{"id":1142,"date":"2020-10-18T12:49:01","date_gmt":"2020-10-18T12:49:01","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1142"},"modified":"2020-10-18T12:49:10","modified_gmt":"2020-10-18T12:49:10","slug":"helge-stadelmann-peter-zimmerling-hg-johann-jakob-rambach-1693-1735","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1142","title":{"rendered":"Helge Stadelmann \/ Peter Zimmerling (Hg.): Johann Jakob Rambach (1693\u20131735)"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Helge Stadelmann&nbsp;\/&nbsp;Peter Zimmerling (Hg.):<em> Johann Jakob Rambach (1693\u20131735). Praktischer Theologe und Schriftsteller<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2019, Pb., 230&nbsp;S., \u20ac&nbsp;38,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4790_Johann-Jakob-Rambach--1693-1735-.html\">978-3-374-06220-1<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der hier vorliegende Tagungsband ist Ergebnis eines Symposiums an der FTH Gie\u00dfen vom Oktober 2018, zu dem Helge Stadelmann (FTH Gie\u00dfen) und Peter Zimmerling (Uni Leipzig), mit dem Ziel einluden, auf den noch wenig erforschten Gie\u00dfener Theologieprofessor (1731\u20131735) Johann Jakob Rambach aufmerksam zu machen. Durch Beitr\u00e4ge sowohl zu Rambachs theologiegeschichtlichen Wurzeln als auch zu deren Ausformungen auf dem Feld der Hermeneutik, Homiletik, Katechese, Moraltheologie und Hymnologie sollten das Wirken und die Pers\u00f6nlichkeit Rambachs als Teil der pietistischen Reformbewegung an Konturen gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank L\u00fcdke (EH Tabor\/Marburg) gibt im ersten Beitrag einen \u00dcberblick \u00fcber die damalige deutsche Universit\u00e4tslandschaft, wo neun von 22 theologischen Fakult\u00e4ten pietistisch gepr\u00e4gt waren. Ulrike Treusch (FTH Gie\u00dfen) stellt anhand von Rambachs Vorreden zu eigenen Luthereditionen heraus, dass es ihm vor allem darum ging, Luther als Bibelausleger und Glaubenszeugen zur Sprache zu bringen. Rambachs Wurzeln bei Johann Arndt widmet sich der Beitrag von Athina Lexutt (Uni Gie\u00dfen). Auch sie untersucht Vorreden Rambachs, allerdings zu Arndt-Editionen. Darin verteidigt er Arndt zunehmend verkl\u00e4rter. Er sieht die teilweise Berechtigung mancher Vorw\u00fcrfe, rechtfertigt Arndt aber als wichtigen Erneuerer der Kirche, indem er lutherisches Erbe, die Fr\u00fcchte des Glaubens und eine gelebte <em>praxis pietatis<\/em> miteinander verkn\u00fcpfte. Zur theologiegeschichtlichen Einordnung geh\u00f6rt auch Rambachs Stellung zur Fr\u00fchaufkl\u00e4rung. Im Beitrag zu Rambach und den Sozinianern von Ralf-Thomas Klein (FTH Gie\u00dfen) wird dargelegt, dass Rambach sich zeitlebens in beachtlichem Umfang mit der Abgrenzung zum Sozianismus besch\u00e4ftigt hatte, insbesondere mit der Verh\u00e4ltnisbestimmung von Vernunft und Offenbarung. In der Fr\u00fchaufkl\u00e4rung sah Rambach einen Angriff auf den Kern des lutherischen Glaubens, die Schriftautorit\u00e4t. Hier ganz in der lutherischen Orthodoxie verwurzelt, geht Rambach aber \u00fcber diese hinaus, indem er der Vernunft eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung beimisst. Die biblische Offenbarung stehe zwar \u00fcber der Vernunft, sie d\u00fcrfe aber nicht gegen die Vernunft gebraucht werden. Rambach verweigerte sich einem \u201eunvern\u00fcnftigen\u201c Biblizismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesen theologiegeschichtlichen Einordnungen widmen sich die weiteren Beitr\u00e4ge einzelnen Themenfeldern Rambachs als \u201ePraktischen Theologen\u201c, so auch der Untertitel des Buches. Stadelmann untersucht Rambach als biblischen Exegeten und Hermeneut. Auf breiter Quellenbasis werden Rambachs Schritte in der Predigtvorbereitung entfaltet, so dass Zimmerling im folgenden Beitrag anerkennen muss: \u201eRambachs Homiletik enth\u00e4lt fast s\u00e4mtliche Arbeitsschritte, die auch heute noch im homiletischen Seminar im Rahmen der wissenschaftlichen Ausbildung von Theologiestudierenden \u00fcblich sind (115).