{"id":1329,"date":"2021-10-20T15:42:21","date_gmt":"2021-10-20T15:42:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1329"},"modified":"2021-10-20T15:42:23","modified_gmt":"2021-10-20T15:42:23","slug":"daniel-i-block-david-c-deuel-c-john-collins-paul-j-n-lawrence-hg-write-that-they-may-read","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1329","title":{"rendered":"Daniel I. Block \/ David C. Deuel \/ C. John Collins \/ Paul J. N. Lawrence (Hg.): Write That They May Read"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel I. Block \/ David C. Deuel \/ C. John Collins \/ Paul J.\u00a0N. Lawrence (Hg.): <em>Write That They May Read. Studies in Literacy and Textualization in the Ancient Near East and in the Hebrew Scriptures. Essays in Honour of Professor Alan R. Millard<\/em>, Eugene OR: Pickwick Publications, 2020, Pb., XXXIV+504\u00a0S., $\u00a061,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781725252103\/write-that-they-may-read\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781725252103\/write-that-they-may-read\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-1-7252-5210-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der vorliegende Sammelband zur Schreibkultur im AVO und den hebr\u00e4ischen Schriften ist Alan Millard gewidmet. Die 22 Beitr\u00e4ge stammen von zwei Generationen seiner Doktoranden und Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Teil widmet sich der Diskussion von Artefakten hinsichtlich minimaler Literalit\u00e4t<em>. Gerald und Martin Klingbeil<\/em> nehmen zwei Zwillingsbecher aus kultischen R\u00e4umen in Khirbet Qeiafa (10. Jh.) als Ausgangspunkt f\u00fcr methodische \u00dcberlegungen zur Deutung unbeschriebener Objekte bez\u00fcglich des Verst\u00e4ndnisses kultischer Praktiken. \u00ad\u00ad\u2013 <em>Timothy Crow<\/em> fragt ausgehend vom El-Amarna Brief EA 256 und den darin erw\u00e4hnten \u201eSt\u00e4dten von <em>mat-gari<\/em>\u201c nach dem Verh\u00e4ltnis von schriftlichen und nichtschriftlichen (aber dennoch \u201elesbaren\u201c) Quellen zur Deutung der machtpolitischen Konstellation in der sp\u00e4tbronzezeitlichen Golan-Jarmuk-Region. \u2013 <em>Terence Mitchell<sup>\u2020<\/sup><\/em>publizierteine beidseitig beschriebene Pfeilspitze aus dem British Museum. Der Pfeil ist beschriftet als \u201ePfeil von Ischbaal | Mann von Abday, dem Tyrer\u201c, stammt wohl aus dem Libanon und datiert aufgrund der Buchstabenform ins mittlere 11. Jh. Dem Beitrag ist posthum ein Addendum von Richard Hess mit Vergleich der Namen mit westsemitischen Namen aus der fr\u00fchen Eisenzeit angef\u00fcgt. \u2013 <em>Paul Lawrence<\/em> stellt \u201eNestors Kelch\u201c aus Ischia bei Neapel vor (ca. 735\u2013720). Die Nestor-Inschrift setzt entweder Kenntnis von Homers <em>Ilias<\/em> voraus oder zumindest Kenntnis eines Objekts, das bei Homer erw\u00e4hnt wird. M\u00f6glicherweise handelt es sich um die \u00e4lteste literarische Anspielung auf Homer. Lawrence zufolge liegt mit den Silberr\u00f6llchen von Ketef Hinnom (7.