{"id":1179,"date":"2020-10-18T13:54:16","date_gmt":"2020-10-18T13:54:16","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1179"},"modified":"2020-10-18T13:54:38","modified_gmt":"2020-10-18T13:54:38","slug":"johannes-zimmermann-gemeinde-mission-und-transformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1179","title":{"rendered":"Johannes Zimmermann: Gemeinde, Mission und Transformation"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes Zimmermann: <em>Gemeinde, Mission und Transformation. Beitr\u00e4ge zur Gemeindeentwicklung<\/em>, BEG 30, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2020, Pb. 212&nbsp;S., \u20ac&nbsp;45,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/praktische-theologie\/55327\/gemeinde-mission-und-transformation\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/praktische-theologie\/55327\/gemeinde-mission-und-transformation\">978-3-7887-3441-1<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes Zimmermann, seit 2017 Professor an der Ev. Hochschule Tabor in Marburg, legt mit diesem Band 12 Beitr\u00e4ge zum missionarischen Gemeindeaufbau vor. Neben grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen zum Gemeindeverst\u00e4ndnis bedenkt er immer wieder die Postmoderne und ihre Folgen f\u00fcr sein Themenfeld. Dabei werden wichtige Aspekte der aktuellen Debatten um die Pluralit\u00e4tsf\u00e4higkeit der Gemeinde, Inkulturation, fresh expressions of church, Kurse zum Glauben, Gesellschaftstransformation, Migration und Strukturanpassungen aufgrund des Mitgliederr\u00fcckgangs der Kirche in biblisch-reformatorischer Perspektive diskutiert. Zimmermann will \u00fcber die \u201eempirische Expertise\u201c hinaus \u201etheologische Orientierung\u201c bieten (15). Die h\u00e4ufig bereits ver\u00f6ffentlichten Aufs\u00e4tze wurden bearbeitet und durch einleitende und querverweisende Anmerkungen st\u00e4rker miteinander verwoben. Dadurch werden Redundanzen weitgehend vermieden und rote F\u00e4den durch die verschiedenen Themen deutlicher sichtbar als bei reinen Aufsatzsammlungen. Die \u201eBeitr\u00e4ge zur Gemeindeentwicklung\u201c zeichnen sich dadurch aus, dass sie bei aller wissenschaftlichen Dignit\u00e4t keine rein akademischen Diskurse bedienen, sondern in konkreten kirchlichen Aufgabenstellungen verwurzelt und durch Erfahrungen des Verfassers geerdet sind. Seine T\u00e4tigkeiten im Greifswalder \u201eInstitut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung\u201c und als w\u00fcrttembergischer Pfarrer werden hier sp\u00fcrbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Abschnitt bedenkt Zimmermann \u201eGemeinde als Gemeinschaft\u201c. Darin entfaltet er \u201e1. reformatorische und biblische Impulse zum Verst\u00e4ndnis von Gemeinde\u201c, die er von Jes 55,10f her als creatura verbi (21) und mit CA VII (22) als \u201eVersammlung der Gl\u00e4ubigen\u201c definiert. Von da aus legt er mit guten biblischen Argumenten gro\u00dfen Wert darauf, dass Gemeinde immer auch \u201eGemeinschaft\u201c ist (24ff) und diese Koinonia im Gemeindeaufbau zu gestalten ist (26ff).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie dies unter den Bedingungen der Postmoderne geschehen kann, entfaltet Zimmermann im 2. Kap. unter R\u00fcckgriff auf seine Habilitationsschrift, vor allem wenn es um das Verh\u00e4ltnis von \u201eSozialit\u00e4t und Individualit\u00e4t\u201c geht (41ff), die er nicht gegeneinander, sondern in \u201eunentflechtbarer Wechselwirkung\u201c (54) stehen sieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Abschnitt B geht es im 3. Kap. vor allem um das Grundverst\u00e4ndnis von \u201eMission\u201c, \u201eEvangelisation\u201c und \u201eDiakonie\u201c und ihr Verh\u00e4ltnis zueinander. \u201eEvangelisation ist die Verk\u00fcndigung des Evangeliums als Teilbereich der Mission und zugleich das Herzst\u00fcck der Mission: Die auf die Resonanz des Glaubens zielende Kommunikation des Evangeliums die auch Umkehr und Konversion einschlie\u00dft\u201c (62). Den Ursprung der Diakonie verortet er nicht nur theoretisch-theologisch in der missio Dei, sondern konkret im Gottesdienst der Gemeinde (63).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 5. Kap. nimmt Zimmermann die missionarischen Impulse der anglikanischen Kirche auf (\u201echurch planting\u201c, \u201efresh expressions of church\u201c im Rahmen einer \u201emixed economy\u201c). Dabei legt er darauf Wert, dass neben die notwendige und in diesen neuen Gemeindeformen auch gelebte Inkulturation des Evangeliums (78f) auch die \u201eKonter-Kulturation\u201c tritt, so \u201edass die jeweilige Kultur vom Evangelium her neu gestaltet und ver\u00e4ndert wird\u201c (80). Dieser Aspekt, den Zimmermann im Anschluss an G. Wegner auch f\u00fcr den Milieubezug kirchlicher Praxis entfaltet (81), scheint mir in den bisherigen milieuorientierten Konzepten zu wenig beachtet zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 6. Kap. werden \u201eKurse zum Glauben\u201c in ihrer