{"id":1500,"date":"2022-04-27T14:28:49","date_gmt":"2022-04-27T14:28:49","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1500"},"modified":"2022-04-27T14:28:51","modified_gmt":"2022-04-27T14:28:51","slug":"viktor-loewen-die-zwoelf-juenger-jesu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1500","title":{"rendered":"Viktor L\u00f6wen: Die zw\u00f6lf J\u00fcnger Jesu"},"content":{"rendered":"\n<p>Viktor L\u00f6wen: <em>Die zw\u00f6lf J\u00fcnger Jesu. Exegetische Untersuchungen zum Kreis der zw\u00f6lf J\u00fcnger im Matth\u00e4usevangelium<\/em>, TANZ 64, T\u00fcbingen: Narr Francke Attempto, 2021, geb., 653\u00a0S., \u20ac\u00a0128,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.narr.de\/die-zw%C3%B6lf-j%C3%BCnger-jesu-38724\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.narr.de\/die-zw%C3%B6lf-j%C3%BCnger-jesu-38724\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-7720-8724-0<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>In dieser Studie (Doktoraldissertation, TU Dortmund, 2018; Betreuung R. Riesner) untersucht Viktor L\u00f6wen, Bibelwissenschaftler am Theologischen Seminar Rheinland, aus textlinguistischer Perspektive die Darstellung und Bedeutung der zw\u00f6lf J\u00fcnger Jesu im MtEv in seiner kanonischen Endgestalt. Dabei geht es um die elf\/zw\u00f6lf J\u00fcnger als eine fest umrissene Personengruppe. Die J\u00fcnger als Einzelpersonen, andere Nachfolger Jesu oder allgemeinere Aspekte des Themas J\u00fcngerschaft, die \u00fcber den Zw\u00f6lferkreis hinausgehen, sind nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00f6wen behandelt also alle eindeutig vom Zw\u00f6lferkreis handelnden Stellen des MtEv und zeigt, dass die Zw\u00f6lf im MtEv in ein komplexes Beziehungsgeflecht eingebunden sind und in mehr oder weniger direkter Beziehungen zu anderen Personen oder Personengruppen stehen (13), d.&nbsp;h., zu Jesus, zum Volk Israel, zu seinen Anf\u00fchrern usw. Zudem werden sie mit einer Reihe theologischer Themen verbunden:<\/p>\n\n\n\n<p>Erstens: Welche Rolle kommt dem Zw\u00f6lferkreis zu im gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen \u201eHimmel\u00adreich\u201c, dessen Anbruch Jesus proklamiert (Eschatologie)? Zweitens: In welchem Verh\u00e4ltnis stehen die Zw\u00f6lf zu Jesu Person und seinem Handeln und wie wirkt sich das Zw\u00f6lfer-Verst\u00e4ndnis auf das Jesusbild aus (Christologie)? Drittens: Haben die Zw\u00f6lf eine besondere Funktion f\u00fcr die Gemeinde Jesu? Geh\u00f6ren sie (nur) zu einer historisch vergangenen Zeitepoche oder sind sie (auch) f\u00fcr die nach\u00f6sterliche Gemeinde von Bedeutung (Ekklesiologie)? Aufgrund dieses personellen und thematischen Beziehungsgeflechts hat eine bestimmte Interpretation des Zw\u00f6lferkreises direkte Auswirkungen auf das Verst\u00e4ndnis der anderen Personen und Themen (14).<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00f6wen beginnt mit einem Forschungs\u00fcberblick zu den zw\u00f6lf J\u00fcngern Jesu im MtEv seit 1921, verbunden mit einer kritischen W\u00fcrdigung (19\u201384). Behandelt werden Studien auf der Grundlage der Formkritik, der Redaktionskritik und in narrativer Kritik (J.