{"id":1132,"date":"2020-10-18T12:32:58","date_gmt":"2020-10-18T12:32:58","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1132"},"modified":"2020-10-18T12:40:17","modified_gmt":"2020-10-18T12:40:17","slug":"marc-haessig-johann-conrad-dannhauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1132","title":{"rendered":"Marc Haessig: Johann Conrad Dannhauer"},"content":{"rendered":"\n<p>Marc Haessig: <em>Johann Conrad Dannhauer. Der M\u00fcnsterprediger; Sursum Corda! Die Herzen in die H\u00f6he!<\/em>, Memmingen: Im Selbstverlag, 2019, Pb., \u20ac&nbsp;38,\u2013, ISBN <a href=\"http:\/\/d-nb.info\/1186650087\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/d-nb.info\/1186650087\">978-00-062026-3<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Johann Conrad Dannhauer (1603\u20131666) geh\u00f6rt heutzutage zu den Theologen des 17.&nbsp;Jahrhunderts, mit deren Bekanntheit man nicht rechnen muss. Vielen ist er am ehesten als Lehrer Philipp Jakob Speners (1635\u20131705), der als \u201eVater des Pietismus\u201c bezeichnet wird, ein Begriff. Umso erstaunlicher ist es, dass in den beiden letzten Jahren gleich zwei Werke zu dem Stra\u00dfburger Theologen erschienen sind. In der \u2013 hier nicht vorzustellenden \u2013 Arbeit Daniel Bolligers geht es um den Zusammenhang von Dannhauers philosophischem (Logik, Dialektik, Hermeneutik) und theologischem Werk und seiner kirchlichen Predigt, w\u00e4hrend sich Haessig zum allergr\u00f6\u00dften Teil auf die Darstellung des Stoffes beschr\u00e4nkt, den Dannhauer in seiner zehnb\u00e4ndigen \u201eCatechismus-Milch\u201c vortr\u00e4gt, erg\u00e4nzt durch einige andere ver\u00f6ffentlichte Predigten. Dieses monumentale Werk, das in mehreren Auflagen erschien, ist wohl die ausf\u00fchrlichste Serie von Katechismuspredigten in der Geschichte dieser Gattung \u00fcberhaupt. Dannhauer, Theologieprofessor und lutherischer Pfarrer in Stra\u00dfburg, hielt sie in der zweiten H\u00e4lfte des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges und in den Jahren danach. Die letzten B\u00e4nde wurden erst posthum von seinem Schwiegersohn Balthasar Bebel ediert. Diese von Haessig im Wesentlichen herangezogene Auswahl von Quellentexten l\u00e4sst Dannhauers volumin\u00f6ses lateinischsprachiges theologisches (und erst sein philosophisches und methodologisches) Werk au\u00dferacht. Dadurch wird die Zielsetzung des hier vorzustellenden Buches erkennbar. Es geht weniger darum, Dannhauer als Theologen und Prediger des 17.&nbsp;Jahrhunderts im \u00dcbergang von der Hoch- zur Sp\u00e4torthodoxie oder als einen Lehrer \u2013 wahlweise \u2013 der \u201ePietisten\u201c oder der \u201ePietistengegner\u201c zu charakterisieren, sondern Haessig findet, wie er im Vorwort darstellt (15), in ihm einen \u201ekongenialen\u201c Partner, der 300 Jahre vor ihm in der gleichen Stadt, Stra\u00dfburg, wirkte. Dannhauer wird gleichsam durch die Feder Haessigs zu einem Erweckungs- oder auch Bu\u00dfprediger f\u00fcr die Gegenwart. Dies zeigt sich nicht nur in dem systematischen Aufbau der Arbeit. Sie folgt \u2013 nach einer Einordnung seiner Person in die damalige politische und kirchliche Situation (35\u2013220) \u2013 einer von Haessig vorgenommenen eigenen Ordnung und gewinnt dadurch die Form einer \u201eEinf\u00fchrung in die Theologie\u201c, in der die Inhalte von Dogmatik, Ethik und kirchlicher Praxis in ausf\u00fchrlichen und in viele Unterkapitel aufgeteilte Abschnitte geordnet werden. Die Aussagen Dannhauers, vor allem aus der \u201eCatechismus-Milch\u201c, werden als \u201edicta probantia\u201c verwendet, ohne dabei den textualen und situativen Kontext