{"id":1425,"date":"2021-10-20T17:04:33","date_gmt":"2021-10-20T17:04:33","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1425"},"modified":"2021-10-20T17:04:34","modified_gmt":"2021-10-20T17:04:34","slug":"frank-hinkelmann-die-anfaenge-der-pfingstbewegung-in-oesterreich-1920-1945-in-zeitgenoessischen-dokumenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1425","title":{"rendered":"Frank Hinkelmann: Die Anf\u00e4nge der Pfingstbewegung in \u00d6sterreich 1920\u20131945 in zeitgen\u00f6ssischen Dokumenten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank Hinkelmann: <em>Die Anf\u00e4nge der Pfingstbewegung in \u00d6sterreich 1920<\/em>\u2013<em>1945 in zeitgen\u00f6ssischen Dokumenten. Evangelisation und Gemeindegr\u00fcndung in schwieriger Zeit<\/em>, Studien zur Geschichte christlicher Bewegungen reformatorischer Tradition in \u00d6sterreich 11, 2. Aufl., Bonn: Verlag f\u00fcr Kultur und Wissenschaft, 2021, Pb., 154\u00a0S., \u20ac\u00a016,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/vkwonline.com\/Die-Anfaenge-der-Pfingstbewegung-in-Oesterreich-1919-ndash-1945-in-zeitgenoessischen-Dokumenten\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/vkwonline.com\/Die-Anfaenge-der-Pfingstbewegung-in-Oesterreich-1919-ndash-1945-in-zeitgenoessischen-Dokumenten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-86269-222-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autor Frank Hinkelmann hat mehrere Leitungsfunktionen in christlichen Organisationen (u.&nbsp;a. ist er Rektor des <em>Martin Bucer Seminars<\/em>) und forscht im Bereich der Kirchengeschichte. Seine Schwerpunkte sind <em>\u00d6sterreich<\/em> und die <em>Evangelikale Bewegung<\/em>. Er sp\u00fcrt zahlreiche bislang unbeachtete Quellen auf, mit deren Hilfe er die Vergangenheit ausleuchtet. Dadurch lassen sich manche Irrt\u00fcmer korrigieren \u2013 dazu ein Beispiel: In \u00d6sterreich kam es im Jahr 1936 \u2013 also noch vor dem Anschluss an das Deutsche Reich \u2013 zum Verbot der T\u00e4tigkeit der Pfingstgemeinden; dieses Verbot wurde in der historischen Erinnerung der Pfingstgemeinden verallgemeinert: \u201e\u00d6ffentliche Gottesdienste von staatlich nicht anerkannten Religionsgemeinschaften durften nicht mehr stattfinden\u201c (so in: <em>Eine Bewegung stellt sich vor. 50 Jahre Freie Christengemeinden in \u00d6sterreich<\/em>, Eigenverlag 1997, 17). Diese Verallgemeinerung ist falsch, denn z.&nbsp;B. Baptisten und Methodisten durften sich \u2013 obwohl damals nicht gesetzlich anerkannt \u2013 weiterhin versammeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Buchtitel verweist darauf, dass Hinkelmann das Thema seines Buches \u201e<em>in zeitgen\u00f6ssischen Dokumenten<\/em>\u201c darstellt. Die ausf\u00fchrlichen \u2013 und kursiv gesetzten \u2013 Zitate aus solchen Dokumenten bilden den \u00fcberwiegenden Teil des Buches; die dazwischenstehenden Erl\u00e4uterungen Hinkelmanns erscheinen im Normaldruck (ich w\u00fcrde es umgekehrt machen, und die Kursivierung nicht f\u00fcr diese gro\u00dfe Textmenge einsetzen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Buchtitel \u201eAnf\u00e4nge der Pfingstbewegung in \u00d6sterreich 1920\u20131945\u201c sagt nicht unbedingt aus, dass die Phase dieser \u201eAnf\u00e4nge\u201c bis zum Jahr 1945 andauerte. Der Beginn der Pfingstbewegung in \u00d6sterreich wird von Hinkelmann mit dem Jahr 1920 angesetzt: Damals begann eine vorerst prim\u00e4r karitative T\u00e4tigkeit in Wien, ausge\u00fcbt von schwedischen Mitarbeitern und unterst\u00fctzt von der Filadelfia-Gemeinde in Stockholm. Es kam bald zu einer Schwerpunktverschiebung hin zu Evangelisation und Gemeindegr\u00fcndung, begleitet von Diskussionen \u00fcber Fragen wie: Ob eine einzelne Gemeinde einer armen 2-Millionen-Stadt karitativ merklich helfen kann? Ob man f\u00fcr karitative Zwecke gesammeltes Geld stillschweigend f\u00fcr Evangelisation umwidmen kann?