{"id":1428,"date":"2021-10-20T17:07:08","date_gmt":"2021-10-20T17:07:08","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1428"},"modified":"2021-10-20T17:07:10","modified_gmt":"2021-10-20T17:07:10","slug":"hans-ulrich-reifler-frederik-franson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1428","title":{"rendered":"Hans Ulrich Reifler: Frederik Franson"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans Ulrich Reifler: <em>Frederik Franson. Weltb\u00fcrger und Missionsstratege<\/em>, N\u00fcrnberg: VTR, 2021, Pb., 376\u00a0S., \u20ac\u00a030,90, ISBN <a href=\"https:\/\/www.buchhandel.de\/buch\/Fredrik-Franson-9783957760968\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.buchhandel.de\/buch\/Fredrik-Franson-9783957760968\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-95776-096-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"dwnldbtn\">[e2pdf-download id=&#8221;1&#8243;]<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Der pensionierte Dozent f\u00fcr Missionswissenschaft am Theologischen Seminar von St.&nbsp;Chrischona hat w\u00e4hrend seiner aktiven Dienstzeit Monografien und Kompendien in mehreren Sprachen ver\u00f6ffentlicht, besonders im brasilianischen Portugiesisch. Nach umfangreichen Vorarbeiten erscheint jetzt als vorl\u00e4ufiger Abschluss und H\u00f6hepunkt von Reiflers publizistischer Arbeit seine Dissertation \u00fcber den schwedisch-amerikanischen Missionar Frederik Franson (1852\u20131908) auf Deutsch. Die Untersuchung wurde 2018 von der Evangelisch-Theologischen Fakult\u00e4t als PhD im Fachbereich Theology and Religious Studies angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem vorangestellten \u201eAbstrakt\u201c (Abstract, Zusammenfassung, S. 3, unpag.) stellt Reifler heraus, dass Franson als Mitarbeiter von Dwight L. Moody als erster Missionar ausgesandt wurde. Aus F.s Arbeit entstanden viele Gemeinden, dreizehn Glaubensmissionen und sechs evangelische Gemeindeverb\u00e4nde! Ziel von Reiflers Untersuchung ist es, Fransons Missiologie auf dem Hintergrund seiner Eschatologie, Missionsmethodik und seiner transnationalen Vernetzung zu verstehen und ihre Auswirkungen bis in die Gegenwart zu verfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem Geleitwort des Liebenzeller Missiologen Bernd Brandl (5f) und einem ausf\u00fchrlichen Verzeichnis des Inhalts und der Illustrationen (7\u201320) erkl\u00e4rt der Verfasser (1.&nbsp;Kap., Einleitung, 23\u201339), warum er sich mit dieser \u201ef\u00fchrenden Gr\u00fcndergestalt der Glaubensmissionen\u201c besch\u00e4ftigt (23). \u00dcber die Geschichte der Glaubensmissionen wurde zwar seit der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts geforscht. \u00dcber Franson gibt es bisher aber erst eine englischsprachige wissenschaftliche Untersuchung von Edvard P. Torjesen aus dem Jahr 1984 (29). Torjesen leitete zwischen 1981 und 1991 f\u00fcnf Franson-Konsultationen, auf denen die Wirkungsgeschichte des Missionars thematisiert wurde (32). Nachdem die missionspraktischen Fragestellungen also gut erforscht sind, wendet sich Reifler in seiner Dissertation der Entstehung von Fransons Eschatologie und Missionsmethodik auf dem Hintergrund der Industrialisierung und neuer Quellenfunde zur Biografie zu (32\u201334).<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem zweiten Kapitel \u201eLeben und Wirken Fransons im \u00dcberblick\u201c (40\u2013114) zeigt Reifler, wie Franson zum Weltreisenden in Sachen Evangelisation und Mission wurde. Aufgrund einer Wirtschaftskrise und der damit verbundenen Not emigrierte Fransons Familie 1869 in die USA. Nach seiner Bekehrung (50) arbeitete er als Laienprediger und begann ab 1975, als Evangelist an D.