{"id":1103,"date":"2020-10-18T11:15:21","date_gmt":"2020-10-18T11:15:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1103"},"modified":"2020-10-18T11:15:23","modified_gmt":"2020-10-18T11:15:23","slug":"rainer-riesner-messias-jesus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1103","title":{"rendered":"Rainer Riesner: Messias Jesus"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rainer Riesner: <em>Messias Jesus. Seine Geschichte, seine Botschaft und ihre \u00dcberlieferung<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen Verlag, 2019, geb., 537\u00a0S., \u20ac\u00a058,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/messias-jesus.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/messias-jesus.html\">978-3-7655-9410-6<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was f\u00fcr ein tolles Buch! Rainer Riesner (emerit. Prof. f\u00fcr NT am Institut f\u00fcr evangelische Theologie der TU Dortmund) legt mit diesem gewichtigen Band nicht nur seine umfassenden historischen Kenntnisse und Einsichten zur Person Jesus, sondern auch sein Herzensanliegen einer den antiken Quellen gerecht werdenden und f\u00fcr eine existentielle Begegnung offenen Ann\u00e4herung an diese Person vor. Hier findet man viele seiner oft verstreuten oder gar vergriffenen Forschungsbeitr\u00e4ge in konzentrierter Form in einer Darstellung der Geschichte und Botschaft von Jesus verarbeitet wieder. Der Titel des Buches ist Programm (Jesus war und ist der Messias Israels) und der Untertitel wichtig. R. wollte urspr\u00fcnglich Geschichte studieren (XVI) und dieses Interesse sp\u00fcrt man in dieser Darstellung. Mit seiner wissenschaftlichen Karriere als evangelischer Theologe wurde der deutschsprachigen Gilde der Theologen im Grunde auch gleich ein versierter Historiker zur Seite gestellt. Und dieses Jesusbuch gewinnt dadurch ein eigenes Profil, denn hier sind praktisch alle interessierenden Fragen zur Geschichtlichkeit, Arch\u00e4ologie und Geografie rund um Jesus wie in einem Nachschlagewerk aufzufinden und kompetent beantwortet. M\u00f6chten Sie wissen, was die neusten Ausgrabungen in Nazareth zu Tage brachten (82\u201383) oder was man von den zwei Grabst\u00e4tten von Jesus halten soll, die man in Jerusalem zeigt (381\u2013392)? Oder wussten Sie, dass die sichtbaren Teile der Olivenb\u00e4ume im heute gezeigten \u201eGarten Gethsemane\u201c aus dem 12.&nbsp;Jh. stammen, aber nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass einige Wurzelst\u00f6cke tats\u00e4chlich schon zur Zeit von Jesus da waren (375\u2013376)? Oder dass die tyrische Silberdrachme als eine Art antiker Schweizer Franken galt (302) und der Autor R. den schlimmsten Schneesturm seines Lebens nicht in den Alpen, sondern in der Nacht vom 5. auf den 6.&nbsp;M\u00e4rz 1983 in Jerusalem erlebt hat (321, Anm. 96)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch ist in 15&nbsp;Kap. eingeteilt, beginnend mit dem alttestamentlich-j\u00fcdischen Hintergrund der Herkunft, Familie und der Pr\u00e4gung von Jesus bis hin zur Auferstehung und zwei Kap., welche die Fragen der \u00dcberlieferung der Botschaft von Jesus (durch Personen und Texte) und der Methodik der Leben-Jesu-Forschung (mit kurzem Forschungs\u00fcberblick) behandeln. Nicht ganz einsichtig ist mir die Kapitel\u00fcberschrift \u201eDer Freispruch\u201c f\u00fcr die Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Ereignisse nach dem Tod von Jesus (Grablegung, leeres Grab, Auferstehung, Wiederbegegnungen, erste messianische Gemeinde in Jerusalem) geworden. Der Aufbau folgt chronologischen \u00dcberlegungen. So ergeben die Etappen im Leben und Wirken von Jesus die Kap., mit einer besonderen Betonung der Wichtigkeit des Einschnitts durch die sogenannte \u201eKrise in Galil\u00e4a\u201c (siehe vor allem 251 dazu). Wer mehr \u00fcber die theologischen Linien in der Botschaft von Jesus erfahren m\u00f6chte, der findet z.&nbsp;B. in Kap.&nbsp;6 zu \u201eGottesfamilie und Gotteswille\u201c ausf\u00fchrlichere Informationen in 18&nbsp;Abschnitten. Und \u00fcber das ganze Buch verteilt kommen sehr viele NT-Texte in Riesners \u00dcbersetzung, bei Jesusworten bewusst strukturiert (s. dazu den Exkurs&nbsp;32 zum Memorieren und Notizen) und mit einer F\u00fclle von exegetischen Detaileinsichten und -informationen vor. Insgesamt steht aber die \u201eGeschichte\u201c von Jesus (s. Untertitel), sein Leben in Raum und Zeit, insbesondere rund um den See Genezareth und in Jerusalem, mit all den historisch bis heute noch fassbaren Spuren seiner Wirksamkeit im Vordergrund. Die historische Glaubw\u00fcrdigkeit der Ereignisse wird kritisch mit Hilfe antiker Quellen (Texte und Arch\u00e4ologie), inklusive \u2013 nach historischen Ma\u00dfst\u00e4ben \u2013 begr\u00fcndeter Benutzung der neutestamentlichen Evangelien als zuverl\u00e4ssigen