{"id":1483,"date":"2022-04-27T14:00:18","date_gmt":"2022-04-27T14:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1483"},"modified":"2022-04-27T17:50:26","modified_gmt":"2022-04-27T17:50:26","slug":"gabriele-g-braun-gods-praise-gods-presence","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1483","title":{"rendered":"Gabriele G. Braun: God\u2019s Praise &#038; God\u2019s Presence"},"content":{"rendered":"\n<p>Gabriele G. Braun: <em>God\u2019s Praise &amp; God\u2019s Presence. A Biblical-Theological Study<\/em>, Eugene: Wipf &amp; Stock, 2020, Pb., 278&nbsp;S., ca. \u20ac&nbsp;35,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781532655067\/gods-praise-and-gods-presence\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781532655067\/gods-praise-and-gods-presence\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-1-5326-5506-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>In ihrer Dissertation <em>God\u2019s Praise and God\u2019s Presence. A Biblical-Theological Study<\/em>, ver\u00f6ffentlicht bei Wipf &amp; Stock, fragt Gabriele G. Braun nach der theologischen Begr\u00fcndung der Worship-Kultur, die in christlichen Gemeinden inzwischen vorherrschend ist. Besteht eine Ursache-Wirkung-Korrelation zwischen der Anbetung Gottes durch sein Volk bzw. seiner Gemeinde und der f\u00fcr Menschen erfahrbaren Gegenwart Gottes? (1). Der Beitrag beschr\u00e4nkt sich also auf die Frage ob Menschen durch die Anbetung Gottes seine Gegenwart erfahren. Gleich zu Beginn wird der interdisziplin\u00e4re Charakter der biblisch-theologischen Studie deutlich. F\u00fcr die im Gottesdienst erfahrbare Anbetung wird nach einer theologischen Begr\u00fcndung gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sieben Kapitel teilen sich neben der Einleitung (Kap. 1) und einem zusammenfassenden Ausblick (Kap. 7) in drei Hauptbl\u00f6cke auf. Im ersten Hauptblock stellt Braun unterschiedliche Ans\u00e4tze einer \u201eTheologie der Anbetung\u201c vor (Kap. 2). Die kanonische Untersuchung ausgew\u00e4hlter Bibeltexte bildet den zweiten Block. Nach einer kurzen Einf\u00fchrung des kanonischen Ansatzes (Kap. 3) n\u00e4hert Braun sich den Forschungsfragen anhand der Untersuchung von sieben Beispieltexten aus dem AT (Kap. 4) und sechs NT-Stellen (f\u00fcnf sind der Apg entnommen; Kap. 5). Im dritten Teil werden die Ergebnisse ihrer biblisch-theologischen Untersuchung zusammengefasst und interdisziplin\u00e4r verortet (Kap. 6).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit neun vorgestellten \u201eAns\u00e4tzen einer Theologie der Anbetung\u201c wird in Kapitel 2 ein weites konfessionelles und thematisches Spektrum abgedeckt. Zwei praktisch-theologischen Ans\u00e4tzen aus dem pfingstlerischen (Hudson, 10) und charismatischen Gemeindekontext (Steven, 12) folgen dezidiert theologische Studien (Marshall, 19), die sich dem Thema dazu auch noch ausf\u00fchrlich widmen (Peterson, 25; Wick, 28; Block, 37). Der breit gef\u00e4cherte \u00dcberblick wird durch eine empirische Jugendstudie abgeschlossen (Faix\/K\u00fcnkler, 47). Die Auswahl reflektiert Brauns interdisziplin\u00e4res Interesse und stellt auf wenigen Seiten gut die vielf\u00e4ltigen theologischen Positionen dar. Es ist aber gerade diese Vielfalt, die den Eindruck der Beliebigkeit weckt. Warum wurden gerade diese Beitr\u00e4ge gew\u00e4hlt und was ist ihr Mehrwert f\u00fcr die vorliegende Untersuchung? Die neun Ans\u00e4tze