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es entstanden zwei Gemeinden mit insgesamt 300 Mitgliedern (oder Gottesdienst-Besuchern? Diese Frage l\u00e4sst Hinkelmann offen: 122), au\u00dferdem Tochtergemeinden im Burgenland und in K\u00e4rnten. Es gab also \u2013 im Vergleich mit anderen neuen Bewegungen in \u00d6sterreich \u2013 eine ungew\u00f6hnlich rasche Ausbreitung. Die Mehrzahl \u201eAnf\u00e4nge\u201c (der Pfingstbewegung), nicht \u201eAnfang\u201c, k\u00f6nnte sich darauf beziehen, dass es neben dem aus Stockholm unterst\u00fctzten Anfang in Wien auch eine von der Schweizer Pfingstmission unterst\u00fctzte Gruppe in Fuschl am See (im Land Salzburg) gab. Diese Gruppe begann gem\u00e4\u00df der \u2013 sehr kurzen, n\u00e4mlich nur halbseitigen \u2013 Zusammenfassung (151) im Jahr 1928. F\u00fcr dieses Jahr gibt Hinkelmann aber keinen Beleg an; in dem Kapitel \u00fcber Fuschl beginnt er mit dem Jahr 1929 \u2013 damals kam es erstmals zum Kontakt zwischen dieser,&nbsp; bereits bestehenden, Gruppe und schwedischen Missionaren (107).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Untertitel nennt die dargestellte Zeit eine \u201eschwierige\u201c. Hier w\u00fcrde ich pr\u00e4ziser von einer \u201e<em>politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeit<\/em>\u201c sprechen. Die Kennzeichnung als \u201eschwierig\u201c ist nicht spezifisch, denn \u201eschwierig\u201c im weitesten Sinn waren f\u00fcr freikirchliche Gemeinschaften auch die nachfolgenden Jahrzehnte, da sie im katholisch gepr\u00e4gten \u00d6sterreich oft als \u201eSekten\u201c beargw\u00f6hnt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Bericht \u00fcber eine Taufe und anschlie\u00dfende Mahlfeier in Wien hei\u00dft es weiter: \u201eWir denken daran, hier in den n\u00e4chsten Tagen eine Gemeinde zu gr\u00fcnden.\u201c (August 1921) Daraus schlie\u00dft Hinkelmann, dass es 1921 tats\u00e4chlich zur ersten Gemeindegr\u00fcndung kam (39): \u201edie Quellen zeigen eindeutig eine Gemeindegr\u00fcndung im Jahr 1921\u201c. Abgesehen von dieser Absichtserkl\u00e4rung reden die weiteren von Hinkelmann pr\u00e4sentierten Dokumente jedoch nicht mehr von einer solchen Gemeindegr\u00fcndung. Das Schweigen der Quellen betrifft manche uns interessierende Fragen, z.&nbsp;B. auch folgende: Die \u2013 noch heute von den Pfingstgemeinden in \u00d6sterreich gebrauchte \u2013 Selbstbezeichnung \u201eFreie Christengemeinde\u201c taucht in Hinkelmanns Dokumenten erstmals 1927 auf. Es bleibt offen, wann diese Bezeichnung eingef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die ersten Zwischenkriegsjahre waren insbesondere f\u00fcr die Stadtbev\u00f6lkerung sehr hart. Die Hilfslieferungen von Filadelfia nach Wien waren urspr\u00fcnglich speziell f\u00fcr die (protestantischen) Christen gedacht; dabei stellte sich heraus, dass die Armut unter den Lutheranern am gr\u00f6\u00dften war. Andere protestantische Konfessionen wurden bereits \u201evon ihren Glaubensbr\u00fcdern\u201c aus dem Ausland versorgt: Reformierte aus Holland, Methodisten aus der Schweiz und Baptisten aus Amerika (16). Das Rauchen war verbreitet, wohl auch als Ersatzbefriedigung von Hungernden: \u201eAlle Menschen rauchen, Frauen und M\u00e4nner, \u2026 Selbst die Gl\u00e4ubigen finden es eher schwierig zu verstehen, dass Rauchen falsch ist.