&nbsp;L. Moodys Institut mitzuarbeiten und selbst\u00e4ndig Evangelisationen durchzuf\u00fchren (51). Aus dieser Arbeit entstanden freie Gemeinden jenseits bestehender denominationeller Orientierungen (53) Vom Juni 1881 an weitete Franson seine Evangelisationsreisen auch nach Europa aus (54ff). Reifler illustriert mit zahlreichen Karten sehr sch\u00f6n, welche Orte der Missionar besuchte und welchen wichtigen Personen er begegnete. Bei seiner ersten Deutschlandreise 1885\u20131886 fanden auch die ersten \u201eNachversammlungen\u201c hierzulande statt (64). Auf der dritten Deutschlandreise wurde 1889 die Deutsche China-Allianz-Mission gegr\u00fcndet (80f). Umstritten war in FEG-Kreisen, dass Franson bei seinen Evangelisationen Frauen Aufgaben \u00fcbertrug, bis hin zur \u00f6ffentlichen Verk\u00fcndigung und Lehre (82). In den Jahren 1892 bis 1895 machte sich Franson auf eine Weltreise, die ihn auch erstmals nach Asien f\u00fchrte (90f). Seine zweite Weltreise begann 1902 und dauerte sechs Jahre (100f). Durch weltweite Kontakte und Zusammenarbeit mit allen Denominationen wurde er zum \u201eVater der vernetzten Mission\u201c (109). M\u00f6glichst viele Gl\u00e4ubige sollten f\u00fcr die Missionsarbeit angesichts der unmittelbar bevorstehend erwarteten Wiederkunft Christi mobilisiert werden (115).<\/p>\n\n\n\n<p>Fransons Eschatologie (Kap. 3, Zur Eschatologie in der Mission Fransons, 115\u2013176) ist von Hause aus lutherisch gepr\u00e4gt, wird aber zunehmend von Dispensationalismus und starker Naherwartung bestimmt. Hier spielen die Lehre von John N. Darby und die Teilnahme an \u201eProphetischen Konferenzen\u201c eine wichtige Rolle (117, 121). Franson bedient sich der Zahlensymbolik und seiner \u201eHimmelsuhr\u201c, die die Zeichen der Zeit erkennen l\u00e4sst (136f). Das Weltende deutet er nicht prim\u00e4r als Weltuntergang, sondern als R\u00fcckeroberung und Befreiung der Erde durch die Gottesherrschaft, die Christus aufrichtet (140). Sehr detailliert kann er die verschiedenen Gerichtsereignissen in ihrer Abfolge darstellen. \u00dcber den Zeitpunkt der Parusie Christi nimmt er an, dass man in seiner Zeit \u201ein den letzten Stunden der letzten Tage\u201c lebt (162f). An einigen Stellen vermischt Franson Heilsgeschichte und Zeitgeschichte, so z.&nbsp;B. bei seiner Interpretation des Baus der Bagdad-Eisenbahn (167).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Missionsmethodik in der Missionspraxis und im Missionsdenken Fransons spielt im missionarischen Bem\u00fchen um Menschen bis in die Gegenwart eine Rolle (4. Kap., 177\u2013221). Durch Fransen kamen Massenevangelisationen (182f) mit Nachversammlungen f\u00fcr Neubekehrte (185f, 212f) nach Westeuropa. Auf seine Aktivit\u00e4ten lassen sich die gesungene Verk\u00fcndigung (187f), Evangelisationskurse (188f), Einf\u00fchrungskurse in das evangelistische Arbeiten, Bibelkurse (191f) und Veranstaltungen zur Festigung der Gl\u00e4ubigen, Studentenmission (192f), Missionsgebetsveranstaltungen(193f) Heilungsversammlungen (210f) und Vorbereitungskurse f\u00fcr zuk\u00fcnftige Missionare (194f) zur\u00fcckf\u00fchren. In der nicht-westlichen Welt (195\u2013209) wurden Massentaufen (202f) und der in der baldigen Wiederkunft Jesu begr\u00fcndete und von Hudson Taylor \u00fcbernommene Einsatz von M\u00e4nnern <em>und <\/em>Frauen f\u00fcr die Sache von Mission und Evangelisation wichtig (206\u2013208, vgl. 215f). Kritik