{"id":1464,"date":"2022-04-26T16:04:59","date_gmt":"2022-04-26T16:04:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1464"},"modified":"2022-04-26T16:05:00","modified_gmt":"2022-04-26T16:05:00","slug":"takamitsu-muraoka-why-read-the-bible-in-the-original-languages","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1464","title":{"rendered":"Takamitsu Muraoka: Why Read the Bible in the Original Languages?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Takamitsu Muraoka: <em>Why Read the Bible in the Original Languages?<\/em>, Leuven: Peeters, 2020, Pb., 111\u00a0S., \u20ac\u00a019,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042942004&amp;series_number_str=&amp;lang=en\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.peeters-leuven.be\/detail.php?search_key=9789042942004&amp;series_number_str=&amp;lang=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-90-429-4200-4<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 1938 in Japan geborene und bis 2003 in Leiden lehrende Hebraist Takamitsu Muraoka ist den meisten Alttestamentlern wohl vor allem durch seine \u00dcberarbeitung der Hebr\u00e4isch-Grammatik von Paul Jo\u00fcon (<em>A Grammar of Biblical Hebrew<\/em>, Rom 1991\/2006) bekannt. Aber auch weitere Lehrb\u00fccher und Nachschlagewerke wie etwa zum Bibel-Aram\u00e4ischen (<em>A Biblical Aramaic Reader with an Outline Grammar<\/em>, Leuven 2015) und zur Septuaginta (<em>A Greek-English Lexicon of the Septuagint<\/em>, Leuven 2009) sind Teil seines vielf\u00e4ltigen \u0152uvres \u2013 neben B\u00fcchern zum \u00e4gyptischen Aram\u00e4isch, zum Qumran-Aram\u00e4isch und -Hebr\u00e4isch sowie zum Syrischen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem hier zu besprechenden Band hat Muraoka sozusagen sein Verm\u00e4chtnis vorgelegt, in dem man auch Pers\u00f6nliches \u00fcber den Autor erf\u00e4hrt. In einem kurzen \u201eCurriculum vitae\u201c (9\u201314) beschreibt er zun\u00e4chst, wie er als Jugendlicher durch die Sonntagsschulstunden eines amerikanischen Baptisten-Missionars Christ wurde. Sp\u00e4ter ging er nach Tokyo und studierte Englisch mit dem Ziel, Englischlehrer zu werden. Doch an der Universit\u00e4t traf er den Alttestamentler Masao Sekine, durch den er in Kontakt mit den alten Sprachen kam und sich ins Studium des Griechischen und Hebr\u00e4ischen st\u00fcrzte. Nach der Promotion in Jerusalem folgten Professuren in Manchester, Melbourne und Leiden. Nach seiner Emeritierung engagierte er sich in verschiedenen asiatischen L\u00e4ndern, die in der ersten H\u00e4lfte des 20.&nbsp;Jahrhunderts unter dem japanischen Imperialismus gelitten hatten, durch Sprachkurse an theologischen Seminaren. Der kurze Lebenslauf macht zeugnishaft deutlich, dass Muraoka seine lebenslange philologische Arbeit wie auch seine Friedensarbeit in Asien als einen Dienst f\u00fcr Gott sieht, der ihn dazu berufen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der auf den pers\u00f6nlichen Teil folgenden \u201eIntroduction\u201c (15\u201321) erkl\u00e4rt der Autor einige Hintergr\u00fcnde der Schreibkunst in der Antike sowie das Problem des \u00dcbersetzens biblischer Texte. Letzteres geschieht beispielhaft anhand von Jes&nbsp;7,14 (\u201eyoung woman\u201c vs. \u201evirgin\u201c). Sp\u00e4testens hier stellt man fest, dass man es mit einem popul\u00e4rwissenschaftlichen Buch zu tun hat, das vor allem zum Lernen der alten Sprachen motivieren soll. Ihre Kenntnis wird noch nicht vorausgesetzt, deshalb erscheinen hebr\u00e4ische, aram\u00e4ische und griechische W\u00f6rter und Textausz\u00fcge in Umschrift.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgenden Kapitel des Buches konzentrieren sich auf Hebr\u00e4isch (23\u201368), Griechisch (69\u201377), Aram\u00e4isch (79\u201386) und die Septuaginta (87\u2013105). Diese Kapitel sind zum Teil nach einzelnen Bibeltexten untergliedert, zum Teil aber auch nach grammatischen Ph\u00e4nomenen in den betreffenden Sprachen. Dabei sind nicht alle pr\u00e4sentierten Beispiele f\u00fcr Fachleute gleicherma\u00dfen erhellend, was teilweise durch die popul\u00e4rwissenschaftliche Gattung und die dadurch gebotene K\u00fcrze bedingt ist. Einiges m\u00fcsste genauer diskutiert und um pr\u00e4zise Schlussfolgerungen erg\u00e4nzt werden, damit es f\u00fcr die fachliche Diskussion fruchtbar wird. Aber das ist offensichtlich gar nicht die Intention des Autors; stattdessen geht es darum, Leser und