{"id":1524,"date":"2022-04-27T14:59:08","date_gmt":"2022-04-27T14:59:08","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1524"},"modified":"2022-04-27T15:01:15","modified_gmt":"2022-04-27T15:01:15","slug":"sophia-niepert-rumel-metaphernkombinationen-in-der-neutestamentlichen-red","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1524","title":{"rendered":"Sophia Niepert-Rumel: Metaphernkombinationen in der neutestamentlichen Red"},"content":{"rendered":"\n<p>Sophia Niepert-Rumel<em>: Metaphernkombinationen in der neutestamentlichen Rede vom Tod Jesu<\/em>, WUNT II\/563, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2021, Br., 704&nbsp;S., \u20ac&nbsp;134,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/metaphernkombinationen-in-der-neutestamentlichen-rede-vom-tod-jesu-9783161600357\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/metaphernkombinationen-in-der-neutestamentlichen-rede-vom-tod-jesu-9783161600357\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">978-3-16-160035-7<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine interessante und umfangreiche Arbeit! Niepert-Rumel legt ihre an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Kulturwissenschaften 2020 in Paderborn eingereichte Diss. vor. Der erste Hauptteil der Arbeit (15\u2013262) widmet sich ausf\u00fchrlich metapherntheoretischen \u00dcberlegungen (Kp.&nbsp;1, 17\u2013145) und legt ausf\u00fchrlich Grundz\u00fcge metapherntheoretischer Ans\u00e4tze von der Antike bis heute dar (20\u201386; tabellarische \u00dcbersicht 82\u201385). Neben quellennahen Darstellungen der Aussagen von Aristoteles, Cicero und Quintilian zu Metaphern (M.), werden die gegenw\u00e4rtigen Ans\u00e4tze vorgestellt: Die Substitutionstheorie, die Vergleichstheorie, Andrew Goatlys Ansatz (Genre-Relevance, Graded-Risk Approach to Metaphorical Scalarity), die Interaktionstheorie (I.&nbsp;A. Richards und Max Black), die Verbal-opposition-Theorie (Monroe Beardley), die Conceptual Theory (John Lakoff \/ Mark Johnson), die Blending Theory (Gilles Fauconnier, Mark Turner und deren Sch\u00fcler), die Class-Inclusion-Theorie (Sam Glucksberg \/ Matthew McGlone, beide Psychologen) und die M. in der pragmatischen Sprechakttheorie (John Searle, Donald Davidson). Die Ans\u00e4tze werden vorbildlich ausgewogen und differenziert beurteilt. \u2013 Die terminologische Kl\u00e4rung der Bestandteile einer M. (87\u201388) ergibt, dass unter den diversen Vorschl\u00e4gen die Bezeichnung <em>topic<\/em> (das Zielkonzept, das Eigentliche), <em>vehicle<\/em> (das, was das Gemeinte transportiert, das Bildspendende) und <em>ground<\/em> (das, was <em>topic<\/em> und <em>vehicle<\/em> gemeinsam ist) f\u00fcr die drei Grundbestandteile jeder M. sinnvoll ist. \u2013 Eine wichtige Erkenntnis neuerer Sprachforschung (89\u201396) ist: M. sind ein integraler Bestandteil der Sprache. Die trennscharfe Unterscheidung zwischen w\u00f6rtlichem und metaphorischem Sprachgebrauch muss daher hinterfragt werden. Und f\u00fcr das Erkennen von M. gilt, dass es kein auf alle F\u00e4lle zutreffendes Kriterium daf\u00fcr gibt. \u2013 Niepert-Rumel bespricht (97\u2013125) daher ausf\u00fchrlich elf sprachliche Ph\u00e4nomene, die in einem engeren oder weiteren Verh\u00e4ltnis zur M. stehen: Tropus (allg. f\u00fcr Stilmittel), Vergleich, Metonymie und Synekdoche, Allegorie, Analogie, Symbol, Gleichnis und Parabel, R\u00e4tsel, Oxymoron, Personifikation und Katachrese. Dabei wird deutlich, dass z.