{"id":1409,"date":"2021-10-20T16:49:24","date_gmt":"2021-10-20T16:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1409"},"modified":"2021-10-20T16:49:26","modified_gmt":"2021-10-20T16:49:26","slug":"joel-white-was-sich-gott-dabei-gedacht-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1409","title":{"rendered":"Joel White: Was sich Gott dabei gedacht hat"},"content":{"rendered":"\n<p>Joel White: <em>Was sich Gott dabei gedacht hat. Die biblische Basis einer christlichen Sexualethik,<\/em> Holzgerlingen: SCM R. Brockhaus, 2021, geb., 224\u00a0S., \u20ac\u00a017,99, ISBN <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/was-sich-gott-dabei-gedacht-hat.html?sqid=1935130\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/was-sich-gott-dabei-gedacht-hat.html?sqid=1935130\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-417-24168-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Joel White lehrt seit zwanzig Jahren als Neutestamentler an der Freien Theologischen Hochschule in Gie\u00dfen. White hat in den letzten Jahrzehnten beobachtet, wie die gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen in der Frage des Umgangs der Geschlechter miteinander an den Gemeinden nicht spurlos vorbeigegangen sind. In dieser Situation der Verunsicherung freikirchlicher und pietistischer Kreise will White Orientierung geben, \u201eweil mir die Ortsgemeinden am Herzen liegen\u201c (9). Er geht von acht grundlegenden Bibelstellen aus, die er sorgf\u00e4ltig auslegt und in den Kontext der gegenw\u00e4rtigen Diskussion stellt. Die im ersten Teil (\u201eDer biblische Anspruch\u201c, 17\u2013134) besprochenen f\u00fcnf Bibelverse wollen der biblischen Sinngebung der Sexualit\u00e4t nachgehen: \u201eIch bin \u00fcberzeugt, dass das biblische Narrativ weitaus besser ist als das, das seit der Sexuellen Revolution in der westlichen Gesellschaft erz\u00e4hlt wird\u201c (11). Der zweite Teil (\u201eDie moderne Herausforderung\u201c, 135\u2013208) widmet sich anhand von drei biblischen Schl\u00fcsseltexten den wichtigen Themen Singledasein, Scheidung und Wiederheirat sowie Homosexualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Die biblischen Grundlagen entfaltet White, wie schon erw\u00e4hnt, am Leitfaden von f\u00fcnf zentralen Bibelversen. Unter dem Zitat aus 1Kor. 6,20 \u201eEhrt Gott mit eurem Leib\u201c (Kap. I, 21\u201345) fasst White Grundlegendes zur christlichen Sexualethik zusammen. F\u00fcr ihn ist sie notwendig, weil der g\u00e4ngige Konsens in konservativen christlichen Gemeinden nicht mehr vorausgesetzt werden kann und weil der Autor Christen Orientierung geben will; sie sollen sich auf diese Weise positionieren k\u00f6nnen (22\u201324). Allgemein verst\u00e4ndlich erl\u00e4utert der Vf. im Folgenden, wie er mit den biblischen Aussagen hermeneutisch umgeht, ohne in Subjektivit\u00e4t zu verfallen (24\u201340). Der knappe Durchgang durch kirchengeschichtliche Aspekte zum Thema (40\u201345) hebt \u2013 wie man es aus Publikationen anderer Autoren kennt \u2013 \u00fcberwiegend negative Fakten der christlichen Haltung zur Sexualit\u00e4t hervor. Dazu m\u00fcsste man bedenken, dass es in vergangenen Zeiten keine Statistiken, sondern nur Beschreibungen von Einzelph\u00e4nomenen gab. Weiter wird oft nicht gesehen, dass gesellschaftliche Missst\u00e4nde in der abendl\u00e4ndischen Geschichtsschreibung dem Anschein nach gerne dem Christentum angelastet und nicht anderen Wirkursachen zugeschrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Kapitel (Gen 4,1 \u201eAdam erkannte seine Frau\u201c, 46\u201367) entfaltet White das biblische Verst\u00e4ndnis von der menschlichen Sexualit\u00e4t als guter Gabe Gottes, indem er Bibelstellen aus Gen 1 und 2, aus dem Hohelied und 1Kor 7 auslegt. An Gen 1,27 und 1Kor 11,7 stellt White den Zusammenhang zwischen Gottebenbildlichkeit und Geschlechtlichkeit des Menschen heraus (52).<\/p>\n\n\n\n<p>Sexuelle Enthaltsamkeit vor und au\u00dferhalb der Ehe ist das Thema des umfangreichsten Kapitels (III, Hebr 13,4 \u201eDie Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden\u201c, 68\u2013103). White geht von der Ehe als biblischem Rahmen sexueller Beziehungen zwischen Mann und Frau aus (68\u201370). Au\u00dfereheliche geschlechtliche Beziehungen werden in der Bibel als \u201eUnzucht\u201c verurteilt (71). In diesem Kontext kritisiert er die Einstellung des Religionsp\u00e4dagogen Siegfried Zimmer (73). Die Sexuelle Revolution stellt sich in mancherlei Hinsicht als neue Sklaverei und als \u201eRealisierung der schlimmsten M\u00e4nnerfantasien\u201c dar (76). Auch Kinder geh\u00f6ren zu den Verlierern (78f). Wiederum anhand des Hoheliedes stellt der Vf. das \u201eNarrativ der Liebe\u201c in Verbindung mit der Hochzeit dar (80\u201386). Angesichts der heute vorherrschenden \u201eseriellen Monogamie\u201c betont White, dass die Ehe \u201eSchutzzone zur Entfaltung des Menschen\u201c ist (86\u201389) und sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe f\u00fcr die Ehe zutr\u00e4glich ist (89\u2013103).