{"id":1212,"date":"2021-04-25T12:39:59","date_gmt":"2021-04-25T12:39:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1212"},"modified":"2021-04-25T12:40:01","modified_gmt":"2021-04-25T12:40:01","slug":"peter-j-williams-glaubwuerdig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1212","title":{"rendered":"Peter J. Williams: Glaubw\u00fcrdig"},"content":{"rendered":"\n<p>Peter J. Williams: <em>Glaubw\u00fcrdig. K\u00f6nnen wir den Evangelien vertrauen?<\/em>, Neuried: CVMD, 2020, Pb., 157 S., \u20ac&nbsp;11,90, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/cvmd.eu\/publikationen\/glaubwuerdig\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/cvmd.eu\/publikationen\/glaubwuerdig\/\" target=\"_blank\">978-3-9817729-3-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>\u201eKlein, aber oho.\u201c So oder so \u00e4hnlich k\u00f6nnte man Peter Williams\u2019 Buch umschreiben, das auf die fundamentale Frage eingeht, inwiefern die biblischen Evangelien \u00fcberhaupt glaubw\u00fcrdig sind (engl. <em>Can We Trust The Gospels?<\/em>, Crossway, 2018). Zwar ist dies keine neue Fragestellung, doch greift der Autor neben klassischen Gr\u00fcnden auch neuere Perspektiven auf und kombiniert unterschiedliche Argumentationslinien. Als Direktor des Tyndale House, mit drei Abschl\u00fcssen der Universit\u00e4t Cambridge, Gastdozent ebendort, mit Forschungsbeitr\u00e4gen sowohl in der Alttestamentlichen als auch in der Neutestamentlichen Wissenschaft, z\u00e4hlt Williams au\u00dferdem zum \u00dcbersetzungskomitee der <em>Englisch Standard Version<\/em> und leitet das <em>International Greek New Testament Project<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorwort erl\u00e4utert der Theologe sein Anliegen, einer breiten Leserschaft ein fundiertes und kompaktes Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Zuverl\u00e4ssigkeit der Evangelien zu liefern. In der Einleitung definiert er dann n\u00e4her, was er mit <em>Vertrauen <\/em>meint; dieses kann auf soliden Indizien beruhen, ohne dass es in eine kurzsichtige Naivit\u00e4t abrutscht. Noch bevor die Leser den weiteren Ausf\u00fchrungen folgen, empfiehlt Williams, die Evangelien zun\u00e4chst direkt einmal zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Kapitel behandelt zun\u00e4chst relevante au\u00dferbiblische Quellen, die man mit den biblischen Texten abgleichen k\u00f6nnte. Dass die Evangelien von Bef\u00fcrwortern des christlichen Glaubens geschrieben wurden, muss nicht automatisch ein Kritikpunkt sein. Dennoch wirken nichtchristliche Schreiber zun\u00e4chst unproblematischer. So wertet Williams drei potenzielle Zusatzquellen aus: (1.) Cornelius Tacitus, dessen Schriften v.a. zeitgen\u00f6ssische Informationen, einen chronologischen Rahmen und geografische Informationen bieten. (2.) Plinius der J\u00fcngere, ein r\u00f6mischer Legat, der mit Kaiser Trajan \u00fcber den strafrechtlichen Umgang mit Christen korrespondierte. Zudem (3.) der j\u00fcdische Historiker Flavius Josephus, der n\u00e4here Einblicke in die Umst\u00e4nde der Fr\u00fchen Kirche bietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Kapitel geht es konkreter um die christlichen Quellen und darum, was die Evangelien als besondere Textsammlung auszeichnet. Der quantitative und qualitative Vergleich mit antiken Quellen, z.&nbsp;B. mit jenen \u00fcber den Kaiser Tiberius (mit Blick auf ihre Wortanzahl, fr\u00fchesten Abschriften und Originalsprache), Aspekte der synoptischen Frage, Korrelationen innerhalb der Evangelien sowie Datierungsfragen weisen darauf hin, \u201edass die Evangelien aus der ersten Generation der Christen stammen und dass dies gut zu den traditionellen Ansichten \u00fcber ihre Verfasserschaft passt.\u201c (48).<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders detailreich ist das dritte Kapitel: Williams analysiert anhand zahlreicher Tabellen, wie gut sich die Autoren der Evangelien mit den Gegebenheiten vor Ort auskannten und Zugang zu Informationen aus erster Hand hatten. Dazu geh\u00f6ren die verschiedenen Namen und Bezeichnungen von St\u00e4dten und D\u00f6rfern, Regionen, Gew\u00e4ssern, lokalen \u00d6rtlichkeiten, Stra\u00dfen, Personennamen (inkl. sogenannte <em>Vereindeutigungen<\/em>), botanische Begriffe, Geld, lokale Sprachen, antike Sitten, und weitere kulturelle Faktoren. Ein punktueller Abgleich mit sp\u00e4teren Evangelien (Thomas, Philippus, Judas, Maria) wird ebenfalls geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das vierte Kapitel wiederum nimmt subtile, indirekte Informationen der Evangelien in den Blick und geht den sogenannten <em>unbeabsichtigten \u00dcbereinstimmungen<\/em> (nach John J. Blunt) als relevantem Authentizit\u00e4tsmerkmal nach: \u201eBei einer ungeplanten \u00dcbereinstimmung stimmen Autoren auf eine Weise \u00fcberein, bei der es schwer vorstellbar ist, dass sie diese \u00dcbereinstimmung bewusst herbeigef\u00fchrt h\u00e4tten, um ihre Darstellung authentisch wirken zu lassen.