geschichtlichen Entwicklung systematisiert und auf ihre gegenw\u00e4rtige Relevanz befragt. Zimmermanns Optimismus aus dem Jahr 2014, dass \u201eKurse zum Glauben\u201c \u201eso selbstverst\u00e4ndlich wie Konfirmandenunterricht\u201c werden (98f), kann ich Mitte 2020 leider nicht mehr teilen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Beitr\u00e4ge im Abschnitt C kn\u00fcpfen an die innerevangelikale Debatte um die Notwendigkeit einer \u201eGesellschaftstransformation\u201c durch die christliche Gemeinde an. Diese stellt Zimmermann im 7. Kap. in den \u00f6kumenischen Horizont befreiungstheologischer Ans\u00e4tze der 1960er Jahre (hier: in S\u00fcditalien). Dabei weist er eine rein funktionale Ekklesiologie (\u201enur f\u00fcr andere\u201c) zur\u00fcck, weil die Kirche als \u201eOrt der Gegenwart der Herrschaft Gottes\u201c auch einen Selbstzweck hat (120). Insofern geh\u00f6ren f\u00fcr ihn Reich Gottes, Volk Gottes und der einzelne Gl\u00e4ubige zu den sich erg\u00e4nzenden Dimensionen von Gemeindeaufbau, Diakonie und Evangelisation (123).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Danach nimmt Zimmermann im 8. Kap. \u201eImpulse von und Anfragen an die Transformationstheologie\u201c auf, die er in einen weiten politischen, \u00f6kumenischen und Lausanner Diskurs um politische Weltver\u00e4nderung zur \u201eBefreiung der Unterdr\u00fcckten\u201c (128) einzeichnet. Er sieht den \u201eSitz im Leben\u201c der neueren innerevangelikalen Debatte in einer \u201echristlichen Subkultur\u201c (134), die den diakonischen Auftrag Jesu zurecht wieder neu entdeckt (143), allerdings in der Gefahr steht, \u201eVorletztes\u201c und \u201eLetztes\u201c (138) bzw. die beiden Regierweisen Gottes in Kirche und Staat (139) nicht mehr zu unterscheiden und sich sowohl praktisch als auch theologisch in seinen M\u00f6glichkeiten zu \u00fcbersch\u00e4tzen (138.141).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Abschnitt D wird im 9. Kap. die \u201eMigration als Herausforderung f\u00fcr die Zukunft christlicher Gemeinde\u201c bedacht. Vor dem Hintergrund der Fl\u00fcchtlingsbewegung der letzten Jahre diskutiert Zimmermann u.&nbsp;a. das Verh\u00e4ltnis von Integration und Selbst\u00e4ndigkeit fremdsprachiger bzw. kulturell anders gepr\u00e4gter Christen. Seine Grund\u00fcberzeugung: \u201eDie Zusammengeh\u00f6rigkeit und Identit\u00e4t in Christus \u00fcbersteigt geschlechtliche, nationale und kulturelle Identit\u00e4ten\u201c (161).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend bisher unterschiedliche Gemeindeformen unter missionarischen Gesichtspunkten in den Blick kamen, geht es nun in Abschnitt E um \u201eProfilgemeinden\u201c (Kap. 10) und um \u201edie Parochie \u2026 erg\u00e4nzende Formen\u201c in landeskirchlichen Strukturdiskussionen und Ver\u00e4nderungsprozessen, die seit \u201eKirche der Freiheit\u201c (2006) an Dynamik gewonnen haben (Kap. 11). \u201eKirche bei Gelegenheit\u201c (N\u00fcchtern) oder \u201eKirchliche Orte\u201c (Pohl-Patalong) hei\u00dfen die Schlagworte, erg\u00e4nzt durch das Personalgemeindemodell der Bremischen Kirche und postmodere Impulse zu netzwerkartigen Kirchengebilden, die Zimmermann in Relation zu den St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Parochie (179f, 182f) und auf ihre Praktikabilit\u00e4t f\u00fcr den Gemeindeaufbau hin befragt. Wie an vielen anderen Stellen pl\u00e4diert er f\u00fcr ein \u201esowohl als auch\u201c, da er mit CA VII und 1Kor 3,11 die Treue zum Evangelium und zum Bekenntnis als notwendiges Kontinuum der Gemeinde sieht (178), der eine Vielfalt an Formen gegen\u00fcbersteht, die \u201edaran zu messen [sind], ob sie dem Gemeindeaufbau dienen\u201c (179).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im 12. Kap. will Zimmermann \u201epastorale Impulse zum Umgang mit der derzeitigen, eher durch \u201aR\u00fcckbau\u2018 als durch Aufbruch gekennzeichneten Situation\u201c (18, 165) der Gro\u00dfkirchen geben, die praktisch auf die Chancen regionaler Zusammenarbeit verweisen und theologisch (mit B. Krause) an den Verhei\u00dfungscharakter des Evangeliums erinnern, wonach \u201edie Gemeinschaft des Glaubens, die Kirche, nicht ohne sichtbare Anzeichen der in ihr sch\u00f6pferisch wirksamen Verhei\u00dfungen Gottes sein\u201c kann (197).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insgesamt bietet Zimmermann eine gute \u00dcbersicht \u00fcber aktuelle Herausforderungen des missionarischen Gemeindeaufbaus und sehr abgewogene biblisch-reformatorische Einsch\u00e4tzungen. Weil er den jeweiligen Fragen auf den Grund geht, bieten seine L\u00f6sungswege auch dann noch Orientierung, wenn sich die Aktualit\u00e4t der praktischen Probleme verschoben hat. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Wolfgang Becker, Vorstand der Stiftung Hensoltsh\u00f6he, Gunzenhausen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Zimmermann: Gemeinde, Mission und Transformation. 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