{"id":1119,"date":"2020-10-18T11:32:55","date_gmt":"2020-10-18T11:32:55","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1119"},"modified":"2020-10-18T11:32:56","modified_gmt":"2020-10-18T11:32:56","slug":"william-j-abraham-methodism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1119","title":{"rendered":"William J. Abraham: Methodism"},"content":{"rendered":"\n<p>William J. Abraham: <em>Methodism. A Very Short Introduction<\/em>, Oxford: Oxford University Press, 2019, Pb., 143\u00a0S., $\u00a011.95, ISBN <a href=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/methodism-a-very-short-introduction-9780198802310\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/methodism-a-very-short-introduction-9780198802310\">978-0-19-880231-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die renommierte und inzwischen auf mehrere Hundert B\u00e4nde angewachsene Reihe <em>A Very Short Introduction<\/em> \u00e4hnelt in Format und Zielgruppe der in Deutschland beim Beck-Verlag in M\u00fcnchen verlegten Beck\u2019schen Reihe. Auf gut einhundert Seiten informieren ausgewiesene Fachvertreter allgemeinverst\u00e4ndlich \u00fcber einen Wissensbereich, der sich bei der Reihe der Oxford University Press von A wie Abolitionismus bis Z wie Zionismus erstreckt, wobei die Wahrscheinlichkeit, ein Buch zum Thema des eigenen Interesses zu finden, mit jedem Jahr w\u00e4chst.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2019 gibt es in der Reihe nun auch eine \u00dcberblicksdarstellung zum Methodismus, verfasst von William J. Abraham, einem irischen Methodisten, der als renommierter Religionsphilosoph, Systematischer Theologe und Kenner der methodistischen Theologiegeschichte an der Perkins School of Theology der Southern Methodist University in Dallas (Texas) lehrt. Sein Portfolio an theologischer Kompetenz gibt dem schmalen, aber gehaltvollen Band sein besonderes Gepr\u00e4ge, das es von zahlreichen anderen, st\u00e4rker ereignisgeschichtlich interessierten Einf\u00fchrungen unterscheidet. Abraham bietet demgegen\u00fcber eine theologiegeschichtliche Darstellung, die sich zwar an den historischen Wegmarken der methodistischen Bewegung orientiert, diese jedoch in die sich ver\u00e4ndernden geistesgeschichtlichen Horizonte der Zeit (Anglikanismus, Aufkl\u00e4rung, Globalisierung, Sp\u00e4tmoderne) einzeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Band markiert \u00fcber seine neun Kapitel hinweg zwar eine Bewegung von den Anf\u00e4ngen des Methodismus im Oxford des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, doch tragen die Kapitel eher ein thematisches Gepr\u00e4ge. Behandelt werden unter anderem: (a) das Selbstverst\u00e4ndnis und die Botschaft des (fr\u00fchen) Methodismus, (b)&nbsp;anhand der Kirchenvereinigung 1968 der Versuch, aus der Not des theologischen Pluralismus eine Tugend zu machen, (c) die Vision eines geheiligten Lebens anhand der von Wesley identifizierten Gnadenmittel (Bibelstudium, Gebet, Abendmahl und praktizierte N\u00e4chstenliebe), (d) die Auswirkungen der methodistischen Bewegung auf den Kampf f\u00fcr die Abschaffung der Sklaverei, f\u00fcr Bildung und medizinische Versorgung. Dabei konzentriert sich der Vf. auf den britisch-irischen und US-amerikanischen Methodismus, wirft gelegentlich aber auch einen Blick auf die methodistische Pr\u00e4senz in Staaten der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re. Abraham schreibt kurzweilig, kompetent und in der Analyse ebenso klarsichtig wie streitbar. Die Leser werden kenntnisreich (und an ausgew\u00e4hlten Punkten auch detailreich) dar\u00fcber informiert, wie Wesleys Vision erneuerten christlichen Lebens in den vergangenen drei Jahrhunderten Gestalt gewann und sich diese Gestalt bis in die Gegenwart hinein ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Abraham setzt in seiner geistes- und problemgeschichtlich orientierten Darstellung einige eigene Akzente, die in der evangelikalen Rezeption auf Resonanz sto\u00dfen d\u00fcrften. Ich nenne vier solche Akzente: (1) Abrahams besonderes Interesse gilt der Dialektik von Kirche und Bewegung. So arbeitet er heraus, dass Wesley die Kirche von England erneuern und die Gesellschaft reformieren wollte, sein Erneuerungs- und Reformprogramm sich aber in den gewachsenen