{"id":1094,"date":"2020-10-18T11:04:54","date_gmt":"2020-10-18T11:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1094"},"modified":"2020-10-18T11:04:56","modified_gmt":"2020-10-18T11:04:56","slug":"knut-martin-heim-ecclesiastes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1094","title":{"rendered":"Knut Martin Heim: Ecclesiastes"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Knut Martin Heim: <em>Ecclesiastes. An Introduction and Commentary<\/em>, TOTC, Leicester: InterVarsity, 2019, Pb., XVI+208\u00a0S., US\u00a0$ 19.00, ISBN: <a href=\"https:\/\/www.ivpress.com\/ecclesiastes-totc\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.ivpress.com\/ecclesiastes-totc\">978-0-8308-4265-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die evangelikale Kommentarreihe Tyndale Old Testament Commentaries erlebt seit 2011 eine Neubearbeitung. Bisher sind ein Dutzend neue B\u00e4nde erschienen. Der Kommentar von Knut Heim, Professor f\u00fcr Altes Testament am Denver Seminary (USA), ersetzt den kleinen, aber feinen Band von Michael A. Eaton (1983).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer knappen Einleitung von 11 Seiten und einer Gliederung folgt eine \u00dcbersetzung, die sich semantisch, grammatisch und syntaktisch am Hebr\u00e4ischen orientiert. Heim schlie\u00dft angesichts der rhetorischen und ironischen Eigenart des Buches eine salomonische Verfasserschaft aus, zudem die Sprache eine f\u00fcr eine nachexilische Datierung spreche und die Bez\u00fcge auf Salomo auf Koh 1\u20132 beschr\u00e4nkt blieben. Der Gro\u00dfteil des Buches werde in Form einer verschriftlichten Rede eines pseudonymen Erz\u00e4hlers pr\u00e4sentiert, die in 12,9\u201314 um einen Anhang eines sp\u00e4teren Redaktors erg\u00e4nzt werde. Im Anschluss an John Jaricks Aufsatz \u201eEcclesiastes among the Comedians\u201c (2014) erkennt Heim zahlreiche Bez\u00fcge zu griechischen Kom\u00f6dienschreibern. Die vordergr\u00fcndig pessimistischen Aussagen seien in Wahrheit Bestandteil einer subversiven politischen Satire und zugleich einer tiefgr\u00fcndigen theologischen Botschaft f\u00fcr gl\u00e4ubige Leser, die sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden geben. Heim datiert das Buch in die Zeit der ptolem\u00e4ischen Herrscher in \u00c4gypten. Der Ausdruck \u05ea\u05b7\u05bc\u05d7\u05b7\u05ea\u05be\u05d4\u05b7\u05e9\u05b6\u05bc\u05c1\u05de\u05b6\u05e9\u05c1 \u201eunter der Sonne\u201c sei an etlichen, aber nicht allen Stellen eine Chiffre f\u00fcr die \u00e4gyptische Fremdherrschaft, Koh 8,10\u201314 beschreibe die Konsequenzen religi\u00f6ser Provokationen und 12,12 wird ein Bezug auf die Gymnasien unter Antiochus IV. Epiphanes gesehen. Das Buch ermutige seine Leser, \u00fcber die fremden Herrscher zu lachen und sei im Grunde \u201eWiderstandsliteratur\u201c (6). Ob dieser \u201eSitz im Leben\u201c jeden Leser \u00fcberzeugen wird, ist fraglich. Die vermeintlichen Bez\u00fcge lassen zahlreiche andere zeitgeschichtlichen Deutungen zu. Dass in 9,7\u201310 gerne Parallelen zum (viel \u00e4lteren) Gilgamesch-Epos, Tafel X, gesehen werden, wird nicht erw\u00e4hnt. Im Kommentar bleiben die Bez\u00fcge auf die Fremdherrschaft meist vage; selbst 9,14\u201315 lasse nach Heim keine eindeutige Identifizierung zu (171). Die Sprache ist entsprechend dem weisheitlichen Genre so allgemein, dass eine pr\u00e4zise Verortung schwierig, wenn nicht unm\u00f6glich ist. Nach Heim ermutige das Buch zum anderen, Gott die Treue zu halten und an den traditionellen kulturellen Werten festzuhalten. Die Botschaft des Buches sei weder optimistisch noch pessimistisch, sondern sehe das Leben realistisch und hoffnungsvoll und bringe eine \u201eTheologie der Freude\u201c zum Ausdruck (10).