{"id":1221,"date":"2021-04-25T12:45:54","date_gmt":"2021-04-25T12:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1221"},"modified":"2021-04-25T12:45:55","modified_gmt":"2021-04-25T12:45:55","slug":"udo-straeter-johannes-wallmann-in-zusammenarbeit-mit-klaus-vom-orde-hg-philipp-jakob-spener","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1221","title":{"rendered":"Udo Str\u00e4ter \/ Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Klaus vom Orde (Hg.): Philipp Jakob Spener"},"content":{"rendered":"\n<p>Udo Str\u00e4ter\u00a0\/\u00a0Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Klaus vom Orde (Hg.): <em>Philipp Jakob Spener. Briefe aus der Frankfurter Zeit 1666\u20131686<\/em>,Band 7:<em> 1684\u20131685<\/em>, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2019, Ln., XXXV+716\u00a0S., \u20ac 199,\u2013, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/briefe-aus-der-frankfurter-zeit-1666-1686-9783161591150\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/briefe-aus-der-frankfurter-zeit-1666-1686-9783161591150\" target=\"_blank\">ISBN 978-3-16-159115-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Mit Band 7 der Briefe Philipp Jakob Speners (1635\u20131705) aus seiner Zeit als Senior der lutherischen Geistlichkeit in Frankfurt am Main schlie\u00dft sich nun fast die L\u00fccke zu den bereits edierten Briefen aus seiner Dresdner Zeit. Wie das Vorwort (V\u2013VI) des Herausgebers Udo Str\u00e4ter ank\u00fcndigt, werden zeitnah ein achter und letzter Band der spenerschen Briefe aus der Frankfurter Zeit (erstes Halbjahr 1686) sowie weiterer undatierter, \u201eaber eindeutig in die Frankfurter Zeit\u201c (V) geh\u00f6render Briefe folgen, ebenso ein Sachindex zu allen edierten Briefen, die Spener in den 20 Jahren (1666\u20131686) seines Wirkens in Frankfurt verfasste und die zugleich Anfang und Fortgang des lutherischen Pietismus zeigen. Im vorliegenden Band sind 148 Briefe aus den Jahren 1684 und 1685 erstmals bzw. neu historisch-kritisch ediert, im bisherigen Modus (thematische Einleitung; Edition der lateinischen und deutschen Briefe mit Adressat, Datum, Inhaltsangabe und erg\u00e4nzenden Informationen im Anmerkungsapparat; Register) und in der von der Editionsreihe stets gebotenen Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Briefe aus den Jahren 1684\u201385 f\u00fchren in eine Zeit, die in der Forschung bisher wenig Beachtung fand, in der sich Spener aber pers\u00f6nlichen, innerlichen und \u00e4u\u00dferlich-politischen Anfechtungen ausgesetzt sieht. Das Jahr 1685 wird zu Recht von Klaus vom Orde in seiner sachkundigen Einleitung (XI\u2013XXI) als \u201eKrisenjahr\u201c (XXI) Speners bezeichnet. In diesen beiden Jahren muss sich Spener auf pers\u00f6nlicher Ebene sowohl mit dem Separatismus in seinem Freundeskreis auseinandersetzen als auch mit einer langwierigen Erkrankung im Fr\u00fchjahr 1685, die ihm nach eigenen Angaben 30 Wochen lang das Predigen nicht erlaubte. Speners Ablehnung des Separatismus wird in seiner Schrift <em>Der klagen \u00fcber das verdorbene Christenthum mi\u00dfbrauch und rechter gebrauch<\/em>, die im Herbst 1684 erscheint und auf die er mehrfach in den Briefen zu sprechen kommt, deutlich, ebenso in seiner systematisch-theologischen Darstellung der lutherischen Lehre (<em>Evangelische Glaubensgerechtigkeit<\/em>, 1684). Deren Entstehung spiegelt sich ebenfalls in der Korrespondenz wider. Vor allem aber richten sich seine Briefe in diesen zwei Jahren an ausgesprochen viele unterschiedliche, bekannte und erstmalige, Korrespondenten. Thematisch sprechen die Briefe neben der pers\u00f6nlichen Auseinandersetzung mit Separatismus und Krankheit auch religionspolitisch wichtige Entwicklungen (r\u00f6misch-katholische Reunionsversuche, die Verfolgung der Hugenotten und Unterdr\u00fcckung der linksrheinischen Gebiete durch den franz\u00f6sischen K\u00f6nig Ludwig&nbsp;XIV.), theologische Diskussionen (z.