{"id":1311,"date":"2021-10-20T14:37:28","date_gmt":"2021-10-20T14:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1311"},"modified":"2021-10-20T14:37:29","modified_gmt":"2021-10-20T14:37:29","slug":"michael-s-heiser-demons","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1311","title":{"rendered":"Michael S. Heiser: Demons"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael S. Heiser: <em>Demons. What the Bible Really Says about the Powers of Darkness<\/em>, Bellingham\/WA: Lexam Press, 2020, 321\u00a0S., US\u00a0$\u00a017,60, ISBN <a href=\"https:\/\/lexhampress.com\/product\/178154\/demons-what-the-bible-really-says-about-the-powers-of-darkness\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/lexhampress.com\/product\/178154\/demons-what-the-bible-really-says-about-the-powers-of-darkness\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-1-68359-289-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Heiser ist ein amerikanischer evangelikaler Alttestamentler. Seit seiner PhD-Dissertation 2004 an der University of Wisconsin-Madison zum Thema <em>The Divine Council in Late Canonical and Non-Canonical Jewish Literature<\/em> hat er zahlreiche wissenschaftliche Beitr\u00e4ge und eine Reihe B\u00fccher zu dem Themenfeld Gott, G\u00f6tter und jenseitige Welt ver\u00f6ffentlicht, zuletzt drei einander erg\u00e4nzende B\u00e4nde: <em>The Unseen Realm. <\/em><em>Recovering the Supernatural World of the Bible<\/em> (2015), <em>Angels. What the Bible Really Says about God\u2019s Heavenly Host<\/em> (2018) und den zu besprechenden Titel. Charakteristisch f\u00fcr die drei B\u00e4nde ist, dass sie als Lehrb\u00fccher eine breitere Leserschaft ansprechen, die gleichzeitig die wissenschaftlichen Diskussionen in teilweise ausf\u00fchrlichen Fu\u00dfnoten mitzuvollziehen bereit ist. Der Band <em>Demons<\/em> listet im Anhang in der \u201eSelective Bibliography\u201c \u00fcber 350 Titel. Neben einem Stichwort- und Personen- (11 S.) sowie einem Bibelstellenverzeichnis (14 S.) erfreut besonders auch eine \u00dcbersicht (8 S.) der zitierten deuterokanonischen Quellen, alttestament\u00adlichen Pseudepigraphen, Qumrantexte, verschiedener ANE-Texte und j\u00fcdischer (Philo, Josephus, Talmud, Targume) sowie altkirchlicher Schriften und neutestamentlicher Apokryphen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch gliedert sich nach einer Einleitung in vier Teile. Im Teil I (1\u201358) werden sorgf\u00e4ltig die Begriffe gekl\u00e4rt, die Bedeutungen der im AT verwendeten Lexeme, ihre \u00dcbersetzungen in der LXX und aram\u00e4ischen Schriften sowie ihre oft nuancierte Verwendung in der zwischentestamentlichen Literatur, die wiederum als Denkraum der neutestamentlichen Schreiber relevant ist. Die sehr differenzierte Vorgehensweise, bei den verwendeten Begriffen und Themen den jeweiligen kulturellen Kontext mitzudenken, zieht sich durch alle Kapitel. Das steht in deutlichem Kontrast zu dem heute oft recht groben Gebrauch des Wortes \u201eD\u00e4mon\u201c als Sammelbegriff f\u00fcr alle b\u00f6sen nichtirdischen M\u00e4chte und er\u00f6ffnet teilweise \u00fcber\u00adraschende Einsichten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Teil II (113 S.) geht es um die M\u00e4chte der Finsternis, wie sie im AT erw\u00e4hnt und im Judentum des Zweiten Tempels rezipiert sind. W\u00e4hrend das Denken heutiger Christen weitgehend nur einen S\u00fcndenfall kennt, ging nach Heiser das Judentum der neutestament\u00adlichen Zeit von drei kosmischen Rebellionen aus. Neben dem Auftritt der Schlange in Gen 3 tritt die Vermischung der G\u00f6tters\u00f6hne mit Menschen in Gen 6,1\u20134 dazu sowie als drittes Ereignis das Gericht \u00fcber die V\u00f6lker in Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel in Gen 11, jeweils mit eigenen weitreichenden Implikationen f\u00fcr die Menschen. Die drei Rebellionen werden ausf\u00fchrlich dargestellt und diskutiert. Der Ur-Rebell in Eden, dem Garten, wo Gott wohnt, ist als Schlange kein zoologisches, vielmehr ein kosmisches Wesen, dessen Auftreten in Eden als dem Wohnbereich Gottes (Tempel) kaum ungew\u00f6hnlich sein kann. Sein Verhalten dient sp\u00e4ter als Folie zur Charakterisierung der Hybris der K\u00f6nige von Tyrus (Hes 28) und Babel (Jes 14). Erst im NT firmiert der kosmische Rebell unter dem Namen Satan, im AT ist das Wort mit bestimmtem Artikel (in Hiob 1\u20132; 1Chr 21,1; Sach 3,1\u20132) nicht als Name, sondern als eine Rollenbeschreibung zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur zweiten kosmischen Rebellion in Gen 6,1\u20134 verweist Heiser auf die Rezeption des Ereignisses im NT (Jud 6; 2Petr 2,4\u20135), deren Aussagen von der Verbannung der \u201eEngel in Ketten\u201c an einen Ort der Finsternis ihre Wurzeln nicht in dem Text der Genesis, wohl aber in der Henochliteratur haben, die als Quelle genannt ist (Jud 14). F\u00fcr die urgeschichtliche Darstellung bezieht sich Heiser u.