{"id":1202,"date":"2021-04-25T12:26:48","date_gmt":"2021-04-25T12:26:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1202"},"modified":"2021-04-25T12:26:50","modified_gmt":"2021-04-25T12:26:50","slug":"erasmus-gass-die-landverteilung-im-josuabuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1202","title":{"rendered":"Erasmus Ga\u00df: Die Landverteilung im Josuabuch"},"content":{"rendered":"\n<p>Erasmus Ga\u00df: <em>Die Landverteilung im Josuabuch. Eine literaturhistorische Analyse von Josua 13\u201319<\/em>, Forschungen zum Alten Testament 132, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2019, Ln., VII+437 S., \u20ac 139,\u2013, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/die-landverteilung-im-josuabuch-9783161569449\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/die-landverteilung-im-josuabuch-9783161569449\" target=\"_blank\">978-3-16-156944-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Freude an der Literarkritik zieht sich von der ersten bis zur letzten Seite dieser Sammlung von acht Aufs\u00e4tzen zu Jos 13\u201319, welche auch unabh\u00e4ngig voneinander gelesen werden k\u00f6nnen. An der katholisch-theologischen Fakult\u00e4t Trier betreut der Vf. zurzeit ein DFG-Projekt zu den Ortsangaben in Josua (Ergebnisse flie\u00dfen ein in odb.bibelwissenschaft.de) und arbeitet an einem neuen Josua-Band in der ATD-Reihe. Promoviert hat er \u00fcber Bileam (2001), seine Habilitation besch\u00e4ftigte sich mit den Moabitern (2007). Sein bisheriger Forschungsschwerpunkt lag u.&nbsp;a. auf dem Richterbuch.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen knappen \u00dcberblick \u00fcber die literarkritische Forschung seit Alt und Noth (2\u201315) bietet die Einleitung. Der Vf. ordnet sich in die Reihe der Autoren ein, welche gegen Noth eine <em>priesterliche<\/em> Pr\u00e4gung der Texte betonen. Er stellt den aufgef\u00fchrten Modellen eines <em>komplexen<\/em> redaktionsgeschichtlichen Werdegangs (Cortese, Kratz, de Vos, Achenbach, Otto, Knauf, Frevel) seinen eigenen Entwurf zur Seite, welcher von einer priesterlichen Grundschicht ausgeht, die mit Ortslisten durch drei priesterlich gepr\u00e4gte Redaktionen zusammengearbeitet wurde. Diese lie\u00dfen sich u.&nbsp;a. anhand der Zahl der ber\u00fccksichtigten St\u00e4mme (sieben, zehn, zw\u00f6lf) unterscheiden. Entstanden sei dieser Textkorpus in Verbindung mit dem Buch Numeri, getrennt von dem deuteronomistisch (dtr.) gepr\u00e4gten Rest des Josuabuchs. Die Verbindung mit Josua erfolgte nach dem Vf. erst sp\u00e4t durch eine dtr. Erz\u00e4hl-Redaktion unter Eintragung verschiedener Erz\u00e4hlungen (u.&nbsp;a. Landgabe an Kaleb und Josua, Otniel-Achsa-Tradition). Schlie\u00dflich erfolgten \u00fcbergreifende priesterlich und dtr. gepr\u00e4gte Angleichungen. Seiner Ansicht nach ist die sog. dtr. Landeroberungserz\u00e4hlung (DtrL) nicht wie traditionell von Dtn 1 bis Jos&nbsp;22, sondern nur bis Jos 12* verlaufen (371\u2013382).<\/p>\n\n\n\n<p>In Fragen konkreter Datierung und religionsgeschichtlicher Verortung der Schichten zeigt der Vf. Zur\u00fcckhaltung. Im Hinblick auf die Argumentationslogik f\u00e4llt jedoch auf, mit welcher Gewissheit er eine fr\u00fche Datierung von Jos 13\u201319 ausschlie\u00dft, trotz zahlreicher moderner Vertreter und mittel- und sp\u00e4tbronzezeitlicher Parallelen (17\u201319). Zur Begr\u00fcndung wird auf \u201edie neueren sozialgeschichtlichen und arch\u00e4ologischen Erkenntnisse\u201c verwiesen (15). Die im Folgesatz mit Spannung erwartete Begr\u00fcndung, welche arch\u00e4ologischen \u201eErkenntnisse\u201c das Zeugnis der arch\u00e4ologischen <em>Funde<\/em> so grundlegend entkr\u00e4ften k\u00f6nnten (oder wenigstens ein Verweis auf weiterf\u00fchrende Literatur), entf\u00e4llt leider ersatzlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem sichtbar geringen Interesse an synchroner Forschung ist es m\u00f6glicherweise geschuldet, dass der Vf. die grundlegende Bedeutung des vierteiligen Modells von Hendrik Koorevaar, <em>De Opbouw van het Boek Jozua<\/em>,Heverlee: Centrum voor Bijbelse Vorming, 1990 f\u00fcr Howard, Pitk\u00e4nen und die anglo-amerikanische Josua-Forschung insgesamt \u00fcbersieht. Koorevaar wird mit einem sp\u00e4teren Beitrag auf S.&nbsp;15, Anm.&nbsp;75 zwar erw\u00e4hnt, fehlt jedoch in der Bibliografie.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufbau der acht Aufs\u00e4tze erfolgt meist so, dass nach textkritischen Bemerkungen ein Hauptteil mit \u201esprachliche Beobachtungen\u201c zu einer Textstelle (Auff\u00e4lligkeiten in Einzelversen, Querbez\u00fcge zu anderen B\u00fcchern) gefolgt wird von einem knappen \u00dcberblick \u00fcber redaktionsgeschichtliche Entw\u00fcrfe anderer Autoren und schlie\u00dflich einem eigenen Entwurf\/L\u00f6sung.