{"id":1323,"date":"2021-10-20T15:37:34","date_gmt":"2021-10-20T15:37:34","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1323"},"modified":"2021-10-20T15:37:35","modified_gmt":"2021-10-20T15:37:35","slug":"jason-gile-ezekiel-and-the-world-of-deuteronomy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1323","title":{"rendered":"Jason Gile: Ezekiel and the World of Deuteronomy"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jason Gile: <em>Ezekiel and the World of Deuteronomy<\/em>, LHBOTS 703, London: T&amp;T Clark, 2021, geb., 280\u00a0S., \u00a3\u00a085,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/ezekiel-and-the-world-of-deuteronomy-9780567694300\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/ezekiel-and-the-world-of-deuteronomy-9780567694300\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-0-567-69430-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach Risa Levitt Kohns Studie zur Rezeption der Tora im Ezechielbuch (<em>A New Heart and a New Soul: Ezekiel, the Exile and the Torah<\/em>, 2002) und Michael Lyons Studie zum Gebrauch des Heiligkeitsgesetzes bei Ezechiel (<em>From Law to Prophecy: Ezekiel\u2019s Use of the Holiness Code<\/em>, 2009) legt Jason Gile mit dieser Studie, die aus einer von Daniel I. Block betreuten Dissertation hervorgegangen ist, eine weitere Untersuchung zum Verh\u00e4ltnis zwischen Ezechiel und der Tora vor, diesmal mit einem besonderen Fokus auf dem Deuteronomium. Alle drei Studien kommen zum Ergebnis, dass Ez aus allen Teilen der Tora sch\u00f6pft und dass er damit nicht als religionsgeschichtliches Bindeglied zwischen dem Deuteronomium und der Priesterschrift gesehen werden kann, wie Julius Wellhausen meinte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Kapitel verortet Gile seine Studie in der bisherigen Forschung, wobei Studien zu Ezechiels Gebrauch \u00e4lterer Traditionen im Allgemeinen und spezifische Beitr\u00e4ge zur Rezeption des Dtn bei Ez referiert werden und auch die Fragen nach der Buchkomposition und der M\u00f6glichkeit einer deuteronomistischen Redaktion des Ez angesprochen werden. Das zweite Kapitel befasst sich mit der vieldiskutierten methodischen Frage nach der Feststellung von Beeinflussung eines Textes durch einen anderen, wobei Gile mit vier Erkl\u00e4rungskategorien f\u00fcr w\u00f6rtliche Parallelen zwischen Dtn und Ez arbeitet: Zufall, indirekter Gebrauch, literarische Anleihe und literarische Referenz. Zu Letzterem z\u00e4hlt er Zitate und Anspielungen. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Ez sei es ein Verlust, wenn Dtn als eine seiner Quellen nicht ber\u00fccksichtigt werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Kapitel wendet sich Gile als erstem Thema der Idolatrie zu. Er folgt insbesondere Tova Ganzel, die argumentiert, dass Ez in diesem Thema terminologisch und konzeptuell fast ausschlie\u00dflich Dtn folge, auch da, wo priesterliche Alternativen best\u00fcnden. Eine wichtige Rolle nimmt Dtn 4 ein, wobei insbesondere zwischen Dtn 4,16\u201319 und dem f\u00fcr die Idolatrie-Thematik in Ez grundlegenden Kapitel Ez 8 mehrere spezifische Parallelen bestehen. Da Dtn 4,25\u201328 Idolatrie als das Vergehen benennt, das dazu f\u00fchren wird, dass Jahwe sein Volk ins Exil bringen l\u00e4sst, macht es Sinn, Dtn 4 als Deutungskategorie in Ez zu verstehen: \u201eEzekiel transforms Deuteronomy\u2019s laws into prophetic accusation\u201c (79).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vierte Kapitel geht dem Zusammenhang von Ez 16 und dem Moselied Dtn 32 nach. Ez 16, so die These, \u00fcbernehme die Plotstruktur des Aufstiegs und Falles Israels aus Dtn 32 und verbinde sie mit der prophetischen (bes. Hos) Metapher der Hurerei. Die thematischen Bez\u00fcge sind in der Tat auff\u00e4llig, die spezifischen w\u00f6rtlichen \u00dcbereinstimmungen eher limitiert, die deutlichste Verbindung besteht zwischen Dtn 32,10b\u201314 und Ez 16,7\u201313a, wo Gottes Ausbreiten seiner Fl\u00fcgel (Dtn 32,11) bzw. seines Gewandes (Ez 16,8) \u00fcber Israel mit der Formulierung \u05e4\u05e8\u05e9 \u05db\u05e0\u05e3 beschrieben wird und Israel Honig (\u05d3\u05d1\u05e9) und \u00d6l (\u05e9\u05de\u05df) isst (\u05d0\u05db\u05dc) (Dtn 32,13; Ez 16,13). Einige weitere Stichwortverbindung lassen eine bewusste Bezugnahme auf das Moselied plausibel erscheinen. Unter der Annahme, dass das Lied sehr bekannt war, w\u00fcrde damit die Anwendung des darin benannten Gerichts auf die Situation in Ezechiels Zeit eine starke rhetorische Kraft entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ez 20 ist der Gegenstand des f\u00fcnften Kapitels, das mit einer Auslegeordnung der Bez\u00fcge zwischen Ez 20 und dem Deuteronomium beginnt, angefangen mit der Erw\u00e4hlung (\u05d1\u05d7\u05e8) Israels. Nach Gile benutzt Ez deuteronomische Sprache, um in einem R\u00fcckblick Israels Geschichte nachzuzeichnen. Ein gro\u00dfer Teil des Kapitels widmet sich Thesen, denen zufolge Ez sich deuteronomischer Sprache bediene, um sich von Dtn zugunsten priesterlicher Theologie zu distanzieren, u.