&nbsp;D. Kingsbury, Richard A. Edwards, Jeannine K. Brown, Uta Poplutz). Ferner widmet sich L\u00f6wen einleitend dem Verh\u00e4ltnis von J\u00fcngern im allgemeineren Sinne und dem eng umrissenen Kreis der Zw\u00f6lf im MtEv (84\u2013107; Wortstudien, Erl\u00e4uterung der Stellenauswahl, d.&nbsp;h. jene Stellen, in denen der Zw\u00f6lferkreis vor allem numerisch hervortritt und sich so von anderen Jesusnachfolgern unterscheidet, die ebenfalls als J\u00fcnger bezeichnet werden; an insgesamt elf Stellen im MtEv wird durch die Zahlen zehn, elf und zw\u00f6lf auf den Zw\u00f6lferkreis als Gesamtgr\u00f6\u00dfe verwiesen). Angesichts des Gesamtumfangs der Studie \u00fcberrascht es, dass die angewandte Methodik nicht eigens dargestellt und begr\u00fcndet wird (einige wenige Hinweise in der Einf\u00fchrung, etwa die Rede von einer \u201elexikalisch-grammatikalischen und semantisch-kommunikativen Analyse\u201c [15] oder abschlie\u00dfend allgemein als \u201esyntaktische und semantische Analyse\u201c, 613).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hauptteil der Arbeit besteht aus detaillierten Untersuchungen zu den ausgew\u00e4hlten Vorkommen der Zw\u00f6lf in Mt 9,36\u201310,42 (109\u2013318, die sog. Missionsrede Jesu); in Mt 19,27\u201320,28 (319\u2013417, Thronverhei\u00dfung, Weinberggleichnis, Leidensank\u00fcndigung, Streit um Thronpl\u00e4tze), in Mt 26,20\u201335.56 (419\u2013515, letztes Abendmahl, Ereignisse am \u00d6lberg, Flucht im Garten Gethsemane) sowie in Mt 28,16\u201320 (517\u2013612; L\u00f6wen pl\u00e4diert f\u00fcr eine Israel einschlie\u00dfende Bedeutung der nach dem Missionsbefehl zu erreichenden V\u00f6lker, 573). In jedem dieser vier gro\u00dfen Kapitel wird der jeweilige Abschnitt eingeleitet (Vorkommen des Zw\u00f6lferkreises, Personenkonstellation, Abgrenzung der Passage, literarischer Kontext sowie Aufbau). Dem folgt die eigentliche Auslegung (\u00dcbersetzung, literarischer Kontext, Aufbau, Kommentar und Analyse, Zusammenfassung). Die abschlie\u00dfende Zusammenfassung (613\u2013616) besteht aus knappen Res\u00fcmees der Ergebnisse der einzelnen Kapitel. Auf eine Synthese aller Ergebnisse, eine Beschreibung der narrativen Funktion dieses Portr\u00e4ts, eine W\u00fcrdigung im Gesamtkontext mt. Theologie (und der neueren Mt-Forschung; vgl. R. Reeves: \u201eMatthew\u2019s view of discipleship\u201c, in: <em>The Gospel of Matthew<\/em>, in: S. McKnight \/ N. K. Gupta (Hg.): <em>The State of New Testament Studies. A Survey of Recent Research<\/em>, Grand Rapids, 2019, (275\u2013296) 285\u2013290) oder gar der ntl. Theologie sowie auf eine Aktualisierung f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis christlicher Existenz heute oder \u00dcberlegungen zur Rezeptionsgeschichte des Matth\u00e4us Apostelbildes wurde verzichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach L\u00f6wen ist das Bild des Zw\u00f6lferkreises komplex. Die Sendung der Zw\u00f6lf zum \u201eMissions\u201c-Dienst im Volk Israel ist als messianische Zeichenhandlung zu begreifen. Die Zw\u00f6lf repr\u00e4sentieren das eschatologische wiederhergestellte Zw\u00f6lf-St\u00e4mme-Volk Israel unter der Herrschaft des davidischen Messias. Als