{"id":1480,"date":"2022-04-27T13:56:40","date_gmt":"2022-04-27T13:56:40","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1480"},"modified":"2022-04-27T13:56:42","modified_gmt":"2022-04-27T13:56:42","slug":"raanan-eichler-the-ark-and-the-cherubim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1480","title":{"rendered":"Raanan Eichler: The Ark and the Cherubim"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Raanan Eichler: <em>The Ark and the Cherubim<\/em>,FAT 146, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2021, Ln., XV+391\u00a0S., \u20ac\u00a0134,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/the-ark-and-the-cherubim-9783161554322\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/the-ark-and-the-cherubim-9783161554322\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-16-155432-2<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der vorzustellenden Monografie des in Israel (Bar-Ilan Universit\u00e4t, Ramat Gan) lehrenden Verfassers handelt es sich um die \u00dcberarbeitung einer an der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t in Jerusalem 2015 unter Baruch Schwartz geschriebenen Dissertation (PhD). In ihr geht es um die \u201e(Bundes-)Lade\u201c und die mit dieser verbundenen Keruben. Die beiden Leitfragen sind: 1. Welche Form und Funktion haben diese Gegenst\u00e4nde gem\u00e4\u00df den biblischen Autoren? 2. Welche Beziehungen ergeben sich zu vergleichbaren Objekten des Alten Orients?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die verwendete Methodik l\u00e4sst sich als materialgeschichtlich charakterisieren (Eichler selbst bezeichnet seine Studie als \u201eevidence-oriented\u201c). Unter breitem Einbezug der Forschungsgeschichte (inklusive rabbinischer Quellen) wird eine detailgenaue Auswertung der biblischen Belege vorgelegt. Dar\u00fcber hinaus werden im Sinne visueller Vergleiche eine Vielzahl an arch\u00e4ologischen Grabungs- und Fundgegenst\u00e4nden dokumentiert (Abbildungen) und in die formale und funktionale Bestimmung einbezogen. Literarhistorische Fragestellungen und damit Theorien zur Entstehung des Pentateuchs (und weiterer Schriften) werden vermieden bzw. die Ergebnisse offengehalten f\u00fcr unterschiedliche Einordnungen. Inhaltlich widmen sich die ersten sechs Kapitel der Lade (\u05d0\u05e8\u05d5\u05df), eines ihrer Deckplatte (\u05db\u05e4\u05e8\u05ea) als Ort der S\u00fchnung und f\u00fcnf den Keruben (\u05db\u05e8\u05d1\u05d9\u05dd). Dem gut erschlossenen Band sind neben der Bibliografie eine gro\u00dfe Zahl von Abbildungen (schwarz-wei\u00df, einige farbig) sowie Stellen-, Namen- und Sachregister beigegeben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Kapiteln zur Lade wird diese zun\u00e4chst insgesamt (mit ihren Bezeichnungen) behandelt. Anschlie\u00dfend werden Details zu ihrer \u00e4u\u00dferen Gestalt, ihrem Tragwerk, ihrem Inhalt und ihrer Funktion er\u00f6rtert. Am h\u00e4ufigsten (mehr als 25-mal) findet die Lade in den B\u00fcchern Samuel, Chronik, Josua und Exodus Erw\u00e4hnung (keine Belege in Weisheitsschriften, selten in den Prophetenb\u00fcchern und im Psalter). Der aus Akazienholz gefertigte und mit Gold \u00fcberzogene Beh\u00e4lter hat die Form einer Truhe (\u201echest\u201c) mit den Ausma\u00dfen (L\u00e4nge\/Breite\/H\u00f6he) ca. 125 \u00d7 75 \u00d7 75 cm. Sie hat vier F\u00fc\u00dfe und an den schmaleren Unterseiten vier goldene Ringe, in denen einziehbare Tragstangen angebracht sind. Es handelt sich um das wichtigste kultische Objekt im alten Israel, stellt aber keinen Modell- oder Miniaturtempel dar. Was die Gestalt angeht, hat sie erstaunliche \u00e4gyptische Parallelen, insbesondere unter den Grabfunden des Pharaos Tutanchamun (14. Jh. v.