{"id":1349,"date":"2021-10-20T16:01:53","date_gmt":"2021-10-20T16:01:53","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1349"},"modified":"2021-10-20T16:01:55","modified_gmt":"2021-10-20T16:01:55","slug":"alexander-deeg-christian-lehnert-hg-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1349","title":{"rendered":"Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): Stille"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): <em>Stille. Liturgie als Unterbrechung<\/em>, Beitr\u00e4ge zu Liturgie und Spiritualit\u00e4t 33, 2. Aufl. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2021, Pb., 175\u00a0S., \u20ac\u00a024,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4968_Stille.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4968_Stille.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-374-06652-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eStille\u201c \u2013 der Titel lockt und wird gegenw\u00e4rtig von zahlreichen Publikationen aufgegriffen. In den \u201eKirchen des Wortes\u201c wird durch die beschleunigten Sprachwelten, die sie umgeben, ebenfalls mit verst\u00e4rkter Aufmerksamkeit nach einem Gegengewicht, nach Verinnerlichung und Ruhe gesucht. Aber wie soll man diesen \u201eNicht-Ort\u201c wissenschaftlich erkunden und f\u00fcr die evangelische Liturgie gewinnen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beitr\u00e4ge des Bandes gehen zur\u00fcck auf eine liturgiewissenschaftliche Tagung vom 18.\u201320. M\u00e4rz 2019. Alexander Deegs Beitrag er\u00f6ffnet den Band. Ausgehend von Elias W\u00fcstenerfahrung am Horeb leitet er theologische Grundaspekte f\u00fcr ein neues H\u00f6ren auf Gott ab. Dem Blick auf die Stille im evangelischen und katholischen Gottesdienst folgt eine liturgietheologische Reflexion, verbunden mit der liturgiepragmatischen Konsequenz, Stille als nichtintentionale Haltung einzu\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Oswald Bayer setzt in einer systematisch-theologischen Besinnung grundlegend beim epikletischen Schweigen der Liturgie ein. Er kontrastiert die Leere und das Vielreden des Menschen mit Gottes F\u00fclle und seinem Tiefschweigen und h\u00e4lt fest, dass dem Menschen im Sabbat geboten ist, sich dem Wort Gottes zuallererst aufmerksam schweigend zuzuwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel Benga f\u00fchrt in das Verh\u00e4ltnis von Schweigen, Stille und Singen der orthodoxen Karsamstagsliturgie ein. Anstatt zu schweigen besingt sie den gro\u00dfen Einzug des Leibes Christi in Brot und Wein. Nicht \u00e4u\u00dferes Schweigen, sondern Stille des Herzens und Ruhe der Gedanken angesichts des g\u00f6ttlichen Mysteriums sei Ziel der g\u00f6ttlichen Liturgie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Maike Schult fragt nach der Stille als seelsorgerlicher Dimension des Gottesdienstes auf dem Hintergrund von Trauma-Erfahrungen. Sie weist auf stille Behandlungsm\u00f6glichkeiten wie dem Lesen als <em>safe place<\/em> und regt schlie\u00dflich an, die gottesdienstliche Gemeinschaft weniger als <em>holy community<\/em>, sondern mehr als <em>holding community<\/em>zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Zimmerling wendet sich der Stille durch Leben und Spiritualit\u00e4t der Mystiker Gerhard Tersteegen und Dag Hammarskj\u00f6ld zu. Stille korrigiere eine narzisstische evangelische Spiritualit\u00e4t durch die Konzentration auf die liebende Hingabe. Ihr Ziel ist die unio mystica, die ewige Vereinigung und Gemeinschaft mit Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beitrag Katharina Wiefel-Jenners stellt die Gedanken Rudolf Ottos, der Berneuchener und Odo Casels dar. Wiefel-Jenner h\u00e4lt fest, dass gemeinsame Stille im Gottesdienst gerade in Zeiten des Umbruchs als kraftvoll und als Ausgangspunkt einer Erneuerung erfahren werden kann, da sie die Sehnsucht nach dem H\u00f6ren des Wortes Gottes und nach der Erfahrung seiner Gegenwart ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Musiker und Musikwissenschaftler Uwe Steinmetz pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Stille in der Liturgie im Zusammenspiel mit Wort und Musik zu sehen. Er unterscheidet die induzierte Stille, die aufmerksam auf das Selbst in der Gegenwart macht, die reflexive Stille, die r\u00fcckbez\u00fcglich und wortdominant ist, und die sch\u00f6pferische Stille, die emotional und imaginativ die Vorstellungswelt hoffnungsvoll stimuliert. H\u00f6rempfehlungen f\u00fcr Musik, die Stille induziert, runden seinen Aufsatz ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hanns Kerner erhebt von empirischen Untersuchungen ausgehend Erwartungen an die Stille im Gottesdienst. Er widmet sich daraufhin den im Evangelischen Gottesdienstbuch vorgesehenen sechs Orten f\u00fcr Stille und nennt Kriterien eines verantwortlichen Umgangs mit diesem liturgischen Element.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitherausgeber Christian Lehnert beschlie\u00dft den Band als Dichter und Theologe mit Ausf\u00fchrungen zum Sprechen von der Stille. Mit Hilfe Wittgensteins geht er auf die Stille im Gottesdienst als Ausdruck des Unsagbaren ein und zieht Vergleiche zur Glossolalie und dem Jubilieren. \u201eStille\u201c ist eine gelungene Aufsatzsammlung, die vor allem durch ihre Multiperspektivit\u00e4t besticht. Sie erweist sich als hilfreiche Materialsammlung und anregende Lekt\u00fcre f\u00fcr Theologen und Pfarrer, die eine \u201eLiturgie als Unterbrechung\u201c, eine gottesdienstliche Gegenwirklichkeit, zu den beschleunigten Sprachwelten zu verwirklichen suchen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfr. Tobias Dietze, Dipl.-Theol., Doktorand bei Peter Zimmerling an der Universit\u00e4t Leipzig<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander Deeg \/ Christian Lehnert (Hg.): Stille. Liturgie als Unterbrechung, Beitr\u00e4ge zu Liturgie und Spiritualit\u00e4t 33, 2. Aufl. 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