\/6. Jh.) f\u00fcr die Hebr\u00e4ische Bibel ein \u00e4hnlicher Fall vor. Die literarischen Anspielungen umfassen Dtn 7,9 und den Priestersegen aus Num 6,24\u201326. Sie sprechen daf\u00fcr, dass diese Texte zur Zeit der Herstellung der Silberr\u00f6llchen eine gewisse Bekanntheit hatten. \u2013 <em>Yoshiyuki Muchiki<\/em> argumentiert, dass die hebr\u00e4ische Ma\u00dfeinheit <em>l\u014dg <\/em>(Lev 14) und der Name eines Schreibers Davids, Schawscha (1Chr 18,16), \u00e4gyptische Lehnw\u00f6rter sind. Der Name komme von der \u00e4gyptischen G\u00f6ttin des Schreibens (<em>\u015b\u0161\u0417.t<\/em>). Zusammen mit dem Reisebericht des Wenamun (ca. 1075 v. Chr.) deute dies darauf hin, dass um ca. 1000 v.&nbsp;Chr. \u00e4gyptische Schreiber in der Levante aktiv waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Teil befasst sich mit institutioneller Literalit\u00e4t. <em>Gordon Johnston<\/em> widmet sich dem Verh\u00e4ltnis der hethitischen Vasallenvertr\u00e4ge zu Sinaibund und Dtn, mit Fokus auf dem \u00e4gyptisch-hethitischen Friedensvertrag zwischen Ramses II. und Hatussili III (Silbertafelvertrag). W\u00e4hrend in der Forschung ein Einfluss der hethitischen Vertr\u00e4ge auf das Deuteronomium teilweise via Aleppo und Karkemisch in der EZ vermutet wird, schl\u00e4gt Johnston einen Einfluss via \u00c4gypten in der SBZ vor. Ort (Pi-Ramesse, vgl. Ex 1,11) und Zeit (ca. 1259) des Silbertafelvertrages passen zur Datierung des Exodus im 13. Jh. \u2013 <em>Daniel Block<\/em> fragt, f\u00fcr wessen Augen eigentlich die Steintafeln in der Bundeslade bestimmt sind. Er vergleicht die g\u00f6ttliche Verschriftlichung des Dekalogs mit den <em>ad\u00ea<\/em>-Tafeln, die im Allerheiligsten eines Heiligtums in Tel Tayinat gefunden wurden und mit dem Siegel des Gottes Assur versehen sind. Das Allerheiligste in Tel Tayinat war aber breiter zug\u00e4nglich als das der Stiftsh\u00fctte. W\u00e4hrend zudem altvorderorientalische Vertr\u00e4ge im Doppel f\u00fcr beide Vertragspartien abgefasst wurden, finden sich in der Pentateucherz\u00e4hlung beide Tafeln in der Bundeslade. JHWH sei darum Garant f\u00fcr beide Seiten des Bundesschlusses, die Tafeln sind f\u00fcr seine Augen bestimmt. \u2013 <em>Jonathan Burnside<\/em> geht der Anwendung geschriebenen Gesetzes im biblischen Israel nach. Er unterscheidet ein \u201esemantisches\u201c von einem \u201enarrativen\u201c Verst\u00e4ndnis. W\u00e4hrend Ersteres von unserem heutigen Gesetzesbegriff ausgeht und nach pr\u00e4ziser Terminologie und umsetzbarer Vollst\u00e4ndigkeit fragt, rechnet Letzteres mit gesellschaftlichem Vorwissen und versteht die verschriftlichten F\u00e4lle paradigmatisch. Burnside argumentiert an verschiedenen Beispielen (Ex 21,13\u201314; Lev 11,3\u201323; Num 15,32\u201326; Dtn 21,18\u201321; 14,3\u201320) f\u00fcr ein narratives Verst\u00e4ndnis. \u2013 <em>Wolfgang Ertl<\/em> nimmt die Notiz \u00fcber die Schreibt\u00e4tigkeit Samuels in 1Sam 10,25 zum Ausgangspunkt f\u00fcr die Frage, ob Samuel im 11. Jh. schreiben konnte. Anhand eines \u00dcberblicks \u00fcber die Evidenz f\u00fcr Literalit\u00e4t in verschiedenen Epochen bejaht er dies und versucht, zu rekonstruieren, was die Inhalte dieses von Samuel verfassten \u201eRechtsanpruchs des K\u00f6nigtums\u201c gewesen sein k\u00f6nnten. Er schl\u00e4gt vor, dass Samuel eine Erstversion von 1Sam 1\u201315 verfasst habe als Verteidigungsschrift f\u00fcr sein scheinbar widerspr\u00fcchliches Handeln in der Ein- und Absetzung Sauls. Zu 1Sam 10,25 w\u00e4re es interessant, zu bedenken, was die Niederlegung des Textes \u201evor dem Angesicht Jahwes\u201c