&nbsp;a. indem Ez 20,25\u201326 deuteronomische Gesetze als \u201enicht gut\u201c bezeichne. Mit guten Gr\u00fcnden lehnt Gile diese Thesen ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sechste Kapitel widmet sich der Zerstreuung Israels, ausgehend von Ez 20,23, wo Gott im Rahmen des Geschichtsr\u00fcckblicks sagt, er habe in der W\u00fcste seine Hand erhoben und geschworen, Israel \u201eunter die Heiden zu zerstreuen und in die V\u00f6lker zu versprengen\u201c. Diese Formulierung findet sich insgesamt siebenmal in Ez. Dass Lev 26 f\u00fcr Ez ein Schl\u00fcsselkapitel ist, wurde schon oft gesehen, entsprechend auch, dass sie sich auf Lev 26,33a bezieht (\u201eeuch aber will ich unter die Heiden versprengen\u201c). Gile argumentiert schl\u00fcssig, dass Ez Lev 26,33a mit Dtn 4,27 (vgl. 28,64) kombiniert (\u201eund der HERR wird euch zerstreuen unter die V\u00f6lker\u201c). Ez 20,23 bezieht sich auf die zweite Generation der W\u00fcstenwanderung, so dass sich die Rede von einem Schwur Gottes in der W\u00fcste auf das Deuteronomium beziehen muss. Den Referenztext sieht Gile entsprechend in Dtn 4,25\u201328. Dass diese Passage aus Dtn 4 ohne Probleme auch vorexilisch datiert werden kann, zeigen altorientalische Vergleichstexte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf die Zerstreuung Israels folgt im siebten Kapitel die Sammlung. Hier lehnt sich Ez nach Gile sogar st\u00e4rker an Dtn an als an Lev 26, besonders an Dtn 30,1\u20135. Als teils auch in gek\u00fcrzten Variationen vorkommende Grundform benennt Gile (Hossfeld folgend) die Sammlungsformel mit drei Elementen: 1. Die Sammlung (\u05e7\u05d1\u05e5) aus den V\u00f6lkern; 2. Anschlie\u00dfender Relativsatz mit dem Verb \u05e4\u05d5\u05e5; 3. Jahwe bringt (meist \u05d4\u05d1\u05d9\u05d0) Israel zur\u00fcck in (\u05d0\u05dc) ihr Land. In ihrer Grundform findet sich diese in Ez 11,17; 20,34\u201335.41\u201342 und in Dtn 30,3\u20135. Gile argumentiert anschlie\u00dfend, dass Ez hier n\u00e4her an Dtn ist als an vergleichbaren Formulierungen in anderen Schriftpropheten, dass die Abh\u00e4ngigkeitsrichtung vom Dtn 30 zu Ez nach den eingangs benannten Kriterien plausibler ist als die umgekehrte und dass es keinen hinreichenden Grund gibt, warum Dtn 30,1\u20135 nicht vorexilisch sein kann. In einem Exkurs fragt er, ob sich die Sammlungsformel in Ez an allen Stellen als redaktioneller Zusatz plausibel machen l\u00e4sst, was er nur in einzelnen F\u00e4llen bejaht, die er als Weiterf\u00fchrung von Ezechiels Sammlungsmotiv deutet. Ein abschlie\u00dfendes Kapitel b\u00fcndelt die Ergebnisse der Studie. Diese ist insgesamt handwerklich gut und sauber gearbeitet und bietet einen wichtigen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis des Ezechielbuches, das Exil und Wiederherstellung theologisch von der Tora her deutet und reflektiert. Mit Blick auf Dtn liegt eine gewisse Brisanz in der Studie, da gerade Passagen aus Dtn 4 und 30, die in der Regel exilisch-nachexilisch datiert werden, sich als Schl\u00fcsseltexte f\u00fcr Ez erweisen, und zwar auch in Texten, die nicht ohne Weiteres sp\u00e4teren Redaktionen des Ez zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Mit Blick auf Ez erweist sich das Dtn in zentralen Themen des Buches als wichtiger Referenztext neben Texten aus P und besonders H. Hier h\u00e4tte ich mir gew\u00fcnscht, dass die Spezifika der \u201eWelt des Deuteronomiums\u201c, die im Titel der Studie thematisiert wird, noch etwas pr\u00e4ziser herausgearbeitet werden und noch st\u00e4rker reflektiert wird, warum an bestimmten Stellen (z.\u00a0B. Sammlung Israels aus der Zerstreuung) Ez als wichtigsten Bezugstext bestimmten deuteronomische Passagen den Vorzug vor z.\u00a0B. Lev 26 gibt. \u00dcber Ezechiels Hermeneutik der Tora lie\u00dfe sich ausgehend von dieser und den eingangs genannten Studien noch weiter nachdenken.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jason Gile: Ezekiel and the World of Deuteronomy, LHBOTS 703, London: T&amp;T Clark, 2021, geb., 280\u00a0S., \u00a3\u00a085,\u2013, ISBN 978-0-567-69430-0 Nach<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":1324,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1323","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1323","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1323"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1323\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1325,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1323\/revisions\/1325"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1324"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1323"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1323"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1323"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}