{"id":1490,"date":"2022-04-27T14:08:35","date_gmt":"2022-04-27T14:08:35","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1490"},"modified":"2022-04-27T14:08:51","modified_gmt":"2022-04-27T14:08:51","slug":"jens-christian-maschmeier-hg-peter-wick-schriftgelehrsamkeit-und-toraethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1490","title":{"rendered":"Jens-Christian Maschmeier (Hg.)\u00a0\/ Peter Wick: Schriftgelehrsamkeit und Toraethik"},"content":{"rendered":"\n<p>Jens-Christian Maschmeier (Hg.)\u00a0\/ Peter Wick: <em>Schriftgelehrsamkeit und Toraethik. Die Bergpredigt im Kontext des Matth\u00e4usevangeliums<\/em>, Stuttgart: Kohlhammer, 2021, Pb., 174\u00a0S., \u20ac\u00a039,\u2212, ISBN <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/schriftgelehrsamkeit-und-toraethik-40040.html\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/schriftgelehrsamkeit-und-toraethik-40040.html\" target=\"_blank\">978-3-17-040040-5<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Peter Wick ist Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Exegese und Theologie des Neuen Testaments an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum. Dieser Sammelband, der von Jens-Christian Maschmeier herausgegeben wurde, vereint elf Aufs\u00e4tze Wicks aus den Jahren 1995 bis 2013. Maschmeier hat au\u00dfer dem Vorwort eine instruktive Einf\u00fchrung geschrieben (9\u201319). In sieben der Beitr\u00e4ge Wicks geht es um die Auslegung der Bergpredigt, davon zwei in englischer Sprache. Au\u00dferdem enth\u00e4lt der Band folgende Aufs\u00e4tze: \u201eK\u00f6nig Herodes: Messiasanw\u00e4rter, Pharao, Antichrist\u201c, \u201eVerborgenes und Befohlenes: Schriftgelehrsamkeit und J\u00fcngerschaft bei Matth\u00e4us\u201c, \u201eJudas als Prophet wider Willen. Mt 27,3\u201310 als Midrasch\u201c und \u201eMatth\u00e4us und die Mission\u201c. Im Rahmen der Rezension kann nur auf einzelne Aufs\u00e4tze eingegangen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem ersten Aufsatz \u201eDie Antithesen der Bergpredigt als par\u00e4netische Rhetorik. Durch scheinbaren Widerspruch zu einem neuen Verst\u00e4ndnis\u201c (20\u201344) formuliert Wick programmatisch sein Verst\u00e4ndnis der Antithesen. Sie widersprechen nicht der Tora und auch nicht prinzipiell der Halacha (35). Sie sind vielmehr eine rhetorische Figur, die sich auch in der prophetisch-par\u00e4netischen Tradition des fr\u00fchen Judentums findet (34). Durch \u201eihren scharfen, scheinbaren Widerspruch zu den g\u00f6ttlichen Geboten\u201c sollen sie eine neue Verstehens\u00adebene sichtbar machen und den tiefsten Sinn der g\u00f6ttlichen Gebote aufdecken (40). Hermeneutischer Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Antithesen ist das doppelte Liebesgebot (Mt 22,34\u201340). Durch dieses gehen sie \u00fcber die Halacha hinaus, die Wick im engen Sinn als Weisungen f\u00fcr den Gerichtshof versteht. Jesus \u00fcberbietet die Halacha durch eine haggadische Auslegung vom Liebesgebot her, die nicht juristisch angewendet werden kann. \u201eJedes Gebot hat eine prim\u00e4re, allgemeing\u00fcltige, gesetzliche Ebene und dahinter eine weitergehende Handlungsaufforderung, die legal gar nicht eingefordert werden kann, ohne die zwischenmenschliche Gerechtigkeit zu zerst\u00f6ren. Doch der Mensch kann sich selbst mehr abverlangen als es dem Strafrichter m\u00f6glich ist\u201c (38). Im j\u00fcdischen Kontext, in dem die Bergpredigt zuerst verstanden werden muss, zeigen die Antithesen, dass die Bergpredigt \u201ekeine Gesetzgebung und auch keine halachische Diskussion ist, sondern vor allem Predigt\u201c (40).<\/p>\n\n\n\n<p>In einem weiteren Aufsatz \u201eDie (sogenannte) erste Antithese (Mt 5,21\u201326): Eine Pilgerpredigt\u201c (45\u201353) sieht Wick Mt 5,21\u201326 nicht als Antithese, sondern als \u201eeine weitgehende Auslegung des Mordverbots im Dekalog\u201c an. Er bezeichnet sie daher als \u201eAuslegungswort\u201c (45) in einem Predigtkontext.