{"id":1486,"date":"2022-04-27T14:04:42","date_gmt":"2022-04-27T14:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1486"},"modified":"2022-04-27T14:05:19","modified_gmt":"2022-04-27T14:05:19","slug":"dieter-boehler-psalmen-1-50","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1486","title":{"rendered":"Dieter B\u00f6hler: Psalmen 1\u201350"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieter B\u00f6hler: <em>Psalmen 1\u201350<\/em>, HThKAT, Freiburg i. Br.: Herder, 2021, Ln., 960&nbsp;S., \u20ac&nbsp;150,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral-shop\/psalmen-1-50-gebundene-ausgabe\/c-37\/p-22117\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral-shop\/psalmen-1-50-gebundene-ausgabe\/c-37\/p-22117\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-451-26825-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Die Psalmenkommentierungen von Frank-Lothar Hossfeld und Erich Zenger in dt. Originalausgabe und engl. \u00dcbersetzung (in der Reihe \u201eHermeneia\u201c) d\u00fcrfen als die derzeit profiliertesten angesehen werden. Nach dem Tod der beiden \u00fcbertrugen die Herausgeber des HThKAT (Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament) Dieter B\u00f6hler die Aufgabe, die Kommentierungen von Hossfeld\/Zenger (2000: Ps 51\u2013100; 2008: Ps 101\u2013150) mit einem dritten, dem hier vorzustellenden ersten Band (samt Einleitung) zu komplementieren (in der engl. Hermeneia-Reihe werden Ps 1\u201350 von Johannes Schnocks und Kathrin Liess kommentiert werden). B\u00f6hler, Nachfolger auf dem Lehrstuhl von Norbert Lohfink in Frankfurt a.&nbsp;M., der sich in der Psalmenforschung bisher (noch) keinen Namen gemacht hat, schl\u00fcpft damit in gro\u00dfe Schuhe. Mit knapp tausend Seiten ordnet er sich vom Umfang her gut in die Vorg\u00e4ngerb\u00e4nde ein. Der Band gliedert sich in ein allgemeines Literaturverzeichnis (13\u201324, erg\u00e4nzt mit spezifischer Literatur zu den jeweiligen Psalmen), eine Einleitung (25\u201364) und der Kommentierung der f\u00fcnfzig Psalmen (66\u2013924). Ein umfangreiches Bibelstellenverzeichnis (925\u2013960) beschlie\u00dft den Kommentarband. Inhaltlich wei\u00df B. sich wie Hossfeld\/Zenger der Verbindung von Psalmen- <em>und <\/em>Psalterexegese verpflichtet. Allerdings stellt er den synchronen gegen\u00fcber dem diachronen Aspekt und die Einzelauslegung gegen\u00fcber der Psaltereinbindung (<em>lectio continua<\/em>) st\u00e4rker in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einleitung umfasst dreizehn Abschnitte in sachlich teils etwas verwirrender, synchroner und diachroner \u00dcberlegungen abwechselnder Anordnung. Die Kapitel zu Poesie und Theologie sind (zu) kurzgehalten. Was die Datierung der Psalmen betrifft, sind einzelne vor\/im Exil, die meisten jedoch nachher entstanden (manche lassen sich nicht zeitlich einordnen). Die Buchwerdung betreffend liegen erste Sammlungen bis 300 v. Chr. vor (David I+II). Im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstehen schubweise der Elohistische (Ps 42\u201383*), der Messianische (Ps 2\u201389*), der JHWH-K\u00f6nig- (Ps 2\u2013100*) und