{"id":1091,"date":"2020-10-18T11:00:28","date_gmt":"2020-10-18T11:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1091"},"modified":"2020-10-18T11:00:29","modified_gmt":"2020-10-18T11:00:29","slug":"james-w-watts-leviticus-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1091","title":{"rendered":"James W. Watts: Leviticus 1\u201310"},"content":{"rendered":"\n<p>James W. Watts: <em>Leviticus 1\u201310<\/em>, HCOT, Leuven: Peeters, 2013, Pb., XXX+567\u00a0S., \u20ac\u00a074,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=1015442&amp;series_number_str=5&amp;lang=en\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=1015442&amp;series_number_str=5&amp;lang=en\">978-90-429-2984-5<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der zu besprechende Kommentar zu Levitikus 1\u201310, verfasst von James W. Watts, Professor f\u00fcr Religion an der Syracuse University in New York, ist schon einige Jahre alt, aber keineswegs veraltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sehr informative Einf\u00fchrung f\u00fchrt auf rund 130 Seiten an den Text heran. Die Dreiteilung der Einleitung in <em>Contents, Contexts <\/em>und <em>Rhetoric<\/em> ist f\u00fcr den gesamten Kommentar bestimmend. Jede Perikope wird entlang dieser drei Kategorien eingef\u00fchrt. <em>Contents <\/em>f\u00fchrt insbesondere in \u00dcbersetzungsfragen (besonders bei den Ritualen), den Text und die Textkritik, sowie in die Struktur und Form des Levitikusbuches ein. <em>Context <\/em>stellt vor allem die Frage nach der Performanz, wobei das Verh\u00e4ltnis von M\u00fcndlichkeit zu Schriftlichkeit besonders bedacht wird und auch die rituelle Performanz des Textes und sein Platz im Ritual zur Sprache kommt. Nach Watts handelt es sich beim Levitikusbuch um einen Text, der f\u00fcr den m\u00fcndlichen Vortrag konzipiert ist. Schlie\u00dflich wird ausf\u00fchrlich auf die neuere Forschung eingegangen, wobei ganz unterschiedliche Forschungsfelder (Kompositionsgeschichte, Ritualtheorie, theologischer Symbolismus, Rezeptionsgeschichte, u.&nbsp;a.) kundig und pr\u00e4gnant eingef\u00fchrt werden. Auch dies ist f\u00fcr den ganzen Kommentar charakteristisch: Er hat kaum Einseitigkeiten, sondern legt den Text durchgehend im Gespr\u00e4ch mit ganz unterschiedlichen Fragestellungen aus, ohne sich in den Details zu verlieren. Eine gro\u00dfe St\u00e4rke des Kommentars ist der Blick f\u00fcr das Wesentliche.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Teil der Einleitung, die Rhetorik, ist die eigentliche Besonderheit des Kommentars. Die Frage nach der rhetorischen Funktion des Textes begleitet die ganze Kommentierung. Die St\u00e4rke dieser Fragestellung besteht darin, dass sie den Blick sch\u00e4rft f\u00fcr das, was der Text sagt, auch bedenkt, warum der Text gewisse Dinge nicht sagt, unter dem Strich dann aber haupts\u00e4chlich das kommentiert, was durch den Text gesagt ist, nicht das, was nicht gesagt ist. Dies zeigt sich immer wieder daran, dass Watts zwar verschiedene Positionen, was einzelne Elemente der Rituale (z.&nbsp;B. Opfer) in ihrer Symbolik bedeuten, vorstellt und diskutiert, selbst aber sehr zur\u00fcckhaltend damit ist, eine Systematik in der Symbolik zu schaffen, die gleichsam eine Art \u201eGeheimsprache\u201c suggerieren w\u00fcrde, in welcher jede Handlung eine bestimmte Bedeutung hat und sich in eine gesamte Handlungslogik einf\u00fcgt. Vielmehr geht Watts davon aus, dass die verschiedenen Handlungen offen sind f\u00fcr mehrere Deutungsm\u00f6glichkeiten, dass im Vordergrund aber gar nicht die Bedeutung der Handlungen, sondern deren Vollzug, steht. Die Frage nach der rhetorischen Funktion des Textes f\u00fchrt auch weiter zur synagogalen und kirchlichen Wirkungsgeschichte des Textes, die durchgehend in die Kommentierung einflie\u00dft. Die Konzentration auf die rhetorische