{"id":1088,"date":"2020-10-18T10:53:39","date_gmt":"2020-10-18T10:53:39","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1088"},"modified":"2020-10-18T10:53:41","modified_gmt":"2020-10-18T10:53:41","slug":"g-geoffrey-harper-i-will-walk-among-you","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1088","title":{"rendered":"G. Geoffrey Harper: \u201eI Will Walk Among You\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">G. Geoffrey Harper: <em>\u201eI Will Walk Among You\u201c. The Rhetorical Function of Allusion to Genesis 1\u20133 in the Book of Leviticus<\/em>, BBRSup 21, University Park, PA: Eisenbrauns, 2018, geb., 312 S., $ 73.00, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-973-9.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eisenbrauns.org\/books\/titles\/978-1-57506-973-9.html\">978-1-57506-973-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Geoffrey Harper, Lehrbeauftragter f\u00fcr Altes Testament am Sydney Missionary and Bible College, legt mit dieser Monografie eine Studie vor, die mit seiner Dissertation zur rhetorischen Gestalt des Buches Levitikus im Pentateuch vorgespurt ist. Gegenstand sind die Verbindungen ausgew\u00e4hlter Kapitel (11, 16 und 26) von Lev zu Gen 1\u20133. Das Buch ist in zwei Teile \u00e0 drei Kapiteln gegliedert. Der erste Teil f\u00fchrt ein in methodische und hermeneutische Fragen, der zweite Teil widmet sich dann den Texten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der wichtigere und innovativere Teil des Buches ist der zweite Teil. Im ersten Teil verortet Harper seine Studie methodisch solide anhand der einschl\u00e4gigen Literatur und unter Ber\u00fccksichtigung der neueren Forschung und arbeitet seine Fragestellung und seine Herangehensweise heraus. Seine Studie ist im Wesentlichen synchron angelegt und befasst sich insbesondere mit Fragen der Intertextualit\u00e4t und der Rhetorik. F\u00fcr die Frage der rhetorischen Konzeption verweist er immer wieder auf den Kommentar zu Lev 1\u201310 von James Watts (HCOT, 2013), dessen Zugang zum Text besonders von rhetorischen Fragestellungen gepr\u00e4gt sind. Die Hauptfragestellungen f\u00fcr Harper sind, ob das Levitikusbuch in seiner vorliegenden Gestalt auf Gen 1\u20133 anspielt und, wenn ja, welche rhetorischen Ziele mit diesen Bezugnahmen verfolgt werden. F\u00fcr die Beantwortung der Fragen sind zun\u00e4chst lexikalische und syntaktische Parallelen herauszuarbeiten (der Appendix des Buches enth\u00e4lt eine sehr detaillierte Zusammenstellung), sodann konzeptuelle Parallelen. Stets ist die Frage zu stellen, ob die Parallelen spezifisch oder allgemein sind, ob die Annahme ihrer Intentionalit\u00e4t plausibel ist. Schlie\u00dflich, wenn sich die Parallelen best\u00e4tigen, ist nach ihrer rhetorischen Funktion im jeweiligen Textabschnitt und schlie\u00dflich im Buchganzen zu fragen. Um insbesondere die Verortung im Buchganzen zu erm\u00f6glichen, f\u00fchrt Harper im dritten Kapitel in Struktur, Botschaft und Rhetorik des Levitikusbuches ein und vertritt die These, dass das Buch rhetorisch auf viele verschiedene Situationen zugeschnitten ist: \u201eIn fact, the book seems purposely designed to transcend the limits of time and space\u201c (104). Da das Buch in eine vormonarchische, monarchische, exilische oder nachexilische Situation sprechen kann, r\u00e4t er zur Vorsicht, von der Botschaft des Buches auf dessen historischen Ursprung zur\u00fcckzuschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer kurzen Einf\u00fchrung, in der die Auswahl der Kapitel 11, 16 und 26 aus dem Gesamtbuch begr\u00fcndet wird, folgen im zweiten Teil dann die eigentlichen Textuntersuchungen. In Lev 11 geht es um die Unterscheidung von zur Speise erlaubten und verbotenen