{"id":1265,"date":"2021-04-25T13:23:59","date_gmt":"2021-04-25T13:23:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1265"},"modified":"2021-08-19T12:35:01","modified_gmt":"2021-08-19T12:35:01","slug":"christel-e-a-weber-prophetisches-predigen-als-sichtwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1265","title":{"rendered":"Christel E. A. Weber: Prophetisches Predigen als Sichtwechsel"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christel E. A. Weber: <em>Prophetisches Predigen als Sichtwechsel. Eine interkulturelle Studie<\/em>, Arbeiten zur Praktischen Theologie 77, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2019, WGS 1543, 432 S., \u20ac 58,\u2013, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4760_Prophetisches-Predigen-als-Sichtwechsel.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4760_Prophetisches-Predigen-als-Sichtwechsel.html\" target=\"_blank\">978-3-374-06258-4<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWas macht das Predigen prophetisch?\u201c (293) und \u201eWhere have all the prophets gone?\u201c (23f.) \u2013 diesen beiden (Leit-)Fragen geht Christel E. A. Weber in ihrer interkulturell angelegten Studie zum prophetischen Predigen nach. Mit Hilfe eines sowohl induktiven als auch deduktiven Zugangs kommt es in Webers Werk zu einem stimmigen und in sich verwobenen Zusammenfinden vom <em>Ph\u00e4nomen<\/em> und dem vielf\u00e4ltigen <em>Begriff<\/em> des prophetischen Predigens. Das in S\u00fcdafrika und in den USA bereits breit anerkannte Predigtgenre der prophetischen Predigt wird in Webers Dissertation, die von Alexander Deeg (Leipzig) begleitet und mit der Bestnote \u201esumma cum laude\u201c ausgezeichnet wurde, f\u00fcr die deutschsprachige Homiletik furchtbar gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch umfasst f\u00fcnf Kapitel, die in einem sich wiederholenden Wechselschritt von Predigtwahrnehmung und homiletischer Reflexion voranschreiten. Neben exemplarischen Untersuchungen zum Thema \u201eProphetisches Predigen\u201c finden sich auch immer wieder systematisierte Darstellungen zu verschiedenen Prophetenbildern und in sich stringente Ausf\u00fchrungen zu den unterschiedlichen Predigtkontexten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen besonderen Eindruck hinterl\u00e4sst das erste Kapitel (I, 17\u201356): Neben einer kurzen (zu kurzen?) \u00dcbersicht \u00fcber die Belege prophetischer Rede im biblischen Kanon am Ende des Kapitels, legt Weber ihren Schwerpunkt auf die Analyse einer (prophetischen) Predigt des s\u00fcdafrikanischen Bischofs Desmond Tutu und ihrer Rezeption durch Jim Wallis. Die Analyse des Predigtbeispiels, auf das Weber im weiteren Verlauf ihrer Abhandlung immer wieder zu sprechen kommt, bringt erste Hypothesen zum Ph\u00e4nomen prophetischer Predigt zum Vorschein. Die Thesen zum krisenhaften Kontext, zum vision\u00e4ren Inhalt (Imagination des g\u00f6ttlichen Handelns), der antizipierenden Form, dem prophetischen Embodiment und der transformierenden Funktion (subversiv <em>oder<\/em> seelsorgerlich) prophetischer Predigt werden in den darauffolgenden Kapiteln auf den Pr\u00fcfstand gestellt und gr\u00f6\u00dftenteils best\u00e4tigt. Diese hier von Weber dargestellten Ph\u00e4nomene k\u00f6nnen als die wesentlichen Charakteristika des <em>prophetic preaching<\/em> ausgemacht werden \u2013 gerade auch in Abgrenzung zu anderen Predigtgenres: Die prophetische Predigt zieht ihre H\u00f6rer und H\u00f6rerinnen in einen <em>Sichtwechsel <\/em>hinein, der ihre Situation in einem neuen Licht erscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Kapitel (II, 57\u2013162) legt Weber eine begriffliche Bestimmung zum durchaus weiten Bedeutungsspektrum des Prophetischen anhand eines soziologischen (Max Weber: der Prophet als Idealist), dogmatischen (Karl Barth: der Prophet als Zeuge) und exegetisch-homiletischen (Walter Brueggemann: der Prophet als Poet) Zugangs dar. Hierbei stellt Weber differenziert und durchaus gelungen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der drei dargestellten Prophetenbilder heraus. Insbesondere dieses Kapitel macht deutlich, dass die unterschiedlich gef\u00fcllten Begriffe des Prophetischen auf unterschiedliche Prophetenbilder zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Starke interkulturelle Bez\u00fcge weisen die Kapitel drei (III, 163\u2013292) und vier (IV, 293\u2013366) auf. Dabei steht schwerpunktm\u00fc\u00dfig der s\u00fcdafrikanische Kontext im Vordergrund. Dort werden die diversen Ph\u00e4nomene des prophetischen Predigens in ihren jeweiligen gesellschaftlichen, theologischen und homiletischen Kontexten wahrgenommen. Im Fokus steht hier die Untersuchung der Vielfalt prophetischer Predigten und Dokumente aus der s\u00fcdafrikanischen Zeitperiode der Apartheid. Umrahmt wird diese Untersuchung von der Frage, ob prophetisches Predigen in demokratischen Staaten, gerade auch mit Blick auf die prophetische Predigt der Gegenwart, obsolet wurde. Im Grundsatz wird diese Annahme verneint: Prophetische Predigt bleibt auch in Demokratien, insbesondere mit Blick auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Staat und Kirche, notwendig, wenngleich ein Verlust des Reichtums der prophetischen Rede erkennbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kapitel vier beantwortet die Frage nach den Merkmalen prophetischer Predigten aus dem Blickfeld der Predigtrezipienten und -rezipientinnen. Die interkulturell angelegten empirischen Befragungen (25 Interviews) best\u00e4tigen dabei die bisherigen Ausf\u00fchrungen zu den Ph\u00e4nomenen und Begriffen des Prophetischen und machen sichtbar, dass die Wahrnehmung des (krisenhaften) Kontextes den wohl st\u00e4rksten Einfluss auf die Wahrnehmung einer Predigt als \u201eprophetisch\u201c hat. Trotz interkultureller Differenzen zeigt sich in Webers Studie eine Vielzahl von \u00dcbereinstimmungen zwischen den Rezeptionen in S\u00fcdafrika, USA und Deutschland, obwohl in Deutschland die prophetische Predigt st\u00e4rker als politische Predigt wahrgenommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weber beendet ihre Ausf\u00fchrungen (V, 367\u2013398) mit dem durchaus beeindruckenden Ergebnis, dass sich prophetisches Predigen mit seinen unterschiedlichen Funktionalit\u00e4ten lernen l\u00e4sst und wom\u00f6glich auch zum Modell allen Predigens werden kann und soll, ohne dass der distinkte Prophetiebegriff verw\u00e4ssert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Webers Darstellung er\u00f6ffnet frische Zug\u00e4nge zur prophetischen Predigt und ein neues Verst\u00e4ndnis f\u00fcrs Predigen insgesamt; das macht ihr Werk \u00e4u\u00dferst hilfreich und ausgesprochen lesenswert.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Manuel Gr\u00e4\u00dflin, MTh, Doktorand Praktische Theologie, STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christel E. 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