{"id":1154,"date":"2020-10-18T13:29:59","date_gmt":"2020-10-18T13:29:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1154"},"modified":"2020-10-18T13:30:00","modified_gmt":"2020-10-18T13:30:00","slug":"philipp-bartholomae-freikirche-mit-mission","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1154","title":{"rendered":"Philipp Bartholom\u00e4: Freikirche mit Mission"},"content":{"rendered":"\n<p>Philipp Bartholom\u00e4: <em>Freikirche mit Mission. Perspektiven f\u00fcr den freikirchlichen Gemeindeaufbau im nachchristlichen Kontext<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2019, Pb., 640\u00a0S., \u20ac\u00a044,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4811_Freikirche-mit-Mission.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4811_Freikirche-mit-Mission.html\">978-3374061617<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der Theologieprofessor Philipp Bartholom\u00e4 hat mit dem Buch \u201eFreikirche mit Mission\u201c eine leicht \u00fcberarbeitete Fassung seiner \u201ePostdoctoral Thesis\u201c, die 2018 an der Faculty of Religion and Theology an der Vrijen Universiteit Amsterdam angenommen wurde, ver\u00f6ffentlicht. 13 Jahre lang war er freikirchlicher Pastor im pf\u00e4lzischen Landau und lehrt inzwischen Praktische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule in Gie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die empirische Studie zum missionarischen Gemeindeaufbau will eine Br\u00fccke zwischen akademischer Reflektion, ekklesiologischem und missiologischem Sachverhalt und missionarischer Praxis in den Freikirchen im Kontext einer nachchristlichen Gesellschaft schlagen (9.) Der Autor will deshalb bewusst nicht nur Akademiker, sondern auch (frei-)kirchliche Verantwortungstr\u00e4ger erreichen. Bartholom\u00e4 hat daf\u00fcr den Johann-Tobias-Beck-Preis des Arbeitskreises f\u00fcr evangelikale Theologie erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch umfasst neun Kapitel. In der Einleitung stellt der Autor die Freikirchen als Forschungsgegenstand dar. Dabei lautet die Ausgangsthese, dass sich auch die Freikirchen in einer \u201eKrise der Mission\u201c (38) befinden. Laut Statistik wachsen die Freikirchen kaum oder gar nicht. Wobei der Fokus im Wesentlichen auf den klassischen bzw. gr\u00f6\u00dferen Gemeindeverb\u00e4nden liegt (30). So werden beispielsweise die russlanddeutschen Gemeinden mit \u00fcber 1000 Freikirchen, die die gr\u00f6\u00dfte Bewegung der Freikirchen in Deutschland bilden, nur rudiment\u00e4r erw\u00e4hnt, wobei dies dem Umstand geschuldet sein k\u00f6nnte, dass sich solche Gemeinden kaum erfassen und empirisch untersuchen lassen. Ziel der Studie ist \u201eden Herausforderungen als auch der tats\u00e4chlichen missionarischen Praxis von Freikirchen in Deutschland angesichts der nachchristlich-s\u00e4kularen Rahmenbedingungen auf den Grund zu gehen\u201c (52).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem zweiten Kapitel wird eine ekklesiologische Identit\u00e4t der Freikirchen aus der Entstehungsgeschichte skizziert. Freikirchen sind im Kontext und als Konterpart zur Volkskirche in Deutschland entstanden. Dieses Kapitel bietet einen hervorragenden \u00dcberblick und Einblick f\u00fcr Kirchengeschichtsinteressierte, die bisher die freikirchliche Landschaft nicht gekannt haben. Der N\u00e4hrboden f\u00fcr die Entstehung der Freikirchen seien einerseits die erwecklichen Str\u00f6mungen innerhalb der Volkskirchen und andererseits der Antagonismus zu den etablierten Kirchen gewesen. Der gro\u00dfe gesellschaftliche und kirchliche Druck auf die Freikirchen habe zu \u201eeinem widerspr\u00fcchlichen Spektrum zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Elitebewusstsein\u201c (89) gef\u00fchrt. Die zunehmende Entchristlichung und Entkirchlichung haben den missionarischen Eifer freikirchlicher Str\u00f6mungen als Antityp und Alternative zur Volkskirche beg\u00fcnstigt. Dennoch seien die Freikirchen in Deutschland immer in der Minderheit geblieben und in der Regel auf dem Boden christlich-kirchlicher Vorpr\u00e4gung durch den landeskirchlichen Einfluss auf die Gesellschaft gewachsen. Dem Autor stellt sich in seinen Implikationen die Frage, wie sich diese zunehmend fehlende Pr\u00e4gung auf die Mission der Freikirchen auswirken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb widmet er sich in seinem n\u00e4chsten Kapitel der Theorie einer sozialen Identit\u00e4t, damit die Prozesse der Differenzierung zwischen Eigen- und Fremdgruppen einen Verst\u00e4ndnisrahmen f\u00fcr die heutigen Freikirchen bilden (149). Freikirchen seien aufgrund des kontextuellen Rahmens heute herausgefordert nicht nur in Abgrenzung und aus der Opposition heraus zu agieren. Sie