Funktion des Textes f\u00fchrt schlie\u00dflich auch dazu, dass Watts den Text nicht in Kleinstteile zergliedert, sondern dessen \u00fcbergreifenden Logik folgt. Literar- und redaktionskritische Theorien werden kurz, aber nachvollziehbar, anhand der wichtigsten Argumente vorgestellt und diskutiert, wobei Watts ihnen kaum je folgt, sondern wenig Grund findet, den Text in der vorliegenden Gestalt auf mehrere Stufen zur\u00fcckzuf\u00fchren. In weiten Teilen folgt er damit der Einsch\u00e4tzung von C. Nihan (<em>From Priestly Torah to Pentateuch<\/em>, 2007), ist aber noch zur\u00fcckhaltender als dieser in redaktionskritischen Annahmen und h\u00e4lt z.&nbsp;B. dessen Argumente, Lev 10 f\u00fcr einen sp\u00e4teren Zusatz zu halten, f\u00fcr nicht tragf\u00e4hig. Eine gewisse Schw\u00e4che des rhetorischen Ansatzes von Watts ist m.&nbsp;E. darin zu sehen, dass er Rhetorik sehr stark als ein Mittel zur Macht sieht und die Auslegung manchmal der Logik verhaftet ist, dass die priesterlichen Kreise die Texte vor allem als Mittel brauchen, um eine Wirkung zu erzielen, die ihren Status festigt. Dass die Rituale nicht nur dem Machtwillen der Priester dienen, sondern dass ihre Gestalt auch durch das, was Rudolf Otto \u201eDas Heilige\u201c (1917) nannte, geformt werden, tritt in den Hintergrund. So geht es etwa in der Auslegung von Lev 10 weniger um die lebensgef\u00e4hrliche Begegnung des unvollkommenen Menschen mit dem heiligen Gott, sondern eher um die Frage, wer letztlich die rituelle Autorit\u00e4t hat. Der Tod der \u00e4lteren S\u00f6hne Aarons soll dabei dem Volk kommunizieren, dass es ein gef\u00e4hrlicher und anspruchsvoller Dienst ist, den die Priester tun, was wiederum ihrem Status zugutekommt. Der Frage nach der rhetorischen Funktion des Textes scheint somit eine (nie explizit benannte) Hermeneutik des Verdachts zugrunde zu liegen. Dem Textverst\u00e4ndnis kommt das nicht immer zugute und etwas mehr Gadamer\u2019sche Horizontverschmelzung des Auslegers mit dem Text w\u00e4re stellenweise w\u00fcnschenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Kommentarteil teilt den auszulegenden Text in die Abschnitte 1\u20137 und 8\u201310 ein und legt den Text dann in gr\u00f6\u00dferen Abschnitten aus. Jeder Abschnitt wird mit einer \u00dcbersetzung, einer kleinen Einf\u00fchrung nach dem Schema <em>Contents, Contexts, Rhetoric<\/em> und schlie\u00dflich spezifischen Er\u00f6rterungen (<em>Exposition<\/em>) eingef\u00fchrt, bevor die Vers-f\u00fcr-Vers-Auslegung folgt. Die gro\u00dfe St\u00e4rke der Auslegung besteht darin, dass sie stets am Text bleibt, dass man als Leser den Eindruck hat, dem Text zu folgen, dass man dabei aber fast beil\u00e4ufig auch mit der Forschungs- und Rezeptionsgeschichte und somit mit den Fragen und Erkenntnissen, die der Text seit Jahrtausenden ausl\u00f6st, vertraut gemacht wird. Es handelt sich somit im besten Sinne um einen Kommentar, der den Wald sieht, ohne die B\u00e4ume au\u00dfer Acht zu lassen. Als wichtigstes Gegen\u00fcber dient der Gro\u00dfmeister der Levitikusforschung, Jacob Milgrom, der gerade dadurch, dass Watts oft Gegenpositionen einnimmt, den Kommentar stark beeinflusst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Fazit f\u00e4llt, mit Ausnahme der kleinen Kritiken, die ich angebracht habe, sehr positiv aus: Der Kommentar ist \u00e4u\u00dferst informativ, lehrreich, angenehm zu lesen, theologisch gehaltvoll und regt die eigene Arbeit am diesen Texten an, die ja durchaus nicht zu den beliebtesten Texten des Alten Testaments geh\u00f6ren. Auf die noch nicht erschienene Fortsetzung des Kommentars darf man sich freuen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Staatsunabh\u00e4ngigen Theologischen Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>James W. 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