&nbsp;Chr.). In der Lade befanden sich <em>allein<\/em> (1K\u00f6n 8,9) die beiden Steintafeln mit dem Dekalog als Bundesurkunde (nach Hebr 9,4 waren zudem ein Krug mit Manna und der gr\u00fcnende Stab Aarons <em>in<\/em>, gem\u00e4\u00df Ex 16,33f bzw. Num 17,25 jedoch <em>vor <\/em>der Lade). Sprechen dtn (beeinflusste) Texte von der Lade des \u201eBundes\u201c (\u05d1\u05e8\u05d9\u05ea), so priesterliche vom \u201eZeugnis\u201c (\u05e2\u05d3\u05d5\u05ea). F\u00fcr Beh\u00e4lter mit inschriftlichen Steintafeln werden altorientalische Belege angef\u00fchrt. Bei der nur in priesterlichen Texten bezeugten Deckplatte handelt es sich um eine d\u00fcnne, rechteckige Goldplatte (mit denselben Ma\u00dfen wie die Lade). Auf ihr und zugleich mit ihr verbunden befinden sich auf den beiden schmalen Seiten zwei stehende, humanoide Gestalten mit Fl\u00fcgeln (anstelle der Arme). Ihre Gesichter sind einander zugewandt, und die leicht erhobenen, ausgestreckten Fl\u00fcgel sind ebenfalls aufeinander hin orientiert. Die Annahme von theriomorphen Wesen (Sphinxen u.&nbsp;a.) wird abgewiesen. Im salomonischen Tempel befindet sich ein weiteres Kerubenpaar (vgl. 1K\u00f6n 6,23ff). Derartige (himmlische) Wesen erscheinen in der Bibel erstmals nach der Vertreibung des Menschenpaars aus dem Garten Eden (Gen 3,24). Unter Beizug targumischer Texte sowie der Umvokalisierung von <em>hi <\/em>zu <em>qal<\/em> und der Interpretation von \u05d0\u05ea als Pr\u00e4position liest Eichler \u05d5\u05d9\u05e9\u05db\u05df \u2026 \u05d0\u05ea\u05be\u05d4\u05db\u05e8\u05d1\u05d9\u05dd \u201eHe settled \u2026 <em>with <\/em>the cherubim\u201c (215, Kursivsetzung RE). JHWH verl\u00e4sst Eden ebenfalls und lagert sich in dessen Osten, um zusammen mit den Keruben den Eingang zu bewachen. Die Keruben haben ihren Ort ansonsten in Theophanien. Dabei spielt das Verst\u00e4ndnis von 2Sam 22,1 \/\/ Ps 18,11 eine besondere Rolle: \u201eEr ritt\/fuhr auf einem Keruben \u2026\u201c Eichler h\u00e4lt die Vorstellung von JHWH als reitend auf einem Cherub f\u00fcr einen \u201escribal error\u201c und emendiert zu: \u201eHe rode on a <em>cloud<\/em> and flew \/ He swooped in on the wings of the wind\u201c (195, Kursivsetzung RE). Das gemeinhin als \u201eKerubenthroner\u201c \u00fcbersetzte Epitheton (7-mal im AT) bezeichnet ein Wohnen <em>unter<\/em> (\u201eamong\u201c) Keruben. Dies entspricht der Vorstellung der beiden Lade-Keruben. Ihre Fl\u00fcgel besch\u00fctzen Lade und Deckplatte und markieren die g\u00f6ttliche Pr\u00e4senz. JHWH wohnt <em>im Raum unter<\/em> bzw. <em>zwischen<\/em> ihnen; diese formen allerdings keinen Gottesthron.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der in der Stiftsh\u00fctte, sp\u00e4ter im salomonischen Tempel befindlichen Lade verbindet sich die anikonische Pr\u00e4senz Gottes. Ein JHWH repr\u00e4sentierendes Kultbild befand sich nie in oder bei der Lade. Ein solcher \u201eempty-space aniconism\u201c ist ohne Parallele im Alten Orient. Die h\u00e4ufig vertretene Vorstellung der Lade als Thron(sitz) oder Fu\u00dfschemel wird von Eichler in Abrede gestellt; vielmehr sei die Gottesthron-Vorstellung mit dem Zionstempel als Ganzem bzw. dem Tempelberg (oder dem Himmel) verbunden. \u201eThus, <em>the focus of the cultic system endorsed by the Bible is not an empty throne, but an empty frame, <\/em>formed by the wings of the cherubim, together with their bodies and the \u05db\u05e4\u05e8\u05ea (in the priestly account) or with the walls and floor in the cella (in Kings and Chronicles).