an diesen Missionsmethoden blieb nicht aus. Einer der prominenten Kritiker war der bekannte FEG-Leiter Heinrich Neviandt (209f). Bem\u00e4ngelt wurde auch die fehlende Ausbildung der Missionare und fehlenden Bekenntnisbindung der Mission (215f). Die Glaubensgrundlage der Allianz oder auch heutzutage die Lausanner Verpflichtung k\u00f6nnen \u2013 gegen Reifler \u2013 nicht als \u201eBekenntnistexte\u201c im klassischen Sinn, sondern besser als Theologische Erkl\u00e4rungen verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Basis der Erweckungen im 19. Jahrhundert und der internationalen Heiligungsbewegung wird transnationale Vernetzung f\u00fcr die Missionspraxis und das Missionsdenken Fransons grundlegend (5. Kap., 222\u2013270). Dies war nur auf dem Hintergrund der Zeitgeschichte des 19. Jahrhunderts m\u00f6glich: Politik (239), Vernetzung in der Wirtschaft (249), Dampfschifffahrt und Ausbau der Eisenbahnnetze (254f, 257f), Kommunikation: Briefpost, Telegrafie (261f) und Handelsgesellschaften (266). Die Mission leistete selber einen Beitrag zur internationalen Vernetzung in Kultur und Bildung (264f).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Unterschied zu anderen Missionsleitern aus der Heiligungsbewegung und den Glaubensmissionen (J.\u00a0H. Tayor, H.\u00a0G. Guinness, A.\u00a0B. Simpson, C.\u00a0T. Studd, H.\u00a0K.\u00a0W. Kumm) bleibt Franson als Evangelist unabh\u00e4ngig (Kap. 6, Verdienste und Grenzen Fransons im Kontext der neueren Missionsgeschichte und -theologie, 271\u2013316). Er hat sich besonders um die Etablierung von Nachversammlungen, den Bildungsauftrag und das selbstverst\u00e4ndliche sozialdiakonische Engagement sowie die Gr\u00fcndung von Glaubensmissionen und freikirchlichen Gemeindeverb\u00e4nden verdient gemacht (298\u2013302). Hans-Ulrich Reiflers Bibliografie belegt, wie umfangreich die gesichteten Quellen und die zitierte mehrsprachige Sekund\u00e4rliteratur sein m\u00fcssen, um dem bewegten internationalen Leben von Frederik Franson gerecht zu werden (326\u2013366). Die Bedeutung der neuen Eisenbahn- und Schiffswege, der Kommunikationsmittel und der Kan\u00e4le wie Panamakanal und Suezkanal f\u00fcr missionarisches Reisen, Postverbindungen und Entscheidungsfindung der Missionsleitung in der Heimat w\u00e4re es wert, separat untersucht zu werden! So steht es auch um international beliebte Konferenzredner und Publizisten (wie Frederick Brotherton Meyer), deren Wirkung auf die deutsche pietistische und freikirchliche <em>Community <\/em>nicht untersch\u00e4tzt werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Ulrich Reifler: Frederik Franson. Weltb\u00fcrger und Missionsstratege, N\u00fcrnberg: VTR, 2021, Pb., 376\u00a0S., \u20ac\u00a030,90, ISBN 978-3-95776-096-8 Der pensionierte Dozent f\u00fcr<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1429,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-1428","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-historische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1428","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1428"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1428\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1430,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1428\/revisions\/1430"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1429"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1428"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1428"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1428"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}