Tieren. Lexikalisch gibt es Bez\u00fcge zu Genesis 1 insbesondere bez\u00fcglich des Unterscheidens an sich (\u05d1\u05d3\u05dc + \u05d1\u05d9\u05df \u2013 \u201eunterscheiden\u201c + \u201ezwischen\u201c: Gen 1,14.18; Lev 11,47; mit \u05d1\u05d3\u05dc im inf. cs. nur 5\u00d7 im AT) wie auch bei der Beschreibung der Tierarten und der ihnen zugewiesenen Elemente (darunter \u00dcbereinstimmungen auch in seltenen W\u00f6rtern wie \u05e8\u05de\u05e9\u05c2, \u05e9\u05c1\u05e8\u05e5, \u05de\u05e7\u05d5\u05d4, \u05de\u05d9\u05df). Zu Gen 2\u20133 betreffen die Parallelen insbesondere das Verbot des Ber\u00fchrens (\u05e0\u05d2\u05e2) und Essens (\u05d0\u05db\u05dc) bestimmter Speise (Gen 3,3; Lev 11,8; in 2.&nbsp;P.&nbsp;m.&nbsp;Pl. <em>qal yiqtol <\/em>Form im AT sonst nur noch in Dtn 14,8 [par. Lev 11,8]) und die \u201eauf dem Bauch wandelnde\u201c (\u05d4\u05dc\u05da \u05e2\u05dc \u05d2\u05d7\u05d5\u05df) Schlange (Gen 3,14; Lev 11,42). Formulierungen wie \u05db\u05dc \u05e0\u05e4\u05e9\u05c1 \u05d4\u05d7\u05d9\u05d4 \u05d4\u05e8\u05de\u05e9\u05c1\u05ea (\u201ejede lebende Seele, die wimmelt\u201c; Gen 1,21; Lev 11,46) oder \u05d1\u05de\u05d9\u05de\u05d9\u05dd (\u201ein den Meeren\u201c; Gen 1,22; Lev 11,9\u201310) finden sich nur an diesen Stellen. Die Bez\u00fcge zu Gen 1 machen deutlich, dass die Unterscheidung zwischen rein und unrein Gottes Unterscheidungen bei der Sch\u00f6pfung spiegelt und damit Teil der Gottesebenbildlichkeit ist. Die Bez\u00fcge zu Gen 2\u20133 zeigen dagegen, dass unreine Israeliten effektiv von JHWHs Heiligtums-Gegenwart ausgeschlossen sind: \u201eThe penalty for eating proscribed food thus functionally separated Israelites from YHWH in a manner analogous to Adam and Eve\u2019s banishment as consequence for a similar infraction\u201c (134). Da sich zahlreiche lexikalische, syntaktische und konzeptuelle Bez\u00fcge zu Gen 1\u20133 finden, darunter seltene Lexeme und Formulierungen, die sich nur in Gen 1\u20133 und Lev 11 finden, ist eine intentionale Anspielung sehr wahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die lexikalischen und syntaktischen Parallelen von Lev 16 zu Gen 1\u20133 sind deutlich geringer. Harper weist besonders auf das Verbot hin, am siebten Tag, bzw. im siebten Monat (am Zehnten des Monats) Arbeit zu tun (\u05e2\u05e9\u05c2\u05d4 + \u05de\u05dc\u05d0\u05db\u05d4 + \u05e9\u05c1\u05d1\u05d9\u05e2\u05d9; Gen 2,2.3; Lev 16,29), was in Verbindung mit \u201eSabbat\u201c (Lev 16,31) insgesamt neun Belege hat (Gen 2,2.3; Ex 12,15\u201316; 20,10; 31,15; 35,2; Lev 16,29\u201331; Dtn 5,14). Dazu kommen die Verbindungen \u05de\u05d9\u05dd + \u05de\u05e7\u05d5\u05dd (\u201eOrt\u201c + \u201eWasser\u201c; Gen 3,9; Lev 16,24; sonst nur Num 19,9; 20,5), \u05dc\u05d1\u05e9\u05c1 + \u05db\u05ea\u05e0\u05ea (\u201eLeibrock\u201c + \u201ekleiden\u201c; insgesamt zehn Belege, im Pentateuch neben Gen 3,21 stets in Bezug auf priesterliche Kleidung: Ex 29,5.8; 40,14; Lev 8,7.13; 16,4), sowie \u05d0\u05d7\u05d3 + \u05e2\u05d5\u05dc\u05dd (\u201eandauernd\u201c, \u201eein\u201c [Zahlwort]; Gen 3,22; 16,34; sonst nur Num 15,15; 2Chr 5,13). Neben diesen lexikalischen Parallelen sieht Harper darin konzeptuelle Parallelen, dass Lev 16 auf die rituelle Wiederaufrichtung der kosmischen Ordnung abziele: Zum ersten Mal seit Gen 3 sei ein fortdauernder Eintritt eines Menschen in die heilige Zeit (Sabbat) und den heiligen Ort (Allerheiligstes) realisiert. Aaron sei eine Adam-Figur: \u201eThe parallel between Lev 16:4 and Gen 3:21 may suggest that on the Day of Atonement, clothed in a tunic as Adam was when he was removed from the Garden, Aaron approached God representing an excluded humanity\u201c (167).