{"id":1623,"date":"2022-10-22T13:29:21","date_gmt":"2022-10-22T13:29:21","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1623"},"modified":"2022-10-22T13:29:23","modified_gmt":"2022-10-22T13:29:23","slug":"joerg-jeremias-habakuk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=1623","title":{"rendered":"J\u00f6rg Jeremias: Habakuk"},"content":{"rendered":"\n<p>J\u00f6rg Jeremias: <em>Habakuk<\/em>, BKAT, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2022, geb., 279\u00a0S. \u20ac 75,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/systematische-theologie-religionsphilosophie\/57624\/habakuk\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/systematische-theologie-religionsphilosophie\/57624\/habakuk\">978-3-525-50360-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>In seinem Kommentar in der Reihe <em>Biblischer Kommentar zum Alten Testament<\/em> untersucht J\u00f6rg Jeremias, emeritierter Professor f\u00fcr Altes Testament an der Universit\u00e4t Marburg, die Botschaft und Hintergr\u00fcnde des Buches Habakuk.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeremias zeigt eine Entwicklung auf von einem klagenden Vorwurf des Propheten, dass Gott seinem Volk Hilfe verweigert, hin zu Gottes Verhei\u00dfung, seinem Volk zu helfen. Mithilfe des autobiografischen Stils des Buches wird Habakuk als Vorbild im fragenden Beten und vertrauensvollen Warten auf Gottes Sieg \u00fcber die \u201eFrevler\u201c dargestellt. Wertvoll f\u00fcr die Entwicklung dieser Botschaft ist Jeremias Blick auf den formalen Aufbau des Buches, der auch die Wirkung impliziter Merkmale f\u00fcr die Deutung einzelner Textelemente in ihrer Stellung zueinander besonders ber\u00fccksichtigt (so beispielsweise bei der Deutung der Gottesrede in Hab 1,5\u201311).<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentlichen Untersuchung geht in einer Einleitung die Frage nach Entstehung und Integrit\u00e4t des Buches voraus. Hier gibt Jeremias zun\u00e4chst einen kompakten wie erhellenden Forschungs\u00fcberblick. Er bedauert den Graben zwischen der deutschsprachigen redaktionsgeschichtlichen Forschung und der eher synchronen Herangehensweise im angels\u00e4chsischen Raum. Sein eigener Ansatz ist bem\u00fcht, die konzeptionelle Einheit des Buches zu ber\u00fccksichtigen, ohne voreilig Spannungen zu gl\u00e4tten. Dies schlie\u00dfe aber eine literarische Schichtung und redaktionelle \u00dcberarbeitung des Materials nicht aus. Das Buch enthalte zwar \u00e4ltere Teile, m\u00fcsse aber im Wesentlichen in die exilisch-nachexilische Zeit verortet werden. Jeremias geht von zwei Hauptschichten im Buch Habakuk aus, deren Abgrenzung vor allem an inhaltlichen Aspekten festgemacht wird: Die \u00e4ltere Schicht thematisiere innerj\u00fcdische Ungerechtigkeiten und verstehe unter den im Buch zentralen \u201eFrevlern\u201c Einzelne aus der j\u00fcdischen Oberschicht. Die Grundschicht umfasse Habakuks Klage (1,2\u201313), Gottes Antwort (2,2\u20135) und die Weheworte (2,6\u201317*). Die j\u00fcngere Schicht beziehe sich hingegen auf die Unterdr\u00fcckung durch fremde Weltm\u00e4chte (besonders Babylon) und umfasse 1,14\u201317 und 2,5b\u03b2\u20136a\u03b1. Jeremias sieht aber auch noch sp\u00e4tere \u00dcberarbeitungen angedeutet, auch wenn sich die hierf\u00fcr angef\u00fchrten Verse (z.&nbsp;B. 2,18\u201320 und 2,14 mit 3,3b, s. S. 21, 24, 33) nicht zwingend einem hellenistischen Einfluss verdanken. Hier ist kritisch anzumerken, dass die Thematik des G\u00f6tzendienstes schon eher eine Rolle spielte und f\u00fcr eine nachtr\u00e4gliche Redaktion die Hoffnung auf den Untergang der Weltmacht doch recht allgemein gehalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Kap.&nbsp;1 k\u00f6nne entweder insgesamt eine Klage des Propheten sein, auf die in Kap.&nbsp;2 die Antwort Gottes folgt. Oder es handele sich um zwei Klagen (1,2\u20134 und 1,12\u201317) mit zwei Antworten Gottes (1,5\u201311 und 2,2\u201319). Jeremias entscheidet sich f\u00fcr ersteres, da Gottes Antwort in 1,5\u201311 flie\u00dfend in die Klage des Propheten integriert sei. Nach Auffassung des Rezensenten ist im Endtext ein zweifacher Rednerwechsel durch den Subjektwechsel naheliegender. Der dialogische Stil unterst\u00fctzt die theologische Entwicklung im Buch, die in der Theodizee ihren Ausgangspunkt nimmt und allm\u00e4hlich zum Vertrauen durchdringt und dem Leser einen Perspektivwechsel nachvollziehbar macht. Hab 3 wird von Jeremias nicht als urspr\u00fcnglich unabh\u00e4ngiger Psalm verstanden, sondern sei in einer Sp\u00e4tphase \u201ef\u00fcr das Buch Habakuk verfasst\u201c (23). Vor allem die Erg\u00e4nzung von 3,17\u201319 habe die sp\u00e4tere Entwicklung zu einem eigenst\u00e4ndigen Psalm erm\u00f6glicht. Das Buch umfasse einen Zeitraum vom Ende des 7. Jahrhunderts bis in die hellenistische Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in der Einzelexegese nehmen Fragen der Integrit\u00e4t und Datierung eine bedeutende Rolle bei der Kommentierung der Verse ein. Getroffene Vorannahmen geben, auch wenn Jeremias um eine vom Inhalt bestimmte Auslegung bem\u00fcht ist, an der ein oder anderen Stelle den grundlegenden Ton f\u00fcr seine exegetische Analyse an.