{"id":1277,"date":"2021-04-25T13:50:25","date_gmt":"2021-04-25T13:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1277"},"modified":"2021-04-25T13:50:26","modified_gmt":"2021-04-25T13:50:26","slug":"willie-james-jennings-after-whiteness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1277","title":{"rendered":"Willie James Jennings: After Whiteness"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Willie James Jennings: <em>After Whiteness. An Education in Belonging<\/em>, TEBT, Grand Rapids: WM. B. Eerdmans Publishing Co., 2020, Pb., X+165 S., \u20ac&nbsp;17,99, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/Products\/7844\/after-whiteness.aspx\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/Products\/7844\/after-whiteness.aspx\" target=\"_blank\">978-1-4674-5976-1<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Willie James Jennings ist Professor f\u00fcr Systematische Theologie und Afrikanistik in Yale. Sein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der postkolonialen Theologie. In <em>The Christian Imagination<\/em> (2010) reflektiert er anhand zahlreicher historischer Quellen, wie die damalige Kirche den Kolonialismus theologisch gerechtfertigt hat. <em>After Whiteness<\/em> ist sein bisher pers\u00f6nlichstes Werk und gibt Einblick in \u201ewild memories\u201c (22) und fragt, welchen Beitrag theologische Ausbildung heute leisten k\u00f6nnte, um das d\u00fcstere Erbe des Kolonialismus zu \u00fcberwinden und Menschen zusammenzuf\u00fchren. Die Schilderung pers\u00f6nlicher Impressionen des afroamerikanischen Theologen aus dem Hochschulleben und seine Gedichte gestalten die Lekt\u00fcre abwechslungsreich und laden immer wieder zum Innehalten ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Kapitel wendet sich Jennings der Grundlage theologischer Bildung zu: Den Fragmenten des Glaubens und der Kultur, die jede Person an ihrer theologischen Ausbildungsst\u00e4tte einbringen k\u00f6nnte. Fragmente sind die Geschichten, Gedanken und Gewohnheiten, die unsere Gesch\u00f6pflichkeit ausmachen. Studierende k\u00e4men mit der Hoffnung an eine Hochschule, dass hier ihre verschiedenen Fragmente geordnet und verbunden w\u00fcrden. Jennings unterscheidet zwischen drei Arten von Fragmenten: <em>(1.) Es gibt Fragmente, die durch den Glauben geformt werden und positiver Ausdruck unsrer Gesch\u00f6pflichkeit sind.<\/em> Einzelne Gesch\u00f6pfe seien nicht in der Lage, das gro\u00dfe Ganze zu erblicken und w\u00fcrden gerade im Zusammentragen ihrer unterschiedlichen Fragmente Gemeinschaft erleben. <em>(2.) Viele von uns haben Fragmente, die durch den Kolonialismus geformt wurden und denen wir uns stellen sollten. <\/em>\u201eThis fragment work is a deeply Christian calling, born of the tragic history of Christians wo came not to learn anything from indigenous peoples but only to instruct them, and do exorcise and eradicate anything and everything that seemed strange and therefore anti-Christian\u201d (37). Nicht jeder Impuls der eigenen Kultur sei christlich, aber christliche Fakult\u00e4ten m\u00fcssten jedem die Chance geben, die eigene Pr\u00e4gung selbst (theologisch) zu beurteilen. Wenn Bildungseinrichtungen diesen Br\u00fcckenbau zwischen Kultur und Christentum nicht f\u00f6rdern w\u00fcrden, k\u00e4me es zu Abgrenzungsversuchen, bei denen der Studierende entweder seine bisherige christliche Pr\u00e4gung gegen eine alternative christliche Weltsicht eintausche oder permanent gegen die vorherrschende christliche Weltsicht der Hochschule rebelliere. Jennings veranschaulicht diesen Sachverhalt anhand einer