&nbsp;B. Vergleich und auch Metonymie eine gewisse N\u00e4he oder z.&nbsp;T. \u00fcberschneidende Funktionen mit der M. haben. \u2013 Erkl\u00e4rend besprochen werden sodann (126\u2013132) die vier g\u00e4ngigsten Klassifizierungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr M., n\u00e4mlich \u201enach Wortarten\u201c (v.&nbsp;a. nominale: X ist Y, aber auch Verb- und Adjektivmetaphern), nach Konventionalit\u00e4tsgrad (tote, schlafende und lebendige M.), nach <em>grounds<\/em> (genannt\/nicht genannt; Assoziationsn\u00e4he: notwendig, erwartet, m\u00f6glich; vor\/nach <em>vehicle<\/em>; bildhaft, strukturhaft, textlich) und die Einteilung in explizite und implizite M. \u2013 M. k\u00f6nnen markiert oder signalisiert werden durch direkte Aussagen (z.&nbsp;B. \u201esozusagen\u2026\u201c), mit Hilfe von Intensivierern (z.&nbsp;B. \u201etats\u00e4chlich\u201c), Absicherungen (z.&nbsp;B. \u201ein gewisser Weise\u201c) oder semantischer Metasprache (z.&nbsp;B. \u201ein beiden Bedeutungen\u201c). Niepert-Rumel schlie\u00dft sich hier und auch bei der Frage nach den kommunikativen Funktionen und Auswirkungen von M. den Arbeiten von Goatly an (er ordnet den drei Metafunktionen \u201eideell\u201c, \u201einterpersonal\u201c und \u201etextlich\u201c dreizehn verschiedene Funktionen zu). \u2013 In dem (zu?) knappen Abschnitt \u00fcber \u201eMetapher und Wirklichkeit\u201c (138\u2013141) weist die Autorin auf die in der Philosophie kontrovers diskutierte Frage nach dem Verh\u00e4ltnis von Sprache und Wirklichkeit\/Wahrheit hin und meint zu Recht, dass eine v\u00f6llige Skepsis gegen\u00fcber M. als \u201euneigentliche Rede\u201c nicht angebracht ist. Gegen\u00fcber konstruktivistischen Ans\u00e4tzen weist sie auf das Verst\u00e4ndnis von Ricoeur (mit N\u00e4he zu Husserl und Heidegger) mit seinen unterschiedlichen Ebenen von Wirklichkeit hin. \u2013 Den Ertrag f\u00fcr das eigene Metaphernverst\u00e4ndnis (142\u2013145) erhebt die Autorin sorgf\u00e4ltig aus dem bisher Dargelegten und sieht dabei in mehreren M.-theorien Erkenntnisse, die \u00fcbernommen werden sollen. Sie fasst diesen Ertrag mit dem bewusst spannungsvollen Slogan \u201eWiderspruch und \u00c4hnlichkeit\u201c zusammen. Es ist gerade die zuerst wahrgenommene Spannung und Widerspr\u00fcchlichkeit einer M., die den Rezipierenden anh\u00e4lt, \u00c4hnlichkeiten und Verbindungen zu suchen und herzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Arbeit insbesondere an der <em>Kombination<\/em> von M. interessiert ist, werden im zweiten Abschnitt des ersten Hauptteils (Kp.