{"id":1388,"date":"2021-10-20T16:31:32","date_gmt":"2021-10-20T16:31:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1388"},"modified":"2021-10-20T16:31:34","modified_gmt":"2021-10-20T16:31:34","slug":"raymond-r-hausoul-the-new-heaven-and-new-earth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1388","title":{"rendered":"Raymond R. Hausoul: The New Heaven and New Earth"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Raymond R. Hausoul: <em>The New Heaven and New Earth. An Interdisciplinary Comparison between J\u00fcrgen Moltmann, Karl Rahner, and Gregory Beale<\/em>, Eugene: Wipf &amp; Stock, 2020, Pb., 351\u00a0S., US\u00a0$ 43,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781725262836\/the-new-heaven-and-new-earth\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781725262836\/the-new-heaven-and-new-earth\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-1-7252-6283-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Ann\u00e4herungen an das hier vorzustellende Buch und seinen Autor seien gemacht. Vor seinem Theologiestudium war Hausoul (= H.) Ingenieur (s. <a href=\"https:\/\/raymondhausoul.be\/cv.php\">https:\/\/raymondhausoul.be\/cv.php<\/a>). Er \u00fcbersetzte und \u00fcberarbeitete seine Leuvener Dissertation von 2017 ins Englische. Gleich vorneweg: Es w\u00e4re sch\u00f6n und der Sache dienlich, wenn seine Dissertation \u2013 bearbeitet und gek\u00fcrzt \u2013 auch auf Deutsch erschiene. Derzeit arbeitet er in der evangelischen Kirche in Flandern und ist der Fakult\u00e4t in Leuven als wissenschaftlicher Mitarbeiter und als Lektor f\u00fcr Systematische Theologie verbunden. Erste Bekanntschaft konnte man mit ihm in Deutschland als Autor des Edition&nbsp;C-Kommentars zu Maleachi (2011) machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnt man, sich mit der Eschatologie zu besch\u00e4ftigen, so st\u00f6\u00dft man \u2013 angefangen beim 3.&nbsp;Artikel des Glaubensbekenntnisses \u2013 auf ein ganzes B\u00fcndel von Fragen, Begriffen und Problemen. H. pickt sich das Begriffspaar des neuen Himmels und der neuen Erde heraus, die in der Systematischen Theologie wie eine Stiefmutter bzw. ein Stiefkind behandelt w\u00fcrden (IX, 10). Auf der ersten Seite (genauso 18) formuliert er seinen Buchtitel in einem Fragesatz: \u201eHow can comparison between Karl Rahner\u02bcs and J\u00fcrgen Moltmann\u02bcs systematic theological designs and Gregory Beale\u02bcs biblical-theological design be of significance in a theological dialogue concerning the new heaven and the new earth?\u201c Auf den Seiten 11\u201316 begr\u00fcndet H. die Konzentration auf diese drei Theologen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am interessantesten ist das Schicksal der Eschatologie in der j\u00fcngsten Theologiegeschichte. Im Jahre 1900 konstatierte Ernst Troeltsch in seiner <em>Glaubenslehre <\/em>n\u00fcchtern: \u201eDas eschatologische Bureau sei heutzutage zumeist geschlossen.\u201c Insgesamt wurde das 20.&nbsp;Jh. jedoch dann von der \u201eeschatologischen Bedingtheit des christlichen Glaubens fast \u00fcberschwemmt\u201c (Carl Heinz Ratschow: \u201eEschatologie VIII\u201c, in: <em>TRE <\/em>10, 334), so dass Hans Urs von Balthasar, \u201eEschatologie\u201c, in: Johannes&nbsp;Feiner&nbsp;\/ Josef&nbsp;Tr\u00fctsch&nbsp;\/ Franz&nbsp;B\u00f6ckle (Hg.): <em>Fragen der Theologie heute, <\/em>Einsiedeln: Benziger, 1957, 403 kontr\u00e4r zu Troeltsch bemerkte, dass es jetzt im Gegenteil \u00dcberstunden mache (vgl. Hausoul, 9).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer, der substantiell zu den \u00dcberstunden beitrug, war Moltmann. Schon in der Einleitung seiner 1964 ver\u00f6ffentlichten, epochemachenden <em>Theologie der Hoffnung<\/em> hei\u00dft es ganz grunds\u00e4tzlich: \u201eDas Christentum ist ganz und gar und nicht nur im Anhang Eschatologie, ist Hoffnung, Aussicht und Ausrichtung nach vorne&#8230;\u201c (12). Dieser in Anklang an Barth formulierte Kernsatz wird 1995 in <em>Das Kommen Gottes<\/em> wiederholt. Das vierte der f\u00fcnf Kapitel von <em>Das Kommen Gottes <\/em>tr\u00e4gt die \u00dcberschrift, die H. zum Haupttitel seiner Dissertation macht: \u201eNeuer Himmel \u2013 Neue Erde\u201c \u2013 allerdings ohne Moltmanns Spezifizierung \u201eKosmische Eschatologie\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem einleitenden ersten Kap. zeigt H. im zweiten, dass f\u00fcr alle drei von ihm untersuchten Theologen trotz ihrer Unterschiede die Bibel \u201ea primary source of reflection on the Christian faith\u201c (49; vgl. 37, 47) ist \u2013 und sie den interdisziplin\u00e4ren Dialog bef\u00fcrworten (vgl. 185\u2013187). Interessant ist Rahners christologisch-anthropologische Konzentration und philosophisch-hermeneutische Argumentation, besonders aber, dass er \u201eremains sceptical about using biblical images\u201c (94). Nicht unwichtig ist m.&nbsp;E., dass Rahners sehr umfangreiches Schrifttum (H.s Literaturverzeichnis umfasst fast 5 S. Rahnertitel!) zwar zwei Eschatologie-Lexikonartikel aufweist, jedoch keine einzige Monografie zu dem Thema.