sind nur vage miteinander verbunden, behandeln das Thema in sehr unterschiedlicher Tiefe, sodass die Leserinnen und Leser am Ende mit der Frage zur\u00fcckbleiben, welchen Beitrag das Kapitel f\u00fcr eine biblisch-theologische Untersuchung leisten soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Basierend auf dem kanonischen Ansatz von Childs (Kap. 3) werden im Hauptteil der Untersuchung intertextuelle Bez\u00fcge zwischen Bibelstellen des AT und NT aufgezeigt. Mit 1K\u00f6 8 und 2Chr 5\u20137 liegt der Schwerpunkt im AT auf Anbetung im Kontext des Tempels. Braun stellt die Bedeutung der Bundesbeziehung zwischen Israel und Jahwe (86, 90) als wesentlich heraus, ohne die Anbetung also nicht denkbar ist (197ff). Braun beobachtet, dass die Korrelation zwischen Bundesbezug und Anbetung auch f\u00fcr Texte ohne Tempelbezug gilt (107\u2013115). Gegenwart und Anbetung Gottes stehen f\u00fcr Braun in einem reziproken Verh\u00e4ltnis: \u201ehuman praise inspired divine glory-presence, which, in return may have prompted human praise again\u201c (239). Und \u201e<em>without covenant fidelity<\/em> there is no connection between human praise and divine presence\u201c (120). Dass Gegenwart und Anbetung Gottes im Bundeskonzept verortet sind und nicht nur im Tempelkontext erscheinen, \u00f6ffnet die Definition von Anbetung \u00fcber den musikalischen Aspekt hinaus. Insgesamt scheint Braun sich aber auf die musikalische Anbetung zu beschr\u00e4nken. Gerade angesichts dieser Engf\u00fchrung w\u00e4re eine vertiefende Untersuchung von Amos 5,21\u201325 zu erwarten. Dieser wird aber \u00fcberraschenderweise kurz abgehandelt: \u201eunholy worship and praise are an abomination in God&#8217;s eyes (Amos 5:21\u201325).\u201c (210) Mit Bezug zu den Psalmen merkt Braun au\u00dferdem an: \u201e&#8230; we have found hardly any hints in Psalms which would evidence a link between divine presence and human praise\u201c (239). Nach welchen Kriterien beurteilt sie aber sowohl Anbetung als auch die Gegenwart Gottes? Beansprucht nicht gerade der Psalter, dass die erfahrene Gegenwart Gottes die Ursache der Anbetung ist, so z. B. bei der Beobachtung der Sch\u00f6pfung (Psalm 8) oder im Kontext von Kriegserfahrungen (Psalm 27)?<\/p>\n\n\n\n<p>In den Ausf\u00fchrungen zum NT wird Apg 2 und das Pfingstereignis als Schl\u00fcsseltext identifiziert, denn \u201edivine Spirit-presence literally &#8216;inspired&#8217; human praise\u201c (239). Die Ursache der Anbetung ist also das vorhergehende Erleben der Gegenwart Gottes. Auch im NT bietet die Bundesbeziehung den Rahmen der Anbetung, der durch den Dreiklang von \u201ehuman repentance, divine salvation, and prophetic empowerment\u201c definiert wird (239). Neben f\u00fcnf Stellen aus der Apg nimmt Braun dar\u00fcber hinaus Bezug auf Eph 5 und schlussfolgert f\u00fcr das NT allgemein, dass Anbetung Gottes eine Reaktion auf eine vorausgehende Geisterf\u00fcllung ist (240). Man fragt sich aber dennoch, warum gerade diese und nicht andere Stellen ausgew\u00e4hlt wurden (z.&nbsp;B. Kol 3)?