{"id":1403,"date":"2021-10-20T16:45:18","date_gmt":"2021-10-20T16:45:18","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1403"},"modified":"2021-10-20T16:45:19","modified_gmt":"2021-10-20T16:45:19","slug":"juergen-moltmann-auferstanden-in-das-ewige-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1403","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Moltmann: Auferstanden in das ewige Leben"},"content":{"rendered":"\n<p>J\u00fcrgen Moltmann: <em>Auferstanden in das ewige Leben. \u00dcber das Sterben und Erwachen einer lebendigen Seele<\/em>, G\u00fctersloh: G\u00fctersloher, 2020, geb., 110\u00a0S., \u20ac\u00a012,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Buch\/Auferstanden-in-das-ewige-Leben\/Juergen-Moltmann\/Guetersloher-Verlagshaus\/e570296.rhd\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.penguinrandomhouse.de\/Buch\/Auferstanden-in-das-ewige-Leben\/Juergen-Moltmann\/Guetersloher-Verlagshaus\/e570296.rhd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-579-06602-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Laut Verlagswerbung soll das vorliegende Taschenbuch des f\u00fcnfundneunzigj\u00e4hrigen Theologen Lebensermutigung angesichts der Wirklichkeit des Todes vermitteln, Trost f\u00fcr alle, die sich mit Sterben und Tod befassen m\u00fcssen und pers\u00f6nliche Erfahrung und Hoffnungen des bekannten Theologen aufzeigen. \u2013 Wer J\u00fcrgen Moltmann aus seinen Vorlesungen kennt und seine B\u00fccher gelesen hat, findet manches, was ihm bekannt ist, trotz einer theologischen Retractatio (57f). Die Freude am Umformulieren klassischer theologischer Termini und an der Findung neuer Ausdrucksweisen ist dem Autor geblieben. Pr\u00e4gend ist auch der durchgehend starke Bezug auf den Tod seiner Frau Elisabeth Moltmann-Wendel.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorwort verweist der Vf. darauf, dass er schon mehrfach \u00fcber das Thema geschrieben habe, doch \u201eseit meine Frau Elisabeth 2016 gestorben ist, hat sich meine Perspektive ver\u00e4ndert, ist das Thema f\u00fcr mich auch ein pers\u00f6nliches Problem geworden. Ich musste es darum noch einmal neu theologisch durchdenken\u201c (7). Das Ergebnis soll als \u201ears resurgendi\u201c \u201eEine Bereitung zur Auferstehung in die F\u00fclle des Lebens, das wir das ewige Leben nennen\u201c sein: \u201eDie <em>ars moriendi<\/em> k\u00f6nnen wir nur einmal \u00fcben, die <em>ars resurgendi<\/em> aber in unserem ganzen gelebten Leben. Jeder neue Anfang ist eine \u201aAuferstehung\u2018\u201c (ebd.). Moltmann will damit Trost und Hoffnung stiften und Gewissheit in Trauergottesdiensten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang des theologischen Traktats stehen zwei Fragen: \u201eGibt es ein Leben nach dem Tod?\u201c und \u201eEwiges Leben \u2013 Wonach fragen wir?\u201c Moltmann unterscheidet das erlebbare Sterben vom Tod, \u201eden wir nur an anderen Menschen, die wir lieben, erfahren\u201c (9). Anstatt von \u201eewigem Leben\u201c will er besser von \u201eewiger Lebendigkeit\u201c sprechen (11f), denn: \u201eAus der Freude am geliebten und gelebten Leben fragen wir nach der \u201aF\u00fclle des Lebens\u2018 und nennen sie \u201aewiges Leben\u2018\u201c (11).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auferstehung Jesu Christi (15\u201339) nimmt ihren Ausgang in der gekreuzigten Hoffnung der J\u00fcnger und im gest\u00f6rten Weltvertrauen, ihrem namenlosen Entsetzen am Grab (15, 17). Durch die Begegnung mit dem Auferstandenen erschlie\u00dft sich den J\u00fcngern die neue Wirklichkeit der Auferstehung Jesu Christi, die keine Reanimation war (21\u201324). In der \u00dcberwindung des Todes liegt \u201edie Kraft des Protestes gegen die gottlosen M\u00e4chte und Gewalten, die t\u00f6dlich sind f\u00fcr die Menschheit und die Erde\u201c (26).<\/p>\n\n\n\n<p>Jesu Gottverlassenheit am Kreuz bedeutet, dass er bei uns ist in unserer umfassenden Gottlosigkeit und Gottverlassenheit und sein Tod daher nicht nur als \u201eStrafe f\u00fcr schlechte Taten\u201c verstanden werden soll (30f). Das Reich Gottes ist \u201edas Heil der Erde und der Erdgemeinschaft alles Lebendigen\u201c, es kommt von Gottes Welt in unsere menschliche, irdische Welt (33).