oder die Genese eines Gedankens genauer zu ber\u00fccksichtigen. Damit wird die Arbeit, auch wenn Haessig dies ausdr\u00fccklich nicht will, zu einer \u201eDogmatik\u201c (16), wenigstens in denjenigen Teilen, die den Stoff christlicher Lehren darstellen. Haessigs Zur\u00fcckweisung, eine \u201eDogmatik\u201c vorzulegen (16), ist auch viel mehr von der \u00dcberlegung gepr\u00e4gt, Dannhauers \u201eCatechismus-Milch\u201c bestehe schlechthin aus Predigten und sei deswegen kein dogmatisches Werk. Dies trifft insofern tats\u00e4chlich zu, als Dannhauer den Theologen seine lutherische Dogmatik in der \u2013 selbstverst\u00e4ndlich lateinischsprachigen \u2013 \u201eHodosophia Christiana\u201c vorlegt. Aber es war in der damaligen Zeit durchaus \u00fcblich, seine \u201eDogmatik\u201c auch in Form von Predigten vorzutragen, wie es etwa Dannhauers prominentester Sch\u00fcler Philipp Jakob Spener zeigt, der seine \u201eDogmatik\u201c in einer Predigtreihe vortrug, die in zwei B\u00e4nden unter dem Titel \u201eEvangelische Glaubenslehre\u201c ver\u00f6ffentlicht wurde. Es entspricht also Haessigs Vorbild und der Gepflogenheit im 17.&nbsp;Jahrhundert, wenn er zwar keine Predigtreihe vorlegt, wohl aber eine \u201edogmatisch\u201c aufgebaute, par\u00e4netische Darlegung des Stoffes mittels der aus Dannhauers Texten gewonnenen Aussagen. Wollte man also die fachspezifischen Methoden einer kirchen- oder theologiegeschichtlichen Untersuchung erwarten, w\u00fcrde dies weder Ziel noch Anspruch Haessigs entsprechen. Er m\u00f6chte vielmehr eine \u201erechtgl\u00e4ubige\u201c Darlegung des christlichen Glaubens und Lebens vornehmen, zu dem ihm die Texte des \u201eorthodoxen\u201c Dannhauer als ein geeignetes Werkzeug erscheinen. Deswegen muss es nicht verwundern, wenn in die Abhandlung bestimmter Themen Fragestellungen der j\u00fcngeren Theologie und Kirche einflie\u00dfen, die f\u00fcr ein Verstehen Dannhauers keine Rolle spielen k\u00f6nnen (s.&nbsp;252). Als Beispiel mag die \u2013 ausgesprochen ausf\u00fchrliche \u2013 Behandlung der modernen Definition von \u201eVolk\u201c (128f) bzw. \u201eVaterland\u201c (112, 133) dienen, in der sich Haessig mit einem von ihm problematisierten Begriff von \u201eGesellschaft\u201c auseinandersetzt, den Dannhauer gar nicht kennen konnte. Das einleitende Kapitel zeigt deutlich, dass Dannhauer Haessig den Stoff bietet f\u00fcr eine aus seiner Sicht kritische Entwicklung von Kirche und Theologie in der heutigen Zeit. Man kann auf diese Weise einen historischen Stoff bereitstellen. Der Leser muss sich dessen aber bewusst sein, um keine falsche Erwartung an das Buch aufzubauen. Insofern ist es an sich gut, den Versuch unternommen zu haben, eine Br\u00fccke von der wissenschaftlichen Behandlung eines historischen Stoffes zu den \u201einteressierten Gemeindegliedern\u201c (15) zu schlagen. Es w\u00e4re aber gut gewesen, die w\u00fcnschenswerte Demut gegen\u00fcber dem darzustellenden Stoff der Geschichte besser eingehalten zu haben. Wer durch das hier vorgestellte Buch animiert wird, sich mit der facettenreichen Person Johann Conrad Dannhauers zu besch\u00e4ftigen, findet einen gro\u00dfen Teil der Publikationen des Stra\u00dfburger Theologen zur Lekt\u00fcre im Internet. Das Buch Haessigs kann dann dazu als Hinf\u00fchrung dienen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Klaus vom Orde, Halle (Saale), Edition Spenerbriefe, S\u00e4chsische Akademie der Wissenschaften<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marc Haessig: Johann Conrad Dannhauer. Der M\u00fcnsterprediger; Sursum Corda! 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