&nbsp;2, 146\u2013262) die Grundlagen f\u00fcr das Ph\u00e4nomen der Metaphernkombination gelegt und die Autorin begr\u00fcndet ihre These, \u201edass Hybridit\u00e4t ein Grundcharakteristikum jeder Metapher darstellt und dass somit Metaphernkombinationen als Potenzierung von Metaphorizit\u00e4t gesehen werden m\u00fcssen\u201c (146). \u2013 Dabei werden zuerst (146\u2013158) die drei m\u00f6glichen Begriffe\/Konzepte der \u201eMischung\u201c, \u201eHybrid\/Hybridit\u00e4t\u201c und \u201eKombination\u201c beleuchtet und auf ihre Tauglichkeit f\u00fcr den Kontext des Sprachph\u00e4nomens M. gepr\u00fcft und die Bevorzugung des Ausdrucks \u201eKombination\u201c begr\u00fcndet (neutraler konnotiert; weiter gefasst; das Wie der Interaktion nicht festgelegt). \u2013 Da das Ph\u00e4nomen der Kombination in der Metapherntheorie unterschiedlich stark eine Rolle spielte, wird die Theoriegeschichte und der Forschungsstand ausf\u00fchrlich referiert (159\u2013260). Besonders ausf\u00fchrlich (164\u2013196) und kenntnisreich wird dabei das Aufkommen des Begriffs \u201emixed metaphor\u201c im 18. Jh. in Gro\u00dfbritannien (gef\u00f6rdert durch die Rhetorik des Scottish Enlightenments) dargestellt. Interessanterweise haben die gegenw\u00e4rtigen Metapherntheorien erstaunlich wenig \u2013 und wenn, dann meist Negatives \u2013 zur Metaphernkombination zu sagen. Einzig die Conceptual Theory (Lakoff\/Johnson) misst ihr (v.&nbsp;a. f\u00fcr konventionalisierte M.) gr\u00f6ssere Bedeutung zu und hat die positive Bewertung z.&nbsp;B. auch in der Blending Theory und in neueren Arbeiten (Gibbs 2016, Sullivan 2019) gef\u00f6rdert. Entstanden sind dadurch auch neuere (englische) Begriffe wie Mixaphor, Blendaphor und Malaphor, die allerdings zu wenig pr\u00e4zise gefasst sind, um im akademischen Diskurs brauchbar zu sein. \u2013 Niepert-Rumel h\u00e4lt aus dem Bisherigen fest: \u201eJede Metapher ist hybrid, obwohl dies den meisten Menschen im Alltag [\u2026] nicht bewusst ist.\u201c \u201eMetaphern\u00advermischungen machen also nichts Anderes als Metaphern selbst, nur auf einer anderen Ebene. Man kann sie somit als Potenzierung von Metaphorizit\u00e4t sehen.\u201c (234) \u2013 \u00c4hnlich wie beim Ph\u00e4nomen der M. ist auch die Kombination von M. in einem Text nicht isoliert vorhanden, sondern meist mit anderen sprachlichen Ph\u00e4nomenen verbunden, insbesondere mit dem Metarison (M. und Comparison\/Vergleich) und der Metaphtonomy (M. und Metonymie). \u2013 Schlie\u00dflich (242\u2013252) lassen sich Metaphern\u00adkombinationen in mindestens neun Arten von Kombinationen einteilen: Wiederholung, Modifikation (ein Topic mit versch. Vehicles, die lexikalisch\/semantisch nahe), Diversifikation (ein Topic mit versch. Vehicles aus unterschiedlichen semantischen Feldern), Multivalenz (mehrere Topics mit demselben Vehicle verbunden), Erweiterung (entspricht Allegorie), Vermischung, Inkonsistenz (mehrere M. mit demselben Topic mit versch. Vehicles kombiniert, die aus einem semantischen Feld), Topic-Vehicle-\u00dcbertragung (ein Topic einer M. wird