Quellen, diskutiert, beleuchtet und angemessen plausibilisiert. Die meisten dieser \u201ehistorischen Ereignisse\u201c (also auch der Tod und die Auferstehung von Jesus) werden nur kurz und knapp theologisch gedeutet. Aber das tut der Lesefreude keinen Abbruch. Im Gegenteil, man liest auch vermeintlich \u201etrockene\u201c Informationen \u00fcber Orte, Br\u00e4uche, Ausgrabungen, Distanzen, politische Zusammenh\u00e4nge, Definitionen usw. mit Genuss, denn Schreibstil und Leserfreundlichkeit sind auch f\u00fcr interessierte Laien ausgezeichnet gestaltet. Fremdsprachige Worte sind entweder in Klammern gesetzt und f\u00fcr das Textverst\u00e4ndnis nicht zwingend n\u00f6tig, oder aber in Umschrift oder entsprechender deutscher \u00dcbersetzung im Kontext zu erschlie\u00dfen. Am Ende jedes Kapitels gibt es eine Literaturliste zum Thema und es sind insgesamt&nbsp;35 Exkurse jeweils am Ende des zugeh\u00f6rigen Kap. \u00fcber das Buch verteilt. Der gro\u00dfe Teil von ihnen widmet sich konzentriert geografischen Ortschaften oder jesusbiografischen Orten seines Wirkens (vom herodianischen Tempel bis zur Lage von Emmaus). Aber auch die Stammb\u00e4ume von Jesus, die Gottesanrede \u201eVater\u201c, Wunder?, das nicht-responsorische Amen, die Frage, ob es zwei Speisungswunder gab, die synoptische Frage und Apokryphe Evangelien werden in einem Exkurs behandelt. Darin sind auch sehr viele \u2013 aber nicht alle \u2013 der insgesamt 44 (gezeichneten) Abbildungen untergebracht, die meist geografische oder arch\u00e4ologische Lagepl\u00e4ne und Details enthalten. Wer eine Reise zu den wichtigsten St\u00e4tten von Jesus in Israel plant, hat damit praktisch einen Reisef\u00fchrer zur Hand. Und zwar einen \u00fcberaus kompetenten, mit sachlich verl\u00e4sslichen und aktuellsten Informationen. Neben Belegen zu \u00e4lteren oder ersten Ausgrabungsberichten sind auch die weiteren Erkenntnisse bis in die letzten Jahre verarbeitet. Statt einer langen Biografie am Ende des Buches sind die Literaturangaben entweder in den Fu\u00dfnoten ausf\u00fchrlich angegeben oder im erw\u00e4hnten Literaturteil jedes Kap. untergebracht. Auch das hilft, um bei einer spezifischen Frage sich rasch zu orientieren und wenn gew\u00fcnscht, die Originalbelege selbst nachzuschlagen. Die drei Anh\u00e4nge betreffen eine Zeittafel, die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Turiner Grabtuch und ein Liste von ca. 120 besonders einflussreichen Jesus-B\u00fcchern seit 1970. Ein Stellen-, ein Namens- und Sach-, sowie ein Autorenregister gen\u00fcgen so, um unter verschiedenen Gesichtspunkten in den 460&nbsp;S. Haupttext das zu finden, was das Herz begehrt. In einem kurzen Nachwort gibt R. Auskunft \u00fcber die Personen, die ihn in unterschiedlichen Sachfragen und pers\u00f6nlichen Lebensabschnitten gepr\u00e4gt haben. Auch der Blick auf die Bez\u00fcge und Belege im Buch zeigen an, dass R. dankenswerterweise die Arbeiten von Zahn, Jeremias oder auch Pixner, Bruce und Neugebauer besonders sch\u00e4tzt und deren Wissen und Erkenntnisse vor dem Vergessen bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was gibt es zu bem\u00e4ngeln? Inhaltlich kaum etwas. Selbstverst\u00e4ndlich muss man nicht alle Ergebnisse und Schlussfolgerungen von R. nachvollziehen (z.\u00a0B. w\u00e4ren die sogenannten Emmausj\u00fcnger bei der vorgenommenen Lokalisierung von Emmaus (Nicopolis) in k\u00fcrzester Zeit insgesamt 46 km \u201egewandert\u201c). Aber bevor man eine andere Meinung vertritt, gilt es die vorgebrachten Fakten und die grunds\u00e4tzlich vorsichtigen Schl\u00fcsse von R. immer sehr gut zu bedenken. Dass der griech. Schriftsatz f\u00fcrs Auge etwas zu gro\u00df geraten ist, man sich bei einigen Abb. (z.\u00a0B. 84, 295, 386) w\u00fcnscht, dass alle Siglen erkl\u00e4rt werden, oder bei einigen wenigen Jesustexten offenbar der griech. Text in einer Klammer fehlt (93, 302, 309 hebr., 324, 329), das sind W\u00fcnsche auf hohem Niveau. Nicht sofort einsichtig sind die in eckigen Klammern im Haupttext eingef\u00fcgten Verweise auf die Exkurse, denn sie sind allein mit einer Zahl und erst noch in Schreibweise \u201e[01]\u201c usw. angegeben. Aber das alles kann zusammen mit einigen wenigen Druckfehlern in der 2.\u00a0Aufl. leicht verbessert werden. Denn das Buch sollten Studierende, Pfarrer und Pastoren, und bibellesende Jesusnachfolger auf jeden Fall anschaffen. Aber auch an der Person Jesus Interessierte Skeptiker finden hier verl\u00e4ssliche, historisch-wissenschaftliche Informationen und dazu gen\u00fcgend Anregung und Stoff zum Nachdenken \u00fcber den bis heute im Raum stehenden Anspruch des Jesus von Nazareth.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfr. Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rainer Riesner: Messias Jesus. 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