{"id":1236,"date":"2021-04-25T12:56:14","date_gmt":"2021-04-25T12:56:14","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1236"},"modified":"2021-04-25T12:56:15","modified_gmt":"2021-04-25T12:56:15","slug":"christel-ahrens-ebise-ashana-hg-in-memory-of-them","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1236","title":{"rendered":"Christel Ahrens \/ Ebise Ashana (Hg.): In Memory of Them"},"content":{"rendered":"\n<p>Christel Ahrens \/ Ebise Ashana (Hg.): <em>In Memory of Them. Women witnessing to Christ in Ethiopia <\/em>(<em>1870\u20132019<\/em>), Beitr\u00e4ge zur Missionswissenschaft \/ Interkulturellen Theologie 48, Z\u00fcrich: Lit-Verlag, 2020, Pb., 336 S., \u20ac 34,90, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/978-3-643-91156-8\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/978-3-643-91156-8\" target=\"_blank\">978-3-643-91156-8<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Missionsfreunden und \u00c4thiopienkennern ist die evangelische Mekane-Yesus-Kirche (<em>Ethiopian Evangelical Church Mekane Yesus<\/em>, EECMY) ein Begriff. Der Schwedische Forscher Gustav Ar\u00e9n hat die Anf\u00e4nge der Mekane-Jesus-Kirche beschrieben (Evangelical Pioneers, 1978; Envoys of the Gospel in Ethiopia, 1998)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herausgeberin Christel Ahrens arbeitet seit 1988 in \u00c4thiopien im Gesundheitssektor. Ihre Kollegin Ebise Ashana ist bei der Kommission f\u00fcr Entwicklung und Soziale Dienste der EECMY t\u00e4tig. Beide haben nun erstmals die 150-j\u00e4hrige Geschichte von ausl\u00e4ndischen Missionarinnen und missionierenden \u00c4thiopierinnen in der Mekane-Yesus-Kirche und vor der Zeit ihrer Gr\u00fcndung zusammengestellt. Ihr Werk ist in vier Epochen eingeteilt: Im ersten Teil werden die fr\u00fchen Pioniere von 1832 bis 1916 vorgestellt (3\u201390). Der zweite Teil behandelt die fr\u00fche Frauengeschichte in der Mekane-Yesus-Kirche (91\u2013138). Im dritten Teil werden unter den Titel \u201eBoten des Evangeliums\u201c amerikanische, schwedische, deutsche und norwegische Missionsbestrebungen in der ersten H\u00e4lfte des zwanzigsten Jahrhunderts zusammengefasst (139\u2013264). Der letzte Teil pr\u00e4sentiert schlie\u00dflich Dienst und Zukunftsvorstellungen von Frauen in der Gegenwart (266\u2013317).<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWomen unarguably have a lion\u2019s share in evangelism, language development and literacy, Bible translation, diakonia work and several humanitarian ventures carried out by the EECMY\u201c. Dies erkl\u00e4rt Lalissa Daniel Gemechis, Direktor der Abteilung f\u00fcr Mission und Theologie der Mekane-Yesus-Kirche, in seinem Geleitwort (Preface, vii). Von den \u201euntold stories\u201c (vii\u2013viii) tausender \u00e4thiopischer Frauen, die Jesus Christus in Wort und Tat bezeugt haben, seien mit der vorliegenden Sammlung wenigstens einige ins Licht ver\u00f6ffentlichter Geschichtsschreibung geholt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das prominente erste Beispiel unter den Frauen indigener Herkunft ist Ganame Fathme Pauline, die zwanzig Jahre von der Ankunft schwedischer Missionare in Afrika nach Deutschland gebracht wurde. 1832 geboren, wurde sie als Waisenkind in die Sklaverei verkauft und 1848 in Kairo Baron von M\u00fcller geschenkt und in W\u00fcrttemberg aufgezogen. Fathme kam nach Korntal, wurde 1852 getauft, starb aber schon in jungen Jahren 1855 auf einer Baselreise an Lungentuberkulose und wurde in Riehen begraben. Durch ihr christliches Lebenszeugnis wurde in den folgenden Jahren die von der Pilgermission St. Chrischona ausgehende Oromo-Mission gef\u00f6rdert (4\u20138).<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4thiopienmission der Swedish Evangelical Mission ab 1866 d\u00fcrfte in Deutschland weniger bekannt sein (9\u201338). Zielgruppen waren besonders arme Fl\u00fcchtlinge, vertriebene Reformwillige und befreite Sklaven. Bengt Peter Lundahl und seine Frau Gustava, geborene von Platen, leiteten eine Niederlassung in Imkullu bei der Hafenstadt Massawa (seit 1993 in Eritrea). Sie begannen eine Schularbeit unter Jungen und M\u00e4dchen, aus der Onesimus Nasib hervorging. Er wurde als erster Oromo in Europa ausgebildet und war sp\u00e4ter gemeinsam mit dem sprachkundigen Ostafrikaheimkehrer Johann Ludwig Krapf als Bibel\u00fcbersetzer t\u00e4tig. In dieser Arbeit waren auch Rosa M\u00e5nsson, geborene von Hagen, und die beiden Diakonissen Beata Andersson und Bengta Nilsson engagiert. Die zweite Frau von Bengt P. Lundahl, Emilie Lundahl, geborene Cassel, unterrichtete als Lehrerin und hatte Kontakte zu einer reichen G\u00f6nnerin, der Gr\u00e4fin Anna Elisabeth de Noailles. Diese unterst\u00fctzte die Missionare dabei, Sklaverei zu bek\u00e4mpfen und endg\u00fcltig abzuschaffen (36).