zum Vehicle einer anderen), Vehicle-Topic-\u00dcbertragung (ein Vehicle einer M. wird zum Topic einer anderen). Diese Arten von Metaphernkombinationen werden in einer Tabelle (254\u2013257) \u00fcbersichtlich mit einer Definition, m\u00f6glichen Unterkategorien, den semantischen Verbindungen zwischen den Topics und den Vehicles (notwendig, m\u00f6glich, nicht gegeben), einem Stichwort zur syntaktischen Verbindung der Einzelmetaphern, einem stichwortartigen \u201eSchaubild\u201c und je einem Beispiel aus dem NT (inhaltlich nicht mit dem Tod Jesu zusammenh\u00e4ngend) dargestellt. Ein praxisorientierter Fragenkatalog (258\u2013261) je f\u00fcr die Analyse von Einzelmetaphern und Metaphernkombinationen (in Anlehnung an Ruben Zimmermann) schlie\u00dft den methodischen Teil des Buches ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Hauptteil (263\u2013695), \u201eNeutestamentliche Aktualisierung\u201c, besteht wie der erste aus zwei Hauptkapiteln. In dem ersten (Kp.&nbsp;3, 265\u2013468) werden die \u201eArten der Rede vom Tod Jesu im Neuen Testament\u201c in sechs Unterabschnitten geb\u00fcndelt. Und zwar, indem mit sechs unterschiedlichen Fragestellungen jeweils das ganze NT befragt und die Antworten fast enzyklop\u00e4disch angef\u00fchrt werden: In welchen Gattungen\/Genres finden sich Aussagen \u00fcber den Tod Jesu (269\u2013276)? Antwort: In allen. Wer erz\u00e4hlt oder deutet den Tod von Jesus (277\u2013285)? Antwort: Gegner, Jesus selbst, Joh. der T\u00e4ufer, Kajafas, die Evangelisten, Petrus, Paulus, Festus, Propheten des AT. Welche (AT)Zitate und Traditionen werden zur Beschreibung und Deutung des Todes von Jesus im NT aufgenommen (286\u2013311)? Antwort: v.&nbsp;a. Tora (und da v.&nbsp;a. Lev 16, Bundesschluss) Psalter (118,22; 22; 8,5\u20137; 110,4; 40,7\u20139; 130), Propheten (insbesondere Jes 53 und Bundeserneuerung Jer 31)). Welche Akzente setzen die direkten Aussagen vom Tod Jesu (mit den Begriffen Tod\/t\u00f6ten, sterben, Kreuz\/kreuzigen), welche die indirekten Sprachformen (v.&nbsp;a. Begriffe Blut, Kreuz, Leiden, (sich) Hingeben) (312\u2013348)? Antwort: Ein heterogenes Bild, die indirekte Sprechweise \u00fcberwiegt, bei Paulus ist der gewaltsame Tod weniger im Vordergrund, spez. bei Joh ist die Rede von der \u201eErh\u00f6hung\u201c. Welche Deutungen des Todes Jesu werden gegeben (349\u2013415)? Antwort: Einerseits wird die \u201eZwangsl\u00e4ufigkeit\u201c seines Todes auf verschiedene Weise betont (Verweis auf Prophezeiungen; die \u201ees muss\u2026\u201c und \u00e4hnliche Wendungen; Erf\u00fcllung von Schrift\/Prophetie; Prophetenschicksal; u.&nbsp;a.). An Deutungen im Sinne der \u201eFunktion\u201c des Todes Jesu findet Niepert-Rumel acht Funktionsdeutungen mit entsprechenden Formulierungen und Begriffen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>\u201ef\u00fcr\u201c (\u1f51\u03c0\u03ad\u03c1, \u03c0\u03b5\u03c1\u03af + Gen., \u1f00\u03bd\u03c4\u03af, \u03b4\u03b9\u03ac) mit Personenbezeichnung<\/li><li>\u201ef\u00fcr (\u1f51\u03c0\u03ad\u03c1, \u03c0\u03b5\u03c1\u03af) S\u00fcnden\u201c, inkl. Ausdr\u00fccke zur Tilgung von S\u00fcnden<\/li><li>Vers\u00f6hnung \u2013 Vergebung \u2013 S\u00fchne<\/li><li>Befreiung<\/li><li>Mitvollzug\/Partizipation<\/li><li>Vorbildhaftigkeit<\/li><li>Heiligung<\/li><li>Offenbarung der Liebe Gottes<\/li><li>Andere (Kindschaft\/Erbschaft; Verpflichtung 2Kor 5,14; neuer Bund; Kontrastschema; Vorreiterrolle Joh 14,1\u20137 u.