{"id":1341,"date":"2021-10-20T15:54:06","date_gmt":"2021-10-20T15:54:06","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1341"},"modified":"2021-10-20T15:54:07","modified_gmt":"2021-10-20T15:54:07","slug":"walter-klaiber-die-botschaft-des-neuen-testaments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1341","title":{"rendered":"Walter Klaiber: Die Botschaft des Neuen Testaments"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walter Klaiber: <em>Die Botschaft des Neuen Testaments. Eine kurzgefasste neutestamentliche Theologie<\/em>, Die Botschaft des Neuen Testaments, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2021, kt., 358\u00a0S., \u20ac\u00a032,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/56138\/die-botschaft-des-neuen-testaments\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/56138\/die-botschaft-des-neuen-testaments\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-7887-3503-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Walter Klaiber bietet mit diesem Band eine kompakte und zug\u00e4ngliche neutestamentliche Theologie, die zum einen versucht, die einzelnen Schriften des NT mit eigener Stimme sprechen zu lassen und zum anderen danach fragt, inwiefern sie mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Sein Projekt entfaltet sich in vier Schritten. In der <em>Einleitung<\/em> f\u00fchrt er den Leser an das NT heran. Klaiber beschreibt die Entstehung der neutestamentlichen Schriften und konstatiert vorweg: Alle \u201ewollen eine <em>Botschaft<\/em> weitergeben. Sie wollen \u2026 das Evangelium von Jesus Christus entfalten und seine Konsequenzen f\u00fcr das Leben der Gemeinden und ihrer Glieder aufzeigen\u201c (21). Er er\u00f6rtert weiter in aller K\u00fcrze den Prozess der Kanonisierung der Schriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Hauptteil A. <em>Die Grundlage<\/em> weist Klaiber auf das Alte Testament als bleibendes Fundament f\u00fcr die christliche Verk\u00fcndigung hin. Aus diesem Boden geht Jesus als \u201eWurzelstock\u201c hervor, \u201eaus dem heraus die Botschaft der neutestamentlichen Autoren w\u00e4chst und sich entfaltet\u201c (42). Das Leben und Wirken Jesu wird daraufhin in groben Z\u00fcgen skizziert. Mit ihm bricht die Herrschaft Gottes an, obwohl Jesus den Menschen ein R\u00e4tsel bleibt. Er tritt selbstbewusst in Prophetenmanier auf, erz\u00e4hlt pointierte Gleichnisse, heilt und ruft zur Nachfolge auf. Ebenso k\u00fcndigt er Gericht an f\u00fcr diejenigen, die seinen Ruf missachten. Am Ende stirbt er, nachdem er seinen eigenen Tod selbst herbeif\u00fchrt und ihn deutet als \u201eEinsatz f\u00fcr andere\u201c (62).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Hauptteil B.<em>Die Entfaltung<\/em> werden die Einzelschriften des NT genauer analysiert. Diese werden in folgende Gruppen aufgeteilt: die Erz\u00e4hlung von Jesus von Nazareth (Evangelien und Apostelgeschichte), die Botschaft von Gottes Handeln in Jesus Christus (die Protopaulinen), die Entfaltung und Sicherung des paulinischen Erbes (die Deuteropaulinen und der Hebr\u00e4erbrief), das apostolische Erbe (die katholischen Briefe) und das prophetische Buch (die Offenbarung).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im dritten Hauptteil C.<em>Die neutestamentliche Botschaft und ihre Themen<\/em> hebt Klaiber die seiner Meinung nach einende Botschaft der Schriften des NT hervor und behauptet, diese sei schlicht und einfach: Jesus (249). In seinen Erl\u00e4uterungen wird klar, dass diese Botschaft durchgehend christologisch zu begreifen ist: Jesus Christus ist der Zeuge des einen Gottes, Sohn Gottes und Geistestr\u00e4ger. Er verk\u00fcndet Gericht und Heil, er ist Grund und Hirte der Gemeinde, Kraft und Leitbild f\u00fcr neues Leben sowie Quelle und Inhalt der Hoffnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgt ein Schlusswort, das das Vorhergehende zusammenfasst und seine Relevanz f\u00fcr \u201euns heute\u201c hervorhebt, ein Literatur- und Abk\u00fcrzungsverzeichnis sowie Stellen- und Begriffsregister.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaibers Werk muss man gem\u00e4\u00df seiner Intention beurteilen. Sein idealer Leser ist kein Fachkundiger, sondern ein gebildeter und interessierter Laie. Themen werden in der Regel kurz, wenn auch keineswegs oberfl\u00e4chlich behandelt. Auf Fu\u00dfnoten wird g\u00e4nzlich und auf den Diskurs mit anderen Theologen fast g\u00e4nzlich verzichtet. Problematisiert wird nicht das, was neutestamentlichen Wissenschaftlern Probleme bereiten k\u00f6nnte, sondern das, was Christen im Allgemeinen unverst\u00e4ndlich erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist grunds\u00e4tzlich in Ordnung, auch wenn ich mir als Neutestamentler gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass manche Pauschalaussagen etwas ausf\u00fchrlicher begr\u00fcndet worden w\u00e4ren. Das betrifft z.