{"id":1252,"date":"2021-04-25T13:12:57","date_gmt":"2021-04-25T13:12:57","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1252"},"modified":"2021-04-25T13:12:58","modified_gmt":"2021-04-25T13:12:58","slug":"marco-frenschkowski-prophetie-innovation-tradition-und-subversion-in-spaetantiken-religionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1252","title":{"rendered":"Marco Frenschkowski: Prophetie. Innovation, Tradition und Subversion in sp\u00e4tantiken Religionen"},"content":{"rendered":"\n<p>Marco Frenschkowski: <em>Prophetie. Innovation, Tradition und Subversion in sp\u00e4tantiken Religionen, <\/em>Standorte in Antike und Christentum 10, Stuttgart: Hiersemann, 2018, kt., XIV+335 S., \u20ac 44,\u2013, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.hiersemann.de\/prophetie-9783777218229\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.hiersemann.de\/prophetie-9783777218229\" target=\"_blank\">978-3-7772-1822-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Dieses Buch ist aus dem Lexikonartikel \u201eProphet, Prophetie\u201c (Reallexikon f\u00fcr Antike und Christentum 28, 2017, Sp. 274\u2013339) erwachsen, ebenso wie dies bei Frenschkowskis Buch \u201eMagie im antiken Christentum: Eine Studie zur Alten Kirche und ihrem Umfeld\u201c (Band 7 der Reihe bei Hiersemann) der Fall ist. Das Besondere an diesem Buch \u00fcber Prophetie in sp\u00e4tantiken Religionen ist sicherlich die Linie, die letztlich von alttestamentlichen Aspekten von Prophetie im altorientalischen Umfeld \u00fcber die hellenistisch\u2013r\u00f6mische und die neutestamentliche Zeit bis in die islamische Zeit gezogen wird. Dabei f\u00e4llt die Geschichte des Prophetismus in der Hebr\u00e4ischen Bibel und im Alten Orient vergleichsweise skizzenhaft und knapp aus (5\u201332), was angesichts der Entstehungsgeschichte und dem damit verbundenen Schwerpunkt auf Antike und Christentum gut nachvollziehbar ist. In einem zweiten Kapitel (33\u201391) tr\u00e4gt Frenschkowski Aspekte von Prophetie in Griechenland, Rom und im alteurop\u00e4ischen Sehertum zusammen. Das \u201eErl\u00f6schen der Prophetie zwischen Fiktion und Realit\u00e4t im Judentum der hellenistisch-r\u00f6mischen Zeit\u201c (93\u2013118) wird im dritten Kapitel behandelt. Nach einem kurzen Blick auf iranische Prophetentraditionen (119\u2013131) r\u00fcckt Prophetie im fr\u00fchen Christentum im f\u00fcnften und sechsten Kapitel in den Mittelpunkt (133\u2013165). Das Verh\u00e4ltnis von Orakeln zur Philosophie (167\u2013179), der Montanismus (181\u2013187), Theorien des Prophetischen in der Alten Kirche und in der Gnosis (189\u2013223) und Prophetinnen und Propheten in asketischen Bewegungen (225\u2013231) werden danach behandelt. Der Blick auf sp\u00e4tantike Prophetie (mit einem Schwerpunkt auf den syrisch-irakischen Raum; 233\u2013242) bereitet die Behandlung der Frage im (fr\u00fch-) islamischen Raum vor (249\u2013274, 275\u2013290) und wird nur durch einen kurzen Blick auf das Merowingerreich (243\u2013248) unterbrochen. Die abschlie\u00dfenden Bemerkungen (291\u2013293) runden die Studie ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Freschkowski stellt \u201edie konkret als Propheten charakterisierten Personen, ihr[en] als prophetisch verstandener Offenbarungsempfang und de[n] kulturelle[n] Kontext dieser jeweiligen \u201aProphetie\u2018\u201c in den Mittelpunkt (2). Somit r\u00fcckt Prophetie als \u201eStrukturelement von Religion\u201c in den Blickpunkt, was der Verfasser von den beiden Aspekten \u201eProphetie als Legitimationsmuster in religi\u00f6sen Mainstreams\u201c und von \u201eProphetie als subversiv-aggressives Theologumenon in religi\u00f6sen Oppositionsbewegungen\u201c (1) her beschreibt. Diese Aspekte dienen im Verlauf des Buches immer wieder als Orientierungspunkte und geben damit vielf\u00e4ltigen Beobachtungen in ihrem jeweiligen Kontext eine gewisse Struktur. Auf diese Weise gelingt es Frenschkowski durch die Jahrhunderte zu schreiten, angemessene Differenzierungen vorzunehmen, gute \u00dcberblicke anzubieten, bemerkenswerte Beobachtungen einzustreuen und bei aller Vielfalt den \u00dcberblick nicht zu verlieren. Wiederholt verweist er auch auf weiteren Forschungs- und Reflexionsbedarf, was f\u00fcr alle, die sich mit diesem Themenfeld besch\u00e4ftigen, anregend wirkt und den Eindruck, der bisweilen entstehen kann, etwas zerstreut, dass mit diesen reichhaltigen \u00dcberblicksdarstellungen f\u00fcr jedes einzelne Gebiet und jede Epoche Entscheidendes gesagt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der religi\u00f6sen und chronologischen Vielfalt w\u00e4re es ein Leichtes, an Details h\u00e4ngen zu bleiben, das Fehlen bestimmter Perspektiven anzumerken oder wahlweise eine zu gro\u00dfe Breite oder eine Engf\u00fchrung zu beklagen. Wenn man dieser Spur folgen w\u00fcrde, bliebe ich beispielsweise daran h\u00e4ngen, warum mit Blick auf das Muhammadbild die Au\u00dfenwahrnehmung z.