\u201c (87). Williams deutet diese Detailbeobachtungen als zutreffende Schilderungen tats\u00e4chlicher Ereignisse, die einander erg\u00e4nzen und dennoch jeweils ein \u201eTeil eines gr\u00f6\u00dferen Ereigniszusammenhangs\u201c (97) sind.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Williams in seinem f\u00fcnften Kapitel fragt, ob die Evangelien die Worte Jesu tats\u00e4chlich zuverl\u00e4ssig wiedergeben, und dabei auf den kumulativen Effekt der Argumente setzt, hat das sechste einen textkritischen Schwerpunkt. Hier er\u00f6rtert er, inwiefern die Evangelientexte zuverl\u00e4ssig \u00fcberliefert wurden und sich etwaige \u00c4nderungen zur\u00fcckverfolgen lassen. Das siebte Kapitel ist recht knapp gehalten und hat eine eher hermeneutische Perspektive. Dabei geht der Autor anhand ausgew\u00e4hlter Beispiele formalen, absichtlichen Widerspr\u00fcchen und nur augenscheinlichen Gegens\u00e4tzlichkeiten in den Evangelien auf den Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Im achten Kapitel bringt Williams die F\u00e4den der vorigen Kapitel noch einmal zusammen und spricht sich angesichts der Einzelbeobachtungen f\u00fcr die einfachste L\u00f6sung aus: Die vier Evangelien sind in der Tat vertrauensw\u00fcrdig, aber nicht nur auf der <em>formalen<\/em> Ebene. So nennt er weitere Gr\u00fcnde f\u00fcr die <em>inhaltliche<\/em> Glaubw\u00fcrdigkeit der Evangelien und geht erneut auf potentielle kritische Anfragen ein. Zuletzt r\u00fcckt der Autor die Person Jesu, die Inhalte seiner Lehre und seine Stellung innerhalb der biblischen Storyline in den Mittelpunkt. Dabei malt Williams seinen Lesern die logischen Folgen vor Augen, was w\u00e4re, wenn Jesus tats\u00e4chlich und noch immer der Christus ist. Die Endnoten mit \u00fcber 180 Literaturhinweisen, Quellenbelegen und Anmerkungen runden das Paperback ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine definitive St\u00e4rke des Titels ist die Kombination von didaktisch kompakter Darstellung, argumentativer Pr\u00e4gnanz und inhaltlichem Tiefgang. Denn der Autor baut seinen Gedankengang stringent und anregend, kompetent und nachvollziehbar auf. Obwohl sich die Seitenzahl in Grenzen h\u00e4lt und der Schreibstil wenig fachspezifisch daherkommt, liegt dem Titel eine solide, wissenschaftliche Forschung zu Grunde. Williams\u2018 konservativer Ansatz kommt hier weder oberfl\u00e4chlich noch polemisch daher; er l\u00e4sst Gegenargumente und kritische Forscher fair zu Wort kommen, deren Begr\u00fcndungen er teils entkr\u00e4ftet, teils nutzt oder umgeht, wenn sie wenig an seinem jeweiligen Kernargument \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Anzumerken ist: Williams hat seinen fachlichen Schwerpunkt vor allem in der Textforschung, in den Sprachwissenschaften und anverwandten Gebieten. Diese Kompetenz nutzt er voll aus, um seine Leser auf eine spannende Detektivarbeit mitzunehmen. An manchen Stellen h\u00e4tte eine dezidiert theologische Argumentation das Buch aber sicherlich noch bereichert und zeitgen\u00f6ssische Anfragen aufgefangen. So wirkt auch das letzte Kapitel mit seiner finalen Einladung zur Jesusnachfolge recht thetisch, zu n\u00fcchtern und mit Blick auf die vorigen Kapitel nicht ganz aus einem Guss.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichtsdestoweniger ist <em>Glaubw\u00fcrdig<\/em> ein hervorragendes, konstruktives Buch f\u00fcr eine breite Leserschaft. Doch nicht nur Skeptiker und fragende Christen, auch haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in Kirchen und Gemeinden werden von dem Titel profitieren und auf viel Material zum Weiterdenken sto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Theologiestudenten und Bibelsch\u00fcler wiederum sto\u00dfen hier auf einen hilfreichen \u00dcberblick zu zentralen Fragestellungen, aber auch zu klassischen und neueren Argumentationslinien der Evangelienforschung. Theologische Lehrkr\u00e4fte hingegen k\u00f6nnten das Paperback z.&nbsp;B. als Diskussionsgrundlage in Seminaren oder als Einf\u00fchrung in den Unterricht nutzen, bevor sie spezifischere Themen dieses weiten Forschungsfeldes anderweitig vertiefen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Daniel Vullriede, M.A., Dozent am Bibelseminar Bonn<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter J. Williams: Glaubw\u00fcrdig. K\u00f6nnen wir den Evangelien vertrauen?, Neuried: CVMD, 2020, Pb., 157 S., \u20ac&nbsp;11,90, ISBN 978-3-9817729-3-7 \u201eKlein, aber<\/p>\n","protected":false},"author":84,"featured_media":1215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1212","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/84"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1212"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1216,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1212\/revisions\/1216"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1215"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}