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Vorgaben der Reihe folgend, bietet der eigentliche Kommentarteil zun\u00e4chst jeweils eine Auflistung wichtiger Literatur und Beobachtungen zu Textkritik, Form und Ort des jeweiligen Abschnitts, bevor im Rahmen der Einzelexegese grammatikalische und sprachliche Ph\u00e4nomene, aber auch Metrik und Versma\u00df untersucht werden. Parallelstellen werden h\u00e4ufig in die Analyse einbezogen, teils gr\u00f6\u00dfere Abschnitte aus anderen Prophetenb\u00fcchern, teils auch zur Kl\u00e4rung eines Ausdrucks (s. die Parallelen beim dritten Weheruf, 168\u2013172). Eine abschlie\u00dfende Synthese (\u201eZiel\u201c) jedes Abschnitts legt noch einmal seine Bedeutung im Buchganzen dar.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus der F\u00fclle an wertvollen exegetischen Beobachtungen und theologischen Ertr\u00e4gen kann nur einiges angedeutet werden. In dem schwierigen Vers 1,11 sieht Jeremias den \u00e4ltesten Textsinn im Sinne von Schnelligkeit in Qumran und Na\u1e25al \u1e24ever bewahrt, w\u00e4hrend der MT durch das\u05d5\u05b0\u05d0\u05b8\u05e9\u05b5\u05c1\u05dd &nbsp;\u201eer l\u00e4dt Schuld auf sich\u201c zu einer theologischen Umdeutung komme (85). Zu 2,4 erkl\u00e4rt Jeremias, dass durch die ungew\u00f6hnlichen Begriffe \u201edas Besondere und Exzessive der genannten Verhaltensweisen hervorgehoben werden\u201c solle. Die \u05d0\u05b1\u05de\u05d5\u05bc\u05e0\u05b8\u05d4 \u201eTreue\u201c sei entsprechend dem Kontext als \u201eFesthalten an Gottes Verhei\u00dfung\u201c zu verstehen (135). Dankbar nimmt der Leser den Exkurs zur j\u00fcdischen und christlichen Wirkungsgeschichte des Verses wahr (140\u2013143). In der ausf\u00fchrlichen Theophaniebeschreibung Hab 3 sieht Jeremias etliche Bez\u00fcge zu Hab 2, aber auch eine Eschatologisierung der gesamten prophetischen Botschaft. Dass das eigentliche Gebet (3,2 in Rahmung mit 3,16\u201319a) demgegen\u00fcber knapp ausf\u00e4llt, bezeichnet Jeremias als \u201eMissverh\u00e4ltnis\u201c, das er mit der \u00dcbernahme der Vorlage durch die \u00dcberlieferer erkl\u00e4rt (199). Die stilistischen Unterschiede (3,3\u20137 Bericht-Stil in der 3. Person mit vorwiegend geschichtlichen Bez\u00fcgen, 3,8\u201315 Anrede in der 2. Person mit mythischen Elementen, 3,16\u201319a Bericht-Stil in der 1. Person) w\u00fcrden sich durch unterschiedliche Vorlagen ergeben (211). Auf der anderen Seite seien beide Theophanie-Abschnitte vielf\u00e4ltig aufeinander bezogen (212).<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist dem Verfasser zu danken, ein ungew\u00f6hnliches Prophetenbuch kundig und konzentriert kommentiert und in den Fokus ger\u00fcckt zu haben zu haben, ohne sich in Nebendiskussionen zu verlieren. Das Habakukbuch hebt sich durch seinen autobiografischen Stil, die ungew\u00f6hnliche Kombination von Formen und ganz eigene theologische Schwerpunkte von den \u00fcbrigen Schriftpropheten ab. \u201eMinor prophet\u201c bedeutet nicht unbedingt \u201eminor profit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Walter Hilbrands ist Dozent f\u00fcr Altes Testament und Dekan an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>J\u00f6rg Jeremias: Habakuk, BKAT, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2022, geb., 279\u00a0S. \u20ac 75,\u2013, ISBN 978-3-525-50360-7 In seinem Kommentar in der<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":1624,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-1623","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1623","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1623"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1623\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1625,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1623\/revisions\/1625"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1623"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1623"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1623"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}