{"id":1458,"date":"2022-04-26T15:45:53","date_gmt":"2022-04-26T15:45:53","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1458"},"modified":"2022-04-26T15:45:53","modified_gmt":"2022-04-26T15:45:53","slug":"steven-l-mckenzie-1-koenige-16-2-koenige-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1458","title":{"rendered":"Steven L. McKenzie: 1 K\u00f6nige 16 \u2013 2 K\u00f6nige 16"},"content":{"rendered":"\n<p>Steven L. McKenzie: <em>1 K\u00f6nige 16 \u2013 2 K\u00f6nige 16<\/em>, International Exegetical Commentary on the Old Testament\/Internationaler Exegetischer Kommentar zum Alten Testament (IECOT\/IEKAT), Stuttgart: Kohlhammer, 2021, Hardcover, 646\u00a0S., \u20ac\u00a0149,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/1-konige-16-2-konige-16-34044.html#147=22\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/1-konige-16-2-konige-16-34044.html#147=22\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-17\u2013034044-2<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Zur Kommentarreihe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Laut den Verlagsangaben m\u00f6chte die Reihe \u201eInternationaler Exegetischer Kommentar zum Alten Testament\u201c (IEKAT) einem breiten Publikum eine multiperspektivische und innovative Interpretation aller alttestamentlichen B\u00fccher bieten, auch derjenigen, die nur auf Griechisch \u00fcberliefert sind. Angestrebt ist eine Kommentarreihe von internationalem Rang, in \u00f6kumenischer Weite und auf der H\u00f6he der Zeit. International und \u00f6kumenisch ist IEKAT darin, dass Autoren unterschiedlicher exegetischer und religi\u00f6ser bzw. konfessioneller Pr\u00e4gung aus Nordamerika, Europa und Israel vertreten sind und alle B\u00e4nde sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch erscheinen. Auf der H\u00f6he der Zeit ist IEKAT, indem zwei oft getrennte Forschungsrichtungen zusammengef\u00fchrt werden sollen: \u201esynchrone\u201c und \u201ediachrone\u201c Exegese; unter \u201esynchron\u201c wird dabei die Erschlie\u00dfung des Textes auf einzelnen Stufen seiner Entstehung verstanden (insbesondere auf seiner Endstufe), unter \u201ediachron\u201c die Bem\u00fchung um Einsicht in sein Zustandekommen \u00fcber die Zeiten. Dar\u00fcber hinaus nimmt IEKAT weitere zeitgem\u00e4\u00dfe Perspektiven auf, namentlich Genderkritik, Sozialgeschichte, Befreiungstheologie, \u00d6kologie und Wirkungsgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die bisher erschienenen B\u00e4nde sind auf der Website des Kohlhammer-Verlags aufgef\u00fchrt (<a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/internationaler-exegetischer-kommentar-zum-alten-testament-iekat-si357.html\">https:\/\/shop.kohlhammer.de\/internationaler-exegetischer-kommentar-zum-alten-testament-iekat-si357.html<\/a>). Die Reihe wird digital erschlossen bzw. verf\u00fcgbar f\u00fcr Logos-Kunden; der Preis und der Stand der bereits verf\u00fcgbaren B\u00e4nde sind unter <a href=\"https:\/\/de.logos.com\/product\/216992\/internationaler-exegetischer-kommentar-zum-alten-testament\">https:\/\/de.logos.com\/product\/216992\/internationaler-exegetischer-kommentar-zum-alten-testament<\/a> einsehbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Band zu den K\u00f6nigeb\u00fcchern ist noch nicht erschienen (Stand April 2022); insofern kann der zur Rezension vorliegende Band von McKenzie noch nicht mit der entsprechenden Parallele verglichen werden. Aus dem gleichen Grund ist es sinnvoll, dass McKenzie (Rhodes College Memphis\/Tennessee) im vorliegenden Band eine ausf\u00fchrliche Einleitung zu den K\u00f6nigeb\u00fcchern gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vorgehen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Alle Texte werden in der Reihenfolge von <em>\u00dcbersetzung \u2013 Anmerkungen zu Text und \u00dcbersetzung \u2013 Synchrone Analyse \u2013 Diachrone Analyse \u2013 Synthese<\/em> behandelt. Bei den \u00dcbersetzungen dient als \u201eLeithandschrift\u201c der hebr\u00e4ische Text in Gestalt des Codex Leningradensis.