Geschichte von einem afroamerikanischen Studenten, der sich als Gegenreaktion weigerte, mit den Texten westlicher Denker zu arbeiten und sein Umfeld darauf reduzierte, ob sie afroamerikanische Bewegungen im Kampf um Unabh\u00e4ngigkeit unterst\u00fctzen w\u00fcrden oder nicht. <em>(3.) Fragmente, die durch Reduktionen geformt sind, deklassieren Wissen zu einer Ware. <\/em>Dieses Fragment sei Ausdruck einer tiefsitzenden kolonialistischen Fehlannahme, dass wir alles, was uns bekannt ist, in Besitz nehmen k\u00f6nnten. Die Konsequenz dieser Fehlannahme sei, dass Studierende die Reproduktion bestimmter Worte damit verwechseln w\u00fcrden, was es hei\u00dft, seine eigene Stimme zu finden und die Fragmente der eigenen Kultur mit den Fragmenten des Glaubens zu vernetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapitel 2 beginnt Jennings mit der Problemanalyse. Er untersucht, worauf im Hochschulkontext verst\u00e4rkt geachtet wird, welche Sehnsucht sich hinter dieser Aufmerksamkeit verbirgt und wie die akademische Streitkultur aussieht. Er zieht das Zwischenfazit, dass der lange Schatten des Kolonialismus diese Aspekte (theologischer) Bildung pervertiert habe. Kapitel 3 f\u00fchrt diese These weiter aus. Hier malt Jennings das deutliche Bild eines Plantagengottesdienstes und zeigt Parallelen zum heutigen Lehrbetrieb. Der Akademiker sei nach wie vor ein Gefangener des Systems, anstatt in Gemeinschaft zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Kapitel 4 bewegt Jennings die Frage, wie ein Weg in die Freiheit aussehen k\u00f6nnte. Er identifiziert drei Schritte, die den strukturellen Imperialismus \u00fcberwinden und Menschen wieder vereinen w\u00fcrde: Gegenseitige Lernbereitschaft, eine gesunde Selbstwahrnehmung und Offenheit f\u00fcr Reformen. Kapitel 5 rundet das Buch mit einer Er\u00f6rterung der zentralen Bedeutung menschlicher Sehnsucht f\u00fcr (theologische) Bildungsprozesse ab. Sehnsucht sei das Bindeglied zwischen Fragmenten, Bildungseinrichtungen und den Schritten hinein in die Menschenmenge, die sich um Jesus versammelt. Im Gespr\u00e4ch mit verschiedenen feministischen Theologinnen schlie\u00dft Jennings mit meditativen Gedanken zu der erotischen Kraft Gottes, die die Menschenmenge um Jesus sammle und zu heiliger Liebe bef\u00e4hige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die St\u00e4rke des Buches liegt m. E. darin, dass es dem Autor gut gelingt, pers\u00f6nliche Erfahrungen aus dem amerikanischen Hochschulkontext gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcberzeugend zu analysieren. Jennings bietet uns damit eine Sehhilfe an, vergleichbare Situationen mit neuen Augen zu sehen und Br\u00fccken zu bauen. Gleichzeitig liegt darin auch die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung zum Transfer f\u00fcr alle Leser, denen diese Erfahrungswelt fremd ist. Erschwerend kommt hinzu, dass Jennings seine postkoloniale Lesart durchf\u00fchrt, ohne sie ausf\u00fchrlich zu begr\u00fcnden. Um seine Kritik besser nachzuvollziehen, w\u00e4re die Besch\u00e4ftigung mit seiner vorherigen Ver\u00f6ffentlichung, <em>The Christian Imagination,<\/em> hilfreich. Leser, die sich nach einer theologischen Ausbildung sehnen, die Br\u00fccken baut, anstatt Unterschiede zu zementieren, werden die Lekt\u00fcre als lohnend erleben.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Daniel Stegner, M.A. (FTH Gie\u00dfen), Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willie James Jennings: After Whiteness. An Education in Belonging, TEBT, Grand Rapids: WM. B. 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