darstellung vers\u00fcbergreifender literarischer und theologischer Zusammenh\u00e4nge. Hierzu tr\u00e4gt wohl auch die etwas abgehackt daherkommende \u00dcbersetzung bei, in welcher Spronk das <em>waw consecutivum<\/em> regelm\u00e4\u00dfig un\u00fcbersetzt l\u00e4sst. Ist Baraks Z\u00f6gern (Ri 4,8) etwa nur eine literarische Pointe einer sp\u00e4tmonarchischen Erz\u00e4hlung, welche Barak nicht Sauls Fehler machen lassen m\u00f6chte (151\u2013152) oder ist es nicht vielmehr Ausdruck seines fehlenden Vertrauens auf Jahwe, welcher die Feinde in seine Hand gegeben hat (Ri 4,7)? Da auch dieser Kommentar begrenzt ist, kann der Leser \u00fcberdies nicht Stellungnahmen zu allen Problemen des Textes und Buches erwarten. Dies ist jedoch selbst in einem Kommentar einer dem Historischen verpflichteten Reihe besonders dann schmerzhaft, wenn das Buch diese Themen dominant anspricht. So behandelt Spronk etwa den bereits in der Einleitung in das Richterbuch angesprochenen theologischen Konflikt zwischen Jahwe und Baal (Ri 2,11\u201323) nur vers- und abschnittsweise (so z.&nbsp;B. zu Ri 6,36\u201340 [221\u2013222]). Auch zur in der Literatur vieldiskutierten Sicht des Richterbuches auf das \u2013 historische! \u2013 K\u00f6nigtum argumentiert Spronk nur allgemein und perikopenbezogen, dass das Richterbuch die Samuel- und K\u00f6nigsb\u00fccher prophetisch pr\u00e4figuriere (16\u201319), die Richter und die Schlusserz\u00e4hlungen die sp\u00e4teren K\u00f6nige vorausschatteten (299, 457, 496, 541), Gideon sich nicht zum K\u00f6nig, sondern zum Priester mache (246\u2013249) und Abimelech als Beispiel eines schlechten K\u00f6nigs gelte (259). Lediglich bei der Kommentierung der Schlusskapitel des Richterbuches wird Spronk ein wenig ausf\u00fchrlicher. Diese vertr\u00e4ten eine bedingt positive Sicht auf das K\u00f6nigtum (245, 259, 463), indem sie einen Anf\u00fchrer ungleich Saul forderten, welcher das Rechte in den Augen Jahwes t\u00e4te (468) und \u2013 so sein Schlusssatz \u2013 \u201eaccepts that Israel\u2019s real king is YHWH\u201c (541). An anderen Stellen schie\u00dft Spronk aufgrund seiner hermeneutischen Voraussetzungen auch \u00fcber das Ziel hinaus. Muss man etwa aufgrund des \u201epolemically with the vowels of \u05d1\u05b9\u05bc\u05e9\u05b6\u05c1\u05ea\u201c vokalisierten \u05ea\u05b9\u05bc\u05de\u05b6\u05e8 (4,5 [149]) eine anonyme Totenbeschw\u00f6rerin nach dem Vorbild von 1Sam 28 annehmen, welche unter der so bezeichneten Palme \u201ethe venerated spirit of a dead person called Deborah\u201c anruft (150), wenn doch das noch Jer 10,5 mit selber Vokalisation gebrauchte Substantiv semantisch als Anspielung auf das im Kontext dreimalige \u05d5\u05b7\u05ea\u05b9\u05bc\u05d0\u05de\u05b6\u05e8 Deboras als \u201eSpruchpfeiler\u201c Deboras interpretiert werden kann und Debora in der Erz\u00e4hlung ganz leibhaftig als Prophetin Jahwes auftritt, Barak zum Kampfgeschehen begleitet und mit ihm zusammen ein Lied singt?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei aller exegetischen Wissenschaftlichkeit bleibt der Kommentar leicht und fl\u00fcssig lesbar, was jedoch durch vereinzelte Unachtsamkeits- und Rechtschreibfehler etwas geschm\u00e4lert wird. So fehlt beispielsweise in der \u00dcbersetzung zu Ri 11,34 die wichtige Negation neither (\u201ehe had beside her [neither, \u05d0\u05b5\u05d9\u05df] son nor [\u05d0\u05d5\u05ba] daughter\u201c [307, 345]), auf S. 472 (Z. 1) sollte die Referenz statt Ri 13,25 Ri 13,21 lauten und auf S. 281 (Z. 22) statt f\u00fcnfzig siebzig S\u00f6hne Jerubbaals gez\u00e4hlt werden. Statt \u201eto makes\u201c w\u00e4re \u201eto make\u201c (242, Z. 14), statt \u201eare indicates\u201c \u201eare indicated\u201c (413, Z. 24) und statt \u201ehis guest are\u201c \u201ehis guests are\u201c (512, Z. 7) zu lesen, und statt \u201eRichteren\u201c sollte es im deutschsprachigen Zitat \u201eRichterin\u201c hei\u00dfen (148, Z. 41).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nichtsdestotrotz hat es der Rezensent sehr genossen, diesen Kommentar zum Richterbuch durchzuarbeiten. Er kann ihn jedem empfehlen, der einen Kommentar synchroner Ausrichtung sucht, das Richterbuch semantisch vers- und abschnittsweise verstehen m\u00f6chte und sich dabei von diachronen Er\u00f6rterungen auf Grundlage einer sehr sp\u00e4ten Datierung nicht abschrecken l\u00e4sst, der eine beachtliche Einf\u00fchrung in die aktuelle Diskussion zur Auslegung des Richterbuches erhalten m\u00f6chte und der die dargestellten Parallelen aus der klassischen griechischen Literatur als bereichernde Hinweise auf \u00e4hnliche Ideen in unterschiedlichen Kulturen annehmen kann.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Wolfgang Bluedorn, Neuwied<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klaas Spronk: Judges, Historical Commentary on the Old Testament, Leuven u.\u00a0a.: Peeters, 2019, Pb., XXXII+550\u00a0S., \u20ac\u00a084,\u2013, ISBN\u00a0978-90-429-4035-2, eISBN\u00a0978-90-429-4036-9 Auff\u00e4lligstes Merkmal<\/p>\n","protected":false},"author":76,"featured_media":1086,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/76"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1085"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1087,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions\/1087"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}