\u00a0a.; gerecht gesprochen R\u00f6m 5,9 u.\u00a0a.; Vers\u00f6hnung untereinander; Einmaligkeit und Endg\u00fcltigkeit; umgekehrter Mitvollzug Hebr 2,10\u201318 u.\u00a0a.)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Welches metaphorische Sprechen vom Tod Jesu finden wir im NT (416\u2013464)? Antwort: Es gibt (neben 1Petr 1,2 und Hebr 6,6) v.&nbsp;a. zwei m. Aussagen, in denen der Tod Jesu den Hintergrund f\u00fcr den Vehicle-Ausdruck bildet: Die Abendmahleinsetzung (Leib\/Blut sind darin Vehicle und meinen den Tod von Jesus) und die M. die vom Mitvollzug des Todes Jesu durch die Gl\u00e4ubigen sprechen (v.&nbsp;a. R\u00f6m 6,11; Eph 2,1.5; Kol 2,13 \u201etot\/Tote\u201c (der S\u00fcnde\/in \u00dcbertretungen etc.) ist dabei Vehicle-Ausdruck; und die vielen Verbalmetaphern zum Mitvollzug des Todes (R\u00f6m 6,2.4.6.8; 7,4.6; 8,17; Gal 2,19a.b; Kol 2,12.20; 3,3; 2Tim 2,11; 1Petr 2,24b, die Verben sind dabei die Vehicle-Ausdr\u00fccke); s. auch Gal 6,14; Eph 2,16; Kol 2,14; 1Petr 2,24a).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den M. mit Jesu Tod als Topic (und verschiedenen Vehicles, die diesen erkl\u00e4ren und bildhaft darstellen) gilt es zu beachten, dass diese selten in \u201ereiner\u201c Form vorkommen (z.&nbsp;B. \u201eJesu Tod ist ein kultisches Opfer\u201c), sondern gewisse konzeptuelle M. (Lakoff\/Johnson) werden unterschiedlich ausgedr\u00fcckt und oft nur indirekt evoziert. Ohne genauere Begr\u00fcndung fasst Niepert-Rumel die vielen M. in drei konzeptuelle M. zusammen und nennt danach noch einige Einzelmetaphern, die hier hergeh\u00f6ren. Die drei sind:<\/p>\n\n\n\n<p>Jesu Tod ist ein Los- bzw. Freikauf (z.&nbsp;B. aus Sklaverei, Gefangenschaft) (433\u2013441) mit Verweis auf folgende Stellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>L\u00f6segeld: Mk 10,45 und 1Tim 2,6; s. in Kombination auch in Tit 2,14; 1Petr 1,18f<\/li><li>erkaufen, herauskaufen: 1Kor 6,20; 7,23; Gal 3,13; 4,5; 2Petr 2,1; Offb 5,9; 14,3.4<\/li><li>Erl\u00f6sung?\/Freikauf, Ausl\u00f6sung: R\u00f6m 3,24; Kol 1,14; Eph 1,7; Hebr 9,12.15<\/li><li>Offb 1,5b der uns Loskaufende\/Erl\u00f6sende<\/li><li>Hebr 2,15 \u201ebefreit die, die \u2026 das ganze Leben lang in Sklaverei gebunden waren\u201c<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Jesu Tod ist ein kultisches Opfer (442\u2013450) mit Verweis auf folgende Stellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eph 5,2 \u201esich selbst \u2026 hingegeben als \u2026 Opfer\u201c<\/li><li>1Kor 5,7b (Passalamm); R\u00f6m 3,25 (S\u00fchne\/Kapporet durch Glauben in seinem Blut); 1Petr 1,2.19 (Besprengung mit