Strukturen der Staatskirche nicht verwirklichen lie\u00df, weshalb die methodistische Bewegung zun\u00e4chst in den Vereinigten Staaten, nach Wesleys Tod dann auch in Gro\u00dfbritannien, zur Kirche wurde. Er vertritt die \u00dcberzeugung, dass Erneuerung fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die Strukturen und das Ethos einer verfassten Kirche in Frage stellt und die Spannung zwischen Kirche und Bewegung neu aufbricht. Das bedeutet f\u00fcr ihn, dass verfasste Kirchen eine der Erneuerung dienende Funktion haben, was sie theologisch nicht entwertet (ist es doch Gottes Geist, der Erneuerung wirkt), sie aber als Gnadenmittel von der Gnade zu unterscheiden sind, die in ihnen und durch sie wirkt. Er erw\u00e4gt, dass es die historische Mission der Methodistenkirche sein k\u00f6nnte, nicht nur die pfingstlich-charismatischen Bewegungen (die er \u2013 wohl etwas vergr\u00f6bernd \u2013 als theologische Enkel Wesleys versteht), sondern \u00fcberhaupt eine Reihe von Erneuerungsbewegungen hervorgebracht zu haben (vgl. 109f).<\/p>\n\n\n\n<p>(2) Abraham legt anhand der Entwicklungen vornehmlich der United Methodist Church in den USA dar, dass ein theologischer Pluralismus in die Sackgasse f\u00fchrt. Der kirchliche Pluralismus habe \u201eno coherent message and no coherent body of doctrine\u201d hervorgebracht (61) und eine Einigung deshalb (lediglich) dar\u00fcber gesucht, was in Fragen der Theologie als Autorit\u00e4t zu gelten habe. Die Antwort der Vereinigungskonferenz von 1968 lautete: Bibel, Tradition, Vernunft und Erfahrung \u2013 das bekannte \u201eWesleyan Quadrilateral\u201c, mit dem sich je nach Anwendung theologisch fast alles begr\u00fcnden lasse und begr\u00fcndet worden sei. Abraham hat sich in anderen Ver\u00f6ffentlichungen fundiert und kritisch zum Quadrilateral ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Abraham beschreibt nicht nur die St\u00e4rken der methodistischen Vision erneuerten Lebens, sondern fragt auch nach den Gr\u00fcnden ihres Niedergangs in der westlichen Welt. Er diskutiert kritisch mehrere Verfallstheorien, die im Kern an g\u00e4ngige S\u00e4kularisierungsnarrative anschlie\u00dfen. Dabei scheint er sie jeweils als Teilerkl\u00e4rungen zu akzeptieren, deutet aber an, dass ein wesentlicher Grund f\u00fcr den Niedergang im Mangel an Selbstverleugnung und vorbehaltloser Hingabe an Gott liegen d\u00fcrfte. Vor diesem Hintergrund pl\u00e4diert er f\u00fcr eine Neubesinnung auf die von Wesley profilierte Verbindung von methodistischer \u201edoctrine\u201c, \u201eexperience\u201c, \u201epractice\u201c und \u201ediscipline\u201c (106).<\/p>\n\n\n\n<p>(4) St\u00e4rker als in anderen Einf\u00fchrungsdarstellungen wird in diesem Band auf innerkirchliche Erneuerungsbewegungen hingewiesen, denen erkennbar die Sympathie des Autors gilt. F\u00fcr Abraham tragen sie das Anliegen Wesleys weiter und werden das auch in der sich gegenw\u00e4rtig formierenden konservativen Methodistenkirche tun, die nach der auf 2021 verschobenen Generalkonferenz entstehen k\u00f6nnte. Abraham, der zu den Bef\u00fcrwortern einer Methodistenkirche geh\u00f6rt, die sich theologisch und ethisch aus dem biblischen und altkirchlichen Zeugnis von Jesus Christus erneuern l\u00e4sst, verspr\u00fcht Zuversicht: Der Methodismus wird, zumal in globaler Perspektive, unter diesem oder anderem Namen weiterbestehen, solange Christen sich und ihre kirchlichen Gef\u00e4\u00dfe dem Erneuerung wirkenden Gottesgeist zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Diese kurze Einf\u00fchrung misst die kirchlichen und theologischen Entwicklungen des Methodismus an Wesleys urspr\u00fcnglichem Anliegen, dem erneuernden und reformierenden Wirken des Heiligen Geistes Raum zu geben. So entsteht eine problemorientierte Darstellung, die wichtige theologiegeschichtliche Entwicklungen von einer \u2013 theologisch im Methodismus der Gegenwart strittigen \u2013 Perspektive her einordnet, die sich zur Geltung der methodistischen Grundlagentexte bekennt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Christoph Raedel, Professor f\u00fcr Systematische Theologie und Theologiegeschichte an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>William J. Abraham: Methodism. 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