<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer abschlie\u00dfenden Bewertung vertieft Braun die schon zuvor aufgestellten \u201eintertextuellen Themen\u201c (171), dass &#8230;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\" type=\"a\"><li>die Gegenwart und Anbetung Gottes im AT besonders mit Bezug zum Tempel auftreten, aber nicht auf den Tempel beschr\u00e4nkt sind (240);<\/li><li>das Tempelmotiv sowohl im AT als auch NT als Metapher \u201eof the divine indwelling\u201c verwendet wird (240);<\/li><li>der Bundesbezug, in dem Anbetung eingebettet ist, f\u00fcr die Korrelation wesentlich ist. \u201eAs a result, it has been verified that God&#8217;s presence, his people\u2019s praise and a divine-human covenant relationship may form a recurrent paradigm\u201c (241).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die St\u00e4rke des Beitrags liegt in dem von Braun gew\u00e4hlten kanonischen Ansatz. Die Stimmen aus beiden Testamenten werden geh\u00f6rt und ins Gespr\u00e4ch gebracht. Gerade vor dem pastoralen Hintergrund der gestellten Forschungsfrage ist ihre methodische Ann\u00e4herung gut gew\u00e4hlt. Mit dem interdisziplin\u00e4ren Einstieg und Ausklang bietet sie au\u00dferdem einen weitreichenden Einblick in das Themenfeld. Diese St\u00e4rke verliert im Verlauf aber an Strahlkraft, denn am Ende wirkt die Untersuchung \u00fcberladen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leserinnen und Leser gewinnen durch die vorliegende Studie einen allgemeinen \u00dcberblick des Themas in der die wesentlichen Aspekte, die f\u00fcr ein Verst\u00e4ndnis des dynamischen Verh\u00e4ltnisses der Gegenwart und Anbetung Gottes notwendig sind, benannt werden. Pr\u00e4zise Definitionen dieser relevanten Aspekte (z. B. Bund, Anbetung, Gegenwart) sind f\u00fcr einen solchen Beitrag aber unerl\u00e4sslich. Da diese fehlen, f\u00e4llt es schwer die Auswahl der Texte nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gew\u00e4hlte Forschungsfrage, ob es eine Korrelation zwischen der Anbetung und Gegenwart Gottes gibt, wird fr\u00fch und \u00fcberzeugend positiv beantwortet. Diese Eindeutigkeit lenkt das Interesse aber umgehend auf die Frage: In welchem Verh\u00e4ltnis stehen denn die Anbetung Gottes und die Gegenwart Gottes zueinander? Diese Frage bleibt aber offen, da der Beitrag sich im Wesentlichen auf die Kl\u00e4rung der Frage, ob beide Aspekte in einer Ursache-Wirkung-Beziehung zueinanderstehen, beschr\u00e4nkt. In der Auswertung des Verh\u00e4ltnisses, also wie die Anbetung Gottes mit der Gegenwart Gottes korreliert, liegt hingegen das Potenzial des Themas, dass leider nicht ausgesch\u00f6pft wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sei es Braun zugutegehalten, dass sie sich gerade angesichts der Weite des Themenfeldes beschr\u00e4nken musste. So weist sie zum Abschluss selbst auf vielf\u00e4ltige interdisziplin\u00e4re Ankn\u00fcpfungspunkte hin. Insgesamt ist Brauns Forschung eine willkommene Erg\u00e4nzung in diesem wichtigen Themengebiet. Sie vermittelt einen guten Einstieg in das Thema und wird so zu einer konstruktiven Diskussionspartnerin f\u00fcr weitere Untersuchungen. Letztlich bleiben aber sowohl f\u00fcr die interdisziplin\u00e4re Anwendung als auch biblisch-theologische Kl\u00e4rung entscheidende Fragen unbeantwortet. Wer also einen vertiefenden Einblick in die Korrelation der Anbetung und Gegenwart Gottes erwartet, muss auf andere Werke zur\u00fcckgreifen. Ein erster Hinweis daf\u00fcr findet sich in den dargestellten \u201eAns\u00e4tzen einer Theologie der Anbetung\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>J\u00fcrgen Schulz, Paderborn, Doktorand an der ETF Leuven<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gabriele G. 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