&nbsp;B. \u00fcber Jakob B\u00f6hme oder die Molinisten) und immer wieder Themen der pastoralen Praxis (Beichte, Taufe, Abendmahl) sowie Fragen der Besetzung geistlicher \u00c4mter an. Viele dieser Themen begegneten bereits in den Briefen der vorausgehenden Jahre; doch deutet Spener die als negativ verstandenen Entwicklungen hier explizit als endzeitliche Krisen, gibt aber die Hoffnung auf Erneuerung und Reform der Kirche und der Geistlichen nicht auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Beispiele sollen sowohl die neue Problematik der pers\u00f6nlichen Betroffenheit durch den Separatismus als auch \u2013 als Grundzug der spenerschen Briefe \u2013 das Bem\u00fchen um geistlich erneuerte Theologen illustrieren. Spener zeigt sich in seiner fortgesetzten Korrespondenz mit Johann Wilhelm Petersen (1649\u20131727) emp\u00f6rt \u00fcber das Verhalten der Frankfurter Separatisten, das er als \u201escandala Francofurtensium amicorum\u201c (Brief vom 16. und 18.&nbsp; April 1684, Nr.&nbsp;16, Z.&nbsp;219f.) bezeichnet, und erkl\u00e4rt ebenfalls gegen\u00fcber Petersen im Herbst 1685, dass er leider keine Hoffnung mehr habe, seinen Freund und pietistischen Mitstreiter Johann Jakob Sch\u00fctz (1640\u20131690) vom separatistischen Weg abzubringen (Brief vom 3.&nbsp;November 1685, Nr.&nbsp;123, Z.&nbsp;22ff.). Gegen diese innere Gef\u00e4hrdung der pietistischen Bewegung durch den Separatismus h\u00e4lt Spener fest an einem Heilmittel, das er seit seiner Programmschrift <em>Pia Desideria<\/em> (1675) immer wieder empfiehlt, an einer Erneuerung aus dem Wort Gottes und durch gottgef\u00e4llig lebende Geistliche. So finden sich auch in diesen Jahren wiederholt Briefe an Professoren und Studenten der Theologie, die das Studium der Schrift und einen entsprechenden Lebenswandel einsch\u00e4rfen. Im Juni 1684 schreibt Spener an den ihm pers\u00f6nlich bekannten Theologiestudenten Nicolaus Berg aus Reval und betont ihm gegen\u00fcber erneut, dass die Exegese im Zentrum eines Theologiestudiums stehen m\u00fcsse (\u201eut [&#8230;] Exegetica ante omnes alias species primatum suum obtineret\u201c, Brief vom 6.&nbsp;Juni 1684, Nr.&nbsp;25, Z.&nbsp;18\u201320). F\u00fcr Spener sind Schriftstudium und Schriftauslegung der Weg (\u201esola via\u201c, ebd.) des rechten Theologiestudierens. Daher gilt es, so Spener an einen anderen Theologiestudenten, \u201esich vor allem in dem studio biblico zu gr\u00fcnden\u201c (Brief vom Fr\u00fchjahr 1685, Nr.&nbsp;86, Z.&nbsp;22f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Briefe aus den Jahren 1684\u201385 geben schlie\u00dflich auch einen Einblick in das Selbstverst\u00e4ndnis Speners, der sich nach fast 20 Jahren Dienst in Frankfurt und 10 Jahre nach Erscheinen der <em>Pia Desideria<\/em> nicht als Reformator, sondern nur als \u201eStimme\u201c versteht, \u201edadurch einige auffgewecket worden\u201c, und erg\u00e4nzt: \u201eaber von selbsten etwas zu thun und anderen anzuf\u00fchren, bin ich viel zu schwach: Sondern wo der Herr unserer kirchen noch mehr heyl zuerzeigen bestimmet, da\u00df sie neben der wahren lehr auch zu besserem stand kommen solte, m\u00fcssen es gantz andere m\u00e4nner seyn als ich\u201c (Brief vom Fr\u00fchjahr&nbsp;\/&nbsp;Sommer 1684, Nr.&nbsp;38, Z.&nbsp;366ff.). Ungeachtet der demonstrativen Bescheidenheit eilt Spener ein Ruf voraus, der ihn ab Juni 1686 in das Amt des Oberhofpredigers am s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrstenhof f\u00fchrt. Die \u2013 zur\u00fcckhaltende \u2013 Antwort Speners auf eine erste Anfrage f\u00fcr dieses Amt durch Veit Ludwig von Seckendorff ist ebenfalls im Band enthalten (Brief vom 29.&nbsp;Mai 1684, Nr.&nbsp;22).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der siebte Band der Briefe aus der Frankfurter Zeit ist eine Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr Pietismus-Forscher und an dieser Reformbewegung Interessierte. Die Briefe zeigen das weitgespannte Korrespondenz-Netzwerk Speners, sein theologisches Denken und kirchlich-politisches Handeln und sind dar\u00fcber hinaus eine wichtige Quelle der Kirchen- und Kulturgeschichte der 1680er Jahre.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Str\u00e4ter\u00a0\/\u00a0Johannes Wallmann in Zusammenarbeit mit Klaus vom Orde (Hg.): Philipp Jakob Spener. 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