<\/p>\n\n\n\n<p>Sein viertes Kapitel widmet White dem \u201eMysterium\u201c der Ehe nach Epheser 5 (Eph 5,32 \u201eDas ist ein gro\u00dfes Geheimnis\u201c, 104\u2013120). In der Vereinigung von Mann und Frau steht die christliche Ehe symbolisch f\u00fcr die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde (116).<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter behandelt der Vf. das oft vernachl\u00e4ssigte Thema der Heiligung in christlichen Gemeinden (1Thess 4,3 \u201eDenn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung\u201c, Kap. V, 121\u2013134). Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, \u201edie klare und unverf\u00e4lschte biblische Lehre mit Barmherzigkeit und Geduld im Umgang mit menschlicher Schw\u00e4che und S\u00fcnde\u201c zu verbinden (134).<\/p>\n\n\n\n<p>Im sechsten Kapitel widmet sich White unter dem Bibelzitat aus 1Kor 7,38 \u201eWer nicht heiratet, der handelt besser\u201c der ersten \u201emodernen Herausforderung\u201c des Singleseins (138\u2013160). Nur wenige Menschen blieben in biblischer Zeit unverheiratet. Unverheiratet zu sein war f\u00fcr Jesus eine hohe Berufung (142). In diesem Abschnitt seines Buches bespricht der Autor auch das selten offen behandelte Thema des Sexuallebens der Singles (155\u2013160).<\/p>\n\n\n\n<p>Scheidung und Wiederheirat war schon zur Zeit von Jesus ein brennendes Thema (Mt 19,6 \u201eWas Gott zusammenf\u00fcgt, soll der Mensch nicht scheiden\u201c, Kap. VII, 161\u2013180). White geht von Gen 3, Ex 21 und Dtn 24 aus, bespricht die Scheidungsmetaphorik in den Propheten und vergleicht dann Mt 19,3\u20139 und 1Kor 7,10\u201316 mit dem Lehrgespr\u00e4ch j\u00fcdischer Gelehrter \u00fcber das Thema und gibt praktische Vorschl\u00e4ge f\u00fcr den Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten in der Gemeinde (175\u2013180).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sicht der Bibel ist bei der Frage gelebter Homosexualit\u00e4t heute sicher das umstrittenste von allen behandelten Themen des Buchs (Lev 18,22 \u201eDu sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau\u201c, Kap. VIII, 181\u2013208). Hier geht der Autor wiederum von der Differenzierung der Menschheit in zwei biologische Geschlechter in Gen 1,27 aus. Er bespricht die relevanten Texte aus Gen 19, Ex 19,5, Lev 17\u201323, R\u00f6m 1,26f und die Lasterkataloge in 1Kor 6,9f und 1Tim 1,9f im Vergleich mit der heidnischen Umwelt und geht auf unzutreffende Argumente ein, z.\u00a0B. Paulus habe nur ausbeuterische Beziehungen oder nur r\u00f6mische Kaiser im Blick gehabt (198f, 201f). White sieht in der Praxis Wege f\u00fcr Homosexuelle im z\u00f6libat\u00e4ren Leben oder auch in der Hetero-Ehe, insofern sie das wollen (203\u2013205). Die gut verst\u00e4ndliche Monografie von White zeigt auf \u00fcberzeugende Weise, wie biblische Weisungen auch in der heutigen Zeit noch relevant sind. Sie ermutigt Christen, die Bibel heute ernst zu nehmen und sie nicht auf dem Altar des Zeitgeistes zu opfern. White schreibt streckenweise angenehm humorvoll und ist generell sehr verst\u00e4ndnisvoll im Umgang mit den Schwierigkeiten, die es heutzutage in freikirchlichen und pietistischen Gemeinden und Gruppierungen gibt. Er hat sich auf das \u201eaus meiner Sicht Wesentliche\u201c (209) konzentriert und will so zu weiterf\u00fchrenden seelsorgerlichen Gespr\u00e4chen ermutigen. Das Werk wird von einem guten, evangeliumsgem\u00e4\u00dfen Geist gepr\u00e4gt. Es bereichert die aktuelle Diskussion, indem es andere Seiten der Problematik beleuchtet als beispielsweise die Ver\u00f6ffentlichungen von Veronika Schmidt, die ein feministischer Imperativ durchzieht. Deshalb kann der Rezensent dem Buch von White nur eine weite Verbreitung w\u00fcnschen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joel White: Was sich Gott dabei gedacht hat. 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