<\/p>\n\n\n\n<p>Moltmann geht davon aus, dass der nach\u00f6sterliche Glaubensmut der Gruppe von J\u00fcngern in Jerusalem nur aus ihrem Erleben begr\u00fcndet werden kann: \u201eDie einzige Antwort, die mir einleuchtet, war ihre \u00dcberzeugung von der Auferstehung Jesu und von ihrer eigenen Auferstehung mit ihm\u201c (38). \u2013 Hier h\u00e4tte man fragen k\u00f6nnen, inwiefern die vorausgegangenen Leidensweissagungen Jesu zum neuen Verst\u00e4ndnis der eigenen Situation der J\u00fcnger beigetragen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Moltmanns Vorstellung von \u201eUnserer Auferweckung in der Todesstunde\u201c (41\u201359) ist von dem Grundgedanken gepr\u00e4gt, dass die Auferstehung mit dem Tod und nicht erst bei den Gr\u00e4bern der Verstorbenen beginnt. Schon bei der Beerdigung soll man wissen, \u201edass die Seele des Verstorbenen schon auferweckt und erwacht ist\u201c (42). Somit f\u00e4llt die Todesstunde mit dem \u201ej\u00fcngsten Tag\u201c und dem \u201ej\u00fcngsten Gericht\u201c als eine Art Akt der Selbsterkenntnis zusammen. \u201eDas \u201abesondere Gericht\u2018 ist die individuelle \u201aVorwegnahme\u2018 des Gro\u00dfen Weltgerichtes. Der Mensch wird nach seinem Sterben mit der ganzen Wahrheit seines Lebens konfrontiert und zu seinem eigenen Richter gemacht\u201c (49). Die Person wird durch Annahme und Heilung durch Gott und Christus zur Vollendung gebracht (50f). Nach dem Sterben beginnt das ewige Leben, wenn auch nicht als Vollendung, aber als Verhei\u00dfung auf die Zukunft (57f).<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Sterben und Erwachen einer lebendigen Seele will Moltmann nicht in Begriffen des biblischen dualen Weltbilds wie \u201eHimmel und Erde\u201c sprechen (61\u201391), denn: \u201eIm Reich Gottes durchdringen sich der Himmel und die Erde. In der Freude Gottes ber\u00fchrt uns die Erde und \u00f6ffnet sich der Himmel f\u00fcr uns. Der Himmel wird irdisch und die Erde wird \u201ahimmlisch\u2018\u201c (64). Nicht eine duale Existenz von Seele und K\u00f6rper pr\u00e4gt die Anthropologie, sondern das Verst\u00e4ndnis der Seele als Prinzip der Lebendigkeit (70). \u201eDie \u201aSeele\u2018 als die <em>Ganzheit<\/em> einer Lebensgestalt und Lebensgeschichte wird in der Gottesumgebung am Leben erhalten\u201c (84).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch endet mit einer theologischen Meditation \u00fcber Licht und Finsternis (93\u2013107). Das Licht des Lebens (94) steht der Finsternis des Todes (98) entgegen. Von \u201eewigem Tod\u201c wird nur als \u201edenkbare M\u00f6glichkeit des R\u00fcckzuges Gottes von seiner Sch\u00f6pfung\u201c gesprochen (100). Letztlich auf den Neuplatonismus zur\u00fcck geht Moltmanns Annahme, dass das Reich der Finsternis ohne Substanz sei und nur in der Negation des Guten, des Lichts und des Lebens existiere (ebd.). In der Auferstehung strahlt das unerschaffene Licht in der Mitte der Finsternis und vertreibt sie, \u201ebis wir ganz im Lichte stehen\u201c (107). Der Verfasser belegt seine Ausf\u00fchrungen mehrfach mit ausgesucht starken Zitaten aus Kirchenliedern, von Dietrich Bonhoeffer, Hermann Hesse, Marie Luise Kaschnitz und anderen. Konservative, sich bibeltreu verstehende Theologie h\u00e4tte wohl lieber gesehen, dass die zahlreichen relevanten Bibelstellen umfassender ber\u00fccksichtigt und diskutiert werden w\u00fcrden. Dann h\u00e4tte sich inhaltlich manches anders dargestellt. Moltmanns St\u00e4rke bleibt auch in dieser Schrift sein kontinuierlicher Bezug auf gesellschaftliche Probleme und theologische Zeitstr\u00f6mungen der Gegenwart. Darin ist er sogar manchen j\u00fcngeren Kollegen noch heute voraus.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00fcrgen Moltmann: Auferstanden in das ewige Leben. \u00dcber das Sterben und Erwachen einer lebendigen Seele, G\u00fctersloh: G\u00fctersloher, 2020, geb., 110\u00a0S.,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1404,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-1403","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1403"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1403\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1405,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1403\/revisions\/1405"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1404"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}