{"id":1305,"date":"2021-10-20T14:33:48","date_gmt":"2021-10-20T14:33:48","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1305"},"modified":"2021-10-20T14:33:49","modified_gmt":"2021-10-20T14:33:49","slug":"brian-r-doak-ancient-israels-neighbors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1305","title":{"rendered":"Brian R. Doak: Ancient Israel\u2019s Neighbors"},"content":{"rendered":"\n<p>Brian R. Doak: <em>Ancient Israel\u2019s Neighbors<\/em>,Essentials of Biblical Studies, New York: Oxford University Press, 2020, geb., 211\u00a0S., US\u00a0$\u00a024,95, ISBN <a href=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/ancient-israels-neighbors-9780190690601\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/global.oup.com\/academic\/product\/ancient-israels-neighbors-9780190690601\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-0-19-069060-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Angesichts der F\u00fclle neuer methodischer Ans\u00e4tze und Ver\u00f6ffentlichungen hat sich die junge Serie <em>Essentials of Biblical Studies <\/em>das Ziel gesetzt, Studierenden und interessierten Laien einen kompakten, aktuellen und g\u00fcnstigen Zugang zu einem biblischen Thema zu verschaffen. Die Werke richten sich zudem an ein \u00fcberkonfessionelles Publikum. Brian R. Doak, Professor an der George Fox University (Oregon), legt dazu einen \u00dcberblick \u00fcber Israels antike Nachbarv\u00f6lker vor; genauer gesagt, schreibt er zu den Kanaan\u00e4ern, Aram\u00e4ern, Ammonitern, Moabitern, Edomitern, Philistern und den Ph\u00f6niziern. Die gr\u00f6\u00dferen in der Bibel vorkommenden V\u00f6lker der \u00c4gypter, Assyrer, Babylonier und Hethiter sollen zumindest teilweise in der Reihe gesondert behandelt werden und sind somit nicht Gegenstand dieses Buches.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der Serie und des Ziels, einen kompakten \u00dcberblick \u00fcber Israels Nachbarn zu bieten, verzichtet Doak auf st\u00e4rker nuancierte, vorsichtige und technische Einordnungen, wie sie in einem wissenschaftlichen Aufsatz zu erwarten w\u00e4ren (5\u20136). Trotzdem gelingt es Doak ein differenziertes Bild der einzelnen V\u00f6lker zu zeichnen und zugleich einen Einstieg in wesentliche Problemfelder aufzuzeigen. Sein Schreibstil ist dabei leicht verst\u00e4ndlich, fl\u00fcssig lesbar und gut f\u00fcr Laien und Studierende geeignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Kapitel weist Doak auf die grundlegenden Problematiken des modernen Nationenbegriffes, des Verh\u00e4ltnisses von biblischen und au\u00dferbiblischen Zeugnissen, Heiliger Schrift und Historizit\u00e4t und zur Bedeutung des \u201eAnderen\u201c&nbsp;\/&nbsp;\u201eFremden\u201c f\u00fcr die eigene Identit\u00e4tsbildung hin (1\u201321). Dabei legt er zumeist hilfreiche erste Spuren und kann die Problematik greifbar verdeutlichen. Besonders zur Wahrnehmung des \u201eAnderen\u201c w\u00e4re es hilfreich gewesen, ein paar weitere Spuren zu legen. So h\u00e4tten bspw. Hinweise zur Notwendigkeit der Auseinandersetzung und dem Erleben des Fremden f\u00fcr die Konstituierung des eigenen Selbstverst\u00e4ndnisses oder auch zur Dreiecksbeziehung (\u201eTrias\u201c) zwischen Jahwe, Israel und den V\u00f6lkern wertvolle Horizonterweiterungen geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser Einf\u00fchrung wird jedes Volk in einzelnen ca. 20 Seiten langen Kapiteln behandelt (22\u2013193). Doak folgt dabei einem dreiteiligen Aufbau: Zun\u00e4chst fasst Doak die arch\u00e4ologischen Erkenntnisse zusammen, worunter er Inschriften, die materielle Kultur, religi\u00f6se Strukturen und au\u00dferbiblische Texte versteht. Danach folgt eine Beschreibung der biblischen Darstellung des Volkes. Doak versucht dabei die einzelnen Bibelstellen unabh\u00e4ngig voneinander darzustellen (4). Immer wieder geht er knapp auf Unterschiede zu den arch\u00e4ologischen Funden ein. Die Entwicklung des Volkes ab 500 v.&nbsp;Chr. (5) behandelt Doak dann in einem dritten Abschnitt \u201e<em>What happened to the neighbor?<\/em>\u201c. Diese auf den ersten Blick ungew\u00f6hnliche Trennung begr\u00fcndet Doak mit dem Ende des vermeintlich unabh\u00e4ngigen Israels als Staat. Dies hat aber zur Folge, dass im dritten Abschnitt nicht nur die Apokryphen, das Neue Testament, au\u00dferbiblische Texte und teils auch die Rezeption in der Gegenwart behandelt werden, sondern auch die B\u00fccher Esra und Nehemia (96, 167\u2013168, anders aber auf 45\u201346). Der Nutzen dieser Aufteilung wird nicht ganz klar, es w\u00e4re wohl \u00fcbersichtlicher und konsistenter gewesen, auch Nehemia und Esra im Abschnitt der Hebr\u00e4ischen Bibel zu behandeln. Letzteres wird auch durch die Unter\u00fcberschriften bspw. \u201e<em>Ammon and the Ammomnites in the Hebrew Bible<\/em>\u201c suggeriert.