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heim verzichtet auf eine Makrostruktur und gliedert das Buch in 31 Abschnitte. Nach einer Einleitung (1,1\u20133) und einer grundlegenden Beobachtung (1,4\u201311) folgen ohne \u00fcbergreifende Ordnung elf Fallstudien (1,12\u20132,26; 3,1\u201315; 3,16\u201311; 4,1\u20136; 4,7\u201312; 5,13\u201315; 5,16\u201317; 6,1\u20132; 6,3\u20139; 9,13\u201310,4; 10,5\u201315), f\u00fcnf praktische Interludien (4,13\u201316; 5,1\u20137; 5,8\u201312; 7,1\u20134; 7,15\u201322), eine Schlussfolgerung (5,18\u201320), acht Abschnitte mit Reflexionen (6,10\u201312; 7,23\u20138,1; 8,2\u20139; 8,10\u201314; 8,15\u20139,1; 9,2\u201310; 9,11\u201312; 10,16\u201320), zwei Abschnitte mit Aufforderungen (11,1\u20136; 11,7\u201312,7) und am Ende die Best\u00e4tigung der urspr\u00fcnglichen Hypothese (12,8) sowie der Epilog (12,9\u201314). Man hat den Eindruck, dass der Autor angesichts der zahlreichen und sehr unterschiedlichen Gliederungsvorschl\u00e4ge auf einen eigenen Versuch verzichtet hat. Dennoch kann beobachtet werden, dass die Reflexionen und die Aufforderungen die zweite Buchh\u00e4lfte beherrschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder der 31 Abschnitte wird im Dreischritt von \u201eContext \u2013 Commentary \u2013 Meaning\u201c behandelt. Die Kommentierung ist pr\u00e4gnant und kompakt. Sie nimmt auf zahlreiche andere Exegeten Bezug, verliert sich aber nicht in exegetischen Diskussionen. Sie erweist durchgehend ein gutes poetisches Gesp\u00fcr in der rhetorischen Analyse, in der Erkl\u00e4rung der Stilfiguren und der szenischen Darstellung. Heim erkl\u00e4rt Wortbedeutungen und Syntax, ohne sich in technischen Details zu verlieren. 1,1\u20133,15 \u00e4hnele einem philosophischen Traktat einer fiktiven k\u00f6niglichen Figur, was den ersten Zuh\u00f6rern deutlich gewesen sein soll. Dennoch komme als beschriebene Idealfigur niemand anderes als Salomo in Betracht (47). 1,2 und 12,8 weist Heim nicht wie Michael V. Fox einem rahmenden Erz\u00e4hler zu, sondern deutet es als Motto, das am Ende best\u00e4tigt werde. Das Lieblingswort Kohelets \u05d4\u05b6\u05d1\u05b6\u05dc \u00fcbersetzt Heim mit \u201emirage\u201c im Sinne einer Illusion, einer inneren optischen T\u00e4uschung (7, 38). 1,3 und 3,9 versteht Heim im Gegensatz zu den meisten Kommentaren nicht als rhetorische, sondern als echte Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erfreulich ist, dass der Kommentar ohne die Zitaten-Theorie von D. Michel auskommt, der positive Aussagen der traditionellen Schulweisheit zugesprochen hat. Darin folgt er dem Trend, das Buch als literarische Einheit zu lesen. Die Auslegung liest sich angenehm und ist teils originell geschrieben. Heim zeigt zahlreiche innerbiblischen Bez\u00fcge auf, wobei der Bezug in 12,2 auf die Flutgeschichte etwas weit hergeholt ist. Auch wenn man die zeitgeschichtliche Verortung nicht teilt, kann man Heims Kommentar mit Gewinn lesen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Walter Hilbrands, Dekan und Dozent f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knut Martin Heim: Ecclesiastes. 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