&nbsp;a. auf Arbeiten von Amur Annus (<em>JSP<\/em>, 2010) und (J.&nbsp;C. Greenfield, \u201eapkallu\u201c, in <em>DDD<\/em>, 2014), die Gen 6,1\u20134 als Parallele und Polemik zu den <em>apkallu-<\/em>Erz\u00e4hlungenin der Keilschriftlitertur lesen. Darin vermitteln die <em>apkallu <\/em>alsniedere G\u00f6tter den Menschen Kenntnisse, die sie zu den gro\u00dfen kulturellen Leistungen Mesopotamiens bef\u00e4higen, auch Magie, Sterndeutung und andere Zauberk\u00fcnste. Nicht alle G\u00f6tter sind damit einverstanden und bestrafen sie. Aber als bewunderte und ber\u00fchmte Kulturspender werden <em>apkallu<\/em>-Tonfiguren in die Fundamente von H\u00e4usern vergraben und wohl wegen ihrer Amulettfunktion als \u201eW\u00e4chter\u201c bezeichnet. Gen 6,1\u20134 polemisiert dagegen und erkl\u00e4rt aus der Vermischung von G\u00f6ttlichem und Menschlichem die ungeheuerliche Bosheit, deretwegen die Sintflut kommt. Der Begriff \u201eW\u00e4chter\u201c bezeichnet auch in der Henochliteratur die niederen \u201eG\u00f6tters\u00f6hne\u201c von Gen 6. Dies deutet an, dass ihre Schreiber neben der Bibel auch mesopotamische Traditionen kannten. Aus der Verbindung der G\u00f6tters\u00f6hne mit Menschen in Gen 6 stammen die Nephilim, Mischwesen mit g\u00f6ttlichen und menschlichen Anteilen, deren Nachkommen mit den Enakim (Geschlechter von Riesen) und den Rephaim (Geister im Totenreich) in Verbindung stehen. Nach der Henochliteratur entweichen bei dem Tod der Nephilim ihre Geister als D\u00e4monen oder \u201eunreine Geister\u201c, ein Begriff, der nicht auf kultische Unreinheit, sondern auf ihren Charakter der verbotenen Mischung von G\u00f6ttlichem und Menschlichem verweist. Dieser in den Evangelien h\u00e4ufig verwendete Ausdruck f\u00fcr geistige Wesen, die Menschen u.&nbsp;a. mit Krankheiten qu\u00e4len, hat in diesen Zusammenh\u00e4ngen seine Wurzeln. Die D\u00e4monen sind in Ketten gebannt, aber nicht alle. Einige stehen auch dem Urrebellen, Satan, zu Diensten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur dritten kosmischen Rebellion in Zusammenhang Gen 11 bezieht Heiser Dtn 32,8 und Ps 82 ein. Er spricht von einer kosmischen Geographie, die auch u.&nbsp;a. in Dan 10,13.20\u201321 sichtbar wird. Heiser sieht diese aufgenommen in der paulinischen Redeweise von F\u00fcrstent\u00fcmern und Gewalten, Autorit\u00e4ten der unsichtbaren Welt. Dies wird ausf\u00fchrlich entfaltet im Teil III des Buches, der sich den neutestamentlichen Aussagen zuwendet, zu drei Rebellionen: der Teufel, b\u00f6se Geister, regierende M\u00e4chte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abschlie\u00dfend thematisiert Teil IV allgemeine Fragen und Missverst\u00e4ndnisse christlicher Tradition, wie u.\u00a0a. den Hintergrund der ziegenartigen Darstellung des Teufels. Engel im AT sei eine \u201eJob-Beschreibung\u201c, kein einziger Engel in der Bibel hat Fl\u00fcgel, D\u00e4monen auch nicht. Die Idee, dass Satan mit einem Drittel der Engel gefallen sei, l\u00e4sst sich nach Heiser nirgends belegen. Die einzige Erw\u00e4hnung eines Drittels \u201eder Sterne\u201c \u2013 wenn himmlische Wesen, dann eher gute Geister wie Dan 8,10 \u2013 in Offb 12,4 stehe in Zusammenhang mit der Geburt des Messias. Er diskutiert u.\u00a0a. Fragen von Besessenheit, dem Wissensstand der Geister, \u201espiritual warfare\u201c und die Erl\u00f6sungsf\u00e4higkeit von Geistern. Es gelingt Heiser in diesem Buch hervorragend, das Thema mit gro\u00dfer Klarheit und Breite zu entfalten. Ausgehend von den biblischen Aussagen als Grundlage erl\u00e4utert er sie auf der H\u00f6he der wissenschaftlichen Diskussion. Die Lekt\u00fcre im Kontext der jeweiligen zeitgeschichtlichen Kulturen ber\u00fccksichtigt Informationen, die nicht ausdr\u00fccklich in der Bibel erw\u00e4hnt sind, als Hintergrund f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Texte aber erhellend bzw. notwendig sein k\u00f6nnen. Dass dabei in Einzelfragen gleichzeitig weiter Diskussionsbedarf besteht, schm\u00e4lert nicht den gro\u00dfen Wert der Darstellung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Herbert H. Klement, Prof. em. f\u00fcr Altes Testament an der STH Basel und der ETF Leuven<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael S. Heiser: Demons. 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