der Geschichtstheologische Psalter (Ps 2\u2013106*). Der Psalter fand seinen Abschluss und seine Funktion als \u201eMeditationsbuch\u201c in der ersten H\u00e4lfte des 2. Jh.s v. Chr. (mit dem Rahmen Ps 1\/146\u2013150 \u2013 Buch V mit Ps 107\u2013145 findet im Schema seltsamerweise keine Erw\u00e4hnung). In einem l\u00e4ngeren Kapitel geht B. auf die Teilkompositionen der ersten David-Sammlung bzw. von Buch I ein. Entgegen der von Hossfeld\/Zenger etablierten und von anderen Forschern (v.&nbsp;a. mit Blick auf Ps 15\u201324) best\u00e4tigten Subgliederung Ps 1\u20132||3\u201314|15\u201324|25\u201334|35\u201341||\u2026) postuliert B. unter Korrelation mit David-Episoden aus den Samuelb\u00fcchern, den Pr\u00e4skriptangaben und Stichwortverbindungen die folgenden drei Einheiten: Ps 3\u201321 (\u201eDavids letzter Konflikt\u201c, vgl. 2Sam 22 \/\/ Ps 18), Ps 22\u201331 (\u201eDas Leiden Davids und die Bekehrung der Nationen\u201c) und Ps 32\u201341 (\u201eDavids Gewaltlosigkeit, sein Scheitern und die Rettung\u201c). Der erste Erz\u00e4hlbogen umfasst die Etappen Ps 3\u20139 (Abschalom-Midrasch), Ps 10\u201314 (Joab\u00ad\u00ad-Klage) und Ps 15\u201318 (Davids Ende); angef\u00fcgt sind Ps 19 (Tora-Meditation) und mit Ps 20f zwei an Salomo gerichtete Prinzen-Psalmen. Der dritte Erz\u00e4hlbogen schlie\u00dft wie der zweite und die Korachgruppe mit weisheitlicher Reflexion und ist dar\u00fcber hinaus durch Seligpreisungen gerahmt. Ein solcher, neuer Vorschlag einer Kompositions- und Sinnstruktur w\u00e4re w\u00fcnschbarerweise in einem separaten Beitrag vorab zur Diskussion zu stellen gewesen, zumal im Rahmen eines Kommentars keine angemessene Begr\u00fcndung m\u00f6glich ist. Ob dieser Vorschlag, der neben der Psalmenabfolge von keinen zentrierenden Konfigurationen ausgeht, in der Psalterforschung sich durchzusetzen vermag, bleibt fraglich. In weiteren Kapiteln wird u.&nbsp;a. \u00fcber die verschiedenen Elemente in den Pr\u00e4skripten (MT, LXX) und zu psalterkompositionellen Aspekten referiert (Iuxtaposition, Konkatenation, Eckpsalmen und Gesamtrahmung; Psalter entstand in Chasidim-Kreisen vor dem Makkab\u00e4eraufstand).<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Kommentierung von Ps 1\u201350 folgt B. weithin dem Ablaufschema von Hossfeld\/Zenger: Spezialbibliografie \u2013 \u00dcbersetzung (mit Vers- und Strophenstruktur; <em>qtl<\/em> in der Regel vergangenheitlich, <em>jqtl<\/em> futurisch oder modal wiedergegeben) \u2013 Anmerkungen zu den einzelnen Versen \u2013 Analyse (Aufbau und Poesie, Gattung, Entstehung) \u2013 Auslegung (den Versen entlang, teils unter Beigabe von s\/w-Abbildungen) \u2013 Kontext, Rezeption, Bedeutung (Nachbarpsalmen, LXX, NT, Kirchenv\u00e4ter, Liturgie).<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Auslegung der einzelnen Psalmen betrifft, muss auf den Kommentar selbst verwiesen werden. Folgende Tendenzen lassen sich ausmachen: B.s sprachliche Analyse ist ausf\u00fchrlich und detailgetreu \u2013 eine St\u00e4rke dieses Kommentars. Sensitiv ist er auch mit Blick auf Gliederung und poetische Strukturen (Wiederholungsfiguren etc.). Zur Betonung der Philologie f\u00fcgt sich, dass stetig der Kommentar von Delitzsch (und teils weitere \u00e4ltere wie der von Hengstenberg u.