Blut; \u201eBlut \u2026eines untadeligen und unbefleckten Lammes\u201c); 1Joh 2,2; 4,10 (\u1f31\u03bb\u03b1\u03c3\u03bc\u03cc\u03c2); Offb 5,6.9.12; 13,8 (Lamm; geschlachtet); Hebr 5,7; 7,27; 8,3; 9,14.25.28; 10,12 ([sich] darbringen; [S\u00fcnd-]\u200cOpfer)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Jesu Tod ist eine Reinigung (451\u2013456) mit Verweis auf folgende Stellen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>reinigen: Eph 5,26; Tit 2,14; 1Joh 1,7; Hebr 9,14(.22)<\/li><li>Reinigung: 2Petr 1,9; Hebr 1,3<\/li><li>rein: Hebr 10,22<\/li><li>waschen: Offb 7,14<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Ein Schlussabschnitt z\u00e4hlt eine ganze Reihe sonstiger M. mit Jesu Tod als Topic (Jesu Tod konstituiert einen neuen Bund (Abendmahlsworte; Hebr 9,15\u201322; 10,29; 12,24; 13,20); Gott\/Jesus als Hirte und der Tod Jesu Mk 14,27; Joh 10,11\u201318; Hebr 13,20, sowie Jesus als Lamm Joh 1,29.36; Offb 5,6.9f.12; 7,14; 12,11; 13,8; Vorhang-Metaphorik Hebr 6,19f; 10,19f; Schmecken des Todes Hebr 2,9; Schl\u00fcssel-Metaphorik Offb 1,18) auf und nennt Gleichnisse und Beispielgeschichten (Mk 12,1\u20139par. gewaltsame T\u00f6tung des Sohnes; Mk 2,19par. Fortnehmen des Br\u00e4utigams; Mk 14,27 Schlagen des Hirten; Joh 12,35 Licht nur noch kurze Zeit; Joh 14,1\u20137 Fortgehen; Joh 12,24 sterbendes Weizenkorn; Joh 2,18\u201322 Tempelzerst\u00f6rung und Jesu Tod; Mt 12,40 drei Tage im Herz der Erde; Eph 4,9 Hinabsteigen in die Tiefen der Erde; Apg 2,24 aus den Wehen des Todes befreit) sowie Einzelformulierungen (Passa 1Kor 5,7; Fluch Gal 3,13; zur S\u00fcnde gemacht 2Kor 5,21; tragen den Tod Jesu am Leib umher 2Kor 4,10; Erstgeborener aus den Toten Kol 1,18; Offb 1,5). \u2013 Einerseits erscheint die Aufz\u00e4hlung beinahe vollz\u00e4hlig und andererseits wird nicht klar oder verst\u00e4ndlich, warum hier eine theologiegeschichtlich so bedeutsame konzeptuelle Metapher wie Jesu Tod ist ein Sieg \u00fcber die b\u00f6sen M\u00e4chte (S\u00fcnde, Tod, Teufel) fehlt (s. Kol 2; 1Joh etc.)?<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche inhaltliche Engf\u00fchrung weist auch das letzte gro\u00dfe Kp.&nbsp;4 zu den ntl. Metaphernkombinationen mit Bezug zum Tod Jesu auf. Nach einem einf\u00fchrenden Unterkapitel zu \u201eKombinationen von M. mit anderen sprachlichen Ph\u00e4nomenen\u201c (475\u2013482), werden im Abschnitt \u201eArten von Metaphernkombinationen\u201c (482\u2013690) die im NT vorkommenden M.-kombinationen geordnet nach den oben vorgestellten unterschiedlichen (sechs Haupt-)Arten der Kombination n\u00e4her erkl\u00e4rt und an mindestens einem Bsp. illustriert: Wiederholung (Bsp. R\u00f6m&nbsp;6,1\u201311) und Modifikation (Bsp. Eph&nbsp;5,2); Diversifikation (Bsp. Mk&nbsp;12,1\u201312); Multivalenz (Bsp. Hebr 5,7; 13,15f + \u03c0\u03c1\u03bf\u03c3\u03c6\u03ad\u03c1\u03c9-Aussagen im Hebr); Erweiterte M. (Bsp. 1Petr 2,4\u20138); M.