\u201c (305, Kursivsetzung RE).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Monografie bietet eine detaillierte Darstellung der biblischen Aussagen zum wichtigsten Gegenstand im alten Israel, der mit der Pr\u00e4senz JHWHs verbunden ist. Dabei ergibt sich in den verschiedenen Textstrata ein recht einheitliches Bild von Lade, S\u00fchnedeckel und Keruben. Die Vergleiche mit \u00e4gyptischen Gegenst\u00e4nden (v.\u00a0a. Sarkophage) sind weithin erhellend. Eichler geht von der \u201eRealit\u00e4t\u201c einer solchen Lade aus und nimmt entsprechend alle ihre Details ernst. Darin liegt die St\u00e4rke der Studie. Denn wird die Lade nicht als \u201eRealie\u201c, sondern im Licht ihrer \u00dcberlieferungen untersucht und als (fiktive) Retroprojektion beurteilt, werden die materialen Dimensionen weniger in den Blick genommen. Diskussionsbedarf ergibt sich hinsichtlich der <em>Funktion<\/em> der Lade, insbesondere betreffend der von Eichler bestrittenen Gottesthronvorstellung. Die Annahme von Gottes Wohnen\/Thronen (Partizip) <em>unter\/zwischen<\/em> den Keruben \u00fcberzeugt; die \u00c4nderung zum \u201eReiten\/Fahren\u201c auf einer Wolke (statt einem Keruben) ist von der Parallelzeile her naheliegend, allerdings mit einer Textemendation in 2Sam 22,11 \/\/ Ps 18,11 erkauft. Es stellt sich gleichwohl die Frage \u2013\u00a0nicht zuletzt aufgrund vieler Psalmenaussagen \u2013, wie k\u00f6nigstheologische Vorstellungen und Aussagen von Gottesbegegnung und -schauung zu denken sind und woran diese \u201ehaften\u201c. Ergibt sich ein Bezug von der Lade zum \u201eSchauen des Angesichts JHWHs\u201c im Rahmen einer Thronaudienz vor dem K\u00f6nigsgott? (vgl. F. Hartenstein, <em>Das Angesicht JHWHs<\/em>, FAT 55, T\u00fcbingen 2008, unter besonderer Beachtung von Ps 27). Mit Lade und Keruben verbinden sich Gottes Machterweis, sein Lichtglanz sowie Zuflucht und Rettung\/Gericht, wie u.\u00a0a. Aussagen asaphitischer Psalmen (levitische Ladetr\u00e4ger?) anzeigen (vgl. Ps 80,2f, auch Ps 50,1\u20133; 81,2\u20136, ferner Ps 78,60f und der in diesem Psalm anklingende Ladeverlust, dazu 1Sam 4). Schlie\u00dflich h\u00e4tte ich gerne noch etwas \u00fcber Ort und Funktion der <em>zur Seite <\/em>(\u05de\u05e6\u05d3, vgl. auch 1Sam 6,8) der Lade gelegten Tora-Rolle (Dtn 31,26 \u2013 die letzte Lade-Erw\u00e4hnung im Pentateuch!) geh\u00f6rt. Insgesamt: Eine gute Studie, die Beachtung verdient.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Basel; Research Associate am Department of Ancient and Modern Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Raanan Eichler: The Ark and the Cherubim,FAT 146, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2021, Ln., XV+391\u00a0S., \u20ac\u00a0134,\u2013, ISBN 978-3-16-155432-2 Bei der vorzustellenden<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":1481,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1480","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1480"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1480\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1482,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1480\/revisions\/1482"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1481"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}