f\u00fcr den Aufbewahrungsort zu bedeuten hat. \u2013 In einem kurzen Beitrag bespricht <em>David Tsumura<\/em> das Verh\u00e4ltnis von \u201erennen\u201c und \u201elesen\u201c in Hab 2,2c. Aufgrund des Subjektwechsels von der 2. zur 3. Person Singular geht er davon aus, dass die Schreibanweisung im ersten Versteil an den Propheten gerichtet ist, damit dann ein Bote, der nicht mit dem Propheten zu identifizieren ist, die Tafeln bekommt, um damit zu rennen und die Botschaft bekannt zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Teil geht es um das Entstehen der literarischen Literalit\u00e4t. <em>Richard Averbeck<\/em> steuert einen grundlegenden Beitrag zur Geschichte und Vorgeschichte der hebr\u00e4ischen Sprache in der westsemitischen literarischen Tradition bei. Nach einem \u00dcberblick \u00fcber die Forschungslage zur diachronen Linguistik des Hebr\u00e4ischen widmet er sich dem nordwestsemitischen linguistischen Kontext des Proto-Hebr\u00e4ischen. Dabei diskutiert er besonders die Ugarit-Texte in Alphabetschrift und die akkadisch-kanaan\u00e4ische Mischform gewisser Amarna-Texte aus der s\u00fcdlichen Levante. Da es sich dabei um Zufallsfunde handelt, die ihr \u00dcberleben dem besonderen Schreibmaterial verdanken, h\u00e4lt er es f\u00fcr durchaus plausibel, dass die Sp\u00e4tbronzezeit ein passender Kontext f\u00fcr erste literarische Texte sein k\u00f6nnte, aus denen die Hebr\u00e4ische Bibel hervorgegangen ist. Die nordwestsemitische Tradition biblischer Texte zeigt er an zwei Beispielen, in denen er Genesis-Texte mit dem ugaritischen Baal-Zyklus vergleicht. \u2013 <em>John Collins<\/em> geht der Frage nach, ob der R\u00fcckgriff auf altorientalische \u00dcberlieferungen (besonders im Bundesbuch und in der Urgeschichte) sich mit der g\u00f6ttlichen Inspiration der Tora vereinbaren l\u00e4sst, was er bejaht. \u2013 <em>Jens Kofoed<\/em> vergleicht den narrativen Rahmen der Pentateuchgesetze mit den Prologen sumerischer und akkadischer Gesetze. W\u00e4hrend in Letzteren der Gesetzgeber beschreibt, was er f\u00fcr die G\u00f6tter getan hat, sagt Gott in der Pentateuchrahmung, was er f\u00fcr das Volk getan hat. K. diskutiert den Einfluss dieses Unterschiedes auf die Herausbildung einer j\u00fcdisch-christlichen Kultur und thematisiert eine Re-Paganisierung des Westens in neuerer Zeit. \u2013 <em>John Walton<\/em> widmet sich der literarischen Produktion in einer prim\u00e4r m\u00fcndlichen Kultur. Er betont, dass die Verschriftlichung in der Regel nicht am Anfang, sondern am Ende des Tradierungsprozesses steht und dass darum \u201eB\u00fccher\u201c und \u201eAutoren\u201c anachronistische Konzepte sind, was die einleitungswissenschaftliche Diskussion von \u201eVerfasserschaft\u201c und \u201eDatierung\u201c infrage stelle. \u2013 <em>James Hoffmeier<\/em> vergleicht die Wiederentdeckung des Schabaka-Steins (\u201eMemphitische Theologie\u201c) mit der Wiederentdeckung des Gesetzesbuches in der josianischen Reform nach 2K\u00f6 22,8\u201310. Ersterer wurde im sp\u00e4ten 8.&nbsp;Jh.&nbsp;v.&nbsp;Chr. im Ptah-Tempel in Memphis wiederentdeckt. Hoffmeier beschreibt die Zeit des 8.\/7.&nbsp;Jh.&nbsp;v.