-vermischung (Bsp. 1Petr 1,18f ) und -inkonsistenz (Bsp. Hebr 10,19f; Grenzfall R\u00f6m 3,24f) und Topic-Vehicle und Vehicle-Topic-\u00dcbertragung (Bsp. synopt. Kelchmetaphern). Eine kurze \u201eZusammenfassung und theologische Reflexion\u201c schlie\u00dft dieses Kp.&nbsp;4 ab und ein praktisch ebenso kurzes (6&nbsp;Seiten) \u201eFazit und Ausblick\u201c schlie\u00dft das umfangreiche Werk auf S.&nbsp;704 ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Schlussseiten sind irgendwie sprechend f\u00fcr die gesamte Arbeit. Die Autorin selbst meint zum Wert ihrer Arbeit, in ihr w\u00fcrden \u201eauf theoretisch fundierte Weise verschiedene Arten der Metaphernkombination mit Bezug zum Tod Jesu kategorisiert, umfangreich dargestellt und in ihrer Funktion gedeutet\u201c (12). Dieses Vorhaben wird vollauf erf\u00fcllt, denn Teil&nbsp;1 zu M. und deren Kombination ist vorbildlich \u201etheoretisch fundiert\u201c und Teil&nbsp;2 stellt praktisch alle themenrelevanten Texte des NT \u201eumfangreich\u201c dar. Die Funktionen der M.-kombinationen werden akribisch gedeutet und doch bleibt sachlich-inhaltlich am Ende tats\u00e4chlich \u201enicht viel zu sagen\u201c. Niepert-Rumel beansprucht lediglich, etwas zur \u201e<em>Rede von<\/em>\u201c dem Tod Jesu zu sagen, nicht etwa \u201ezur Sache\u201c oder gar zu der in den Deutungen des Kreuzestodes verwiesenen \u201eRealit\u00e4t\u201c. Allerdings \u00fcberschreibt sie die Zusammenfassung des Kp.&nbsp;4 auch mit \u201e\u2026und theologische Reflexion\u201c. Diese (theologische?) Reflexion besteht aber einzig in der Erkenntnis, dass die \u201eVerwendung multipler Metaphern \u2026 dazu [diente], sich auf keine Interpretation festzulegen, sondern darzulegen, dass keine Deutung den Kern der Sache richtig treffen kann.\u201c Und daher solle auch heute beim Sprechen \u00fcber den Tod von Jesus \u201evermieden werden, dass eine Metapher eine Art Monopolstellung einnimmt.\u201c Auch wenn es nicht darum geht, den Tod Jesu als abstraktes Geschehen zu beschreiben, so wollen die Texte \u201ezeigen, was dieser im Leben der Gl\u00e4ubigen bewirken kann.\u201c (695). Was hei\u00dft das? Kann man mit diesem Schlusssatz den Pfarrer in seine Predigtvorbereitung f\u00fcr Karfreitag entlassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich meine, dass auch im Rahmen einer sprachwissenschaftlichen Arbeit mehr zu sagen gewesen w\u00e4re zur in M. gekleideten Rede vom Tod von Jesus. Dazu m\u00fcssen zwei Hinweise gen\u00fcgen: Die Fokussierung auf das Sprachph\u00e4nomen M. verengt den Blick und es fehlt die Integration von m.&nbsp;E. f\u00fcr das Verstehen von M. wichtigen sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen. Entscheidend f\u00fcr ein m\u00f6glicherweise sogar koh\u00e4rentes \u201eVerstehen\u201c des mit unterschiedlichen M. beschriebenen und gedeuteten Geschehens des Todes von Jesus w\u00e4re eine vertiefte Auseinandersetzung mit Intertextualit\u00e4t (Aussagen dazu (305ff) st\u00fctzen sich auf Vielhauer (1980) ab! Es fehlen die Forschung und Erkenntnisse seit R. Hays), mit den Erkenntnissen der Framesemantik (Bedeutung von sprachlichen Ausdr\u00fccken in Bezug zum