{"id":1509,"date":"2022-04-27T14:40:16","date_gmt":"2022-04-27T14:40:16","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1509"},"modified":"2022-04-27T17:51:08","modified_gmt":"2022-04-27T17:51:08","slug":"volker-gaeckle-das-reich-gottes-im-neuen-testament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1509","title":{"rendered":"Volker G\u00e4ckle: Das Reich Gottes im Neuen Testament"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Volker G\u00e4ckle: <em>Das Reich Gottes im Neuen Testament<\/em>, BTS 176, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2018, kt., 304&nbsp;S., \u20ac&nbsp;39,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/14423\/das-reich-gottes-im-neuen-testament\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/14423\/das-reich-gottes-im-neuen-testament\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-7887-3296-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Volker G\u00e4ckle, seit 2011 Rektor der Internationalen Hochschule Liebenzell und dort als Professor f\u00fcr Neues Testament besch\u00e4ftigt, legt nach eigenem Bekunden das Endergebnis seines theologischen Austauschs mit dem Osloer Neutestamentler Hans Kvalbein vor: ein neues Nachdenken \u00fcber das Reich Gottes im Neuen Testament. G\u00e4ckle sieht in der \u03b2\u03b1\u03c3\u03b9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b8\u03b5\u03bf\u1fe6 den \u201ewahrscheinlich [\u2026] schillerndste[n] Begriff\u201c in Jesu Verk\u00fcndigung, der sich wie \u201ebei einem Kaleidoskop [\u2026] zu ver\u00e4ndern\u201c scheine (1). Damit widmet sich sein Werk einem Thema, das in der Forschung oft eine nebengeordnete Rolle zu spielen scheint. Zentral ist f\u00fcr ihn bei der N\u00e4herung an diesen Begriff die Unterscheidung, ob er pr\u00e4sentisch oder futuristisch belegt ist: \u201eDer Begriff sei von der Ambivalenz des mit Jesu Wirken schon anbrechenden und damit bereits gegenw\u00e4rtigen, aber gleichzeitig auch noch eschatologisch erwarteten Reiches gepr\u00e4gt\u201c, wie er im Vorwort ausf\u00fchrt. Sein zentrales Anliegen ist das Verst\u00e4ndnis vom Reich Gottes in \u201ein einem spatialen Sinn als einen futuristischen Ort des Heils\u201c (251), der futuristisch-endzeitlich verstanden werden sollte. Doch besch\u00e4ftigt sich G\u00e4ckle mit vielen weiteren Fragestellungen, die sich auch im Aufbau der Arbeit niederschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst legt der Autor eine nicht zu knappe \u00dcbersicht \u00fcber die Forschungsgeschichte vor.&nbsp; Hier wirft er auch die f\u00fcr ihn zentralen Forschungsfragen auf, insbesondere die oben angesprochene Frage nach der Gegenw\u00e4rtigkeit und Zuk\u00fcnftigkeit des Reiches Gottes: \u201eEntsprechend vielf\u00e4ltig sind bis heute die Entw\u00fcrfe und Vorschl\u00e4ge und entsprechend fern sind wir nach wie vor von einem Konsens in diesen Fragen.\u201c (15) Eine ausf\u00fchrliche rezeptionsgeschichtliche Betrachtung fehlt und h\u00e4tte der Hauptargumentation sicherlich gutgetan. Aufgrund des Umfangs ist dies aber nachvollziehbar. Das zweite und dritte Kapitel widmet sich dem Reich Gottes im Alten Testament sowie dem Reich Gottes im fr\u00fchj\u00fcdischen Schrifttum, in der die vielf\u00e4ltige Verwendung des titelgebenden Begriffs dargestellt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnf Kapitel widmet G\u00e4ckle nun der systematischen Untersuchung der neutestamentlichen Schriften. Zun\u00e4chst in der Verk\u00fcndigung Jesu, dann in den paulinischen Schriften, der Apostelgeschichte, dem Johannesevangelium und schlie\u00dflich in der Johannesapokalypse. Dabei sieht G\u00e4ckle die \u03b2\u03b1\u03c3\u03b9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b8\u03b5\u03bf\u1fe6 nicht in einer apokalyptischen Verwendung: F\u00fcr ihn verk\u00fcndigt Jesus eine \u03b2\u03b1\u03c3\u03b9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1, die \u201eals eine pr\u00e4sentische Wirklichkeit beschrieben wird, die allerdings erst endzeitlich offenbar werden wird.\u201c (30). Da der Begriff laut G\u00e4ckle f\u00fcr die hellenistisch-r\u00f6mische Umwelt unverst\u00e4ndlich gewesen ist, sei er recht z\u00fcgig von dem Begriff \u201eewiges Leben\u201c verdr\u00e4ngt worden. So erkl\u00e4rt G\u00e4ckle auch die seltenere Verwendung bei Paulus, bei dem \u201eder Begriff zu einer Chiffre f\u00fcr das endzeitliche Heil und dessen normstiftenden Charakter f\u00fcr die Gegenwart geworden ist\u201c (158). Noch weiter sei dieser Prozess bei Lukas fortgeschritten, bei dem weniger die eschatologischen und gegenw\u00e4rtigen Aspekte im Vordergrund st\u00fcnden. Vielmehr verwende Lukas den Begriff als \u201eBezeichnung f\u00fcr die christliche Botschaft\u201c (177). G\u00e4ckles Analyse des Johannesevangeliums f\u00e4llt notwendigerweise kurz aus und in seinem Fazit kann er nur indirekte Bez\u00fcge herstellen. In der Johannesapokalypse wiederum findet der Autor beide Formen des Reiches Gottes: die Gottesherrschaft und das neue Jerusalem als eschatologischen Heilsort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eingeklammert wird diese Besch\u00e4ftigung mit den neutestamentlichen Schriften mit Kapitel 9, das sich mit dem Reich Gottes in der nachkanonischen christlichen Literatur des 2. Jahrhunderts besch\u00e4ftigt. Hier spielt der Begriff eine untergeordnete Rolle und au\u00dfer in biblischen Bez\u00fcgen \u201ef\u00e4llt sofort der fast futuristisch-eschatologische Gebrauch des Begriffs ins Auge.