\u201c Stadelmann charakterisiert Rambach nicht nur als homiletischen Gelehrten, sondern auch als in der Bev\u00f6lkerung beliebten Prediger: \u201eChrysostomus dieses Zeitalters\u201c (86) und w\u00fcrdigt Rambachs allerorts gepflegte diverse \u201e<em>collegia\u201c<\/em>, die auf die breite Bev\u00f6lkerung zielten. In Zimmerlings Gegen\u00fcberstellung der Homiletik Rambachs und Zinzendorfs ragt Rambach als homiletischer Gelehrter heraus, w\u00e4hrend Zinzendorf der begnadetere und ausdifferenziertere Praktiker war. Wie \u00fcberhaupt dieser Beitrag st\u00e4rker Zinzendorfs als Rambachs Leistungen zu w\u00fcrdigen scheint, dem \u201eVollender und \u00dcberwinder des Pietismus\u201c (99), was gut und gern Gegenstand eines weiteren Symposiums sein k\u00f6nnte. Rambach als Pastoraltheologen widmet sich Klaus vom Orde (S\u00e4chsische Akademie der Wissenschaften, Leipzig). Er hatte im Auftrag der Historischen Kommission zur Erforschung des Pietismus u.&nbsp;a. einen Auszug aus Rambachs Einf\u00fchrungsvorlesungen f\u00fcr Theologiestudenten in Gie\u00dfen 1731\/32 herausgegeben und entfaltet in seinem Beitrag \u00fcber die Spiritualit\u00e4t im Theologiestudium, wie Rambach darin den Studenten gleichsam als spiritueller Meister anhand von Luthers <em>oratio, meditatio<\/em> und <em>tentatio<\/em> den Weg in die Tiefen geistlicher Erfahrungen weist und sich als Moraltheologe qualifiziert. Andreas J. Beck (Ev. Theol. Fakult\u00e4t Leuven\/Belgien) sieht denn auch in der nach Rambachs Tod 1738 ver\u00f6ffentlichten Moraltheologie eines seiner Hauptwerke, in dem er allerdings seine Gefahr einer zum Perfektionismus neigenden Heiligungslehre offenbart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rambachs Wirken als Katechet untersucht schlie\u00dflich Stefanie Pfister (Uni M\u00fcnster) anhand seines \u201eErbaulichen Handb\u00fcchleins f\u00fcr Kinder\u201c von 1734. Auch wenn Pfister hier durchaus eine Weiterentwicklung bisheriger Katechismen erkennen kann, kritisiert sie, dass Rambach hinter eigenen religionsp\u00e4dagogischen Forderungen und Franckes Applikationskonzept zur\u00fcckbleibt. Schlie\u00dflich untersucht die Marburger Musikwissenschaftlerin Daniela Wissemann-Garbe zwei von Rambach herausgegebene hessische Gesangb\u00fccher, die sich aber nicht durchsetzen konnten. Beachtung verdient die breite dogmatisch ausdifferenzierte Gestaltung der Liedauswahl. Die detaillierte Bestandsaufnahme \u00fcberl\u00e4sst es allerdings dem Leser herauszufinden, dass Rambach gegen\u00fcber dem Halleschen Gesangbuch Freylinghausens wieder verst\u00e4rkt reformatorisches, aber auch in Hessen popul\u00e4res Liedgut aufnahm. Als Entsch\u00e4digung daf\u00fcr, dass hier keine der 183 eigenen Dichtungen Rambachs eingehender untersucht werden, darf sich der Leser auf den letzten Beitrag freuen, wo der Uwe Swarat (TH Elstal) fragt, warum das bekannte Tauflied \u201eIch bin getauft auf deinen Namen\u201c sowohl in den Volkskirchen als auch in Kirchen mit ausschlie\u00dflich praktizierter Erwachsenentaufe verbreitet und beliebt ist. Er f\u00fchrt es schlie\u00dflich auf die Tauftheologie des Liedes zur\u00fcck, in der Rambach die Taufe als gegenseitigen Bund von Gott und Mensch deutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tagungsband gibt einen Einblick in das Leben und Werk Rambachs. Auf zahlreiche von Rambachs 119 Schriften und einige seiner 51 Editionsprojekte wird hier zumindest exemplarisch eingegangen. Die theologiegeschichtlichen Wurzeln bei Luther, Arndt und in Abgrenzung zur Fr\u00fchaufkl\u00e4rung werden deutlich. Seine Hauptwurzel, der Hallesche Pietismus, klingt bei einigen Beitr\u00e4gen zwar an, wird aber nicht eingehender thematisiert. An biographischen Untersuchungen hat Stadelmann einiges zusammengetragen, aber Rambachs Stellung innerhalb der pietistischen Bewegung in Halle, Jena und Gie\u00dfen, sein Wirken als Herausgeber einer theologischen Zeitschrift u.&nbsp;v.&nbsp;m.&nbsp;bleiben noch weiteren Untersuchungen vorbehalten. Dass kein Beitrag den gegenw\u00e4rtigen Forschungsstand zu Rambach skizziert oder eine Bestandsaufnahme zu leisten vermag, markiert ein Desiderat nicht nur dieses Bandes, sondern der Forschungslage insgesamt. Indem der Band in die Tiefe der Gedanken und Spiritualit\u00e4t eines kirchlichen Reformers einf\u00fchrt, macht er neugierig und schl\u00e4gt zugleich Schneisen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Untersuchungen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Christoph Rymatzki, Pfarrer in Jena<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helge Stadelmann&nbsp;\/&nbsp;Peter Zimmerling (Hg.): Johann Jakob Rambach (1693\u20131735). 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