seine Mitarbeiter sollen die Zw\u00f6lf Jesu endzeitliches Heilswerk in Israel fortf\u00fchren. Ferner haben die Zw\u00f6lf die Zusage, bei der eschatologischen Wiederherstellung der Welt neben Jesus auf zw\u00f6lf Thronen zu sitzen und das versammelte Zw\u00f6lf-St\u00e4mme-Volk zu richten und es evtl. anschlie\u00dfend zu regieren. Freilich m\u00fcssen die Zw\u00f6lf zum Leiden bereit sein, um diese Thronpl\u00e4tze einnehmen zu k\u00f6nnen. Wer sp\u00e4ter gro\u00df sein m\u00f6chte, muss in der Gegenwart dienen (lernen). Auch in ihrer Flucht aus dem Garten Gethsemane stellen die Zw\u00f6lf das Volk Israel dar; mit ihnen ist die Schafherde Israel zerstreut. Jedoch k\u00fcndigt Jesus ihnen auch die Wiedervereinigung der zerstreuten Herde an. Sp\u00e4ter werden die Elf in Galil\u00e4a wieder vereint, miteinander und mit dem auferstandenen Jesus. Sie stellen dabei einerseits das versammelte Israel dar, andererseits sollen sie von Galil\u00e4a aus nun auch die V\u00f6lker zu dem Messias Israels sammeln. Aufgrund der unbegrenzten Vollmacht Jesu erscheint die Mission der elf J\u00fcnger als Ausf\u00fchrung seiner Herrschaft auf der Erde. Freilich wird ihre Herrschaft eng begrenzt (J\u00fcnger machen, taufen, lehren). \u201eSpeziell f\u00fcr ihren Missionsauftrag sagt Jesus ihnen sein bleibendes und segensreiches Mit-Sein zu, so dass letztlich er selbst es ist, der mit und durch die elf J\u00fcnger handelt\u201c (616). Zur Arbeit geh\u00f6ren 16 Exkurse mit insgesamt 69 Seiten (<a href=\"http:\/\/www.meta.narr.de\/9783772087240\/Anhang.pdf\">www.meta.narr.de\/9783772087240\/Anhang.pdf<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>L\u00f6wen zeichnet ein schl\u00fcssiges und \u00fcberzeugendes Bild der zw\u00f6lf J\u00fcnger im MtEv und ihrer Funktion als Teil der vor\u00f6sterlichen Sendung Jesu und als ihre nach\u00f6sterliche Verl\u00e4ngerung zu Israel und den V\u00f6lkern. Durchweg wird der Israelbezug dieser besonderen Gruppe unter den Nachfolgern Jesu deutlich. Wie sich dieses Bild zu den anderen J\u00fcngern im MtEv verh\u00e4lt, bleibt offen. Die Arbeit h\u00e4tte durch Aufnahme neuerer narratologischer Fragestellungen und Methoden an Tiefensch\u00e4rfe gewonnen; vgl. etwa F. Dicken&nbsp;\/ J. Snyder (Hg.): <em>Characters and Characterization in Luke- Acts<\/em>, LNTS\/JSNTS 548, London, 2016, oder D. Nolan Fewell (Hg.): <em>The Oxford Handbook of Biblical Narrative<\/em>, Oxford, 2016. Aufgrund des sparsamen Gebrauchs von Abs\u00e4tzen und Gliederungsindikatoren im Text ist die Arbeit teilweise un\u00fcbersichtlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Thema vgl. auch die von L\u00f6wen nicht herangezogene Arbeit von T. Frauenlob, <em>Die Gestalt der Zw\u00f6lf-Apostel im Lukasevangelium. Israel, Jesus und die Zw\u00f6lf-Apostel im ersten Teil des lukanischen Doppelwerks<\/em>, fzb 131, W\u00fcrzburg, 2015. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Christoph Stenschke, Dozent der Biblisch-Theologischen Akademie, University of South Africa, Pretoria<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Viktor L\u00f6wen: Die zw\u00f6lf J\u00fcnger Jesu. 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