<\/p>\n\n\n\n<p>In seinem Aufsatz \u201eDer historische Ort von Mt 6,1\u201318\u201c (64\u201387) sieht Wick diesen in einer Entwicklung des Synagogengottesdienstes in Pal\u00e4stina. Dieser wurde durch eine andere Praxis in der Diaspora beeinflusst, wo zunehmend Privatgebete Raum im Gottesdienst einnahmen. Nach Wick wehre sich Jesus \u201enach Matth\u00e4us dagegen, dass der \u00f6ffentliche Gottesdienst zur Verrichtung von privaten Gebeten gebraucht wird\u201c (85). Mt 6,1\u201318 sei urspr\u00fcnglich eine Reformpredigt f\u00fcr den synagogalen Gottesdienst gewesen. Jesus biete als progressive L\u00f6sung an, dass das Unservater als \u201ekurzes, festgef\u00fcgtes Gemeinschaftsgebet\u201c an die Stelle aller \u00f6ffentlich gesprochenen Privatgebete trete. Ziel sei, \u201edie Schriftlesung und deren Erkl\u00e4rung und Auslegung \u2026 als Hauptzweck jedes Gottesdienstes\u201c zu sch\u00fctzen (86). Wick meint, auch wenn diese Hypothese k\u00fchn sei, werde \u201esie nicht nur den Quellen eher gerecht als andere Hypothesen\u201c, sondern k\u00f6nne \u201eauch die differenzierten Aussagen des Evangeliumstextes besser wahrnehmen\u201c (87).<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss bildet der Aufsatz \u201eMatth\u00e4us und die Mission\u201c (155\u2013168). W\u00e4hrend der Stammbaum im Matth\u00e4usevangelium auf das erw\u00e4hlte Volk Israel ausgerichtet ist, zeigt die Nennung der vier ausl\u00e4ndischen Frauen in ihm, dass \u201edie Br\u00fccken zwischen dem erw\u00e4hlten Volk und den V\u00f6lkern nie ganz abgebrochen worden ist\u201c (156). Gegen die Mitte des Evangeliums hin verdichtet sich alles allein auf Israel. Im Zusammenhang der letzten Auseinandersetzung Jesu in Jerusalem wird dann \u2013 unter anderem mit dem Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern (Mt 21,33\u201346) \u2013 die Perspektive gewechselt zur Hinwendung zu den \u201eNichterw\u00e4hlten\u201c (159). Nach der Auferweckung Jesu \u201ehat sich die Auslieferung des Messias an die Heiden ins Positive gewendet: Die V\u00f6lker sollen und k\u00f6nnen nun durch die j\u00fcdischen J\u00fcnger zu J\u00fcngern gemacht werden\u201c (161). Die Mission sieht Wick als das letzte Ziel des Matth\u00e4usevangeliums. Der Missionsauftrag sei insbesondere ein Lehrauftrag, denn die V\u00f6lker sollen die Gebote Jesu in ethische Praxis umsetzen (Mt 28,20). \u201eV\u00f6lkermission ist also f\u00fcr Matth\u00e4us auch ein universales Schulungsprogramm. Gott und der Christus sind die Lehrer. Die J\u00fcnger werden von lernenden zu lehrenden Sch\u00fclern\u201c (167). Zu Recht versteht Wick in Mt 28,20 das Taufen und Lehren als inhaltliche N\u00e4herbestimmung (modaler Gebrauch der Partizipien) des Zu-J\u00fcnger-Machens. Zu kurz kommt mir dabei, dass im Neuen Testament nur Menschen getauft wurden, die durch die Verk\u00fcndigung des Evangeliums zum Glauben gekommen waren. Im apokalyptischen \u201eZwischen-Zeit-Raum\u201c zwischen der Auferstehung Christi und seiner Wiederkunft \u201esollen die J\u00fcnger hingehen und alle V\u00f6lker an den dreieinigen Gott binden und das praktische Handeln der V\u00f6lker nach dem Willen seines Christus ver\u00e4ndern\u201c (167f).<\/p>\n\n\n\n<p>Wick stellt in seinen Aufs\u00e4tzen manche bisherigen Einsichten in Frage und \u00fcberrascht mit seinen exegetischen Ergebnissen. So hilft er dazu, Worte Jesu von ihrem historischen Hintergrund her noch einmal neu und tiefer zu verstehen. Auch wenn ich nicht allen Argumenten und Auslegungen zustimme, motiviert Wick dazu, neu \u00fcber die neutestamentlichen Texte nachzudenken. Zu w\u00fcrdigen ist auch seine profunde Kenntnis des zeitgen\u00f6ssischen j\u00fcdischen Hintergrunds, der f\u00fcr das Verstehen des Matth\u00e4usevangeliums und f\u00fcr die Auslegung grundlegend ist. Insgesamt ist der anregende Sammelband zur Lekt\u00fcre zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Wilfrid Haubeck, Professor em. f\u00fcr Neues Testament und Griechisch an der Theologischen Hochschule Ewersbach in Dietzh\u00f6lztal<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jens-Christian Maschmeier (Hg.)\u00a0\/ Peter Wick: Schriftgelehrsamkeit und Toraethik. 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