&nbsp;Chr. in \u00c4gypten und Mesopotamien als eine Zeit der Wiederentdeckung alter Klassiker, nicht jedoch als eine Zeit literarischer Innovation. Auch das Gesetzesbuch sei eher eine Wiederentdeckung eines alten Werkes als ein neues Werk, das untergeschoben wurde. \u2013 <em>David Deuel<\/em> arbeitet im Dtn ein Unterweisungsmuster heraus, das von passivem Empfangen zu aktivem Weitergeben verl\u00e4uft (versammeln \u2013 lesen \u2013 h\u00f6ren \u2013 lernen \u2013 f\u00fcrchten \u2013 anbeten \u2013 gehorchen \u2013 lehren). Dieses Muster sei pr\u00e4gend ist f\u00fcr biblische Unterweisung im AT und NT. \u2013 <em>Ernest Lucas<\/em> vergleicht die Uruk-Prophetie mit messianischen Texten des AT. W\u00e4hrend sie in der Hoffnung eines idealen K\u00f6nigtums \u00fcbereinstimmen, gebe es keine Evidenz, dass aus der Uruk-Prophetie eine messianische Hoffnung im Volk entstanden sei. Vielmehr sei sie prim\u00e4r eine Propagandaschrift zur Legitimierung eines neuen K\u00f6nigs mitsamt der aus ihm hervorgehenden Dynastie. \u00dcberlegungen zum Messiasanspruch Jesu runden den Beitrag ab. \u2013 Nach <em>Cheryl Eaton<\/em> ist Jos 24 ein wichtiger Referenztext f\u00fcr Ps 81. Die Intertextualit\u00e4t scheint mir aber eher schwach begr\u00fcndet, finden sich alle genannten lexikalischen \u00dcbereinstimmungen doch auch im Umfeld des Moseliedes Dtn 32, wobei in den Rahmenversen Ps 81,2 (vgl. Dtn 32,43) und v.&nbsp;a. Ps 81,17 (vgl. Dtn 32,13\u201314) sehr viel spezifischere Bez\u00fcge das Moselied als Leittext f\u00fcr Ps 81 ausweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein vierter Teil enth\u00e4lt zwei Beitr\u00e4ge zu metaphorischer Literalit\u00e4t. <em>Carmen Imes<\/em> gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Evidenz von Siegeln mit alphabetischer Inschrift im altorientalischen und biblischen Kontext. Davon ausgehend geht sie dem metaphorischen Gebrauch von Siegeln in der Bibel und bei den Kirchenv\u00e4tern nach und folgert, dass Gott ein Siegel mit seinem Namen besitzt, um sein Volk mit seinem Namen als seinen Besitz zu kennzeichnen. \u2013 <em>Rahel Wells<\/em> untersucht den metaphorischen Gebrauch von \u201eAuge\u201c im Dtn und arbeitet eine eher kognitive (\u201eBrain and Judgement\u201c) und eine emotionale (\u201eHeart and Emotions\u201c) Verwendung heraus. Als Hauptgrund f\u00fcr die Differenz dieser metaphorischen Verwendung zu den \u00fcbrigen Pentateuchgesetzen vermutet sie den st\u00e4rker parenetischen Charakter des Dtn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Band schlie\u00dft mit zwei epilogischen Beitr\u00e4gen. <em>Richard Hess<\/em> macht in einer Antwort an Stephen Young einige Klarstellungen zu seiner eigenen Position \u00fcber die Verbreitung von Literalit\u00e4t in Israel zu alttestamentlicher Zeit. \u2013 Der von <em>Edwin Yamauchi<\/em> verantwortete Schlussbeitrag w\u00fcrdigt das umfangreiche und vielf\u00e4ltige Werk von Alan Millard thematisch geordnet. Dieser volumin\u00f6se Sammelband tr\u00e4gt nicht nur ganz unterschiedliche Beitr\u00e4ge zur Text- und Schreibkultur im Alten Vorderen Orient und den hebr\u00e4ischen Schriften zusammen, sondern zeigt auch etwas von der Breite des Werks von Alan Millard und von dessen Wirkungsgeschichte \u00fcber zwei Generationen seiner Sch\u00fcler.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel I. Block \/ David C. Deuel \/ C. John Collins \/ Paul J.\u00a0N. 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