<\/p>\n\n\n\n<p>Auch unter den ersten evangelischen Zeugen des Evangeliums in \u00c4thiopien waren Frauen (39\u201371). Besonders vorgestellt werden im 2. Abschnitt des ersten Teils drei ehemalige Sklavinnen, die 1886 befreit und dann Christinnen wurden: Aster Ganno, Lidia Dimboo und Feben Hirphe. Sie waren schriftstellerisch t\u00e4tig, als \u00dcbersetzerinnen der Bibel und anderer christliche Schriften; sie arbeiteten missionarisch und unterrichteten. Lidia Dimboo heiratete Onesimos, dessen erste Frau Mehret 1888 bei der Geburt eines Kindes gestorben war (61). Aufgrund ihrer konsequenten Bibelorientierung erlebten die Evangelischen auch lokale Diskriminierung (z.&nbsp;B. 58).<\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Abschnitt besch\u00e4ftigt sich mit Menschenhandel und Sklaverei am Horn von Afrika (72\u201390). Inhaltlich spannen die Autorinnen einen Bogen vom Sklavenhandel im 19. Jahrhundert bis zur Arbeitsmigration in die arabische Welt im 21. Jahrhundert.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil wird die evangelische Kirchengeschichte von Addis Ababa von ihren Anf\u00e4ngen mit dem schwedischen Missionar Karl Cederqvist an bis zur Gr\u00fcndung der Meka-Yesus-Kirche dargestellt. Cederqvist starb, nachdem die spanische Grippe im November 1918 auch in \u00c4thiopien angekommen war (103f). Aus der evangelischen Versammlung, die Cederqvist betreute, entstand 1957 in Addis Ababa die erste Mekane-Yesus-Gemeinde, die bald auch Mitglied des Lutherischen Weltbundes wurde (106). Seit 1959 wird der Begriff \u201eMekane Yesus\u201c f\u00fcr die gesamte lutherische Kirche in \u00c4thiopien verwendet. Bekannte Frauen aus kirchlicher Arbeit sind Gumesh Wolde-Mikael, Aster Woldemariam, Abeba Kiflegzy, die sich um die lutherische Hymnologie verdient gemacht hat, die Botschaftergattin Elleni Alemayehu und die Krankenschwester Tihun Tola. Urgue Gambaa war die erste \u00e4thiopische Frau, die einen Universit\u00e4tsabschluss in Wirtschaftswissenschaften gemacht hat (133f).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ausbreitung des Evangeliums durch Missionarinnen in verschiedenen Gegenden \u00c4thiopiens nimmt den gr\u00f6\u00dften Teil des Buchs ein. K\u00f6nig Haile Selassie I. gab ausl\u00e4ndischen Missionsgesellschaften in seinem Land alle Freiheiten zu evangelisieren (141). Der Arzt Thomas A. Lambie stand am Anfang amerikanischer Missionsbem\u00fchungen (143). W\u00e4hrend der Besetzung durch italienische Faschisten kam es zur Verfolgung von Evangelischen (153). Eine Leidenszeit war in gleicher Weise die kommunistische Herrschaft des \u201eroten Terrors\u201c (Derg) von 1974 bis 1991. Hermannsburger Missionare engagierten sich von 1927 an in \u00c4thiopien (205). 500 km westlich von der Hauptstadt errichteten sie in Aira eine Missionsstation (205f). Eine bekannte Christin ist Qanaatuu Karorsaa Bamsaa, obwohl der Dienst missionarischer Frauen und der Frauen von Missionaren auch nach dem Zweiten Weltkrieg bisher weitgehend historisch nicht aufgearbeitet ist (227). Die Norwegische Lutherische Mission arbeitete besonders im S\u00fcden von \u00c4thiopien (242). Jorunn Hamre und Hirut Beyene werden in der NLM-Arbeit besonders herausgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der gegenw\u00e4rtigen Mekane-Yesus-Kirche gibt es Frauen in F\u00fchrungspositionen und als Pastorinnen, wenn es auch wenige sind (Teil 4). Auf verschiedenen Gebieten sind Projekte initiiert worden, in denen diskriminierten und hilfsbed\u00fcrftigen Frauen geholfen wird. Einige \u00e4thiopische Frauen haben international Karriere gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufsatzband soll auch ins Amharische und in Oromo \u00fcbersetzt werden. \u201eIt is the hope of the editors that the book may trigger further research into the lives of many more women and the beautiful things they did and do in the church and to the benefit of human kind.\u201c (Introduction, 1). Streckenweise gleicht der Inhalt noch eher einer Sammlung von Quellenausz\u00fcgen als einer durchgearbeiteten Darstellung der Frauengeschichte in der Mekane-Yesus-Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist das Verdienst von Christel Ahrens und Ebise Ashana, die Arbeit von einheimischen Frauen ins Licht gestellt zu haben, die selbst Missionsfreunde aus den Berichten der Missionare an die Unterst\u00fctzer in ihren Herkunftsl\u00e4ndern nur unzureichend kennen. Hoffentlich gibt es ausreichende Ressourcen, um die gro\u00dfe historische Aufgabe weiter zu verfolgen!<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christel Ahrens \/ Ebise Ashana (Hg.): In Memory of Them. 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