&nbsp;a.) einbezogen wird. Neben diesem werden Zenger (und Hossfeld) sowie Oeming (N\u00e4he zu dessen Sp\u00e4tdatierung) h\u00e4ufig erw\u00e4hnt. Der Einfluss von Lohfink (u.&nbsp;a. Stichwortverbindungen) ist (aufgrund der nicht zitierf\u00e4higen Vorlesungsskripte) meist nicht ausgewiesen, aber gro\u00df, wie B. erw\u00e4hnt. Gegen\u00fcber Hossfeld\/Zenger bestimmt er deutlich mehr Psalmen als einheitlich; dabei setzt er sie in der Regel sp\u00e4t an, oft im Verbund mit sprachlichen \u00dcberlegungen (Aramaismen), weniger einem Zeitgeschehen zuordnend. Gute Beachtung widerf\u00e4hrt der LXX, neu und gewinnbringend ist der Einbezug der Patristik. Die Bez\u00fcge zum NT werden in der Regel erw\u00e4hnt; beim bedeutsamen Ps 2 (Hoheitschristologie u.&nbsp;a.) beschr\u00e4nkt sich B. leider auf ein paar Zeilen. Dass der Kommentar aus katholischer Hand kommt, merkt man bei der Rubrik Rezeption (weithin Beschr\u00e4nkung auf Kirchenv\u00e4ter und Messliturgie). Die \u201ePsalterexegese\u201c manifestiert sich \u2013 \u00fcber Hinweise in der Einleitung hinaus im Aufweis von Relationen zu den Nachbarpsalmen, ab und zu erg\u00e4nzt mit Hinweisen zum jeweils vorliegenden Erz\u00e4hlbogen (u.&nbsp;a. bei Ps 9f; 15; 22; 30f; 41). Wenn Ps 1 (mit 2) Pro\u00f6mium ist, bed\u00fcrfte es Ausf\u00fchrungen, was dieser Psalm zum Verstehen des Psalters beitr\u00e4gt. Die \u201eTora JHWHs\u201c in 1,2 bezeichne \u201edie gesamte Weisung der Mosetora, die unser Psalm hier vor Augen hat\u201c (71). Ist dem so (JHWH-Tora = Mose-Tora), und was bedeutet dies f\u00fcr den Psalter? Bei dem in Ps 1 \u201eSeliggesprochenen\u201c sei David im Blick (und zugleich Sprecher des Psalms?!). Wie ist das zu begr\u00fcnden und welcher Sinnhorizont verbindet sich damit?<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Mit diesem Band, der die HThKAT-Kommentierung des Psalters abschlie\u00dft, bekommt die Leserschaft einen umfang- und materialreichen Kommentar zur Hand. Dieser besticht durch philologisch gr\u00fcndliche Arbeit, eine solide Auslegung der einzelnen Psalmen und einen hilfreichen Einbezug der Rezeptionsgeschichte (v.&nbsp;a. LXX und V\u00e4terexegese). Die theologische Aussch\u00f6pfung und die psalterhermeneutische Einordnung haben \u2013 gegen\u00fcber den nachfolgenden Auslegungsb\u00e4nden von Hossfeld\/Zenger \u2013 einen geringeren Stellenwert. Angesichts des beschr\u00e4nkten Zeitumfangs der Einarbeitung in ein gro\u00dfes Forschungsgebiet ist B\u00f6hler \u2013 zumal als Alleinausleger gegen\u00fcber seinen Vorg\u00e4ngern \u2013 ein respektabler Kommentar gelungen, der uns den ersten Drittel des Psalters verstehen hilft. Daf\u00fcr ist ihm zu danken.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Beat Weber, Pfr. Dr. theol., Basel, Research Associate am Department of Ancient and Modern Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieter B\u00f6hler: Psalmen 1\u201350, HThKAT, Freiburg i. 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