{"id":1125,"date":"2020-10-18T11:41:43","date_gmt":"2020-10-18T11:41:43","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1125"},"modified":"2020-10-18T11:41:56","modified_gmt":"2020-10-18T11:41:56","slug":"werner-thiede-hg-karl-barths-theologie-der-krise-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1125","title":{"rendered":"Werner Thiede (Hg.): Karl Barths Theologie der Krise heute"},"content":{"rendered":"\n<p>Werner Thiede (Hg.): <em>Karl Barths Theologie der Krise heute. Transfer-Versuche zum 50. Todestag<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2018, Pb., 284&nbsp;S., \u20ac&nbsp;38,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4546_Karl-Barths-Theologie-der-Krise-heute.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4546_Karl-Barths-Theologie-der-Krise-heute.html\">978-3-374-05632-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der 2018 zum 50. Todestag Karl Barths von Werner Thiede herausgegebene Sammelband umfasst 14 Aufs\u00e4tze deutschsprachiger Autoren zu unterschiedlichen Themengebieten der Theologie Barths. Dabei soll der Anspruch der Autoren der sein, einen Transfer zwischen Barths Theologie und der heutigen Situation anzusto\u00dfen. Dieses Anliegen scheint angesichts der immer noch bestehenden Aktualit\u00e4t Barth\u2019scher Theologie lohnenswert. Dennoch kann hinterfragt werden, ob die Entwicklungen, auf die sich der Herausgeber in seinem Vorwort bezieht, namentlich die \u201ewachsende Hingabe an k\u00fcnstliche Intelligenz\u201c und lethargische \u201eSelbstpreisgabe angesichts digitaler \u00dcberwachungs- und rechtlicher sowie mentaler Entm\u00fcndigungstrukturen\u201c (5), wirklich mit den Krisenph\u00e4nomenen vergleichbar sind, die Barths Theologie entscheidend angesto\u00dfen haben, z. B. einem Weltkrieg mit mehreren Millionen Toten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem hier begrenzten Raum k\u00f6nnen nicht alle Aufs\u00e4tze besprochen, sondern lediglich einige Schlaglichter gesetzt werden. Der angestrebte Transferversuch gelingt in pointierter Weise dem Aufsatz von Harald Seubert, der zun\u00e4chst einzelne Aspekte von Barths Krisis-Verst\u00e4ndnis skizziert und diese jeweils in ihr Verh\u00e4ltnis zum Ausgangspunkt der Entstehung setzt. Dabei ist es ihm wichtig, auch die Spannungen und Schwierigkeiten zu beachten, die Barths spezieller Entwurf mit sich bringt. Kritisch zu hinterfragen ist allerdings die Bezeichnung von Christus als \u201eSynthese\u201c der durch die Krisis hervorgerufenen Gegens\u00e4tze, betont doch Barth immer wieder, dass die Krisis keinesfalls aufgel\u00f6st, sondern in Christus ausgehalten wird. Der Transfer wird unter Beachtung der Tatsache durchgef\u00fchrt, dass \u201eeine unmittelbare Aktualisierung von exemplarischen Positionen der Theologiegeschichte\u201c (25) vorsichtig geschehen sollte. Als besonders fruchtbar f\u00fcr die heutige Zeit hebt er den Ansatz der Krisis-Theologie hervor, weil er nicht in einer Polemik gegen den Zeitgeist stehenbleibt, sondern den Epochenumbruch \u2013 den er auch f\u00fcr heute zu sehen scheint \u2013 \u201eauf die Gegenwart Gottes in seiner Offenbarung in Christus\u201c hin durchsichtig macht (26). Er schl\u00e4gt zudem vor, polemisch aufgeladene Begriffe Barths zu versachlichen, da sie dann hilfreich sein k\u00f6nnten, um Problematiken der gegenw\u00e4rtigen theologischen Lage zu bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Raedel befasst sich mit Barths Schriftverst\u00e4ndnis und der Krise der historisch-kritischen Methode. Er stellt Barths Kritik an der historisch-kritischen Methode ebenso pr\u00e4gnant und verst\u00e4ndlich dar, wie Barths vor allem in KD I\/1 in gro\u00dfem Umfang ausgef\u00fchrtes Schriftverst\u00e4ndnis. Dabei verzichtet er nicht auf berechtigte, aber sehr sachlich vorgetragene Kritik. So hebt er z. B. mit 2Tim 3,16 gegen Barth hervor, dass hier von genau der Inspiriertheit ausgegangen werde, die Barth zur\u00fcckweise (130f). Ebenso betont er, Gott habe sich in sein Wort ent\u00e4u\u00dfert und sich an dieses gebunden (132) und hebt hervor, dass die Fehlbarkeit menschlicher Autoren nicht zwangsl\u00e4ufig eine Fehlerhaftigkeit in ihrem Reden von Gott bedeute (133). Barths Schriftverst\u00e4ndnis bleibe dennoch bedenkenswert f\u00fcr heutige Theologie, da er die Notwendigkeit einer vom Heiligen Geist bewegten Theologie und Auslegung ebenso betone, wie die Haltung, sich von der Schrift kritisieren zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Ulrich unternimmt den Versuch, Barths theologische Ethik in ihrer Konsistenz zu beschreiben, was ein nicht einfaches Unterfangen ist, weil, wie Ulrich selber bemerkt, Barths Ethik \u00fcber verschiedene Bereiche seines Werkes entfaltet und daher schwierig zu fassen ist. Die St\u00e4rke seines Beitrags liegt u. a. darin, die ganz eigene Grammatik aufzuzeigen, der Barths Ethik folgt. Ulrich sieht auch deshalb in ihr einen in der evangelischen Theologiegeschichte einzigartigen Entwurf. In diesem Sinn zeigt er auf, dass Ethik nicht in einzelnen Handlungsanweisungen, sondern im Erkennen der \u201eWirklichkeit des handelnden Gottes\u201c besteht, die als eine \u201evon Menschen zu lebende Wirklichkeit\u201c ihren Ausdruck findet (159). F\u00fcr den angestrebten Transfer bleibt allerdings fraglich, ob es f\u00fcr praktisch-ethisches Handeln ausreicht, lediglich darauf zu verweisen, dass \u201edas gelebte und zu lebende Ethos in Jesus Christus gegeben und realisiert erscheint\u201c und die Christusgeschichte im Zeugnis weitergelebt wird (172).<\/p>\n\n\n\n<p>Ausdr\u00fccklich hervorgehoben werden soll der Beitrag des Barth-Kenners Wolf Kr\u00f6tke \u00fcber die Taufe als Dienstantritt der Partnerinnern und Partner Gottes. Vor dem Hintergrund von Barths Tauflehre in KD IV\/4 hinterfragt Kr\u00f6tke sehr scharfsinnig aktuelle Entwicklungen zur Taufe in der EKD, wo die Taufe in den Dienst menschlicher Bed\u00fcrfnisse zur Verleihung g\u00f6ttlicher Kraft verw\u00e4ssert wird. Demgegen\u00fcber stellt er die Tauflehre Barths unter dem Aspekt der Mitwirkung des Menschen am Handeln Gottes dar, ohne dabei in ein katholisch gepr\u00e4gtes Verst\u00e4ndnis abzugleiten. Insgesamt zeigt er sehr schl\u00fcssig auf, dass Barths Tauflehre in der Vergangenheit zwar viel Ablehnung erfahren hat, aber gerade heute einen wertvollen Beitrag leisten k\u00f6nnte, um m\u00fcndiges Christsein zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich die Aufs\u00e4tze dieses Sammelbandes inhaltlich wie sprachlich von deutlich unterschiedlicher Qualit\u00e4t sind und manche der Transfer-Versuche gewagt erscheinen, besteht die St\u00e4rke dieses Bandes darin, Barth\u2019sche Theologie f\u00fcr eine pluralistische und beinahe schon post-christliche Gesellschaft fruchtbar zu machen. Wenngleich die Ans\u00e4tze des Herausgebers selbst nicht nur Zustimmung erfahren werden, ist ihm doch daf\u00fcr zu danken, mit diesem Band in Erinnerung zu rufen, dass die Theologie Karl Barths ihre beste Zeit noch lange nicht hinter sich hat und ein Transfer in unsere Zeit stets lohnenswert sein kann.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Henrik Homrighausen, M.A. ev. Theol., ist Dean of Students an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Thiede (Hg.): Karl Barths Theologie der Krise heute. Transfer-Versuche zum 50. Todestag, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2018, Pb., 284&nbsp;S., \u20ac&nbsp;38,\u2013,<\/p>\n","protected":false},"author":77,"featured_media":1126,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1125","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/77"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1125"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1128,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1125\/revisions\/1128"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1126"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}