<\/p>\n\n\n\n<p>In Doaks Darstellungen wird immer wieder deutlich, dass er zwar konservativ-evangelikale Standpunkte bspw. zu Datierungsfragen (15\u201318) nicht vertritt, seine \u00dcberblicke sind aber ausgesprochen fair geschrieben. So f\u00fcgt er zur konservativeren Sicht auf die Frage des Genozids an den Kanaan\u00e4ern kommentarlos verschiedene apologetische Deutungsm\u00f6glichkeiten an (50). Zum Vorkommen der Philister in Gen&nbsp;26 merkt er lediglich an, dass es hier schwierig sei Anachronismen zu verneinen (162).<\/p>\n\n\n\n<p>In den Darstellungen der biblischen Sicht zu den einzelnen V\u00f6lkern behandelt Doak vor allem Einzeltexte. Am Rand kommen \u00fcbergreifende Aussagen vor, so wertet er bspw. die prophetischen Texte zu den Philistern als komplette Verspottung oder sieht im Sieg Hiskias \u00fcber die Philister in 2K\u00f6n 18 eine biblische Trope (bspw. 165, 166). Den Versuch einer \u00fcbergreifenden Kategorisierung der Texte in einzelne Phasen, wie sie bspw. Peter Machinist bei den Philistern vornimmt, unternimmt Doak nicht. Einerseits wird dadurch der Blick auf die einzelnen Texte erleichtert, andererseits w\u00fcrde eine Kategorisierung den intendierten Lesern, die sich noch nicht mit dem Volk befasst haben, den \u00dcberblick erleichtern. Letztlich gelingt es Doak, alle wesentlichen Texte zu ber\u00fccksichtigen und sie zu einem gelungenen \u00dcberblick zusammenzuf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Karte mit den Namen einzelner wichtiger St\u00e4dte dient in jedem Kapitel als \u00dcberblick zur geografischen Verbreitung des Volkes. Da antike Grenzen h\u00e4ufig sehr komplex waren und h\u00e4ufigeren Ver\u00e4nderungen unterlagen, verzichtet Doak dabei auf eine exakte Grenzlinie (7). Auf der einen Seite erscheint dies \u2013 zumal der langen behandelten Zeitr\u00e4ume \u2013 sinnvoll, auf der anderen Seite d\u00fcrfte es gerade Studierenden dadurch deutlich schwerer fallen, die Verbreitung des Volkes nachzuvollziehen. Beispielhaft wird dies bei den Kanaan\u00e4ern deutlich: Hier definiert Doak ihr Verbreitungsgebiet im Norden bis zur Grenze des heutigen Libanons und im S\u00fcden bis zur antiken Grenze \u00c4gyptens (24). Auf der Karte selbst sind dann allerdings nur die Namen der V\u00f6lker Aram, Kanaan, Moab und Edom sowie einige antike St\u00e4dte (inkl. Ugarit und Byblos) genannt. Gerade f\u00fcr die intendierten Leser d\u00fcrfte dies weniger hilfreich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur besseren \u00dcbersichtlichkeit wurde auf ein eigenes Literaturverzeichnis und einen umfangreichen Fu\u00dfnotenapparat verzichtet. Immer wieder wird aber auf wichtige Werke in einzelnen Fu\u00dfnoten verwiesen. Eine gruppierte Literatursammlung (199\u2013205) am Ende des Buches bietet Studierenden einen wertvollen Einstieg und Orientierungspunkt \u00fcber die wichtigsten Werke f\u00fcr die weitere Recherche. Insgesamt handelt es sich um ein gelungenes \u00dcberblickswerk. Die intendierten Leser, vor allem Studierende, werden konsequent im Blick behalten und dieses Buch sicherlich gerne f\u00fcr einen ersten, kurzweiligen \u00dcberblick \u2013 besonders zum aktuellen Stand der Arch\u00e4ologie \u2013 zurate ziehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Christian Hilbrands, Doktorand an der Theologischen Universit\u00e4t Kampen, Niederlande<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brian R. Doak: Ancient Israel\u2019s Neighbors,Essentials of Biblical Studies, New York: Oxford University Press, 2020, geb., 211\u00a0S., US\u00a0$\u00a024,95, ISBN 978-0-19-069060-1<\/p>\n","protected":false},"author":93,"featured_media":1307,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1305","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/93"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1305"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1308,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1305\/revisions\/1308"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1305"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1305"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1305"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}