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Rahner und vor allem Moltmann den meisten Lesern und Leserinnen bekannt sein d\u00fcrften, trifft dies auf den amerikanischen Bibelwissenschaftler des Reformierten Theologischen Seminars in Dallas, Texas wohl nicht zu. Neben den beiden systematischen Theologen, vertritt er die exegetische Seite. Anhand seiner <em>New Testament Biblical Theology<\/em> (2011) und einiger einschl\u00e4giger Vorarbeiten analysiert H. \u201eBeale\u02bcs perspective on the new heaven and new earth\u201c (136). Drei der neun Ergebnisse zu Beale betonen die Zusammengeh\u00f6rigkeit von Protologie und Eschatologie (vgl. 183f). Diesen Zusammenhang dr\u00fcckt H. sehr sch\u00f6n im allerletzten Satz seiner Arbeit aus: \u201eGod has not a hopeless end but an endless hope in store for creation\u201c (306). In diesem Sinne kann kritisch gefragt werden, ob Beale die Kategorie des Neuen und die breite eschatologische Traditionsgeschichte gen\u00fcgend in den Blick nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da man wohl kaum alle Quellen zur Verf\u00fcgung hat, ist man als Leser bzw. Leserin sehr dankbar daf\u00fcr, dass H. nicht nur sehr viele Belegstellen nennt (insgesamt hat seine Arbeit 1146 Anm.), sondern dass er \u2013 Moltmann und Rahner betreffend, leider nicht bei Beale \u2013 oft Zitate im Wortlaut zug\u00e4nglich macht. Dar\u00fcber hinaus weist H.s Arbeit den Vorzug angloamerikanischer Darstellungen auf: \u201eAbstract and Summary\u201c (XV\u2013XX) fassen gekonnt zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Ergebnis seiner Untersuchung der drei h\u00e4lt H. u.&nbsp;a. fest: Erstens steht bei allen drei \u201eeschatology at the heart of their theology\u201c (305) und alle drei \u201etake a future for the earth into account in their eschatology\u201c (299). Zweitens w\u00e4chst allenthalben die Dialogbereitschaft und der tats\u00e4chliche Dialog (vgl. 296). Wie f\u00fcr alle Dialoge gilt drittens: \u201e neither discipline can claim to be completely objective\u201c und die Dialogpartner \u201ecoexist as equal entities\u201c (292f); alle \u201eare integral parts of the same whole\u201c (296). \u00dcber allem steht der folgende Basissatz: \u201ethe new heaven and new earth is a change, glorification and completion of the first heaven and earth created by God\u201c (305).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch notiert sei, dass H. einige Male (z.&nbsp;B. 283) das nicht im Duden vorkommende \u201eEinsage\u201c verwendet, auf S. 9 ein Satz doppelt steht und auf S. 136 \u201e\u00a7\u00a7 5.3\u20131.8\u201c (statt 5.3\u20138) wohl ein Hinweisfehler ist. Mein Exemplar ist au\u00dferdem schlecht gebunden; w\u00e4hrend der Lekt\u00fcre zerfledderte es leider zusehends.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtiger als diese \u00c4u\u00dferlichkeiten ist, dass H. sehr daf\u00fcr zu danken ist, dass er nach Schw\u00f6bels Bilanz des 20. Jh. (in: <em>Gott in Beziehung,<\/em> 437\u2013468) mit Schwarz\u02bc \u201eDie christliche Hoffnung\u201c (2002), M\u00fchlings \u201eGrundinformation Eschatologie\u201c (2007), Wenz\u02bc \u201eVollendung\u201c (2015) und einigen Monografien (z.&nbsp;B. Erlemann, 2014) die Fackel der Eschatologie vom 20. ins 21.&nbsp;Jh. weiter tr\u00e4gt und dass er in Gestalt der drei untersuchten Theologen exegetische und systematische Theologie miteinander ins Gespr\u00e4ch bringt. Nurmehr anmerkungsartig: Zu fragen ist, ob Moltmanns, Rahners und Beales Zustimmung und Ablehnung ihrer je eigenen Tradition nicht sch\u00e4rfer herauszuarbeiten w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber H.s Arbeit hinaus f\u00fchren religionsgeschichtliche Fragestellungen und Dialoge mit naturwissenschaftlichem und philosophischem Nachdenken (Rahner z.\u00a0B. h\u00e4tte einiges zum Themenbereich \u201eZeit und Ewigkeit\u201c beizutragen), also das Stichwort interdisziplin\u00e4re Zug\u00e4nge (so der Untertitel von Kladen, 2014). Ganz am Ende ein praktisch-theologischer Impuls: Wie wichtig die Fackel der christlichen Hoffnung ist, zeigt sich nicht nur an jedem Grab, sondern auch und vor allem angesichts der vielen apokalyptischen Szenarien und der allt\u00e4glichen Transzendenzlosigkeit, wie sie etwa in der \u00c4u\u00dferung Christoph Schlingensiefs zum Ausdruck kommt: \u201eSo sch\u00f6n wie auf Erden kann es im Himmel gar nicht sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Gerhard Maier, Pfarrer i.\u00a0R.,\u00a0Neuffen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raymond R. Hausoul: The New Heaven and New Earth. An Interdisciplinary Comparison between J\u00fcrgen Moltmann, Karl Rahner, and Gregory Beale,<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":1389,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1388","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1388"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1390,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions\/1390"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1389"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}