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Levitikus 26 mit seinen Segensverhei\u00dfungen und Gerichtsandrohungen hat eine ganze Reihe von lexikalischen Bez\u00fcgen zu Genesis 1\u20133. Mit der Kombination von \u05e4\u05e8\u05d4 + \u05e8\u05d1\u05d4 (fruchtbar sein + zahlreich sein; Gen 1,22.28; Lev 26,9), \u05e4\u05e8\u05d9 + \u05e2\u05e5 + \u05d0\u05e8\u05e5 (\u201eFrucht\u201c, \u201eBaum\u201c, \u201eLand\u201c) in Verbindung mit \u05e0\u05ea\u05df (\u201egeben\u201c; Gen 1,29; Lev 26,4.20; sonst nur noch Ez 34,27), der Rede von Gott (als Subjekt), der \u201ewandelt\u201c (\u05d4\u05dc\u05da; Gen 3,8; Lev 26,12; im Pentateuch sonst nur Dtn 23,14, im restlichen AT noch 2 Sam 7,6\u20137; 1 Chr 17,6; Hi 22,14) und der Rede von \u201eBrot essen\u201c (\u05d0\u05db\u05dc + \u05dc\u05d7\u05dd; Gen 3,19; Lev 26,5.26, dar\u00fcber hinaus sehr oft belegt), malt Lev 26 Segen und Fluch bei der Sch\u00f6pfung und der ersten \u00dcbertretung des \u201egebotenen Gebotes\u201c (\u05e6\u05d5\u05d4 + \u05de\u05e6\u05d5\u05d4; Gen 2,16; Lev 26,3) vor Augen. Lev 26 sei \u201eworded in such a way as to allude to the conditions that existed at creation\u201c (201). Zustimmend zitiert Harper Cynthia Edenburg (und verweist dabei auch auf einen Aufsatz von Hendrik Koorevaar in <em>JETS<\/em> 57 [2014]): \u201eOne could argue with justification that Gen 2\u20134 deliberately evokes Lev 26. Otherwise, the reverse is more than likely; namely that the author of Lev 26 echoed motifs and expressions in Gen 2\u20134\u201c (206). Durch diese Sprache wird eine Verbindung von Eden zu Kanaan geschaffen: Kanaan ist ein neues Eden, wo Gott inmitten seines Volkes \u201ewandelt\u201c. Doch wie Adam empf\u00e4ngt auch Israel g\u00f6ttliche Gebote und wird durch das Bewahren der Gebote am Segen Edens Anteil haben, bei Brechen der Gebote aber aus dem Land vertrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant w\u00e4re ein weiterf\u00fchrendes Kapitel, das danach fragt, ob nicht alle drei untersuchten Texte letztlich in einem \u00fcbergeordneten Rahmen, der auf die Gottesebenbildlichkeit des Menschen, auf Toratreue und Bundesbruch, Landbesitz und Segen oder Landverlust und Fluch abzielt, Bezug nehmen auf Gen 1\u20133. Die gro\u00dfen Themen und B\u00f6gen scheinen in allen drei untersuchten Texten, wenn auch in unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen, dieselben zu sein. Die gro\u00dfe St\u00e4rke der Studie Harpers ist es, die Bez\u00fcge in einer bisher nicht gegebenen Gr\u00fcndlichkeit herauszuarbeiten und auch konzeptionell auszuwerten. Der rhetorische Ansatz gibt m.\u00a0E. nicht so viel her und tr\u00e4gt wenig \u00dcberraschendes oder Neues bei. Obwohl Harper nicht gro\u00df auf diachrone Fragen und Fragen der Pentateuchkomposition eingeht, wirft seine Studie doch die Frage auf, ob die dominierenden Modelle, die allesamt diachron zwischen Gen 1 und Gen 2\u20133 trennen, den Befund zu erkl\u00e4ren verm\u00f6gen, dass Lev 11; 16 und 26 unterschiedslos auf Gen 1\u20133 anspielen. Meiner Einsch\u00e4tzung nach stellt die Studie Harpers entweder die diachrone Unterscheidung von Gen 1 und 2\u20133 infrage, oder aber die Zugeh\u00f6rigkeit von Lev 11, 16 und 26 zur Priestergrundschrift, da diese Kapitel die Verbindung von P und nicht-P bereits voraussetzen. In jedem Fall liefert diese sehr zu empfehlende Studie viel Stoff f\u00fcr weiteres Nachdenken \u00fcber die Theologie und die Komposition des Pentateuchs. Und sie l\u00e4dt dazu ein, f\u00fcr dieses Nachdenken konventionelle Bahnen zu verlassen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Staatsunabh\u00e4ngigen Theologischen Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G. Geoffrey Harper: \u201eI Will Walk Among You\u201c. 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