&nbsp;B. Klaibers Auslegung der Gleichnisse Jesu. Er ist der Meinung, dass die Gleichnisse in der Form, wie Jesus sie erz\u00e4hlt hat, noch einfache und leicht verst\u00e4ndliche Veranschaulichungen waren. Erst sp\u00e4ter f\u00fcr die fr\u00fche Kirche wurden sie r\u00e4tselhaft, weshalb sie Jesus Jes 6,9\u201310 nachtr\u00e4glich in den Mund legte (52). Sein sp\u00e4rliches formkritisches Argument befriedigt angesichts der breiten Gattungsvielfalt befremdlicher Aussagen Jesu \u2013 gemessen an der Reaktion seiner Zuh\u00f6rer \u2013 nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Klaibers Ausf\u00fchrungen zu verschiedenen Schriften des NT k\u00f6nnen nur einzeln beurteilt werden. Seine Auslegung des Matth\u00e4usevangeliums ist z.&nbsp;B. gewinnbringend, denn er verweist es nicht (dem Jakobusbrief hinterher) des Spielfelds, nur weil es sich nicht an die lutherischen Rechtfertigungsregeln h\u00e4lt. Klaiber ist \u00fcberzeugt, dass sich die heutige Kirche u.&nbsp;a. \u201edas unaufgebbare Ineinander von H\u00f6ren und Tun\u201c, an dem Matth\u00e4us festh\u00e4lt, wieder \u201esagen und schenken lassen sollte\u201c (92). Die Auslegung des Johannesevangeliums f\u00e4llt hingegen weniger ertragreich aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">St\u00f6rend ist Klaibers Hang, Aussagen der neutestamentlichen Schriften, die nach modernen Ma\u00dfst\u00e4ben suspekt erscheinen und sich dem heutigen Leser nicht sofort erschlie\u00dfen, vorschnell abzuwerten. Die Anweisungen des Paulus im 1. Korintherbrief bzgl. des Mannes, der mit seiner Stiefmutter schl\u00e4ft (1Kor 5,1\u20135), der Kopfbedeckung (1Kor 11,1\u201316) oder des Schweigegebotes f\u00fcr Frauen (1Kor 14,33\u201334) sind aus Klaibers Sicht bedauerliche Ausrutscher: \u201eAuch ein Apostel muss sich an seiner eigenen Botschaft messen lassen\u201c (138). Diese Botschaft ist f\u00fcr Klaiber selbsterkl\u00e4rend mit den ethischen Normen des modernen Westens gleichzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von dieser unausgesprochenen Pr\u00e4misse bleibt Klaibers Exegese nicht unber\u00fchrt. Auch sie muss sich anscheinend zeitgeistlichen Str\u00f6mungen anpassen. In seinem 2011 in der gleichen Reihe (<em>Die Botschaft des Neuen Testaments<\/em>) erschienenen 1.\u00a0Korintherkommentar konstatiert Klaiber noch, dass die von der lutherischen Tradition beeinflusste \u00dcbersetzung der Begriffe <em>malakoi<\/em> und <em>arsenokoitoi<\/em> im L\u00e4sterkatalog in 1Kor 1,9\u201310 mit \u201eLustknaben\u201c und \u201eKnabensch\u00e4nder\u201c zu hinterfragen sei. Sie suggeriere irrt\u00fcmlicherweise, dass es Paulus um P\u00e4derastie ging. Wahrscheinlicher sei aber, dass Paulus \u201eallgemein von passiver und aktiver (m\u00e4nnlicher) Homosexualit\u00e4t [spricht]\u201c (W. Klaiber, Der erste Korintherbrief, Neukirchen-Vluyn, 2011, 87). Diese Ansicht entsprach bereits damals der Mehrheitsmeinung, wurde seitdem durch viele Untersuchungen best\u00e4tigt und ist unter Exegeten beinahe konsensf\u00e4hig. Trotzdem widerspricht Klaiber im gegenw\u00e4rtigen Band diametral seiner Meinung von damals: \u201eEs geht also hier [in 1Kor 6,9] nicht um Homosexualit\u00e4t allgemein, sondern um P\u00e4derastie\u2026\u201c (315). Eine Begr\u00fcndung f\u00fcr den radikalen Kurswechsel bleibt Klaiber seinen Lesern schuldig, und man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass dieser vielmehr von popul\u00e4ren Bem\u00fchungen um einen homophilen Paulus beeinflusst wird als von weiterf\u00fchrender gr\u00fcndlicher Exegese des Textes. Zum Gl\u00fcck ist diese Tendenz nicht \u00fcberall zu bemerken. Klaiber beteuert z.\u00a0B. trotz gegenw\u00e4rtigen Widerstands aus manchen kirchlichen Kreisen, dass das NT den Tod Jesu s\u00fchnetheologisch deutet (263). F\u00fcr ihn ist es auch nicht abzustreiten, dass Jesus selbst seinen bevorstehenden Tod so auffasste und deswegen herbeif\u00fchrte. Auch Gerichtsworte will Klaiber nicht abschw\u00e4chen. Die Rede vom Heil, das \u201eim Zentrum der Botschaft des Neuen Testaments [steht,] \u2026 setzt voraus, dass [die Menschen] \u00bbverloren\u00ab sind und ihr Leben ,heil-los\u2018 ist\u201c (272\u2013273). Klaiber will beides \u2013 Gericht und Rettung \u2013 ernst nehmen und sich der Frage stellen, wie diese f\u00fcr die Kirche und die Gesellschaft von heute wieder geltend gemacht werden k\u00f6nnen. Am Ende stellt er heraus, dass f\u00fcr ihn nur in Jesus die Hoffnung zu finden ist, die unsere Welt dringend braucht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Joel White, Hochschuldozent f\u00fcr Neues Testament, Freie Theologische Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter Klaiber: Die Botschaft des Neuen Testaments. 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