\u201c (218). G\u00e4ckle widerspricht einer Ver\u00e4nderung von einem dynamischen zu einem statischen Denken des Reiches Gottes: \u201eEine dynamische-pr\u00e4sentische Bedeutung des Begriffs \u03b2\u03b1\u03c3\u03b9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b8\u03b5\u03bf\u1fe6 im Sinne einer gegenw\u00e4rtigen K\u00f6nigsherrschaft Gottes konnte weder im Neuen Testament noch in der fr\u00fchchristlichen Literatur des 2. Jh. nachgewiesen werden. Es findet sich auch nirgendwo eine Verh\u00e4ltnisbestimmung zwischen dem \u201aReich Gottes\u2018 und der \u201aHerrschaft Gottes\u2018.\u201c (239) Dass sich die Deutung des Begriffs aber trotzdem \u00e4nderte, finde eine Vielzahl von Gr\u00fcnden. Neben dem \u201eStrudel der philosophischen, nomistischen und gnostischen Deutungen der ntl. Schriften\u201c f\u00fchrt der Autor auch eine \u201eVerflachung des Glaubensbegriffs zu einem blo\u00dfen Glaubensgehorsam\u201c an. Die exegetischen Einzelbetrachtungen des Autors sind gr\u00fcndlich, ebenso wie seine Beobachtungen zur Verwendung von Begriffen und Begriffsbildern. Auff\u00e4llig ist aber, dass die Hauptargumente oft nicht pointiert platziert werden, h\u00e4ufig wird beispielsweise dann doch auf ein dynamisches Verst\u00e4ndnis des Reiches Gottes hingewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Fazit zieht G\u00e4ckle in Kapitel 10. F\u00fcr ihn ist der untersuchte Gegenstand eine optimale \u201eProjektionsfl\u00e4che f\u00fcr die unterschiedlichsten theologischen Konzepte\u201c (241) \u2014 und dies kann der Autor sehr nachvollziehbar darlegen. Es wird vor allem f\u00fcr eine futuristische Deutung der \u03b2\u03b1\u03c3\u03b9\u03bb\u03b5\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b8\u03b5\u03bf\u1fe6 pl\u00e4diert, wobei einige Aspekte auf eine \u201eeschatologische Heilsgabe des \u201aewigen Lebens\u2018, die bereits pr\u00e4sentisch empfangen, erlangt, ererbt oder besessen werden kann, die aber erst im Eschaton sichtbar werden wird\u201c (243) hindeuten. So pl\u00e4diert G\u00e4ckle auch daf\u00fcr, dass nur an wenigen neutestamentlichen Stellen eine \u00dcbersetzung mit \u201eK\u00f6nigsherrschaft Gottes\u201c sinnvoll sei. Der Begriff sei viel eher \u201ein einem spatialen Sinn als ein [\u2026] futuristische[r] Ort des Heils und [an] einige wenige im Sinne einer futuristischen Zeit des Heils\u201c (251) zu deuten. Damit wird ein Gegenentwurf zur derzeitigen theologischen Mehrheitsmeinung pr\u00e4sentiert. Dass G\u00e4ckle damit auch \u201esozialpolitische und gesellschafts\u00adtransformatorische Programme\u201c (252) kritisiert, mag nicht jedem Leser schmecken. So ist das Werk in jeder Hinsicht eine Streitschrift, die bei dieser bis hin in die Gemeindepraxis relevanten Fragestellung zu vielf\u00e4ltigen weiteren Diskussionen herausfordert. Es bleiben einige offene Fragen, die \u2013 wie etwa die weitere Rezeptionsgeschichte \u2013 allerdings den Rahmen des Buches in dieser Form wohl gesprengt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk ist sprachlich zug\u00e4nglich, auch wenn es sich definitiv an Fachkundige und nur am Rande an interessierte Laien richtet. Der systematische Aufbau folgt G\u00e4ckles Argumentationslinie, ein Literaturverzeichnis, ein Autorenregister und ein Stellenregister in Auswahl runden das Werk ab.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Jens D\u00f6rpinghaus, University of Pretoria, Faculty of Theology and Religion, Hatfield, Pretoria, South Africa<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volker G\u00e4ckle: Das Reich Gottes im Neuen Testament, BTS 176, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2018, kt., 304&nbsp;S., \u20ac&nbsp;39,\u2013, ISBN 978-3-7887-3296-7<\/p>\n","protected":false},"author":103,"featured_media":1510,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1509","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1509","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/103"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1509"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1509\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1587,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1509\/revisions\/1587"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1510"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1509"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1509"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1509"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}