&nbsp;B. christlicher Pr\u00e4gung und mit Blick auf den Koran die religionswissenschaftliche Perspektive dreier Schichten (altarabische K\u0101hin-,<br>Ras\u016bl-, Prophetenschicht, die st\u00e4rker von j\u00fcdisch-prophetischer Begrifflichkeit her gepr\u00e4gt ist) so pr\u00e4gend in der Darstellung wirkt und dem binnentheologischen Verst\u00e4ndnis im Islam demgegen\u00fcber wenig Raum gegeben wird. Auch die Typologie von Prophetie f\u00fcr die Hebr\u00e4ische Bibel (Kultpropheten, altert\u00fcmliche Gottesm\u00e4nner, individuelle \u201efreie\u201c Propheten und Buchpropheten) k\u00f6nnte man sicherlich diskutieren, nicht nur wegen der Typologie an sich, die zu einer Kategorisierung einzelner Ph\u00e4nomene verleiten kann, obwohl sie religionswissenschaftlich nur als Orientierung dienen will. Die scheinbar klare Unterscheidung der Typen wirft manche Frage auf. Auch wird schlicht behauptet, dass die Berufungserfahrungen von Propheten ihrer Legitimation dienen, ohne diese durchaus weitverbreitete \u00dcberzeugung zu problematisieren. Man mag vielleicht auch bedauern, dass das ekstatische Element beim religionswissenschaftlichen Vergleich eine wichtige Rolle spielt, obwohl ihm im Kontext monotheistischer Religionen nicht dieses Gewicht gegeben wird. Mit diesen Fragen r\u00fccken nicht zuletzt binnenreligi\u00f6se Perspektiven in den Mittelpunkt, die grunds\u00e4tzlich in der Darstellung etwas kurz kommen, was wohl der Anlage des gesamten Buches geschuldet und zu verschmerzen ist, weil hier ein guter \u00dcberblick und viele wichtige Literaturhinweise zum vertiefenden Studium einladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Anfragen sind sicherlich der Forschung des Rezensenten im Bereich der Hebr\u00e4ischen Bibel und im Bereich des Islams geschuldet und d\u00fcrfen nicht den Blick f\u00fcr die Leistung Frenschkowskis verstellen. Sie \u00e4ndern auch nichts daran, dass Frenschkowski gute \u00dcberblicke anbietet, die als gute Einf\u00fchrung dienen k\u00f6nnen, auf wichtige Fragestellungen hinweisen und viele Anregungen zum weiteren Forschen und Nachdenken anbieten. So kann man sich \u00fcber diese religionswissenschaftliche Studie zu einem wichtigen Strukturelement von Religion nur freuen. Es ist ein wertvolles Buch, das vor allem die verbindenden Linien zwischen den verschiedenen Zeiten und Religionen heraushebt, ohne die Unterschiede zu nivellieren oder zu ignorieren. So gelingt es ihm auch, bei allen Verbindungen nicht von einem \u201eessentialistischen Eigentlichen\u201c (292) mit Blick auf Prophetie zu sprechen, und doch ein angemessenes Kontinuum zu behaupten: \u201eMenschenwort [wird] zum Wort der Gottheit bzw. (binnenreligi\u00f6s bewertet) Gotteswort zu Menschenwort. Die antike Diskussion \u00fcber Prophetie nimmt daher Fragen \u00fcber das Wesen der Gottheit, \u00fcber Ambiguit\u00e4t und Eindeutigkeit g\u00f6ttlicher Selbstmitteilung, \u00fcber das Nebeneinander g\u00f6ttlicher Offenbarungsaktion und religi\u00f6ser Offenbarungssuche genauso auf wie \u00fcber das Humanum im Raum der religi\u00f6sen Transzendenz\u201c (293). Dem Verfasser ist aber vor allem auch daf\u00fcr zu danken, dass er mit diesem Buch dem \u201eEigenrecht der Geschichte\u201c eine Stimme gibt, \u201edie sich nicht von der Gegenwart vereinnahmen lassen will, und die sich darum gegen zu rasche \u201aAnwendung\u2018 auch im gutgemeinten Dialog sperrt\u201c (xiii).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.\u00a0D. (Wheaton College), Akkreditierungsprojekt Campus Danubia, Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marco Frenschkowski: Prophetie. 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