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Einleitungsfragen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>McKenzie hofft, mit einem eigenen Modell zur L\u00f6sung der verzwickten kompositionellen Probleme von K\u00f6n beizutragen. Er unterscheidet vor allem 1. eine prim\u00e4re, deuteronomistische und 2. eine sekund\u00e4re, prophetisch gepr\u00e4gte Schicht. \u201eBeide sind das Werk jeweils unterschiedlicher Verfasser bzw. Redaktoren, die sich unterschiedlicher Quellen bedienten. Beide wurden sp\u00e4ter durch Glossen und Hinzuf\u00fcgungen erweitert\u201c (26). Die unterschiedlichen Herk\u00fcnfte und Bearbeitungen werden in der \u00dcbersetzung durch verschiedene Schrifttypen markiert. Ob die Hoffnung, mit diesem Modell einen neuen Konsens zu etablieren, berechtigt ist, darf angesichts McKenzies eigener M\u00fche, die ihn, wie er sagt, fast bis an den \u201eWahnsinn\u201c getrieben hat (ebd.), bezweifelt werden. Als grundlegendes Werk hinter 1K\u00f6n 16 bis 2K\u00f6n 16 \u2013 also des gro\u00dfen Mittelteils der K\u00f6nigeb\u00fccher, der das Nordreich Israel behandelt \u2013 sieht McKenzie das Deuteronomistische Geschichtswerk (DtrH), im Wesentlichen identisch mit dem \u201eDtr\u201c Martin Noths. Dieser Verfasser bzw. Redaktor sei auch f\u00fcr die deuteronomistische Grundschicht in anderen vorderen Propheten verantwortlich. Sie sei etwa zur Zeit Josias oder im Exil entstanden. McKenzie vermeidet eine Festlegung ausdr\u00fccklich, neigt aber zur sp\u00e4teren Datierung aufgrund der kombinierten K\u00f6nigsliste (29). Die exakte, Verse und Halbverse genau bezeichnende Liste der DtrH zuzurechnenden Texte verr\u00e4t (30), dass das Zutrauen zur Literarkritik trotz ihrer widerspr\u00fcchlichen Ergebnisse bzw. trotz des fehlenden Konsenses immer noch gro\u00df ist: Mit Dietrich und Campbell und gegen Schmitt erscheint McKenzie der prophetische Erz\u00e4hler (PE) als eigenst\u00e4ndig. Gegen Campbell glaubt er nicht, PE habe dem DtrH vorgelegen; und anders als Dietrich w\u00fcrde er PE nicht als Deuteronomisten bezeichnen (42f). Die Unterscheidung zwischen \u201evor allem \u00e4tiologischen und theologischen\u201c Interessen seitens DtrH und \u201etheologischen und soziologischen Interessen\u201c seitens PE (50f) wirkt k\u00fcnstlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Der methodische Optimismus gilt auch bekannten quellenkritischen Pentateuchaxiomen, denen die Geschichte des K\u00f6nigsbuches unterstellt wird: Dass die Nordreichheiligt\u00fcmer eine S\u00fcnde darstellten, sei \u201ein DtrH ein offenkundiger [sic!] Anachronismus\u201c, weil das Zentralisationsprinzip erst \u201eunter Joschija ersonnen worden\u201c sei (31; vgl. hierzu: Matthias Armgardt\/Benjamin Kilch\u00f6r [Hg.]: <em>Paradigm Change in Pentateuchal Research<\/em>, 2019). Auch die Ablehnung von Bildern im Kult gehe erst auf das 7. Jh. v. Chr. zur\u00fcck. In Dan und Bethel sei also <em>Jahwe<\/em> verehrt worden, wie nach McKenzie aus dem Mund Jerobeams (1K\u00f6n 12,28) deutlich werde (31, analog 612f bzw. 622f). \u201eDer historische Ahab war ein Anh\u00e4nger Jhwhs\u201c (92)! Aus Sicht