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret behandelt werden in ungew\u00f6hnlicher Reihenfolge (vgl. dazu 20f) allerdings nur 96 der 218 Verse des Abschnittes: Kap.&nbsp;13f und 16f vollst\u00e4ndig, sowie die Abschnitte 15,13\u201319; 18,1\u201310; 19,49\u201351. Der erste Beitrag behandelt verstreute Bez\u00fcge in Josua 15\u201319 zu Num&nbsp;34,2\u201312 und begr\u00fcndet eine der Hauptthesen dieses Buchs: Jos 15\u201319 sei urspr\u00fcnglich als Anhang zum Numeribuch konzipiert worden und k\u00f6nne nicht vor Num 34 datiert werden. Hierbei argumentiert der Vf. mit dem \u201eIdiolekt\u201c, dem sprachlichen Fingerabdruck des Autors von Num 34, welcher sich in Jos 15\u201319 wiederfinde. Die literarische Abh\u00e4ngigkeit des Josuabuchs von Numeri l\u00e4sst sich jedoch auch ohne redaktionskritische Umstellung im Rahmen der literaturhistorischen Theorie bzw. des hermeneutischen Programms des Josuabuchs selbst deuten: Die w\u00f6rtlichen Bez\u00fcge auf Texte der Mosetora lassen die minuti\u00f6se Tora-Treue Josuas in einem noch gr\u00f6\u00dferen Glanz erstrahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hiermit sei angedeutet, dass der Rezensent die <em>Notwendigkeit<\/em> der literarkritischen Eingriffe des Vf. nicht immer nachvollziehen kann. Symptomatisch ist etwa der Zirkelschluss in den ersten Worten der Untersuchung: \u201eLiterarkritik und Redaktionsgeschichte haben derzeit einen schweren Stand, da beide Methodenschritte als subjektiv und spekulativ abgetan werden\u201c, dennoch seien sie \u201eunerl\u00e4sslich\u201c, denn feststehe, dass die \u201eTexte eine l\u00e4ngere Entstehungsgeschichte hinter sich haben\u201c und nicht von einem Autor stammen k\u00f6nnten (III). Ist diese angebliche Tatsache aber nicht vielmehr das <em>Ergebnis <\/em>des literarkritischen Ansatzes, welches seit nunmehr 50 Jahren gerade nicht mehr als selbstverst\u00e4ndlich vorausgesetzt werden kann? Folgt man dem Methodenbuch von Steck, <em>Exegese des Alten Testaments,<\/em> Neukirchen-Vluyn: Neukirchener, <sup>12<\/sup>1989, 55, ist Literarkritik nur dann plausibel, wenn sich die Spannungen nicht zugunsten einer literarischen Einheitlichkeit erkl\u00e4ren lassen. Die Plausibilit\u00e4t eines \u201espannungsreichen Endtextes\u201c auf synchroner Ebene ist jedoch f\u00fcr den Vf. nicht zufriedenstellend (118), die \u201est\u00f6renden Dinge\u201c k\u00f6nnen doch so leicht auf unterschiedliche redaktionelle Schichten verteilt werden (137).<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn etwa Richard Nelson in seinem renommierten Kommentar die literarische Einheit von Jos 18,1\u201310 verteidigt und dabei sogar eine klare erz\u00e4hlerische Strategie aufzuzeigen vermag, tut der Vf. dies ab als ein geschicktes Umschiffen literarkritischer Probleme (106, Anm. 114). An solchen Stellen wird man den Eindruck nicht los, dass die Methode nicht nur den Weg, sondern auch das Ziel zu stark vorgibt: \u201eUm es gleich vorwegzunehmen: Jos 18,1\u201310 geht vermutlich auf einen Grundtext zur\u00fcck, der zwei Redaktionen und weitere Fortschreibungen erfahren hat\u201c (110). Ob eine so komplexe Konstruktion mit der \u00dcberzeugungskraft Nelsons konkurrieren kann, bleibt dahingestellt, l\u00e4sst sich doch der subjektive Charakter der Argumentation nicht von der Hand weisen: Alleine in diesem kleinen \u2013 grunds\u00e4tzlich im Ton \u00fcberzeugter <em>securitas-<\/em>Sprache (\u201evermutlich [..] tats\u00e4chlich\u201c) formulierten \u2013 Fazit tauchen die W\u00f6rtchen \u201evermutlich\u201c und \u201eoffenbar\u201c insgesamt neunmal auf (110\u2013115).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gesamtschau besticht vorliegende Arbeit durch eine hervorragende Kenntnis des aktuellen literarkritischen Forschungsstandes. Vorbildlich ist auch das Bem\u00fchen um eine Einbettung der Septuagintaforschung in die Exegese, welche ein wenig an den Ansatz von Klaus Bieberstein in seiner Untersuchung zu Jos 1\u20136 erinnert. Beachtenswert ist zweifellos die abschlie\u00dfende Warnung davor, Schwierigkeiten im Rahmen der historischen Topografie vorschnell in den Bereich der Literarkritik abzuw\u00e4lzen (371). Die intensive philologische Arbeit des Vf. an den Einzelversen und die Beobachtungen sprachlicher Zusammenh\u00e4nge k\u00f6nnen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Untersuchungen diachroner und synchroner Art gleicherma\u00dfen fruchtbar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Siegbert Riecker ist Lehrer an der Bibelschule Kirchberg und External Instructor an der Evangelischen Theologischen Faculteit in Leuven.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erasmus Ga\u00df: Die Landverteilung im Josuabuch. 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