\u201c (18). Jedenfalls bieten die Dokumente anhand von Einzelf\u00e4llen ein eindr\u00fcckliches Bild des sozialen Umfelds, in dem die schwedischen Pfingstmissionare t\u00e4tig waren. Allerdings erhalten wir blo\u00df vereinzelt Einblicke in das Missionieren selbst \u2013 wie kam es zu Bekehrungen einiger Menschen? Neben allgemeinen erbaulichen S\u00e4tzen erw\u00e4hnen die Berichte oft blo\u00df, dass sich Menschen (in Wasser) taufen lie\u00dfen. Durch die gelegentliche Erw\u00e4hnung der Geistestaufe wird man daran erinnert, dass es sich um einen Bericht aus der Pfingstbewegung handelt. Die manchmal aufblitzende Naherwartung mag ebenfalls typisch pfingstlerisch gewesen sein, etwa wenn 1930 zum Gebet f\u00fcr die Mission in \u00d6sterreich aufgerufen wird: \u201eEs ist dringend, denn der Herr kommt bald!\u201c (113) Aber davor erhoffte man noch ein anderes Ereignis (1931): \u201eWir erwarten auch hier in K\u00e4rnten einen Sp\u00e4tregen, ehe der Herr kommt.\u201c (121).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den von Hinkelmann aufgesp\u00fcrten Quellen geh\u00f6ren von den deutschsprachigen Pfingstgemeinden herausgegebene Zeitschriften: Von 1925 bis 1930 kamen solche in Wien heraus; von 1930 bis 1936 in Berlin, worin dann auch Berichte aus \u00d6sterreich ber\u00fccksichtigt wurden. Eine besonders wertvolle Quelle ist die Zeitschrift der Stockholmer Filadelfia-Gemeinde <em>Evangelii H\u00e4rold<\/em>. Zitate daraus bringt Hinkelmann durchwegs in deutscher \u00dcbersetzung: \u201eAlle schwedischsprachigen Quellen wurden von mir \u00fcbersetzt\u201c (11); damit ist aber nicht gemeint, dass Hinkelmann selbst Schwedisch beherrscht. Manche Formulierungen haben im Deutschen eine im schwedischen Original vielleicht nicht beabsichtigte Wertung. So verweist ein schwedischer Spendenaufruf von 1919 auf die gro\u00dfe Not \u201ein der niederen Bev\u00f6lkerung\u201c. Da w\u00fcrden wir wohl eher von der \u201eeinfachen Bev\u00f6lkerung\u201c sprechen. Die Pfingstgemeinde \u201eversuchte, zum primitiven Christentum zur\u00fcckzukehren\u201c (141) \u2013 oder zum <em>urspr\u00fcnglichen<\/em> Christentum, zum <em>Urchristentum<\/em>? Auch vier schwedische B\u00fccher zog Hinkelmann heran \u2013 beim Nennen dieser Buchtitel in der Bibliografie (154) w\u00e4re die Hinzuf\u00fcgung einer deutschen \u00dcbersetzung des jeweiligen Titels hilfreich. Hinkelmanns Sp\u00fcrsinn entgehen neben im Selbstverlag publizierten B\u00fcchern auch ungedruckte Quellen nicht, seine Bibliografie nennt maschinschriftlich vervielf\u00e4ltigte Manuskripte ebenso wie unver\u00f6ffentlichte Abschlussarbeiten von Studenten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Veranschaulichung durch 19 Fotos aus dem Besitz von Pastor Walter B\u00f6sch tr\u00e4gt dazu bei, sich in jene Zeit hineinzuversetzen. Ein Register fehlt. Einen raschen \u00dcberblick gibt die Zeittafel (152). Fazit: Hinkelmann gelang es, viele verborgene Quellen aufzust\u00f6bern. Das war eine Meisterleistung. Damit vervielfachten sich unsere Kenntnisse \u00fcber die Fr\u00fchgeschichte der \u00f6sterreichischen Pfingstbewegung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer BSc, Lehrbeauftragter an der KPH Wien\/Krems f\u00fcr Kirchengeschichte und Dogmatik<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank Hinkelmann: Die Anf\u00e4nge der Pfingstbewegung in \u00d6sterreich 1920\u20131945 in zeitgen\u00f6ssischen Dokumenten. 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