des Rezensenten wirkt es naiv, grundlegende Wertungen und Datierungen der biblischen Erz\u00e4hler abzulehnen (\u201eideologischer Charakter\u201c, 83), jedoch die von ihnen verworfenen religi\u00f6sen Zuordnungen zu akzeptieren. Dass die Verwendung des Jahwenamens auch missbr\u00e4uchlich erfolgen kann, gerade durch den K\u00f6nig (der sich in den Kult nicht einzumischen h\u00e4tte), wird unterschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind im Wesentlichen zwei S\u00e4ulen der K\u00f6nigeb\u00fccher: Die erhaltende Kraft im S\u00fcdreich war die Daviddynastieverhei\u00dfung; der Niedergang im Norden wird st\u00e4ndig mit der S\u00fcnde Jerobeams plausibilisiert (zusammenfassend 2K\u00f6n 17, was sachlich noch gut in diesen Kommentar gepasst h\u00e4tte). F\u00e4llt eine S\u00e4ule dahin, wird \u2013 zumindest im Denken des biblischen Erz\u00e4hlers \u2013 auch der Geschichtsverlauf nicht mehr plausibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz des Einbezugs von synthetisch (bzgl. des hebr. Endtextes) arbeitenden Teilen bleibt die exegetische Aufmerksamkeit mengenm\u00e4\u00dfig mehr der Entstehungsdimension der Texte gewidmet, mit einem Schwerpunkt auf der Textkritik. Rezeptionsfragen bleiben im Vergleich zu etwa Walter Dietrichs Samuel-Kommentierung (siehe die AfeT-Rezension von Christian Hilbrands) unterbelichtet. Das Bibelstellenregister legt eine weitgehende Abwesenheit des Neuen Testaments offen (vgl. z.&nbsp;B. Adam Winn: <em>Mark and the Elijah-Elisha Narrative. <\/em><em>Considering the Practice of Greco-Roman Imitation in the Search for Markan Source Material<\/em>, 2010). Erfreulich sind erz\u00e4hltechnische Beobachtungen (Zentralstrukturen, Erz\u00e4hltempo). Die synchronen Analysen bieten oft eine Art Nacherz\u00e4hlung mit einigen Verweisen. Zu 2K\u00f6n 16,7 (Ahas\u2019 \u201eich bin dein Knecht und dein Sohn\u201c) fehlt der Hinweis auf 2Sam 7,14 als Antithese. Welche die weitreichenden Konsequenzen waren, die sich seit Ahas\u2018 Zeit mit Verstockung und Unglaube einstellten, wird erst in der diachronen Analyse ausgef\u00fchrt. Historische Fragen werden den literarkritischen Abschnitten zugeordnet: Was historisch unglaubw\u00fcrdig ist, gilt oft auch literarkritisch als sekund\u00e4r.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Gesamteindruck<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wer nach einer gr\u00fcndlichen Textdarstellung greifen will, wird von McKenzie belohnt, aber wer rascher zu theologisch greifbaren und besseren Ergebnissen kommen will, wird bei House, deVries, Olley oder Provan schneller und billiger bedient. Diese werden erfreulicherweise im Literaturverzeichnis aufgef\u00fchrt, nicht hingegen Keil, Schmid, oder Vischer. Literaturangaben in Fu\u00dfnoten und im Verzeichnis am Schluss erg\u00e4nzen einander.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Nebeneinander von synchroner und diachroner Exegese bleibt unbefriedigend: Es entstehen Doppelungen und Widerspr\u00fcche; McKenzie sieht das Problem selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Grunddilemma bleibt: Wenn der Bibeltext eindeutige Wertungen ausspricht, aber der kritische Exeget im Nichtwissen und Ungef\u00e4hren bleiben will, woher w\u00e4chst dem Schriftausleger auf der Kanzel die Vollmacht zu, Wahres und Gewisses zu sagen?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfr. Dr. Stefan Felber, Dozent f\u00fcr Altes Testament am Theologischen Seminar St. Chrischona<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steven L. 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