Leserinnen einer englischen Bibel\u00fcbersetzung daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass in vielen \u00dcbersetzungen nicht alle Details der biblischen Texte angemessen zur Geltung kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Beispiele: In hebr\u00e4ischen Narrativtexten ist die Stellung der syntaktischen Elemente innerhalb des Satzes normalerweise Pr\u00e4dikat \u2013 Subjekt \u2013 Objekt, daher weist eine davon abweichende Stellung auf eine inhaltliche Betonung des vorne stehenden Elements hin. Damit lassen sich einige Pointierungen im Text \u00fcber die Aqedah (Gen&nbsp;22,1\u201319) feststellen (25\u201331). \u2013 Das Hebr\u00e4ische unterscheidet bei der 2.&nbsp;Person zwischen maskulinem und femininem Subjekt und Objekt. Dadurch l\u00e4sst sich im Hohelied der Sprecherwechsel auch sprachlich markieren, was in vielen \u00dcbersetzungen verlorengeht (35\u201336). \u2013 Im Griechischen wird das Subjekt des Satzes bereits durch die finite Verbform ausgedr\u00fcckt, das Vorkommen eines Personalpronomens bedeutet also eine Betonung (69). \u2013 Der griechische Pr\u00e4sensstamm dr\u00fcckt den durativen Aspekt aus. Da es sich bei der Form \u03bc\u03b5\u03c4\u03b1\u03bd\u03bf\u03b5\u1fd6\u03c4\u03b5 in Mt&nbsp;4,17 um einen Imperativ im Pr\u00e4sens handelt, konnte Luther bei der ersten seiner 95&nbsp;Thesen, in der er Mt&nbsp;4,17 zitiert, schlussfolgern, dass \u201edas ganze Leben der Gl\u00e4ubigen Bu\u00dfe sein\u201c sollte (76). Diese Verbindung ist originell, allerdings wurden Luthers Thesen in lateinischer Sprache ver\u00f6ffentlicht, und inwieweit er bei seinem Matth\u00e4us-Zitat den griechischen Text philologisch ber\u00fccksichtigte, ist nicht klar. \u2013 W\u00e4hrend sich im Hebr\u00e4ischen die Pluralform \u05d0\u05b1\u05dc\u05b9\u05d4\u05b4\u05d9\u05dd auf mehrere Gottheiten oder auf den (einzigen) Gott Israels beziehen kann, wird in den aram\u00e4ischen Daniel-Texten streng zwischen Singular und Plural unterschieden, so dass der Bezug auf einen Gott oder mehrere Gottheiten hier eindeutig ist (82\u201383).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Beispiele bieten f\u00fcr Kenner der biblischen Sprachen nichts grundlegend Neues. Einige davon k\u00f6nnen sicher im akademischen Sprachunterricht verwendet werden, um das Erlernen der biblischen Sprachen zu motivieren. Allerdings ist der Text des Buches meist anekdotisch und streckenweise etwas ausufernd (vor allem der lange Abschnitt zu 2Sam\u00a011\u201313 [36\u201368]), so dass sich die Beispiele nach der ersten Lekt\u00fcre nicht leicht wiederfinden lassen. Hinzu kommt, dass mir auch nicht alle angef\u00fchrten Beispiele hilfreich oder geeignet erscheinen, und dass sich einiges wiederholt. Andererseits handelt es sich bei der Zielgruppe nicht um Studenten oder Dozenten, sondern um Leser der englischen Bibel. F\u00fcr eine Zielgruppe ohne Vorkenntnisse erscheint mir allerdings einiges zu komprimiert und daher schwer nachvollziehbar. Das gilt etwa f\u00fcr die knappen Ausf\u00fchrungen zur Textkritik und zu den Qumran-Schriften (67\u201368), aber auch f\u00fcr manche linguistischen Erkl\u00e4rungen und Folgerungen. Das Buch l\u00e4sst den Rezensenten also mit einem ambivalenten Eindruck zur\u00fcck: F\u00fcr die Zielgruppe zu schwer, f\u00fcr ein Fachpublikum zu leicht, als Beispielsammlung f\u00fcr den Sprachunterricht teilweise brauchbar. Wertvoll und motivierend ist auf jeden Fall der Eindruck, den man von Takamitsu Muraoka als Mensch und als Christ bekommt und der sich nicht auf den biographischen Teil beschr\u00e4nkt, sondern auch bei der Erkl\u00e4rung der Bibeltexte immer wieder zutage tritt.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Prof. Dr. Carsten Ziegert, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule in Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Takamitsu Muraoka: Why Read the Bible in the Original Languages?, Leuven: Peeters, 2020, Pb., 111\u00a0S., \u20ac\u00a019,\u2013, ISBN 978-90-429-4200-4 Der 1938<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":1466,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1464","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1464"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1467,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1464\/revisions\/1467"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1466"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}