{"id":1367,"date":"2021-10-20T16:18:37","date_gmt":"2021-10-20T16:18:37","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1367"},"modified":"2021-10-20T16:18:38","modified_gmt":"2021-10-20T16:18:38","slug":"konrad-mueller-das-confiteor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1367","title":{"rendered":"Konrad M\u00fcller: Das Confiteor"},"content":{"rendered":"\n<p>Konrad M\u00fcller: <em>Das Confiteor. Studien zu seiner Gestalt und Funktion im Gottesdienst sowie im Leben der Kirche<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2021, Pb., 410\u00a0S., \u20ac\u00a068,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4962_Das-Confiteor.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4962_Das-Confiteor.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-374-06676-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Konrad M\u00fcller, Leiter des Gottesdienst-Instituts der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, legt in seiner Habilitationsschrift eine Studie \u00fcber das altbekannte, aber \u2013 wie er zeigt \u2013 sehr wandelbare und inhaltlich nicht klar definierte liturgische Element des Confiteor vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Textgrundlage der Arbeit sind die Confiteor-Texte der VELKD-Agende von 1955 und der EKU-Agende von 1959. Die verschiedenen, zuweilen kleinteiligen Schritte der Analyse verfolgen in Summe das Ziel, einen Beitrag zur Fragestellung zu leisten, ob und in welcher Form die liturgische Sequenz eines allgemeinen S\u00fcnden- oder Schuldbekenntnisses zu Beginn des Gottesdienstes \u201eunter den ver\u00e4nderten Bedingungen der Gegenwart sinnvoll sein kann\u201c (41). Um das zu kl\u00e4ren, ziehen sich weitere Fragen durch die Arbeit. Ist das Confiteor eher als R\u00fcst- oder Vorbereitungsgebet zu sehen oder als S\u00fcndenbekenntnis mit Gnadenzuspruch? Welche sprechakttheoretischen Vorstellungen zum Confiteor werden diskutiert und m\u00fcssen ber\u00fccksichtigt werden? Inwieweit h\u00e4ngen Deutung, Entwicklung und Praxis des Confiteor vom jeweiligen historischen Kontext und Verst\u00e4ndnis von Gottesdienst ab? Inwieweit bilden Verst\u00e4ndnis und Praxis des Confiteor die jeweilige kulturelle und historische Situation ab?<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Einf\u00fchrung in den Forschungsgegenstand sowie Erl\u00e4uterung von Methodik, Darstellungsweg und Ziel (Kapitel 1), folgt eine Darstellung und Analyse der genannten Confiteorvarianten. M\u00fcller analysiert Aspekte des Confiteor wie Intertextualit\u00e4t, explizite und literale Narrativit\u00e4t u.&nbsp;a., um darauf aufbauend die Mehrdeutigkeit und die verschiedenen Verstehensebenen aufzuzeigen. Diese exemplifiziert und problematisiert er sodann anhand zweier Confiteor-Interpretationen (Kapitel 2). Nach einem Forschungs\u00fcberblick (Kapitel 3) folgt eine umfassende Darstellung der Geschichte des Confiteor, angefangen bei Bez\u00fcgen zu S\u00fcnde, Bu\u00dfe und Vers\u00f6hnung im Neuen Testament als Vorgeschichte \u00fcber die Entstehung des Confiteor im Mittelalter, bis hin zur Stellung zu und Auseinandersetzung mit ihm in der Reformationszeit und schlie\u00dflich seiner Entwicklung bis in die Zeit nach 1945 (Kapitel 4). In einem weiteren Kapitel werden die bereits erzielten Ergebnisse anhand verschiedener Autoren vertiefend diskutiert. Leitend ist die Frage, wie das Verh\u00e4ltnis von Liturgie, Sprache und Lebensform zu denken ist. Dabei erweist es sich als schwierig, dass der durchaus komplexe und unterschiedlich verwendbare Begriff der Lebensform hier wie auch schon an vorangehenden Stellen ohne n\u00e4here Kl\u00e4rung vorausgesetzt wird. Eine Kl\u00e4rung erfolgt erst im vorletzten Kapitel, das alle Ergebnisse b\u00fcndelt und in einen weiterf\u00fchrenden Ausblick m\u00fcndet (Kapitel 5 und 6).<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00fcller legt eine umfassende, kenntnisreiche und lesenswerte Studie vor, die anhand eines konkreten und wichtigen liturgischen Elementes aufzeigt, wie Liturgie an sich und damit verbunden auch die Theologie des Gottesdienstes einem stetigen Wandel unterliegen. Besonders gelungen wirken die Analyse des Confiteortextes und der historische Abriss. Es wird nachvollziehbar aufgezeigt, dass ein oberfl\u00e4chlich betrachtet v\u00f6llig klar verst\u00e4ndliches liturgisches Element viel mehr Interpretationsspielraum offenl\u00e4sst als erwartet. Diese Offenheit besteht bereits in der sprachlichen Anlage des Confiteor und seiner Interpretation, dann aber auch auf Seiten des Liturgen und der Rezipienten. Ein Verdienst der Arbeit liegt darin, sowohl das aus dieser Offenheit erwachsende Potenzial, aber auch die daraus abzuleitende Problematik aufzuzeigen. Diese liege darin, dass ein ungekl\u00e4rtes Confiteor-Verst\u00e4ndnis auf ein ungekl\u00e4rtes Verst\u00e4ndnis von S\u00fcnde, Schuld und Vergebung und hinweise. Dies k\u00f6nne im schlechtesten Fall zu einem Verzicht auf eine liturgisch geregelte Artikulation von Schuld f\u00fchren. Damit jedoch verl\u00f6re die Kirche jegliche Relevanz nach au\u00dfen, denn theologische Geltung beanspruchen k\u00f6nne eine Kirche nur dort, wo sie auch eine gekl\u00e4rte Gestalt besitze (395).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Henrik Homrighausen, M.A. ev. Theol., Dean of Students an der FTH Gie\u00dfen und Doktorand im Fachbereich Praktische Theologie an der STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konrad M\u00fcller: Das Confiteor. Studien zu seiner Gestalt und Funktion im Gottesdienst sowie im Leben der Kirche, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt,<\/p>\n","protected":false},"author":77,"featured_media":1368,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/77"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1367"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1369,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1367\/revisions\/1369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1368"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}