m\u00fcssten, wie im vierten Kapitel mit Hilfe aktueller Studien und empirischer Ergebnisse dargestellt, dem religi\u00f6sen Pluralismus und der fortschreitenden S\u00e4kularisierung etwas entgegenhalten und anbieten k\u00f6nnen. Der kanadische Philosoph Charles Taylor habe festgehalten, dass die westliche Gesellschaft sich nicht im Zeitalten des \u201ewachsenden Unglaubens\u201c, sondern im \u201ever\u00e4nderten Glaubens\u201c befindet (231). Bartholom\u00e4 h\u00e4lt fest: \u201eUnd schlie\u00dflich stehen Freikirchen vor der Frage, wie ein missionarischer Gemeindeaufbau in Zukunft aussehen muss, wenn er im vielgestaltigen, pluralistischen Klima der Postmoderne einerseits den Befindlichkeiten der Menschen zugewandt und dennoch theologisch verantwortet und nicht kulturell beliebig sein will.\u201c (232).<\/p>\n\n\n\n<p>In Kapitel f\u00fcnf werden einige neuere Konzepte des Gemeindeaufbaus vorgestellt. Dazu geh\u00f6ren das Konzept des \u201esucherorientierten Gottesdienstes\u201c von Willow Creek, die Bewegung der emergent-missionalen Konversation, die Fresh-X-Bewegung, die Konzepte der Church after Christendom und Center Church. Dem Autor ist es bewusst, dass er selektiv nur einzelne Vertreter vorgestellt hat. Als Leser kann man weitere Modelle wie die Saddleback Church mit Rick Warren oder LifeChurch mit Craig Groeschel vermissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil des Buches ab Kapitel 6 werden nach der analytischen Forschung die empirischen Ergebnisse vorgestellt und ausgewertet. Das Mixed-Method-Design der explorativen Studie eignet sich hervorragend als Forschungsdesign und liefert verl\u00e4ssliche Ergebnisse, die wegweisend f\u00fcr eine missionarische (Frei-)Kirche im 21. Jahrhundert sein k\u00f6nnen. Mit der notwendigen Akribie werden im siebten Kapitel die Ergebnisse einer quantitativen Onlinebefragung von Mitgliedern freikirchlichen Gemeinden vorgestellt. Das Ergebnis ist erhellend. Freikirchen erreichen \u00fcberwiegend Menschen mit einer christlich-kirchlichen Vorpr\u00e4gung. Der attraktive Gottesdienst erleichtert es den Mitgliedern, G\u00e4ste mitzubringen. Auch das Zueinander von Bezugsperson und der Veranstaltung in der Gemeinde sind f\u00fcr Au\u00dfenstehende relevant.<\/p>\n\n\n\n<p>Anhand von zwei freikirchlichen Beispielen nach der Methodik des Case Study Research werden im achten Kapitel M\u00f6glichkeiten einer missionarischen Gemeindeaufbauarbeit im nachchristlichen Kontext vorgestellt. Eine Gemeinde befindet sich im Westen Deutschlands, die andere ist eine junge Gemeindegr\u00fcndung im Osten Deutschlands. Beide Gemeinden werden anonym unter der Bezeichnung \u201eKirche f\u00fcr Andere\u201c und \u201eKirche f\u00fcr die Stadt\u201c besprochen. Hilfreich ist nicht nur die Darstellung, sondern auch insbesondere die 16 fall\u00fcbergreifenden Ergebnisse und Implikationen. Hier liefert der Forscher ein hilfreiches Instrument f\u00fcr jede Gemeinde, die sich missionarisch engagieren will. Eine konservative theologische Haltung ist dabei nicht hinderlich. Gefragt sind unter anderem pers\u00f6nliche und freundschaftliche Beziehungen zu Nichtchristen, eine einladende und offene Gemeindekultur und ein evangelistischer Gottesdienst.<\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Kapitel formuliert Bartholom\u00e4 zusammenfassende Reflexionen auf dem Weg zu einer missionarischen Ekklesiologie f\u00fcr Freikirchen und bringt sein Anliegen auf den Punkt. Freikirchen m\u00fcssen sich im nachchristlichen Zeitalter aus sozialpsychologischer und identit\u00e4tstheoretischer Perspektive neu definieren und positionieren und positive Handlungsstrategien f\u00fcr ihre missionarischen Ziele formulieren. Ein wichtiger Bestandteil neben den pers\u00f6nlichen Beziehungen ist ein ansprechender Gottesdienst. Au\u00dferdem bedarf es eines kontextuell unterf\u00fctterten Mentalit\u00e4tswandels in dem das missionarische Anliegen nicht gedacht, sondern auch gelebt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich sagen: Wer diese Studie mit Interesse und aufmerksam gelesen hat, wird nicht nur gut informiert, sondern auch motiviert Mission nicht nur als Krise, sondern auch und erst recht als Chance im 21. Jahrhundert sehen. Deshalb w\u00e4re es empfehlenswert, wenn Freikirchen dieses Buch auf Pastorentagungen gemeinsam diskutieren und ihrem Kontext adaptieren w\u00fcrden. Ich w\u00fcnsche diesem Buch eine weite Verbreitung, nicht nur im akademischen Kontext.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Heinrich Derksen, Schulleiter am Bibelseminar Bonn, K\u00f6ln<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Philipp Bartholom\u00e4: Freikirche mit Mission. 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