Weltwissen der Sprecher) und mit dem Ph\u00e4nomen der Isotopie (Textverkn\u00fcpfungen unter semantischen Gesichtspunkten). Und zweitens f\u00fchrt das Weglassen historischer Fragestellungen oder auch die \u00dcbernahme einiger historisch-kritischer Urteile zur historischen Unzuverl\u00e4ssigkeit ntl. Aussagen zur Ausblendung von Verstehenshinweisen, die f\u00fcr die Bedeutung der M. in der \u201eRede vom Tod Jesu\u201c wichtig w\u00e4ren. Als Beispiel nenne ich die Marginalisierung des Passas und Exodus (sei atl. unhistorisch; ohne Opferthematik; s. 323, 345, 442f, 460f u.&nbsp;a.) und die Nichterw\u00e4hnung des Kreuzestitulus mit einer (menschlich-historisch-politischen) \u201eDeutung\u201c des Todes von Jesus durch seine \u201eGegner\u201c oder des Berichts von der Freilassung eines Schuldigen (Barrabas) anstelle des Unschuldigen (Mt 27,15ffpar). Durch die fast ausschlie\u00dfliche Fokussierung auf das Sprachph\u00e4nomen M. entfallen spannende Fragen der Narrativit\u00e4t der Texte, die erst durch den Versuch einer zeitlich-historischen Einordnung der Texte zum Vorschein kommen: Wie hat Jesus seinen Tod selbst gedeutet und dabei M. benutzt? Welche Bedeutung hat das leere Grab f\u00fcr die Deutung des Todes von Jesus? Selbstverst\u00e4ndlich sind dabei die Evangelienberichte \u2013 Apostelgeschichte \u2013 Briefe als unterschiedliche Etappen des Deutungsprozesses der ersten Christen zu lesen. Die Aussagen in Lk 24,27 (Jesus \u201elegte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war\u201c) und 1Kor 15,3 (\u201eChristus gestorben ist \u2026 nach der Schrift\u201c) sind Hinweise, dass auch die den Tod von Jesus deutenden M. in erster Linie auf dem atl.-j\u00fcd. Hintergrund \u2013 insbesondere Passa, Vers\u00f6hnungstag und Jes&nbsp;53 \u2013 verstanden werden muss (s.&nbsp;dazu z.&nbsp;B. N.&nbsp;T. Wright, <em>The Day the Revolution Began: Reconsidering the Meaning of Jesus\u2019s Crucifixion<\/em>, 2016). \u2013 Diese Hinweise schm\u00e4lern allerdings in keiner Weise die f\u00fcr jeden Exegeten wichtige und \u00fcberaus hilfreiche und fundierte Darstellung des Ph\u00e4nomens der M. und deren komplexes Vorkommen als M.-kombinationen in den biblischen Texten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfr. Dr. J\u00fcrg Buchegger-M\u00fcller<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sophia Niepert-Rumel: Metaphernkombinationen in der neutestamentlichen Rede vom Tod Jesu, WUNT II\/563, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2021, Br., 704&nbsp;S., \u20ac&nbsp;134,\u2013, ISBN<\/p>\n","protected":false},"author":62,"featured_media":1525,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1524","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/62"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1524"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1524\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1527,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1524\/revisions\/1527"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}